Einzelbild herunterladen
 

54. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-PreiS: durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post s Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgaffe 27.

An;eigcn-Preis:

Die einspaltige Petitzeile für, lokale Anzeigen 15 Psg., für auswärtige Anzerge» 25 Pfg. - Rctlamen die Petitzcrle für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

Abend-Ausgabe.

1. Matt.

das

Zur Srlüerhochjeil des Amserzmares.

Ein glückliches Familienfest, eine eigenartige und seltene Doppelfeier w-ivd morgen im deutschen Kaiser­hause begangen. Unser Kaiserpaar feiert das Jubelfest seiner silbernen Hochzeit, den Gedenk­tag fünfundKvanzigjährigen treuen Zusammen- ^haltend in Leid und in Freud. Und mit dieser schönen Feier zusammen fällt die Ver- mälllung des zweiten Sohnes unseres Kaiser paares, des P r i n z e n E i t e l F r i tz mit der 'Herzogin Sophie C h a r l o t t e v o n Olden- ib u r g. Es ist dies in kurzer Zeit das dritte glückliche Familienfest in unserem Kaiserhause,

Denn erst kurze Zeit ist vergangen, seit der älteste Sproß der kaiserlichen Familie, unser Kronprinz, eine mecklenburgische Prinzessin als seine Ge­mahlin in die Reichshauptstadt einführte.

Reiches Familienglück ist unserem Kaiserpaare jw-ie in den letzten Jahre so auch im Lause des Vierteljahrhunderts, auf das wir mit dem Kaiser- paare zusammen heute zurückblicken, zuteil ge­worden. Sechs Prinzen, von denen der älteste,

!unser Kronprinz, schon am 6. J!uni v. I. dem. guten Beispiel, das ihm der glückliche Ehebund !der kaiserlichen Eltern gegeben hatte, gefolgt ist, während Prinz ritel Friedrich setzt das Fest seiner «Zermahlung gleichzeitig mit der Silberhochzeit der Eltern begebt, find zum Stolze und zur Freude des Kaiserpaares, aber nicht minder des deutschen Wolke» hcrangewachsen. Und wenn etwas noch jgum Glück des kaiserlichen Elternpaares fehlte, so swurde es ausgefüllt, als vor 15 Jahren, am fL7. Dezember 1890, in das Hohenzollernschloß s Nesthäkchen", die Prinzessin Viktoria Luise, einzog.

* Ist Doppelfest, welches morgen an unserem Kaiserhofe begangen wird, in erster Reihe ein Familien­fest ein Fest des Hauses, so Pflegen doch bei uns Deut­schen nach alter guter Sitte die Feste unseres Kaiser- Paares zugleich Feste der Nation, Volksfeste im schönsten Sinne deS Wortes zu sein. Und so ist es auch diesmal. In Nord und Süd, in Ost und West, allüberall in unse­rem' deutschen Vaterlande wird, sei es im geschmückten Festsaal, sei es daheim in der Familie, Teil genommen an dem' Jubelfeste unseres Herrscherpaares. Und diese

Feuilleton.

(Nachvruck «erböte».)

Raisertage in Verlin.

Von Paul Lindenbcrg.

II.

Willkommen! Willkommen!" so schallt es fröhlich und freudig in des Deutschen Reiches Hauptstadt der fürst- ilichen Braut des zweiten Kaiscrsohncs zu, die morgen ihren festlichen Einzug in Berlin halten wird. Man bringt hier dem jungen Paare herzliche Sym­pathien entgegen und wird nicht damit kargen, das warm zum Ausdruck zu bringen. Gern nimmt die Bevölke­rung der Residenz innigen Anteil an den freudigen Er­eignissen in unserem Kaiscrhanse, und aus dem frohen Jubel, der Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg begrüßen wird, wird sie erkennen, daß man sie mit Liebe und Vertrauen empfängt.

Prinz Eitel Friedrich erfreut sich bei uns einer be­sonderen Beliebtheit. Man hat den hochgewachsenen, schlanken Prinzen gern, der, einst ein herziger, blonder Lockenkopf voll Tollheiten und Humor, ein tüchtiger, pflichteifriger Offizier geworden, ein braver Kamerad und sorgsam um seine Untergebenen sich kümmernder Vorgesetzter, stets von liebenswürdigem Wesen und guter Laune.Furchtlos und treu", die Inschrift, die der Kaiser für den von ihm seinem zweiten Sohne gewid­meten Säbel bestimmte, sie dürfte Charakter und Wesen des Prinzen am besten widerspiegeln. Neben den aus­geprägten militärischen Neigungen ist der Prinz ein An­hänger jedes vernünftigen Sportes) ein sicherer Reite und unermüdlicher Schwimmer durchschwamm er doch als Sürdent den Rhein unterhalb Bonns, welche gewag­ten Unternehmungen die Frau Mutter sich denn dring­lich verbat ein firmer Radfahrer und tüchtiger Schütze.

