Einzelbild herunterladen
 

I

I

Anzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für lokale » 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 a Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden öl für auswärts 1 Mk.

Verlag: Langgaffe 27.

22,000 Abonnenten.

s«. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezngs-PreiS: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. S« Pfg. vierteljährlich für beide

Ausgaben zusammen.

<1 _ °X «tooltHtn für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags, für die Morgen »Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags

erscheinenden Ausgabe, wie für die Anzeigen-Aufnahme an bestimmt vorgeschncbcnen Tagen wird kein

»' ' .. . ' I 1 " 1111 '. . " I . . ..."""

mumv. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächst»

keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

N». 9«.

VerlagSFernsprecher No. 2968.

Dienst««, den 37. Fedenae.

R edaktions^ernfprecher Ro. 62.

isv«.

Morgen - Ausgabe.

_ 1. Matt.

Zur Schulfrage.

Alls Leserkreisen wird uns geschrieben:

In Nr. 90 desWiesbad. Tagblatts" waren neben einigen Petitionen, welche Jrie Erhaltung bezw. Aus­dehnung der Simultanschutc fordern, eine lange Reihe solcher rufgezählt, die Einführung der Konfessionsschule beantragten. Wer die nassauischen Verhältnisse in kirch­licher Beziehung kennt, weiß, wer die Veranlassung zu den letzteren ist und wird sie darum richtig^ das heißt nicht besonders hoch, einschätzen. Das Landvolk ist viel zu träge und besitzt viel zu wenig Verständnis für diese für Deutschlands Kulturentwickelung so wichtige Lebens­frage, als daß es aus eigenem Antrieb sich rühren sollte. Die einzigen, die es aufklären und ihnen das Verständ­nis öffnen könnten, sind die Lehrer, und die dürfen nicht, wenigstens würde es der einzelne zu bereuen haben. Sie schweigen, aber es ist kein Einverständnis mit dem Ge­setz, es ist eine dumpfe Apathie, eine Niederdrücken de Hoff­nungslosigkeit. Der Schlag ist auch zu hart. Jahrzehnte­lang haben sie gekämpft für Freiheit und Licht in der Schule, für das Recht, die menschlichen Ideale frei der Jugend einprägen zu dürfen, dieselbe begeistern zu können für alles Wahre und Edle; nicht mehr durch eng­herzigsten Dogmenkram und rücksichtslose Herrschsucht und urteilslose Einseitigkeit überall gehemmt und ein- geschnürt zu werden; nicht mehr bloß ausgenutzt zu werden als Vorspann zur Erreichung einseitig kirchlicher Interessen und Bestrebungen; nicht mehr immer der Sündenbock sein zu müssen für alles übel, was sich in der menschlichen Gesellschaft zeigt. Und nun?Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht.« Wir hörten neulich einen Lehrer sagen, das Gesetz sei noch nicht kirchlich ge­nug, je schwärzer dasselbe, um so besser je schneller würden dem Volke die Augen aufgehen und damit das Ende der Kirchenherrschast hereinbrechen. Das ist ein böses Wort, aber wer weiß ein besseres? Die Lehrer stehen eben fassungslos dem ganzen Gesetzentwurf gegen­über, denn derselbe läßt sich durch nichts begründen. Daß die Geistlichen als Laien die Schulaufsicht bis jetzt auS- aeübt haben, ist doch kein Grund, daß die Schule der Kirche ausgeliefert wird. Als vor 100 bis 120 Jahren das Unterrichten noch ein Handwerk war, von alten Soldaten und herrschaftlichen Dienern betrieben, da konnte der Geistliche wohl die Schulaufsicht ausüben; nachdem aber Pädagogik und Methodik Wissenschaften ge­worden sind und das Unterrichten eine Kunst, dürfte er seinen Platz an der Schule nicht mehr ausfüllen, da ge­hören jetzt Fachleute hin. Das Wort vom geborenen Schulmanne zeugt doch nur von Hochmut, denn es wird doch niemand im Ernste glauben, daß jemand, der sich

Feuilleton.

Nachdruck Mrtoten.)

Köifertoge in Berlin.

Von Panl Lindenberg.

III.

