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W tobatowr lagWatt

54. Jahrgang Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs PreiS: durch den Verlag S« Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. 5» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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UiS. 47 ♦ VerlagS-Fernsprecher No. 2953.

Montag, den 29. Januar.

RedaktionS-Fernfprecher Nr 52.

1906 .

Kbenö-Kusgabe-

1. Mlcrtt.

Iüv Jebvucrii unö Wävz

auf das

„Wiesdadener Tagblatt"

Zu abonnieren, stndet sich Gelegenheit

im Verlag Langgasse 87. bei den AusgabcsteUrn, den Zweig-Expeditionen

der Nachbarorte,

und bei sämtlichen dentschen Reichspostanstalten.

Mas Amerika flr seine ßanWirtsOfl int.

Frank Vrooman gibt in der letzten Nummer der amerikanischen Zeitschrift „Arena" einen genauen Be­richt über die weitgehenden Maßnahmen, die die Regie­rung der Bereinigten Staaten zur Hebung der Land­wirtschaft getroffen hat. Seit 66 Jahren ist man in Amerika bestrebt, dem Farmer seine mühevolle Arbeit Zu erleichtern. Das Ministerium für Ackerbau hat jetzt einen jährlichen AuZgabeetat für solche Unterstützung von 6 Millionen Dollar; es ließ im Jahre 1904 etwa 12 y 2 Millionen Exemplare von 972 besonderen Heften, die sich mit landwirtschaftlichen Fragen beschäftigen, ver­teilen. In diesen Publikationen werden die Resultate oer Untersuchungen von 2000 Fachmännern nach jedem Teil des weiten amerikanischen Landes hin verbreitet. Diese kleinen Bücher geben dem Farnter ganz genau an, wie er den Samen in das Erdreich legen, was für Dung- mittel er für einen bestimmten Boden gebrauchen soll, Zu welchen Zeiten er vflanzcn und zu welchen er ernten Muß; für alle seine Maßnahmen und Tätigkeiten wer­den ganz genaue Vorschriften gegeben, die nicht etwa auf bloßer Erfahrung beruhen und eine Wahrscheinlichkeit des Erfolges verbürgen, sondern die wissenschaftlichen Ergebnisse mit exaktester Sicherheit ausdrückcn. Der Leiter der Abteilung für Chemie, Dr. Lylie, soll durch seine vorzüglichen Anordnungen allein in den Zncker- rafftnerien jährlich etwa 7 Millionen Dollar dem Volke sparen. Die Abteilungen für Verbreitung von Pflan­zen gibt jährlich eine Million Dollar aus für Versuchs­arbeiten, die von 300 Fachmännern angestellt werden, wobei sie neue Pflanzen ziehen, fremde Pflanzen in das Land einführen, an der Heilung kranker Pflanzen und an der Veredelung alter heimischer Produkte arbeiten. Ein Beispiel für viele kann den ungeheuren Nutzen Wissenschaftlich gebildeter Männer bei allen Fragen der Landwirtschaft erhellen. Im letzten Winter hatte die Fäulnis der Orangen in Kalifornien, die als Export­

ware auf die Schiffe verladen wurden, außerordentlich überhand genommen. Ein guter Kenner der Agrikultur, Harold Powell, wurde darauf nach dem Hauptort der kalifornischen Orangengegend, nach Riversjde, abgesandt, uni dem Grunde der Fäulnis nachzuspüren. Der Schaden war so arg, daß 60 Prozent von den Früchten unbrauchbar wurden. Er brachte heraus, daß die Früchte beim Abschneiden mit den Scheren oder durch zu hartes Anfassen mit den Fingernägeln beschädigt würden und kleine Löcher erhielten. Er ließ darauf die Scheren ab­ändern, indem sie stumpfe Enden bekamen, und sah darauf, daß die Abschneider sich tE)re Fingernägel recht kurz und rund hielten; durch diese einfache Anordnung wurde die Ausfuhr von Orangen im Riverside wieder außerordentlich gehoben und blühte so auf, daß nach 18 Monaten das neue Agrikulturgebäude in Washington, das 1 600 000 Dollar kosten wird, aus diesen Über­schüssen gebaut werden könnte. Das Ministerium für Ackerbau hat sich das Ziel gesetzt, durch Begründung einer staatlichen Universität für Ackerbau einer großen Anzahl junger Männer eine vollkommene Ausbildung auf allen Gebieten und in allen Fragen der Landwirt­schaft zu ermöglichen, und will auch überall Landwirt­schaftsschulen, die ähnliche Ziele verfolgen, errichten. Die Einfuhr von Pflanzen, die von diesem Ministerium aus­geht, ist so beträchtlich, daß jährlich Produkte im Werte von 119 Millionen Dollar eingeführt werden. Gegen die vielen Schädlinge und Pflanzenparasiten führt die Regierung einen erbitterten Kampf, in dem es ihr ge­lungen ist, große Scharen zu vertilgen. „Eine unge­fähre Schätzung der jährlichen Einbußen von landwirl- schaftlichen Produkten, die dem verderblichen Werk dieser Schädlinge zuzuschreiben ist, beläuft sich bei Getreide aller Art auf einen Wert von 200 Millionen Dollar; bei Heu auf 63 Millionen; bei Baumwolle auf 60 Millionen; bei Tabak aus 5 Millionen; bei Gemüsen und ähnlichen Hauspflanzen auf 53 Millionen; bei Zucker auf fünf Millionen: bei Früchten auf 27 Millionen; bei Baum- pslanzungen aus 11 Millionen; bei verschiedenen anderen Pflanzen auf 6 Millionen; bei tierischen Produkten auf 175 Millionen Dollar, wozu noch der Verlust von 100 Millionen Dollar durch Beschädigung von Wäldern und Waldprodukten und von einer ebenso großen Summe bei lagernden Produkten hinzuzufügen ist. Der Leiter des entomologifchen Bureaus, I>r. L. O. Howard, hat nun ans Australien den Parasiten der weißen Schildlaus, den asiatischen Marienkäfer, den Feind der San-Josö- Schildlaus, den europäischen Marienkäfer, den Feind der schwarzen Lchildlans, eingeführt und dadurch die Zitronenpflanzungen in Kalifornien wahrscheinlich vor dem Untergange gerettet. Im ganzen kann man an­nehmen, daß die Abteilung für Insektenkunde allein durch ihr segensreiches Wirken der amerikanischen Land­wirtschaft einen Verlust von 300—400 Millionen Dollar jährlich erspart hat . . . Durch ihr Werk ist die Hessen-

