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s#. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe«. — Bezugs-Preis: durch den Verlag Sw Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. S« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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N». uv.

Berlags-Fernsprecher N». 2958.

Mittwoch, den 7. M«rz.

Rebaktions-Fcrnsprecher No. 52.

1906.

Morgen - Kusgabe.

1. Wlatt.

NlllltWe VklislöllSversllheMS der UmülbeMen.

Die Bewegung unter den Privatbeamtcn zugunsten einer staatlichen Zwangsversicherung hat zur Vereini­gung aller demselben Ziele zustrebenden Verbände der Privatbeamten in deren Hauptausschuß geführt: der­

selbe verfolgt seither mit großem Geschick die Ange­legenheit und hat vor allen Dingen in die beteiligten Kreise selbst Klarheit über die Forderungen gebracht und eine vollständige Übereinstimmung der Interessen­ten herbeigeführt. Die Wünsche der Privatbeamten gehen nun dahin, daß für die obligatorische Alters-, Jn- validitäts- und Hintsrbliebenen-Versicherung der Privat­angestellten eine besondere Kasseneinrichtung gemäß 8 10 des Jnvaliden-Versicherungsgesetzes geschaffen werden soll, der beizutreten obligatorisch alle Privatangestellte ohne Unterschied des Gehaltes verpflichtet sein sollen.

Daneben soll die Kasseneinrichtung aber auch die freiwillige Versicherung ermöglichen für kaufmännische Agenten, Bücherrevisoren, nicht festangestellte Buch­halter, Lehrer, die ohne fest angestellt zu sein, wissen­schaftlichen oder künstlerischen Unterricht erteilen, Musik- lehrer, Sprachlehrer, Repetitoren, Privatgelehrte, Schriftsteller usw., sofern sie das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Bezüglich der Beitragsleistung sollen die Mitglieder je nach dem Gehalt in 5 Klassen geteilt werden.

Die Beiträge sollen von den Privatangestellten und Prinzipalen zu gleichen Teilen getragen werden. In­wieweit die Arbeitgeber mit dieser Forderung sich be­freunden werden, ist noch nicht zu übersehen, denn man darf sich nicht verhehlen, daß die Beiträge, soll die Kassen­einrichtung ihren Zweck erfüllen, nicht sehr niedrige sein werden: unter Umständen also für einzelne Betriebe eine nicht unerhebliche Mehrbelastung darstellen dürften.

Die Frage des zu den Renten zu gewährenden Reichs­zuschusses (60 Mark in. dem gegenwärtigen Gesetz) ver­ursacht manche Schwierigkeit, denn es kann doch nicht angängig erscheinen, daß das Reich einen Zuschuß gewährt an Rentenempfänger, die selbst in der Lage wären, für sich und ihre Familie in auskömmlicher Weise zu sorgen.

Es darf daher als ein wesentliches Moment zur Er­reichung des gesteckten Zieles betrachtet werden, daß der Hauptausschuß die Gewährung des Reichszuschusses von 50 Mark nur verlangt für jede von der besonderen Kasseneinrichtung im Rahmen des gegenwärtigen Jn-

validen-Versicherungsaesetzes zu gewährende Rente; da­mit dürfte eine der Hauptschwierigkciten aus dem Wege geräumt sein.

Als Gegenstand der Versicherung werden gewünscht: für den Versicherten der Anspruch auf Gewährung einer Invaliden- bezw. Altersrente.

Die Invalidenrente erhält der Versicherte nach Maß­gabe des bestehenden Jnvalidenversicherungsgesetzes; natürlich werden die Renten an sich infolge der höheren Beitragsleistungen auch höhere sein als die des bestehen­den Gesetzes.

Altersrente erhält, ohne daß es des Nachweises der Erwerbsunfähigkeit bedürfte, derjenige. Versicherte, der das 60. Lebensjahr vollendet hat. Ob dieser Wunsch der Privatbeamten in Erfüllung gehen wird, wagen wir stark zu bezweifeln. Gewiß sind auch wir. der Auf­fassung, daß die kortaesetzte. meist doch geistige Arbeit der Vrivatbeamten die Kräfte viel rascher verbraucht, als das bei dem Handarbeiter der Fall ist: andererseits aber darf man sich doch auch nicht verhehlen, daß eine Herabsetzung der Altersrente auf das 60. Jahr die An­sammlung eines Fonds verlangt, der nur mit außer­gewöhnlich hohen Beiträgen geschaffen werden könnte, was unseres Erachtens vielfach an der Leistungsfähig­keit des Versicherten scheitern müßte.

Des weiteren soll Gegenstand der Versicherung sem, für die hinterlassene Witwe und die Waisen eine Witwen­rente beziehungsweise ein Erziehungsbeitrag für dre Waisen. Mit dieser Forderung gehen die Wünsche über das bestehende Jnvaliditätsgesetz hinaus, das bekannt­lich gegenwärtig eine derartige Reliktenversorgung noch nicht kennt, mit dem Jahre 1910 aber durch die lex Trimborn auch diese Einrichtung schaffen wird.