Gala-Oper am Samstagabend! Draußen Sturm und Regen, die Straßen mit Pfützen bedeckt, daß die Passanten zu gewagtesten Akrobatensprüngen ge­zwungen wurden, drinnen in unserem Opernhanse Prunk und Glanz und Duft. DasAh!" der Über­raschung, welches diesmal viele beim Eintreten in den Zuschauerraum ansstießen, es war ein durchaus berech­tigtes. So schön und geschmackvoll, so anmutig und ge­wählt war noch niemals zuvor die Dekorierung ausge­fallen aus irgend einem mit unserem Herrscherhause in Verbindung stehenden festlichen Anlaß, wie bei diesem der silbernen Hochzeitsfeier des Kaiserpaares. Und jenes Silber" hatte den Grundton der Ausschmückung ange­geben. Wohin die Augen fielen, trafen sie auf blinkende silberne Gewinde, die in Blättern und Blüten und Blumen in künstlerischer Form überall angebracht waren inmitten der prangenden Girlanden und Festons von dunklen und lichten Nelken wie Rosen, die sich vom Parkett an bis zum obersten Rang in quellender Fülle um Säulen und Logenbrüstungen wanden und in zarten Gehängen sich auch um das Podium und den Kronen­leuchter, sowie um den purpurnen Baldachin der kaiser­lichen Mittelloge rankten wie um die große Königskrone über der letzteren, aus deren goldenen Reifen gleich ge- walttgen Diamanten elekttische Flammen glühten. Den Hintergrund dieser Loge füllten Lorbeerbäume mit silbernen Blüten und Früchten im dunklen Vlättergewirr aus, Hyazinthen verdeckten unten die Stämme und ver­breiteten ihren süßen Dust im ganzen Hause Köstliche orientalische seidene Teppiche hingen von den Balkons

nur höchst wenig mit der Unterrichtslehre befaßt hat und praktisch in der Volksschule fast nicht tätig ist, mehr vom Lehrerberuf verstände als der Lehrer selber.

Der Entivurs zeugt aber auch nicht von besonderem geschichtlichen Verständnis. Tie deutsche Geschichte lehrt, daß jede Stärkung der Kirche eine Schwächung der Staatsgewaltbedeutet und daß sich diejenigen deutschen Kaiser am meisten am Reich versündigten, welche aus kurzsichtigen Gesichtspunkten heraus die Macht des Klerus zu stärken suchten, um an ihm eine Stütze zu haben. Den besten Halt hatte . die kaiserliche Staatsgewalt immer an dem freien, kräftigen Bürgertum, und so wird es Wohl auch jetzt noch sein. Zu der Entwickelung des letzteren hat aber nicht zum wenig­sten die Volksschule beigetragen und darum haben unsere Gemeinden, vor allem die Städte, für ihre (schulen sehr große Aufwendungen gemacht Und das alles soll jetzt mit einem Federstrich gefährdet sein in seiner Entwicke­lung, dadurch, daß es der Kirche ausgeliefert wird? Für Menschen mit dem richtigen Verständnis geradezu un­faßbar!

Freilich an vielen Stellen herrscht große, geradezu alberne Furcht vor dem sogenanntenUmsturz" und von kirchlicher Seite erbietet man sich, denselben zu bekämpfen, wenn man mit den nötigen Machtmitteln ausgestattet wird. Hierzu' gehört vor allem unbeschränkte Herrschaft über die Schule und Lehrer. Das ist aber vielleicht eine große Selbsttäuschung, denn die Umstürzler haben sich dem Einfluß der Kirche entzogen und die Lehren der Schule werden im und durch das Leben einer unerbitt­lichen und unbestechlichen .Kritik unterzogen. Die Kirche' kann nach Lage der Verhältnisse keine Stütze des Throns sein, wohl aber der Thron eine Stütze des Altars. Es herrscht noch sehr viel Religion im Volke und daran hat die Schule den größten Anteil, wenn auch wenig Ver­ständnis für Dogmatik vorhanden ist., Nach allem müssen wir dieses Gesetz, falls es wirklich zustande kommt, für eine unermeßliche Gefahr für den Staat selbst ansehen und nicht minder für die Monarchie. Vielleicht kommt man zur Einsicht, che es zu spät ist; hier­zu muß jeder Preuße sein Teil beitragen, damit nicht der größte Schaden geschieht.

