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5*. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post 2 Mk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgafse 27.

22,000 Abonnenten.

Anzeigen-Preis:

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für die Abend-Attsgabe bis 12 Uhr mittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anz-Mii zur nächst- erscheinenden Ausgabe, wie für die Anzeigen-Äufnahme an bestimmt vorgeschriebenen Tagen wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

1886.

Ha. 62.

VerlagS-Fernsprecher No. 2953.

Mrttwsch» den 7* Februar.

Ncbaktions-Fcrnsprecher No. 52.

Morgen - Kusgabe.

1. Matt.

PolMsches aus England.

^ Unser Londoner u-Korrespondent schreibt unterm

d. M. ^

Dcr. Smuts, der seinerzeit ini Transvaal unter dem asidenten Krüger eine Art Justizminister war und

rv gegenwärtig in London anfhält, erklärte soeben das 'der ^ " - - -

Mosidenten Krüger eine Art Justizminister war und ID gegenwärtig in London anshält, erklärte soeben das o erricht als völlig unbegründet, demgemäß er sich in o^er geheimen, politischen Mission hier befände. Er rvj* zu, mehrere der neuen Minister besucht zu haben, i>, denen er aber nur ganz bedeutungslose allgemeine t Erhaltungen gepflogen haben will. Daß Südafrika , - "er Regel den Stoff zu diesen lieferte, bestritt er ^Nrein Interviewer gegenüber nicht, lehnte es aber ab, ^ esem etwas über die Ansichten mitzuteilen, die er vor ^ Mitgliedern der Regierung ausgesprochen. ^Aus eine sell: ^ andere Weise scheint man indes in Südafrika von dein Eindruck Wind bekommen zu Haben, den ; e Vorstellungen und Argumente des Herrn Smuts auf

,^!afnmlungcn veranstaltet wurde,:, um gegen M"ckerei der Konstitution" zu protestieren.

'UINwi- ... <n.. x.zu.,~ ^ - Li.

^!? e Machten, denn andernfalls ließe es sich kann: er- daß in allen Teilen des Rands auf einmal große

die Man

j tl! it an, die Buren hätten Smuts als ihren Ver-' , Mr entsandt, um das Ministerium zu einer Abäitde- A^'-g des Wcchljvstems im Transvaal in der Weise zu g/^ulassen, daß ein Wähler, je nach dem Umfang feines ß mudhesitzes, zur Abgabe einer oder mehrerer Stimmen r^chtigt wird. Durch dieses System, das sich trotz seiner i^oienden Ungerechtigkeit selbst in England noch bis ^ Neuere Zeit zu behaupten vermochte, würden die ^ len nüt einem Schlag wieder das Übergewicht im b erlangen. Die Johannesburger Presse, die

ho* '* Minenmagnaten kontrolliert wird, erhebt darob ^.Dests ungeheures Geschrei, und das, ohne scheinbar st/M anderen Anhalt als die Kunde von demharm- Geplauder" des Smuts mit ein paar Ministern zu sitzen. So gewaltige Aufregung könnte kaum durch bloß», sich auf die alte Burenfreundlichkeit Sir h.dMh Campbell-Bannermans gründende Vermutung Ursacht worden fein. Tie diesbezügliche Ungewißheit r .. glücklicherweise nicht lange währen, denn die I wuß bei der Parlamentseröffnung am 19. d. M. a; Unmittelbar danach erfahren, ob der grauenhafte pgi^ 1899^1902 nur geführt und all das Gut und ^ "sZlur geopfert wurde, um England drei Jahre lang p,-M"uveränität über den Transvaal zu sichern. In wrcn Kreisen ist man jedoch zuversichtlich gestimmt,

daß die Regierung trotz der seinerzeit den Buren be­wiesenen Sympathien britische Interessen zu wahren und richtig zu handeln wissen wird. Andere wieder be­trachten die Situation vom Standpunkte des Zynikers aus und behaupten, Reden, die Politiker gehalten, während sie einer Oppositionspartei angehörten, brauchten nicht immer die Politik anzudeuten, die sie, wenn in: Amt, zu verfolgen beabsichtigten. Die