Von dem Leben des Prinzen Eitel Friedrich ist, der Matur der Sache gemäß, wenig zu berichten. Als Knabe mit den vollen, blonden Locken, den frisch leuchtenden Äugen und den roten Pausbacken war er, wo er sich zeigte, der Gegenstand liebevollen Interesses, und wohl auch ein wenig derVerzug" der kaiserlichen Eltern, die, grie deren Uurgebung, er oft durch seine Drolerien, durch

Teilnahme hat einen Ausdruck, eine Form gesunden, die wahrlich des Festes würdig ist. Der Anregung und dem ausdrücklichen Wunsche unseres Kaisers folgend, ist allenthalben von kostspieligen Festveranstaltungen ab­gesehen und an Stelle dessen sind gewaltige Summen zu den verschiedenartigsten wohltätigen Stiftungen ^bereit gestellt worden. Das ist eine Besonderheit diese» Tages, die ihm ihr schönstes Gepräge gibt. Noch niemals stuu gleichzeitig annähernd so große Summen zu so^schonem Zweck hergegeben worden, und so. ist das Silbersest unseres Kaiserpaares gleichsam zu einem Stiftung »-

f e st, wenn wir dies Wort in seinem schönsten Sinne gebrauchen wollen, geworden. ,

Mit dieser würdigsten Art der Feier ist das deutsche Volk ebenso dem Verlangen des Kaisers nachgekommen, der ja seinem sozialen Empfinden schon in einer seiner ersten Regierungshandlungen, der Berufung 'der inter­nationalen Arbeiterschutzkonserenz, Ausdruck gegeben hatte, wie auch den Wünschen der Kaiserin, die von roher ihren Beruf darin gesunden hat, durch Werke der Mild­tätigkeit menschliche Leiden zu lindern, und dw erst neuerdings durch ihren Bestich der Heimarbeiter-Um­stellung in Berlin von ihrem sozialen Empfinden und

Dine witzigen Antworten und durch harmlos-frohsinnige Streiche, welche auch über den Bannkreis des Schlosses hinausdrangen und die Bevölkerung für den kleinen Witzbold einnahmcn, erheiterte. Dann kamen die Lcrn- jahre in Plön und mancherlei Reisen während der Ferien, später mit dem kronprinzlichen Bruder ein grö­ßerer Ausflug nach Ägypten, nach der Türkei und Griechenland. Mit dem um ein Jahr älteren Bruder teilte er den Studienaufenthalt in Bonn und trat dann in das 1. Garde-Regiment zu Fuß ein, in das er schon vor dem Bonner Aufenthalt in feierlicher Weise einge- stellt worden war, damals den Fahneneid leistend und von dem kaiserlichen Vater mit tief empfundenen Worten begrüßt.

Es ist interessant, dieser Ansprache des Kaisers heute zu gedenken, da sie auch wichtige Bemerkungen enthält über die Persönlichkeit des Prinzen:Nach eifriger Vor­bereitung dem Studium obgelegen, hat mein zweiter Sohn, Prinz Eitel Friedrich von Preußen, nach dem Urteil seiner Vorgesetzten sein Examen mitgut be­standen. Die Kinderjahre liegen nunmehr hinter ihm, und mit dem heutigen Tage tritt er ein in die Aufgaben des Lebens, für die er sich vorbereitet hat: Tue vor­nehmste Aufgabe, die Verteidigung des Vaterlandes, die vornehmste Waffe, das Schwert, der vornehmste Rock, der preußische Soldatenrock, der Rock meines 1. Garde-Regi­ments zu Fuß. Die Eigenschaften, welche der Prinz im Laufe seiner jugendlichen Entwicklung an den Tag ge­legt hat, verbürgen cs mir und ebenso sein Eid, daß er ein tüchtiger Offizier und ein treuer Diener seines Vaterlandes werden wird. Besonders begabt für das militärische Leben, mit scharfem Auge für das Detail, wird der Prinz nunmehr in den Reihen des Regiments, sobald er sein Offiziersexamen abgelegt hat, sich auch aktiv an dem Dienst, nach dem er sich sehnt, beteiligen. Obwohl noch sehr jugendlich, so soll er doch ein Beispiel sein im Eifer, ein Beispiel im Einhalten aller militä­rischen Gesetze, ein Beispiel vor allem als Offizier und Mann, das Schönste, was ich mir denken kann: ein ern­ster, mit dem Blick auf das Leben gewandter Offizier, unbeugsam und eisern in alledem, was die Ritterlichkeit deS Offizierstandes ausmacht, hart gegen sich selber, in straffster Selbstzucht die Traditionen seines HauscS und dieses erhabenen Regiments aufrecht erhaltend, unbe­kümmert um Stimmungen von außen, das Ziel gerade

Verständnis Zeugnis abgelegt hat. -® cr

war der Kaiser, unterstützt von seiner .. hohen Gem-cchlin, von jeher mit redlichem Eifer bemüht, das Seine zur Herbeiführung des sozialen Frieden» zu tun, der uns fürs erste freilich noch immer als em Ideal erscheint, so hat er alle sein Sinnen und Trachten, alle seine Kräfte mit nicht geringerem Eifer daran ge- setzt, uns und damit der Welt die Segnungen des pn> Ir - tischen Friedens zu erhalten. Als Karser Wilhelm vor nahezu 18 Jahren durch das tragische Ge­schick seines Vaters unerwartet zur Regierung berufen wurde, verkündete er in demAufruf an mern Volk" die denkwürdigen Worte:

