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s#. Jahrgang.

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He. 71.

Verlags-Fernsprecher No. 2953.

Montag, den 12. Februar«

RebaktionS-Fernsprecher Nr. 52.

1886.

ktbend-Ausgabe.

1. M«tt.

Aichig Mut!

. Am 21. Juni v. I. erklärte der französische Mimster- ..^dent Herr Rouvier in einer amtlichen Auslassung die Marokko-Konferenz an den Reichs- o^ler Fürsten Bülow, die Regierung der Republik .?och stark unter der Erwägung,daß die Konferenz Eg T ci E) r 1 1 cf) sein könnte, wenn ihr nicht eine Ver- ^digung vorausgeht, und daß sie unnötig wäre, nn sie einer solchen folgt." Wenn die französische Rc- ^-rung dann sich doch mit der Berufung der Marokko- ^ferenz einverstanden erklärte, so mußte man eigent- fj, annehmen, daß die Verständigung erfolgt und die ^ferenz somit überflüssig sei, wenn 'man nicht den ziehen wollte, daß die Verständigung nicht er- Ne und die Konferenz somit gefährlich sei.

Heute, nachdem die am 16. Januar zusammen- ^otene Konferenz bereits vier Wochen tagt, wird man Meinung sein, daß beide Schlußfolgerungen Rou- nicht zutrafen. Daß die am 8. Juli 1905 zwischen ..^stchland und Frankreich erfolgte Verständigung, die das Abkommen vom 28. September 1905 bekräftigt 'jh r ® e ; sehr eng begrenzter Statur war und den Kern der ^sakkosrage nicht einschloß, ist durch den Gang der ^-Handlungen in Algeciras ohne weiteres klar gcwor- jjj: Aber andererseits braucht man sich auch durch die W''fuistischen Auslassungen und Weissagungen auS- i^Jllcher Blätter nicht zu dem Glauben verleiten zu

stkns^i nun die Konferenzgefährlich" sei. Wenig- T steht eines fest, daß sie nicht gefährlicher ist, als die

stoische Lage es gewesen wäre, wenn Deutschland und Jinkrxjch sich nicht über die Berufung einer Konferenz ' "N'gt hätten.

ba ^°er noch ein zweites steht fest, und; dies muß ganz ^.wnders von deutscher Seite sestgcstellt werden: Wenn fD Lage heute ungünstiger aussieht, als es beim Zu- h 7'Nentritt der Konferenz in Algeciras den Anschein so trägt die Schuld daran nicht dre deutsche, son- ^ dre französische Regierung. Denn die wesentlich­st^ Schwierigkeiten, die im Lause der Konferenz ent­stören sind, wurden dadurch hervorgerufen, daß die tzD^°ssiche Regierung sich nicht loyal au die Abmachun- Welt, die vorher zwischen ihr und der deirtschen Re- getroffen worden und in dem Schriftwechsel vom feite T unb dem Abkommen vom 28. September v. I.

"^Agt worden waren.

Hauptschwierigkeit, welche sich in Algeciras cr- ii/K hat und nach den Anschauungen der, Pessimisten ^ K onferenz zu sprengen oder doch wenigstens ihre

Feuilleton.

(Nachdruck verboten.)

^ie Fast eines großen Uamens.

Nachkommen der großen Genien sind des iien- i Interesses auch noch bei der Nachwelt ger ß. <7* Man bei dem Mozart-Jubiläum wieder an die ^/Ebenden Nachfahren des großen Komponisten er- er-! dei der 300-Jahrfcier des Geburtstage^ von na? ^vrneille hat man die noch lebenden Erben seines ausfindig gemacht. Aber aller Anwrl, der sich späten Epigonen erstreckt, geht nur von dem cr- 8^^ aus, das von dem großen Ahnen aus st ^p wer eigene Glanz, der vielleicht weniger leucht d ^uen selbst hcrkommt und ihnen eine angesehene ch,.Deutende Stellung verschaffen würde, wird völlig e "Ukelt und sie leben fort nicht als selbsischaffenoe !e r, n dos gegenwärtigen Tages, sondern als Er e x eiL^.Selebten Größe, die wie die Müdigkeit uralter etzi^lchlcchter aus den späten Enkel lähmcrw ans sie rchs- * Un & sie an der eigenen Entwickelung, am freien Um hindert. Diese Last eines großen Namens schwersten die Söhne der Heroen der Geiste^-