Unionisten aber geben vor, den Liberalen das Schlimmste zuzutrauen, und in Johannesburg scheint man cs tat­sächlich zu tun. Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß das Kabinett auch Männer wie Mr. Asquith und Sir Edward Grey enthält, denen bisher nicht nachgesagt werden konnte, daß sie die Interessen des Reiches den­jenigen ihrer Partei unterordneten. Daß übrigens die Kontrolle Südafrikas durch die neue Regierung von un­endlich größerer Bedeutung für England ist als das Erscheinen einer selbständigen Arbeiterpartei im Parla­ment, unterliegt keiner Frage. Letzterem Umstand bat man bisher eine ganz lächerlich übertriebene Bedeutung beigeme'sen. Von den 49 Arbeitervertretern gehört die eine Halste, als radikale Politiker, der Regierungs­partei an, und nur die andere will auf eigene Faust handeln. Zählte sie 250 und nicht nur etwa 25 Mann, so wäre allerdings die Gefahr vorhanden, daß die sozia­listischen Fanatiker. eine Weile das Unterste zu oberst kehrten. Selbst , dann ginge das aber nicht leicht, weil ja 670 Volksvertreter im Parlament sitzen. Unter den obwaltenden Umständen ist nicht zu befürchten, daß das Gefolge des . Herrn Keir Hardie irgend eine seiner größeren Drohungen, wie zum Beispiel die ausführen wird, alle individuellen Jahreseinkünfte zu beschränken, indem jeder, der mehr als 20 000 Pfund Sterling be­zieht, den diese, Summe übersteigenden Betrag an den Staate abgeberr muß. Alle die wilderen Forderungen der Arbeiter werden bei den Liberalen auf nicht minder energischen Widerstand stoßen, als unter einer Tory- Regierung der alten Schule zu erwarten wäre, und Leute mit mehr als 20 000 Pfund Sterling Jahresein­kommen brauchen sich noch keine grauen Haare wachsen lassen, denn ihre Leidensgefährten, runter den Ministern werden schon' über sie wachen.

Wirlschnslliche Wandlungen.

Wenn man die unbeschreibliche Hebung, die die Vvlkswohlfahrt durch die Eisenbahnen erfahren hat, auch uneingeschränkt gelten lassen wird, so ist man doch heute leicht geneigt, die Wunden, die ihre Eröffnung einer Reihe althergebrachter ehrenfester Gewerbe, und einer Menge einzelner, zumeist kleiner Orte schlug, ganz zu vergessen. Tie größeren Orte, die mit der Zeit fast ans-

Feuilleton.

^ Amerikas Brautpaar.

Qii wenigen Tagen wird sich das große Ereignis 0ftii? te ^ ett , das die Amerikaner in eine selbst für sie D? ungewöhnliche Aufregung versetzt: Amerikas

ijMSessiu", Miß Alice Roosevelt, wird in dem großen Saal des Weißen Hauses, der 80 Fuß lang 4° Fuß breit ist, dem Kongretzmitgliede Ntcholas ngworth aus Ohio die Hand zum Bunde für das dg, ,? Zeichen. Die ungemeine Beliebtheit, . deren sich 'ieiv , dsidcntentochter erfreut, tritt jetzt bei ihrer Ber- besonders deutlich zutage. Es. ist nicht nur tzu?MIiche Sensationssucht, die in Millionen von in Tausenden voir Zeitungsartikeln und nt Geschenken und Glückwünschen dieses Er- I>ck la ^wrt und an ihm teilnimmt, sondern cs sprich, "ine herzliche Sympathie für die junge Dame ih* . Uns, die in der kurzen Zeit der Präsidentschaft ist .Vaters alle Herzen im Stnrnr erobert hat. Es de« genug, daß die Tochter und nicht die srau

^^Präsidenten die dominierende Stellung nt seiner c einnimmt. Aber Mrs. Roosevelt, die zweite des Präsidekiten, ist eine gütige bescheidene »i>, v' - ie keine Ansprüche macht und der Offent.ichke.it 0>is leiten aus dem Wege geht. So hat sie denn auch üln>p^.ß" für äußere Eindrücke so leicht empfänglichen Rlk ^aner keinen besonderen Eindruck gemacht, sondern tzch^ufmerksamkeit zog Alice Roosevelt, das einzige tw ?us des Präsidenten erster Ehe, auf sich, und schon St»»* tF,rcm ersten Debüt im Weißen Hause war ihr offiziell, aber doch in der Schatzung der ,,e*.7 klichkeit die beneideirSwerte Stellung als der der cii* Dame im Lande" zugefallen. Man kann aus Ws» ss"rsönlichkeit und dem Charakter der jungen Dame, ihre ^rnily Holt in einem englischen Blatte schilöer., ^'"braschenden Erfolge wohl verstehen, sie ist dre efy e Tochter ihres Vaters, und wie er den wypus des Amerikaners verkörpert, so ist sie schnell znm