In der auswärtigen Politik bin ich ent­schlossen, Frieden zu halten mit jedermann, so viel an mir liegt. Deutschland bedarf weder neuen Kriegsruhms noch irgend welcher Eroberun­gen, nachdem es sich die Berechtigung, als einige und unabhängige Nation zu bestehen, erkämpft hat. In der gewissenhaften Pflege des Friedens stelle ich mich ebenso bereitwilligst in den Dienst des Vaterlandes wie in der Sorge für unser Kriegsheer. Unser Heer soll uns den Frieden sichern und wenn er uns dennoch gebrochen wird, imstande sein, ihn mit Ehren zu er­kämpfen."

Dieser Worte, die cm Programm darstcllen, müssen wir heute, wo manche Wolken den politi­schen Horizont verdunkeln, ganz besonders ge- denkcm Das deutsche Volk weiß sich mit seinem Herrscherhause, dessen Freuden und Leiden es teilt, mit dem es in guten wie in schlechten Zeiten zu- sammenhält, eins darin, den Frieden, aber auch die Ehre des Vaterlandes zu wahren!

lid. Berlin, 24. Februar. Um dem Kaiser die Glückwünsche des deutschen Episkopats zu über- bringen, werden die Kardinale Erzbischof Fischer au» Cöln und Fürstbischof Dr. Kopp aus Breslau morgen vom Kaiser in Audienz empfangen.

wb. Berlin, 25. Februar. Heute vormittag traf in Berlin die Groß Herzogin von Baden ein. Die Kais erin stattete der Großherzogin einen Besuch ab und begab sich sodann zum Gottesdienste nach dem Dom. Der Kaiser ging mit dem Kronprinzen und dessen Brüdern vom Schlosse zum Dom. Beide Majestäten wur­den von einer großen Menschenmenge mit herzlichen Zu­rufen begrüßt. Nach dem Gottesdienste empfingen die Majestäten im Schlosse die Botschafter v. Szögyeny, Graf

vor Augen und nur seinem Gott und seinem Vater ver­antwortlich, so möge er seine Bahn ziehen!-Mein

Sohn, ich wünsche Dir Glück zu dem heutigen Tage. Du hast mir bisher Freude gemacht, und von heute ab hoffe ich, daß auch Du Freude empfinden wirst an dem Leben und an der Arbeit, die Dir bevvrstcht. Tritt ein in die Reihen und ziehe Dein Schwert!"

Herzogin Sophie Charlotte, die.Braut des Prinzen, hat übrigens ein gewisses Heimatsrecht bei uns, war doch ihre Mutter, die Großherzogin Elisabeth von Oldenburg, eine Tochter desroten Prinzen", des kühnen Reitcr- sührers Friedrich Karl von Preußen, die junge Herzogin steht also auch in einem näheren verwandtschaftlichen Verhältnis zu unserem Kaiserhanse. Ein schönes» liebenswürdiges Antlitz mit klar und wahr, dabei etwas ernst schauenden großen blauen Augen, volles, blondes, gewelltes Haar, von schlanker Figur und vvrnehm-ruhi- gcr Haltung, von freundlich-ruhigem Wesen, im Auftre­ten wie im Sichgebcn geklärt und besonnen, ein zartes Gemüt mit früh gereiftem Verständnis für menschliche Leiden und Sorgen, in dieser anmutenden Beleuchtung erscheint uns die Herzogin und dürfen wir ihr innige Sympathien entgegenbringen.

In Oldenburg erblickteLotta" das Licht der Welt. Diese mittleren deutschen Residenzen verkörpern ein gut Stück frvhstnnigster Anmut und bestrickender Poesie. Be­haglichkeit und Freundlichkeit sind dort zu finden,-da geht dir das Leben so wohlig ein", das paßt nicht allein für den Rhein. Oldenburg, die Gartenstadt! Eine An­zahl der inneren Straßen bloß schließt sich eng zusam­men, Straßen mit regem Verkehr und manch merkens­werten altertümlichen Häusern, Bilder und Szenen aus deutscher Vergangenheit in uns erweckend. Um diese ältere Stadt sich schmiegend ein Kreis reizender Villen und Häuschen,' buntprangendc Rosen ranken sich in den Sommermonden empor an den Wänden und Wein wie Efeu spinnen dichte grüne Schleier um Balkons und Erker, in den Gärten duften Goldlack, Nelken, Hyazin­then um die Wette. Dann wieder große, Schmuckplätze und lange prächtige Alleen gewaltiger Linden, die schmale Hunte mit Barts, Briggs und Kuffs, die uns von Weser und Nordsee einen kernigen Gruß bringen, und langgezogene Kanäle, dichtbeschattct von Rotdorn und Holunder, Idyllen mit holländischem Anklang.

Aber das Juwel ist doch der Schloßpark nahe dem