Kinder der Helden sind Taugenichtse, so sagt Ui ?. ^ltes griechisches Sprichwort, und wirklich ' üsk» der Sohn eines berühmten Vaters nur schwer r> !! pichen Meinung recht machen. Strebt er aus Ievz_!^en Pfade weiter, den sein Vater so ruhmvoll i>yz *' äann wird der Unterschied seiner Leistung ich ^peinlich zutage treten und jeder wird den SBer* icf( e äer wcitüberragendcn Größe ziehen, den der i en'J 0 . nct 5c verwandte Name anfdrängt. Begnügt der Sohn eines großen Vaters damit, als be­it Durchschnittsmensch ; i leben und schlecht und % £ ett Platz in der Gesellschaft auszufüllen, dann ' Äeb-?? °^n Entartung, von Dekadenze und spielt "ung bes Vaters gegen den mittelmäßigen

Verhandlungen fruchtlos zu rnachen droht, ist die Rege­lung der P o l i z e i s r a g e. Gerade dieser Punkt schien aber in den vorläufigen Abmachungen zwischen den bei­den Regierungen eine befriedigende Regelung erfahren zu haben. In dem Schriftwechsel vom 8. Juli wiirde in bezug hieraus der Standpunkt der beiden Mächte wie folgt gekennzeichnet:Nützlichkeit von polizeilichen und finanziellen Reformen, deren Einführung für kurze Zeit auf Grund internationaler Vereinbarung geregelt wer­den soll." Und in dem Abkommen vom,28. September wurde dies Programm noch deutlicher wie folgt ausge­drückt:Die beiden Regierungen sind übereingekommen, dem Sultan den folgenden Programm-Entwurf vorzu- schlageu, der gemäß den im Schriftwechsel vom 8. Juli angenommenen Grundsätzen ausgearbeitet ist: I, 1. International zu vereinbarende Einrichtung der Polizei außerhalb des Grenzgebietes."

Damit war doch klipp und klar ausgesprochen, daß nur in den das französische Gebiet angrenzenden Teilen Marokkos Frankreich, im übrigen aber die Mächte die Polizei einrichten sollen, wobei die Frage offen gelassen worden war, ob die Einrichtung der Polizei gemeinsam erfolgen oder aber den verschiedenen Mächten verschiedene Gebiete übergeben werden sollen. Wenn die neuesten Berichte zutrefsen, wonach die französischen Vertreter jetzt auf die Regelung der Polizeifrage in dem Sinne dringen, daß hierbei Frankreich in der einen oder an­deren Form von den Mächten eine bevorzugteStellung, eine Art Mandat übertragen werden soll, so müßte gegen die Regierung der Republik der Vorwurf erhoben wer­den, daß sie ihren Standpunkt in unbegreiflicher Weise geändert habe, und sie müßte mithin für die Schwierig­keiten und Weiterungen, die hieraus entstehen, verant­wortlich gemacht werden.

Frankreich hätte aber in diesem Falle nicht nur die Verantwortung, sondern auch den Schaden, denn wenn die Konferenz in Algeciras scheitert, so würde der diplo­matische Mißerfolg formell auf den Sultan fallen, der die Konferenz berufen hat; den tatsächlichen Schaden aber hätte nicht etwa Deutschland, sondern Frankreich. Denn es ist nicht das Deutsche Reich, welches auf der Konferenz etwas erreichen will, sondern die französische Republik. Da es selbstverständlich und von den meisten Mächten offiziell anerkannt ist, daß nur die Beschlüsse der Konferenz Gültigkeit haben, welche einstimmig gefaßt sind, so ist Frankreich auf die Zu­stimmung Deutschlands angewiesen. Erhebt die Republik Forderungen, denen die deutsche Regierung nicht zu­stimmen kann, so bleibt eben alles beim alten, das heißt, es hat bei dem M a d r i d e r A b k o m m e n vom Jahre 1880 sein Bewenden.