In derHilfe" äußert sich Pfarrer Naumann über die Frage: Mit dieser Lehrerschaft ein konfessionelles Schulsystem macften zu wollen, ist eine Heuchelei, die auf die Dauer den Wahrheitsgeist des ganzen Schulwesens ruinieren muß. Diese Lehrer sind in ihrer überwälti- g'l'dcn Mehrzahl nicht konfessionell. Das soll kein Lob sein und kein Tadel. Es ist nichts als die klare Aus­sprache einer Tatsache, die im Grunde von Freund und Feind nicht bezweifelt wird. Trotz hochkonfessioneller Seminare und ofsizieller Begünstigung des Kirchentums sind die meisten Lehrer nicht von der Wahrheit des Glaubenssystems durchdrungen, das sie in einer kon-

sämtlicher Ränge herab, das Ganze war eine erlesene Farbensinfonie von wundervollem Eindruck. Selbst der Vorhang zeigte ein ander Gesicht, zwischen Gruppen von Karyatiden sah man links das Berliner Schloß, rechts das Augustenbnrgcr, Genien umflatterten das von breitem Silbcrkranze umrahmte Allianzewappcn des Kaiserpaares.

Gleich dem äußeren Schmucke schien diesmal der Kreis der Eingeladenen noch erlesener wie sonst zu sein, wohl weil viele der landeingescsscnen fürstlichenFamilien zu den Festtagen nach Berlin gekommen. Im Parkett nur Herren, ein buntes Durcheinander von militärischen und höfischen Uniformen, bebändert und besternt. Durch­lauchten und Exzellenzen neben den Stabsoffizieren unserer Garde-Regimenter und den Reichstagsabgeord­neten, wie einzelnen Vertretern von Kunst, Wissenschaft und Literatur. In den Proszeniumslogcn unten die Ritter vom Schwarzen Aölerordcn und die Minister, in jenen oben die Botschafter mit ihren Damen, in ihrer Mitte Reichskanzler Fürst Bülow als Hufarcnoberst mit seiner Gemahlin, in den weiteren Logen des ersten Ranges die Gesandten unter ihnen auch jene Chinas, Japans, Siams mit ihren Gattinnen und die Damen des höchsten Adels, die Fürstinnen Stolberg, Arenberg, Radziwill, Hatzfeldt, Schönburg, Wied, Pleß, Solms und so fort, neben ihnen die Reichsgräfinnen Schafgottsch und Fugger, die Damen in ausgeschnittenen Roben mit funkelndster Demantenzier, im zweiten Rang die jüngeren Damen der Hofgesellschaft in hellen Gewan­dungen.

Bald nach acht Uhr erschien Herr v. H ü l s e n in der großen Hofloge und gab das kurze dreimalige Zeichen mit dem Zercmonienstabe, alles erhob sich und wandte sich der Loge zu, in welche als erstes Paar der Kaiser in der Uniform des ersten Garde-Regiments und die Kaiserin in türkisfarbiger, silbergcsticktcr Robe mit dem Orangebande des Schwarzen Adlerordens und Jurvelendiadern im Haar traten, sich an der Brüstung

fessionellen Schule lehren sollen. Mcht als ob die Mehr» zahl der Lehrer ungläubig wäre! Wer cmfgepaßt hat, als Tews, Wolgast, Otto, Pantsch und andere sprachen,, der zweifelt keinen Augenblick, daß die Pädagogen alle gern glauben möchten wie etwa Pestalozzi geglaubt hatz- durch die Tat um das Leben; aber Herzensinnerlichkeit bedeutet noch keineswegs Konfession. Man gestehe sich folgendes ruhig ein: alle diese Lehrer find verpflichtet, die biblischen Wundergeschichten der Jugend beizubringeii. Das hat einen Sinn bei denjenigen von ihnen, die diese Wunder wirklich glauben; aber bei allen denen, dieses' wissen, daß sie diese Geschichten nicht glauben, ist es eine Grausamkeit für Lehrer und Kinder. Und diese Grau» samkeit soll durch -den vorliegenden Entwurf nicht gemil» dert, sondern verstärkt werden. Das ist, religiös betrach-, tet, das gerade Unheimliche an dem, was jetzt in Preußen geschieht, daß nun in Zukunft noch offizieller geheuchelt werden rmiß als bisher. Wenn eine Regierung eure konfeisionelle Schule durchführen will, dann soll sie auch eine konfessionelle Lehrerschaft Herstellen. Das aber kann sie nicht. Einzelne konfessionell überzeugte Lehrer hat es immer geneben und wird es immer geben. Sie haben es gut; denn bei ihnen deckt sich Pflicht und Gewissen. Aber die anderen, die vielen, vielen anderen! Sind; denn das keine Menschen, vor deren Innenleben man Achtung haben muß? Man kann ohne sie nicht arbeiten und mit ihnen wird jene konfessionelle Schule zur Stätte persönlicher Wahrheitsverschleierung. Und nun werden die Eltern gezwungen, ihre Kinder in Schulen zu schicken, die mit einer solchen Krankheit rettungslos; behaftet sind!