Ideal der amerikanischen Dame in den Anschauungen des Volkes erwachsen. Äußerlich ist sie mehr der ele­ganten Erscheinung ihrer Mutter ähnlich geworden und hat nichts von der breiten und knochigen Statur ihres Vaters, aber in dem tatkräftigen und energischen Tempe­rament, in ihrer frischen und elastischen Art ist sie seine Tochter. Eine schlanke und geschmeidige Figur, die in ihrem wiegenden Gange und den runden Bewegungen echte Anmut zeigt, gibt ihrem Wesen etwas echt Weib­liches: aber wenn sie auch zart ist, so ist sie doch nicht schwächlich, sondern sie hat nach der Bezeichnung eines amerikanischen BlattesMuskeln wie ein Windhund". Durch körperliche Übungen von klein auf, durch ein langes Training in allen Künsten des Sports hat sie sich eine ungewöhnliche Ausdauer und Kraft erworben und ist eine vorzügliche Tänzerin, . eine glänzende Reiterin und ein vortrefflicher Schütze geworden. Ihre kleine schmale nervige Hand kann eben so gut ein un­gebärdiges Rotz zügeln wie den Tennisschläger halten und in' zahllosenShakehands" ihren kräftigen Druck fühlen lassen. Die große Selbständigkeit irud Sicherheit ihres Auftretens macht sie zu dem Vorbild jeder guten Amerikanerin. Ebenso erregt ihre Unermüdlichkeit in allen Dingen bei der Arbeit wie im Spiel die Be- wunöerung der selbst so tätigen Yankees. Wirklich ist ihre Arbeitskraft eine echt amerikanische,- nach ihrem ersten Debüt im Weißen Haus wurde sie mit einer Flut von Aufmerksamkeiten und Briefen überschüttet, aber sie beantwortete alle an sic gerichteten Freundlich­keiten selbst und hat sich nie einen Privatsekretär oder irgend eine Hülfe gefallen lassen. Der Arbeitstisch nt ihrem kleinen Boudoir, der mit Briefschaften überhäuft ist, trägt auch eine Schreibmaschine, die sie mit großer Geschicklichkeit handhabt, und ist ebenfalls mit ernem eigenen Tclephoiranschlutz und einem Telcgraphcn- apparat ausgerüstet, mit Hülfe deren sie ihre mannig- fachert Geschäfte erledigt. Nichts jedoch hat ihr die Liebe ihrer »andslcute mehr gewonnen als ihr außerordent­liches ^Pflichtgefühl und die Pünktlichkeit, mit dcr sie allen ihren Verpflichtungen nachkommt. Mag es ein Rachmittagstec oder ein großer Empfang sein, stets ist sie auf die Minute pünktlich,-und wenn auch Pünktlrch-

nahmslos mit Bahnen bedacht worden sind, haben ja die Scharten längst ausgewetzt und die Nachkommen der Beschädigten haben sich in ihr Schicksal gefunden, sind wohl auch zu neuem Wohlstand gelangt: aber die alten Verfrachter, die Fuhrherren und Fuhrleute, die Ge­werbetreibenden in den Ortschaften entlang der alten Poststraßen, diePostmeister" oderPosthalter", die Gast- hofsbesitzer mit ihren Ausspannungen, die Wagenbauer und Hufschmiede, wie haben diese, jeder an seinem Leibe, den technischen Fortschritt als schweren Schlag empfun­den! Auch dcr Wert von Grund und Boden ward durch den plötzlich wcgfallenöen Fracht- und Postverkehr den alten Handelsstraßen entlang merklich gemindert, eine empfindliche Einbuße für die damaligen Eigentümer.

In einem kleinen Aufsatz inÜber Berg und Tal", dem Organ der Gcbirgsvereine für die Sächsische Schweiz, ist eine recht anschauliche Schilderung des Lebens in einer solchen nun ganz in den Winkel gedrückten Post­station enthalten, die heute, 60 Jahre nach der Eröffnung der sächsisch-schlesischen Bahn, nicht ohne Interesse gelesen werden dürfte.