Es sei denn, die französische Regierung stände aus dem Standpunkt, daß sie auch ohne die Konferenz durch-

Sohn aus. Mozarts zweiter Sohn, Wolfgang Amadeus, war ein vorzüglicher Musiker und feinsinniger Kom­ponist, aber niemand spricht mehr von ihm, weil aller Ruhm des Namens Mozart sich allein auf das große Genie des Schöpfers der modernen Oper konzentriert, neben dem selbst seinem tüchtigen, hochbeöeutenden Vater Leopold nur ein winziges Plätzchen eingeräumt wird. Auch die genialen Söhne des großen Johann Sebastian Bach sind einer unverdienten Vergessenheit anheim ge­fallen und es erregte in jüngster Zeit Erstaunen, was für hervorragende Künstler sie gewesen sind, als man in einem eigens ihnen gewidmeten Konzert ein Bild ihres reichen Schaffens enthüllte. Besonders der geniale Wil­helm Friedemann hat sich in einem sehnsüchtigen Ver­langen verzehrt, mit seinem ungestümen zerrissenen Naturell die ruhig große Schönheit des Vaters zu er­reichen, und er ist ganz ähnlich wie August v. Goethe an dem ungeheuren Gegensatz zugrunde gegangen. Die bescheideneren Talente, der formvollendete Karl Philipp Emanuel und der feine graziöse Johann Christian, haben in bewußter Beschränkung viel erfolgreicher dem großen Vater nachgestrebt.

In der Geschichte der bildenden Kunst tritt uns viel seltener der Fall entgegen, daß ein Sohn unter der Last des großen überkommenen Namens zu Grunde geht. Vielmehr hilft das frühe Erlernen der Technik dem auf­strebenden Knaben und in vielen Malergenerationen ist der Sohn vom Vater gefördert worden, hat an seine Art anqeknüpft und sein Streben vollendet, wie z. B. Giovanni Bellini und Raffael. Freilich ist es auch nicht so gefährlich, der Sohn eines Talentes zu sein als der Nachkomme eines weltumformendcn Genies. Die Kon- tra'te sind dann nicht ungeheuer und die kleineren Abstände lassen eher einen Vergleich ziehen. So sind in der Kunstgeschichte Jahrhunderte hindurch die Söhne den Vätern gefolgt und haben neben und nach ihnen Tüch­tiges geleistet. Aber von den Söhnen Tizians ist uns nur dunkle Kunde geworden, obwohl sie malten, und Rcmbrandts Sohn Titus blickt uns nur aus des Vaters Bildern mit dunklen schwermütigen Augen an. Alexander

setzen müsse, was sie erstrebte. Eine solche Anschauung, die allerdings von unübersehbaren Folgen wäre, können wir der französischen Regierung schon deshalb nicht zu- trauen, weil es dann unverständlich wäre, weshalb sie vorher die gleiche Politik Delcasstzs durchkreuzt hat. Wir zweiselu nicht daran, daß sich die verantwortlichen Männer in Frankreich noch heute auf den Standpunkt stellen werden, daß die marokkanische Frage, die doch nur einen Wechsel aus eine ungewisse Zukunft darstellt, die Entzündung eines Welibrandes, bei dem Frankreich in erster Reihe den Brandherd bilden würde, nicht ver­lohnt. Zum Schluß dürste auch in Algeciras aus Vor­schlägen und Abhandeln der Preis entstehen. Und wenn nicht dann ist esnoch so"!

Deutscher Reichstag.

Berlin, 10. Februar.

(Schlich aus t>er gestrigen Morgen-Ausgabe.)

Aög. Or. Benmcr (nat.-lib.), fortfahrcnd: Die Unter­nehmer ober die Kohlenprotzen, wie der Abgeordnete Bömelburg sagte, haben doch das eigenste Interesse da­ran, daß in ihren Betrieben kein. Unglück vorkommt, das Menschenleben oder riesige Werte vernichtet. Die Kon­trolle können nur praktisch erfahrene, wissenschaftlich ausgebildete Beamte ausüben. Wir haben mehr Grullen- inspektvren als andere Länder, beispielsweise England. Daß kein amtlicher Bericht über das Borussia-Unglück vorliegt, bei dem so viele brave Bergknappen ihr Leben erngebüßt haben, bedauern auch wir.

