54. Jahrgang.
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180 .
BerlagS-Fernsprecher No. 2958 .
Dsrmerslas, den 19. April.
Nedaktions-Fernfpreche« Nr. 52.
1906.
Morgen - Ausgabe.
1. Matt. _
teinMpits der liberalen!!arteten in©|!peu|en.
Standpunkte des bestgemeinten Interesses des „^^alismus har es keine erfreulichere Osterbotschaft können, als sie die Nachricht von der Verständigung V. "beralen Parteien in Ostpreußen für die nächsten „^Astagwahlen bildete. Freilich handelt es sich zu- nur um einen Anfang und einen ersten Schockt in C*?' erri Wege, den zu betreten man sich vielleicht auch En^sorüdeurschland früher hätte entschließen sollen. Jit s^"oeutschland hat inan sich bereits im vorigen Jahre ^Zusammenhang mit der Wahlbewegung in Bayern ji't M Baden entschlossen, sich gegenwärtig zu halten.
die Unterschiede, die im Temperament und, um ein f(1 ?" Bismarcks zu gebrauchen, im Lederzeug der libe- ^ En Parteien bestehen und nach wie vor bestehen wer- M ^ ini Laufe der Jahre erheblicher abgeschwächt s^EN als die Gegensätze, die zwischen liberalen und ver- ^ Edenen anderen Prinzipien und Idealen dann immer stz. "er hervortreten und sich geltend machen müssen, es sich auf sozialwirtschaftlichem Gebiete wie auf der Schule darum handelt, Überzeugungen zur An- ^ fUnung zu bringen, die kein leerer Wahn sind, die sich !dim Ehr im Zusanimenhang mit der neuzeitlichen Ent- i>;^Ung unseres öffentlichen Lebens eher befestigt haben iu verblassen vermochten.
j^sir können nicht vorwärts kommen, weder in natio-
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j^Ntten, die uns Erleichterung und Verminderung von
h, Eren und äußeren Reibungen bringen sollen, nicht hin- kommen und nicht einsehen wollen, wie die Haupt- äe für £, m Stimmenzuwachs in der Sozialdemokratie plastischen Wirkung der Art zu suchen ist, wie bei hf? .diel zu viel nach veralteten Rezepten ins kleine regiert wird. Man darf einzelnen der jetzt im befindlichen Minister das Zeugnis nicht versagen, ti “ ne längst einsehen, wie das Festhalten an- Tradi- Reminiszenzen und Schemas, die aus der Zeit js? Polizeistaats herrühren, das Umgekehrte von dem was uns vor allem nottut. Wenn sich Herr Delbrück fi P ;. en küe Vielregiererei vorn grünen Tisch wandte, wenn Bethmann-Hollweg sich für stärkere Entwicklung gp Selbstverwaltung stark machte, und wenn von beiden tz^nten Herren verschiedentlich auf das Unnütze und ty^rtternde der Ahndung von kleinen Vergehen hinge- ^>en wurde, und zwar in Übereinstimmung mit dem n Uten Bülow, der sich als ein abgesagter Feind der h.,^"chea Politik der Nadelstiche wiederholt bekannt Wst- das eine Bürgschaft für den Liberalismus, daß ^ -Wind oben ganz anders als reaktionär zu wehen vcr- lvenn auch aus dem Parlament heraus der nötige '^wdruck und die gegebenenfalls erwünschte, ja erforder
ter noch in einzelstaatlicher Beziehung, wenn wir über °che Rückständigkeiten in der Beurteilung von
liche Deckung sich nicht vermissen läßt. In welchem Maße die Konservativen in Ostpreußen abgeneigt sind, mit ihren hergebrachten, aber veralteten Traditionen kurzerhand zu brechen, das ist aus keinem der Vorgänge der letzten Zeit klarer zutagegetreten als aus ihrer wiederholten, geradezu feindlichen Stellungnahme gegen die Sozialpolitik der verbündeten Regierung. Dabei ist doch auch von konservativer Seite zugegeben worden, daß der mit den neuen Handelsverträgen eingetretene erhöhte Schutz der heimischen Landwirtschaft nicht zum wenigsten auch mit Rücksicht darauf von der Regierung gefordert und durchgeführt worden ist, um den Agrariern die Möglichkeit zu bieten, ihren Arbeitern das Maß von Fürsorge zuzuwenden, auf das diese einen begründeten Anspruch haben. Die Erwerbsverhältnisse in der Industrie liegen gewiß anders als bei der Landwirtschaft. Die Industrie vermag die Unkosten der sozialpolitischen Gesetzgebung leichter abzuwälzen, als es der Landwirtschaft möglich ist. Nichtsdestoweniger wird auch diese sich einer gesteigerten Fürsorge nicht länger entziehen können, wenn sie nicht die Landflucht begünstigen will.