Das Dorf Schmiedefeld bei Stolpen war ehedem ein sehr verkehrsreicher Ort. Die am 18. März 1846 erfolgte Eröffnung der Teilstrecke Radeberg-Bischofswerda der Schlesischen Bahn machte seiner Glanzzeit ein Ende. Ta Schmicdefeld hauptsächlich deu Verkehr zwischen Breslau und Leipzig vermittelte und täglich wiederholt die Post nicht nur durchfuhr, sondern auch Station machte, hatte der Ort eine große Posthalterei, an die noch heutigen­tags das Postgut erinnert. Gegen 80 Pferde waren hier stationiert,, jeder Eilwagen faßte l2 bis 14 Personen, und hatte oftmals bis 12 Beiwagen, von denen ein jeder auch wieder für eüva 10 Personen Platz bot. Die Zahl der Reisenden betrug an einem einzigen Tage oftmals .Hunderte und der Besitzer des Postgutes zu Schmieöe- seld, der den TitelPostmeister" führte inkd vom Staate eine monatliche Entschädigung von 1000 Talern erhielt, war ein hochangesehener Mann weit und breit.

Ebenso bekannt wie die Schmiedefelöer Posthalterei war das nahegelegene GasthausZum dürren Fuchs", in dem zu jener Zeit reges Leben und Treiben herrschte. Das Wirtshaus war oft so überfüllt, daß die vorhan­denen Räume für die Nachtgäste nicht ausreichten und die. Ställe die Zahl der Pferde nicht zu fassen vermochten. Die Wagen, ziemlich schwerfällig in ihrer Art waren doch meist Stückgüter befördernde Fuhrleute, die tut Fuchs" kampierten, füllten dann den Hof und bil­deten auf der Bautzener Landstraße endlose Reihen. Die Abendmahlzeit der Fuhrleute bestand für gewöhnlich aus Suppe, Rindfleisch mit zweierlei Gemüse, zweimal Braten und Nachtisch. Als solcher wurde eilte große Schüssel Onark mit Zwiebeln aufgetragen. Zuletzt gab es Zigarren. Für das Deichselbrot (kalter Imbiß bei der Ankunft) und die Abendmahlzeit, dazu ein Maß

keit die Pflicht dcr Könige sein mag, so ist sic doch eine Ausnahme bei einer Frau, selbst wenn sie eine Präsi­dententochter ist. Müdigkeit kennt sie nicht: selbst nach den größten Anforderungen, die eine ganze lange Saison an sie stellt, ist sie itoch frisch und nicht abge­spannt. Man erzählt sich von ihr Kraftleistungen, wie die, daß sie nach einer auf einem Gesanütschaftsball in Washington durchtanzten Nacht am frühen Morgen zum Frühstück nach Philadelphia fuhr, dann mit dem Expretz- zug nach New York eilte, dort ein großes Diner mit mehreren hundert Personen einnähm, am Abend die Oper besuchte, dann um Mitternacht mit dem Zug nach Boston fuhr und sich dort bei einem schnell eingenom­menen Gabelfrühstück mit den literarischen Löwen der Gesellschaft ohne jede . Spur von Müdigkeit auf das geistreichste unterhielt. Sic selbst ist sehr stolz ans ihre Kunstfertigkeit als Schütze, denn sie trifft mit einem Gewehr oder einer Pistole fast immer ins Schwarze. Aber ihr Geist wird durch diese Äußerlichkeiten nicht absorbiert, sondern sie hat auch ein reges Interesse an der Politik, unterhält sich mit Vorliebe über schwierige Fragen der Gesetzgebung und ist bei den Bcratuugett des Kongresses mit Leib und Seele dabei. , So hat sie denn auch des öfteren geäußert, daß sie nur einen guten Redner und tüchtigen Politiker heiraten würde, und ihr Bräutigam hat sich ihr Herz durch eine Rede erobert, die er im Repräsentantenhause hielt. Sie, die stolze Amerikanerin, die so viele Bewerbungen, ja selbst die Anträge mehrerer exotischer Fürsten ausgcschlagen hatte, verliebte sich ganz regelrecht und verlobte sich mit Longmorth, worauf sie dem Vater, der gerade in einem ganz andern Teile des Reiches sich anfhiclt, in einem Telegramm das Faktum mitteilte. Der Präsident soll auf dieses Telegramm mit dem einzigen WortBully" (Bravo) geantwortet haben. Die amerikanischePrin­zessin", die mit ihrer Heirat so vieles anfgibt und eine simple Mrs. Longwvrth wird, ist glücklich in dem un­begrenzten Vertrauen, das sie ihrem Gatten entgegcn- bringt, und in ihren Träumen sicht sic sich wohl schon wieder in das Weiße Haus einziehen als die Gattin eines Präsidenten, der den Namen ihres Mannes tragen soll.