In bezug auf Krankenrenten, Übernahme des Heil­verfahrens usw. sollen die Bestimniungen des Jnvalidi- tätsgesetzes sinngemäße Anwendung finden.

Wenn die Regierung sich seither jeder weiteren Aus­dehnung der Versicherungspflicht bei Alter und Invali­dität ablehnend verhalten hat, so war diese ihre Haltung in der vorliegenden Frage um so mehr erklärlich durch den Umstand, daß die Wünsche der Privatbeamten nicht nur auf eine Alters- und Invalidenversicherung, sondern vor allen Dingen auf die Reliktenversorgung abzielten, die Unterlagen für ein so bedeutungsvolles Werk der Gesetzgebung aber nicht vorhanden waren. Diese Unter­lagen sind aber nun beschafft worden durch die Privat­enquete, die seinerzeit veranstaltet worden ist und deren Resultat gegenwärtig im Reichsamt des Innern zu einer Denkschrift über die ganze Materie verarbeitet wird. Es unterliegt keiner Frage, daß die Regierung den For­

derungen der Privatbeamten nicht mehr fo ablehnend gegenübersteht, wie das früher der Fall gewesen ist, so» daß zu erwarten steht, daß mit Unterstützung des Parla­ments, das sich bereits mehrfach zustimmend geäußert hat, in absehbarer Zeit den Wünschen der Privatbeamten nach einer besseren Ausgestaltung der Jnvaliditäts-, Alters- und Reliktenversorgung Rechnung getragen wer­den wird.

Politische Übersicht.

Das Schulgesetz und die Nativnalliberalen.

Ten Nationalliberalen im Lande, die etwa infolge der Beschwichtigungserklärungen der Parteileitung sich der Illusion hingegeben haben sollten, daß die Parier in der Kommission, der das Volksschulunterhaltungs­gesetz zu weiteren Verhandlungen überwiesen worden ist, sich ernstlich bemühen werde, der Vorlage wenigstens die schlimmsten Giftzähne auszubrechen, dürfte der bis­herige Verlauf der Kommissionsverhandlungen_ eine schmerzliche Enttäuschung bereitet haben. Die national- liberalen Kommissionsmitglieder haben sich nur auf sehr laue Proteste beschränkt, im übrigen aber „positiv" mit­gearbeitet an einem Zustandekommen des reaktionären Gesetzes. In der „Saale-Ztg." wird — wie wir zu wissen glauben — von einem volksparteilichen Abgeord­neten, der zugleich mit einem hervorragenden Mitglied der nationalliberalen Landtagsfraktion im Kompromiß der liberalen Parteien gewählt worden ist, das Ver­halten der Nationalliberalen in der Kommission folgen­dermaßen geschildert: „Der Gang der Kommissionsver. Handlungen hat gezeigt, daß eine Ü b e r e i n st i m - mung zwischen den Anschauungen der Nationalliberalen fm Lande und ihren Fraktionsgenossen in der Kommission nicht mehr vorhanden i st. Bei kaum einem Punkt, der im Lande zu erregter Kritik Anlaß gegeben hatre, hat die Fraktion den geäußerten Bedenken Rech­nung getragen. Die schließliche Annahme der Vorlage wird immer mehr zur Gewißheit. Die' Lage für die fortschrittliche Entwicklung der Volksschule ist hoff­nungslos. Der schwärzeste Pessimismus ist berechtigt." Das Verhalten der Nationallibcralcn in der Schulfrage bildet, so schreibt das „Hamb. Fremdenblatt", allerdings für die Parteigenossen im Lande nicht die einzige Ent­täuschung. Auch bei der Behandlung des Falles Römer im Abgeordnetenhause hätte man ein größeres Maß von Entschiedenheit gewünscht. Herr v. Eynern ist aller­dings von diesem Vorwurf auszuuehmcn, dessen tempe-

FemL!§ton.

(Nachdruck verboten.)

Zrühjahrs-Moden.

Berlin, 1. März 1906.

Eine so lauge Gesellschaftssaison wie die diesjährige haben wir noch kaum gehabt. Ganz abnorm früh begann sie, und die späte Fastnacht machte ihr noch keineswegs ein Ende. Es ist, als ob die Menschheit sich gar nicht genug tun könnte an Vergnügungen aller Art, und es ist eigentlich zu verwundern, daß doch so merkwürdig wenig wirkliches Amüsement dabei herauskommt. Aber das ist ja eine so alte Klage, daß man sie lieber schon gar nicht mehr wiederholt und nur froh ist, daß die Sache bald ein Ende hat. Freilich nur die ganz großen Feste sind eigentlich zu Ende, die kleineren dauern fort, und seufzend wird noch manche Toilette geschneidert, deren Glanz der Neuheit gerade für solche kleineren Feste viel notwendiger ist als bei den Massenveranstaltungen, be, denen man auch in einem sanierten Kleide noch durch­schlüpft. In den Ateliers wird heftig für die Frühiahrs- saison gearbeitet und in den Schaufenstern stehen sogar schon die neuen Frühjahrshüte zur Schau, die sich frei­lich von den Winterkvpfbedeckungen wenig unterscheiden. Die Hüte werden kleiner und noch kecker, sie sind alle hoch aufgeschlagen, phantastisch gebogen und viel mit blauen, rotblaucn, überhaupt recht unnatürlich gefärbten Roscntuffs garniert. Als Übergangshut wird der Stroh­hut mit vielen Tüllkokarden verziert, inAnbetracht seines Zweckes eine recht unsolide und unpraktische Garnitur. Ein einziger Regentag vernichtet die ganze weihe, creme oder blaue Herrlichkeit. Auch viel ganz schwarze Hute sicht man, viel dreieckig ausgebogcne, mehr breite als lange Toqucs und sehr viel an einer Sette sehr hoch­geschlagene, an der anderen tief heruntergehcndc Formen, die sich dem Künstlerbarett nähern. Die Federn werden wenig gekraust und nicken sehr kühn von dem höchsten Rande der koketten Dinger herab.