Die Rechnungen, die die Herren Grafen Kanitz und Mirbach aufzumachen nicht müde geworden sind, um nachzuweisen, was alles für die Landarbeiter geschehen sei, genügen nicht, um die Leute zu veranlassen, im Lande zu bleiben.
Um das Zurückbleiben der Verhältnisse in den kleineren Städten und auf dem Platten Lande zu vermindern, empfahl schon der Ministm des Innern Graf Fritz Eulenburg Ausdehnung der Segnungen des Verkehrs, und nicht in letzter Lirne des Geldverkehrs, auf das Land. Er stieß bei den Konservativen in diesem Punkte auf wenig Gegenliebe, was bei ihrer notorischen Feindschaft gegen Handel und Börse nicht wundernehmen kann.
Die Liberalen haben gerade in Ostpreußen Anlaß genug, die Punkte zu unterstreichen, in bezug auf die sie einig sein dürfen. Sie können aber nur dann erwarten, daß ihre Einigkeit von Dauer sei wird zugleich auch vorbildlich für die Liberalen im übrigen Reiche werde, wenn sie vom Zentrum lernen, das einigende Moment über das trennende zu stellen. Und es hat noch niemand ver- unchrt, vom Gegner zu lernen.
Gin fachmiinnMes Weil übet DeiiM-GaWa.
Ein sehr ungünstiges Urteil über Deutsch-Ostafrika, wie anch über die benachbarten portugiesischen, kongolesischen und britischen Gebiete füllt ein zentralafrikanischer Pflanzer in der „Weserztg.", einem Blatte, dem man Voreingenommenheit gegen unsere Kolonien gewiß nicht vorwerfen kann. Er führt aus, daß das Hauptgeschäft der Europäer, der Export von Elfenbein und Kautschuk und der Import von Erzeugnissen der Baumwolleninöustrie, sich in letzter Zeit immer weniger lohnend gestaltet hat. „Elfenbein und Kautschuk werden seltener und ihre Beschaffung kostspieliger, ohne daß der europäische Markt wesentliche Preissteigerungen notiert. Die Aufnahme
fähigkeit des Landes für europäische Waren hat ihren Höhepunkt erreicht, da die Eingeborenen keine Zahlungsmittel mehr besitzen. Ihre Kaufkraft ist erschöpft, ihre Arbeitskraft geben sie nur unwillig her. Für ge-i regelte, gründliche und sorgfältige Feldarbeit sind sie überhaupt nur wenig brauchbar". An die Rentabilität von Eisenbahnen glaubt der Gewährsmann der „Weserzeitung" nicht wegen des geringen Warenaustausches.) Nützlich wären dagegen gefestigte, wohl unterhaltene Wege, auf denen namentlich ein Verkehr mit Automobilen hergestellt werden könnte. Betreffs der angcb, lichen Ertragsfähigkeit der Goldminen, meint der Pflanzer, werde ein Humbug getrieben, „der auch von den ältesten Amerikanern nicht überboten werden kann." Da-, gegen könnte die Ausbeutung von Kupfer- und Zinn-' gruben sich lohnend gestalten. Auch Eisen sei reichlich' vorhanden, so daß eine Eisenindustrie wohl geschaffen werden könne. Daran habe aber vorläufig niemand ein Interesse, da naturgemäß sich die heimische Industrie keine Konkurrenz schaffen will, aus demselben Grunds hätten auch allerlei andere Industriezweige keine Aussicht auf Erfolg.