Polttischr Übersicht.

Wir und die Ungarn.

Es kann nrcht "5ic''Nufgabe sein, von Deutschland aus den Führern der Koalition Ratschläge zu geben und ihnen vorzubalten, daß sie an den Grundlagen ihres Staatswesens rütteln, wenn sie unerfüllbare Forderim» gen bartnäckig festhalten. Sie werden wohl durchSchaderr klug werden und alsdann selber das sehen und einsehen, was sie sich von hier ans doch nicht werden sagen und zeigen lassen wollen. Dagegen bleibt es Pflicht wie Recht, den Heißspornen in Budapest warnend zuzurufen/ daß sie Deutschland gefälligst aus dem Spiel lassen und nicht immer wieder die törichte Unwahrheit aussprengen mögen, wir seien schuld an der Verschärfung der Krise, Es ist förmlich eine Legende im Bannkreise des magyari» scheu Chauvinismus geworden, die deutsche Politik der» antwortlich für den unheilvollen Gang der Ermgurssc zu machen Zuerst wurde die Lüge verbreitet. Kaiser Franz Josef habe in der Frage der Kommandosprache bereits nachgeben wollen, als ihm der Botschafter Graf Wedel den Rücken stärkte und vom reichsdeutschen Standpunkts

mmmmmmmmmmmrnmm_L_M_!_Uli

dreimal zu den Erschienenen verneigend; auch die hohe Frau war durch die herrliche Ausschmückung sichtlich überrascht und teilte dies dem freudig lächelnden Generalintendanten mit. Als zweites Paar sah man den Großherzog von Hessen mit seiner anmnten- dcn Gemahlin, dann Prinz und Prinzessin Heinrich, Prinz und Prinzessin Leopold, die Schwestern des Kaisers, Prinzessinnen Viktoria und Margarete, den Kronprinzen mit seinen Brüdern und seinem Schwesterchen, den Bruder der Kaiserin, Herzog Ernst Günther, und eine ganze Reihe weiterer Fürstlichkeiten.

Zu feierlichen Orgelklüngcn ertönte ein von Sänge­rinnen angestimmter Hymnus, dann setzte Meister Glucks erhabene Musik zuO r p h e u s und E u r y d i c e" ein, von welcher Oper der zweite Teil zur Aufführung ge» langte, der uns in drei Bildern die Szenen in de» Ge­filden der Seligen, in der Unterwelt und vor dem Tempel des Eros veranschaulicht. Das war volle, reine Kunst, die uns hier geboten ward, eine Reihe unvergeß­licher Eindrücke uns gewährend, in musikalischer Be­ziehung das Orchester stand unter Dr. Mucks sicherer Leitung wie in gesanglicher zumal Frl. D e st i n n als Eurydice und Frau Götze als Orpheus und szenischer. Von dekorativ-pocsievollster Schönheit waren dieGefilde der Seligen" mit den sich im Reigen drehenden Genien, von grandiosem Ernst die Wandcl- dekorationen der Unterwelt, von stimmungsreichster Pracht und Freudigkeit das letzte szenische Gemälde mit den stolz aufwachsendcu Tempelbanten, von denen die Göttlichen Herabstiegen, um den den eigenen Schrecknissen wie jenen des .Hades glücklich entronnenen Orpheus mit seiner holden Gefährtin zu begrüßen.

Äugen und Seele ganz erfüllend, zogen die drei Bilder ohne Panse an uns vorüber, in der Tat ein sel­tener künstlerischer Genuß. Nach dem Schluß der Vor­stellung begab sich das Kaiserpaar mit seinen Gästen in den Konzertsaal, an dessen Eingängen Schloß-

L