Etwas ganz Neues sieht man in den Hutformcn überhaupt nicht. Die Mode, die sich in den letzten zwei Jahren völlig geändert hat, entwickelt sich jetzt ganz nor­maler Weise. Wie groß diese Änderung ist, bas merkt

man, wenn man einmal ein Modeblatt aus. dem Jahre 1903 betrachtet. Damals alles glatt, stramm, sestanliegend, jetzt lose, flatternd, faltig. Und unser Auge, unser Ge­fühl hat sich schon völlig an diese Änderung gewöhnt. Wir finden dieses Faltige, Lose, Weiche jetzt ebenso schön, wie wir damals das Glatte, Enge, Stramme fanden.

Fig. 1. Sig. 2.

Die Geheimnisse der Ateliers sind zwar offiziell noch mit einem dichten Schleier umgeben, der sich nur für einige Bevorzugte lüftet. Im Grunde ist er aber auch wirklich nicht notwendig, denn auch hier gibt es was ab­solut Neues nicht. Auch in diesem Frühjahr wird leich­tes Tuch modern bleiben und das Vornehmste sein, dazu die gewöhnlichen englischen Stoffe und als Mode-Favorit das schwarz-weiße Karo in einer kräftigen, Tartan ge­nannten „englischen" Ausführung (das aber wahrschein­lich meistens auf deutschen Webstühlen das Licht der Welt erblickt hat). Diese schwarz-weiß karierten Kleider wer­

i

den für das Frühjahr sehr beliebt sein, und mit Recht. Sie sind außerordentlich praktisch, jedenfalls praktischer als das immer etwas diffizile Tuchkleid und außerdem noch recht kleidsam.

Mit der Rockform geht's sonderbar. Der fußfreie Rock ist vollkommeu akzeptiert worden, aber — nur für die Straße, für Besorgungen und für Promenaden. So­bald mau ein Haus betritt, einen Besuch macht, kommt doch wieder das lange Kleid zur Geltung, nicht mehr mit einer Schleppe, aber doch immerhin so lang, daß es den Boden streift und darum die Vorzüge des futzfreien Nockes völlig illusorisch macht.

Die Mode ist einmal eine kapriziöse Dame. Sie kümmert sich nicht darum, was praktisch ist, sondern nur um das, was ihr im Moment gefällt. Und so sind die Bcsuchskleider des Frühjahrs, die Kleider, die man nicht nur glattweg auf der Straße trägt, niemals futzfrei. Die für den Hochsommer vorgesehenen, ganz leichten Kleider sind alle noch lang. Es scheint, als ob die Modistinnen auf einen besonders schönen, warmen und klaren Sommer rechneten, denn niemals hat man eine solche Auswahl leichter, klarer, luftig gemusterter Stoffe gesehen als dies Jahr. Aber davon soll man ja eigent­lich noch nicht reden, vorläufig ist cs doch noch recht winterlich, und sogar die Frühjahrskleidcr scheinen einem noch ziemlich deplaziert, wenn's draußen noch so emp­findlich kühl ist wie in diesen Tagen. Man wird sehr viele lose, dreiviertellange Mäntel als Umhüllen tragen mit einem Achselstück, dem der Mantelkörper sehr faltig angesetzt ist. Die Empircform hat sich durchgerungen, das Taillenjackett wird eigentlich nur dem Kostüm Vor­behalten sein, und man kann heute noch nicht entscheiden, was die bevorzugte Form dafür werden wird.

Wir schildern unseren Leserinnen zwei Kostüme, die an warmen Tagen ohne Mantel, an kühleren mit einem losen Mantel getragen werden können.

Eine sehr hübsche Toilette in schwarz-weiß, die reich mit schwarzen geflochtenen Borten geputzt war, sah ich in einem Atelier ihrer Vollendung entgegengehen. (Figur 1.) Der vorn glatte, hinten sehr faltig cinge- zogene Rock hatte drei große Volants, die sehr flach auf­gesetzt waren, so daß das Ganze eigentlich wie ein drei, jacher Rock wirkte. Der Rock selbst schloß stark handbreit über dem Knie ab, darunter kamen.in angemessenen Ab-