Unter diesen Umständen hält der Pflanzer allein die Schaffung von Plantagen für möglich. Man dürfe aber keine kleinen Farmen, die etwa europäischen Bauernwirtschaften entsprechen, einrichten, da die klimatischen Vorbedingungen hierzu nicht vorhanden seien. Ferner, aber erklärt der Verfasser des Artikels, daß auch für diel Plantagenwirtschaft die Verhältnisse bedeutend ungünstiger liegen als unter denselben Breitengraden in Amerika. Insbesondere bezeichnet er es als verhängnisvoll für die Agrikultur in Afrika, daß der innere Kontinent, von Süden nach Norden fortschreitend, allgemein austrockne. Es sei auch nicht möglich, in sieben fetten Jahren Getreide als Futter für Menschen und) Vieh für kommende magere Jahre zu speichern, da sich' heutzutage Getreide im tropischen Afrika der vielech Schädlinge wegen nur wenige Monate, kaum von eütes; Ernte bis zur nächsten Aussaat konservieren lasse. Die Kunst, das Regenwasser zu leiten und zu sammeln, werde unter europäischem Regime nicht mehr geübt und die viel gerühmten artesischen Brunnen könnten ernstlich nur als gelegentliche und vorübergehende Notbehelfe betrachtet werden. Der Pflanzer sieht also einen Plantagenbau auch nur als möglich an in den Tälern der. Unterläufe der Flüsse, also in der Nähe der Küste. Aber auch hier seien viele langwierige und kostspielige Vorbereitungen nötig, um Tropenkrankheiten zu vermeiden und das Wasser der Flüsse für die Ansiedlungen nutzbar zu machen. Der Gewährsmann der „Weserzeitung" geht dann näher auf die Vorbedingungen für den Plantagenban in den genannten engen Grenzen ein und weist nach, daß eine solche Plantage ein Anlagekapital von nichts unter hunderttausend Mark erfordere, wobei erst mit dem vierten Jahre auf Überschüsse zu rechnen sei.
Das ist ein sehr trübes Prognostikon, das hier von einem Kenner Mittelafrikas der Zukunft Dcntsch-Ost- afrikas und auch anderer afrikanischer Kolonien gestellt wird. Sollte der Herr Recht haben — und man wirst
Feuilleton.
8«b MMrigc AM» der Mrsklrtze.
O . S« diesen Tagen, in denen Rom, wie alljährlich, W fremden überflutet ist, die der feierlichen Begehung E, Dsterfestcs in der heiligen Stadt selbst beiwohnen
P, ^en, in denen Tausende von Menschen sich in die si fErskirche drängten, um in dem gewaltigen Raum dre Iji:,, Botschaft von der Auferstehung verkünden zu i^En, ist es von besonderem Interesse, daran zu er- si "Ern, daß am 18 April genau 400 Jahre vergangen
seit der Grundstein zu der Peterskirche tu in ^ jetzigen Gestalt gelegt wurde. Dieses Datum ?^?urch tzie eingehenden Forschungen von Pastor und jetzt völlig sichergestellt. Ein Brief von Papst II., hex im Geheimen Archiv des Vatikans aus- * wird, stellt den Tag der Grundsteinlegung fest, ^ Zeremonie, die er „so Gott will eigenhändig" in der Apostelfürsten geweihten Basilika vollziehen wird: Pei 18- April 1506, Sonnabend in albis". Die alte ^rerskirche, deren Gründung von Ser Tradition dem aus . Un zugeschriebcn wird, war zum großen Teil vielfach zusammengerafftem Material heidnischer in Rom sehr- eilfertig erbaut worden. So die ehrwürdige Kirche mit ihrem Schatz von Erinnerungen und dem reichen Schmuck an vp. .••“Mujcn Mosaiken und Malereien schon lange vor ly. Zeit Julius II. zu verfallen drohte. Im 15. Jahr- ^O°Ert beauftragte Papst Nikolaus V. die Architekten dp^EUmi und Leon Battista mit der Wiederherstellung ll»iaber nach seinem Tode geriet dieser Plan in Vergessenheit, und erst Julius II. kam wieder bstt » öurück, mn nun den Neubau der Peterskirche stc,s> Er Energie und allen erdenklichen Mitteln zu bc- Es ist bekannt, daß er dem Entwurf stes Bra-
mante den Vorzug gab. den dann später unter Paul III. Michelangelo in genialer Weise umformte. In der neuen Kirche wollte der ehrgeizige Papst in dem großen Julius-Grabe, dessen Ausführung er Michelangelo übertrug, seine Taten verherrlicht sehen, ein Plan, der bekanntlich niemals verwirklicht werden sollte. Jedenfalls aber war er es, dessen Initiative der Neubau der Peterskirche zu verdanken ist. Am 18. April 1506 wurde tatsächlich zu einem der vier großen Pfeiler der Kirche, dem auch von Goethe bewunderten „Veronika-Pfeiler", der erste Stein gelegt. Die Aufzeichnungen von päpstlichen Zercmvnienmeistern jener Zeit, die im Archiv des Vatikans aufbewahrt sind, geben eine genaue Schilderung dieser Zeremonie, deren 400jähriges Jubiläum heute begangen werden kann.