Abg. Lenzmann (freis. Volksp.) führt aus, seine Partei verfolge durch die Unterstützung der Interpellan­ten keinen agitatorischen Zweck, sie wolle nur für Gerech­tigkeit und Humanität eintreten. Bedauerlich sei, daß der Staatssekretär nicht die Frage beantworte, ob eine Verletzung von Arbeiterschutzbestimmungen vorliege. Wir bedauern, daß uns die Verfassung kein Mittel an die Hand gibt, durch das der Reichskanzler gezwungen werden könnte, uns hier Rede und Antwort zu stehen. Die Mißstünde auf der Zeche Borussia entstanden da­durch, daß die Rentabilität ausblieb und Geldmangel eintrat. Da hätte man lieber die ganze Zeche zuwerfen sollen. Möge die Debatte die Notwendigkeit eines Reichs­berggesetzes von neuem zeigen. (Beifall links.)

Abg. Kulerski (Pole) sagt: Würden statt Menschen in den Gruben Tiere beschäftigt, die Kosten verursachen, so würden die Mißstände schon beseitigt werden. Die preußische Regierung kümmert sich nicht um das Wohl und Wehe der Arbeiter (Vizepräsident Dr. Paasche rügt den Ausdruck.), sie schützt nur die Mächtigen, für die Schwachen hat sie nur Kanonen. (Unruhe.)

Abg. Hns (Soz.) polemisiert gegen den Abg. Dr. Beniner. Die Borussia ist ein trauriges Denkmal der

Dumas der Jüngere konnte sich wohl neben dem Vater behaupten, ja ihn überstrahlen, da er ans einem ganz anderen Gebiet der Dichtung und in einer ganz anderen Geistcsart sich entfaltete, aber der Sohn des größten französischen Dramatikers, Louis Racine, ist mit seinen eigenen formschönen Dichtungen völlig vergessen und sein Name lebt nur noch in den Erinnerungen, die er an seinen Vater geschrieben hat, fort. Als ein kleiner Trabant des strahlenden Sternes, der der Dichter der Phvöre" war, lebt er im erborgten matten Schein, wäh­rend er vielleicht sonst seinen eigenen Platz am Himmel der französischen Dichtung einnehmcn würde. Auch Thomas Corneille, der der Bruder von Pierre und selbst ein tüchtiger Dramatiker war, hat sich schon bei seinen Lebzeiten nicht neben dem Bruder behaupten können und ist heute völlig vergessen, ähnlich wie in der Gegen­wart dem zarten und tiefen Talente Karl Hauvtmanns der Ruhm seines großen Bruders Gcrhart noch immer hinderlich ist.

Das erschütterndste Beispiel aber für die Tragik, die den Nachkommen des Genies wie ein dunkler Schatten aus der Vergangenheit aufwächst, ist das Schicksal der Nachkommen Goethes gewesen. Sicherlich ist August v. Goethe, des Dichters Sohn und der ChristianeVulpius, ein genial veranlagter, leidenschaftlich fühlender Mensch gewesen, der einen brennenden Ehrgeiz nach eigenem Taten hatte u. stets, gebändigt und gefesselt durch den Willen des Größeren, der aus ihn wirkte, nur das Werk­zeug des Vaters war, nur ihm seine Stellung und sein Ansehen verdankte und ihm in den wichtigsten Entschei­dungen seines Lebens sich fügen mußte. August trug eine tiefe und leidenschaftliche Verehrung für den Vater im Herzen, aber sein zerrissenes, viel mehr der Romantik zuneigendes Temperament stand in allzu großem Kon­trast zu der olympischen abgeklärten Harmonie der Goctheschcn Reife, als daß es nicht zu harten Konflikten hätte kommen müssen. Wir haben eigentümlich schönes phantastische Gedichte von dem jungen Goethe, wir wissen aus den Berichten seines besten Freundes Karl v. Holtet, wie qualvoll und heiß er mit großen Ideen und Plänen