Der Papst, dem das Kreuz vorangetragcn wurde, begab sich in Begleitung der Karöinäle und Prälaten zu der 25 Fuß tiefen Ausschachtung der Fundamente des Baues. Mit zwei Kardinälen-Diakonen, einigen Maurern und noch wenigen Auserwahlten stieg der Papst selbst dort hinunter. Für die Feier der Grundsteinlegung waren Medaillen, wahrscheinlich von Caradossi, geprägt worden, die auf einer Seite das Bildnis des Papstes trugen und auf der anderen Seite eine Abbildung der neuen Basilika nach dem Plan des Brgmante. Ein Tongefäß, das 12 dieser Erinnerungsmedaillen iu Gold und viele andere in Bronze enthielt, wurde in die Vertiefung gestellt. Der Grundstein aus weißem Marmor, der vier Spannen lang, zwei breit und drei Finger dick war, trug die Inschrift: „Papst Julius II. aus Sigu- rien hat im Jahre 1606 im dritten Jahr seiner Regierung diese im Verfall begriffene Basilika wieder erbauen lassen." Der Papst segnete den Stein und setzte ihn selbst ein, während die Maurer das Gefäß mit den Münzen hinstellten; darauf erteilte er über dem Ort, an dem er den Grundstein nieüergelegt hatte, den Segen und den Sünüenerlatz. Dann nach einem feierlichen Gebet
vor dem Kreuz kehrte Julius II. in den Vatikan zurück.; Im folgenden Jahre, am 16. April, legte der Erzbischof von Tarent, Enrico Brani, im Namen desselben Papstes sten ersten Stein zu den drei anderen Pfeilern, die mit) dem Veronika-Pfeiler die Kuppel stützen sollten. Die Schnelligkeit, mit der Bramante die vier großen Stützen des gewaltigen Tempels im Zeitraum eines Jahres in die Höhe zu führen begann, führte zu mancherlei Protesten und scharfer Kritik. Es war wirklich, als ob Vra- mante voraussah, daß er das Werk, dessen Plan er entworfen hatte, nicht mehr selbst vollendet sehen sollte. Daher scheute er kein Mittel, sich die Materialien zu verschaffen und ritz historisch wertvolle Denkmäler schonungslos nieder. Aber mit dem Tode Bramantes, auch infolge der ungünstigen politischen Verhältnisse, geriet der Bau ins Stocken. Ein neuer Aufschwung trat nach vielen Schwankungen ein unter Sixtus V. Interessant ist die Gezmuigkeit, mit der seitdem in den päpstlichen Hauptbüchern oder Kapitel-Archiven des Vatikans die Summen verzeichnet werden, die der päpstliche Stuhl im Laufe der Zeit für den Bau von St. Peter verausgabte.
Einige dieser für die Baugeschichte von St. Peter wertvollen Notizen werden von Virginio Prinzivallij der das Archiv des Vatikans daraufhin untersucht hat, im „Giornale ö'Jtalia" mitgeteilt. Es ließe sich die ganze Baugeschichte der Peterskirche Jahr für Jahr daraus rekonstruieren. Etwa Ende des Jahres wurde eins Art Bilanz gezogen, in der mit mathematischer Genauigkeit die Zahlungsanweisungen und die ausgesetztcn Summen sich aitsglichen. In den Archiven der Peterskirche befindet sich eine interessante Sammlung von Notizen, die eine Art Register zu Dokumenten über die Ausgaben bildet, darunter z. B. vom Jahre 1688 folgende Aufzeichnung: „9. Dezember. Zahlungsbefehl von Maestro Tommaso aus St. Geminiano, Zimmermann, 2 Taler für Rechnung der Kuppel nach der Zeichnung