Femlleton.

Rückblicke.

iNachdriick »krboirn.)

iF iit das „W iesbadener Tagblatt tzj Von Julius Noseuthal.

Des 20. Säkulnms sechstes Jahr Begann, wre's bei Jahren gebräuchlich,

Mit Pünschen und Wünschen, — ans Bacchus Altar Geopfert ward redlich und reichlich.

Es wechselte London zum Fest mit Berlin Ein Prosit ans Blüh'n und Gedeihen Und es war der Depeschen tiefinnerster Sinn:

B e r t r a u e n, Vergessen, Verzeihe n.

Verzogen nun hat sich die kriegsdunkle Wolk Und der Horizont klärt sich seit Wochen,

Besonders seitdem auch das englische Bolr Durch die Wahlen so deutlich gesprochen.

Der Terror der Tories ist abgetan,

Die Epoche des Zoll-Überbietens ^ „

Und des Streits ging zu End, — Campbell Bannerman 3lt der Bannerträger des Friedens.

Ob Chambcrlain grollt, ob Edward noch schmollt, Ändert nichts an den ruhmvollen Siegen,

Da das englische Volk deutlich zeigt', was cs wollt', Wird der King in das Ding sich wohl fügen.

«Liberal" ist nunmehr in ganz England ä tout, All der Wahlkämpfe Toben und Tosen Bewahrte John Bull kaltes Blut sich und Ruh,

»Libera l" ist auch Trumpf der Franzosen.

Liberal durch und durch war der Präses Loubct, liberal ist Fallrtzrcs, der zukünft'ge,

Man sieht braus, es gibt doch in Ferne und Nah Auch ßei den Liberalen Vernünft'ge.

In Deutschland ist's anders, was sehen wir dort? Liberale einander verhetzend,

Ein inneres Leiden rafft langsam sie fort,

Und der „Spalt"-Pilz wirkt böse zersetzend.

Für den weiten Blick fehlt die Intelligenz Diesen! Häuflein polrt'scher Sektierer,

Und an der Partei'» cnggczog'ncn Grenz'

Endet meist auch der Witz ihrer Führer.

Wer frei strebt und schaffet zu. Deutschlands Wohl, Und den Mut hat, dies laut zu verkünden,

Sollt' in der Parteien Schablon' und Parvl'

Nicht ein engherzig Hindernis finden.

Gelangte ö i e Wahrheit doch, eh' sie verhallt,

Bei den Führern zur vollen Erkennung,

Denn der Wunsch, der ans Kreisen der Wähler erschallt, Z u s a m m e n s ch l u tz heiht er, nicht Tr c n n u n g.

Ja, wären die Freien im Lande unrert,

Wenn auch nur in den geistigen Dingen,

Dann hält' es kein S t n d t und kein Zedlitz riskiert Uns die S ch u l g e s e tz v or l a g' zu bringen.

Und mären die, die einst ein Benni>gsen führt', Sich bewußt ihrer Traditionen,

Sie Hütten den drohenden Angriff pariert Und sie wären nicht nur — Epigonen.

Dieses Schulgesetz, nein, es ist nicht national, Liberal darf's noch weniger sich nennen,

Also ist cs auch nicht nationalliberal —

Und man sollt' cs d o ch annehmen können?

„Liberale" Vertreter sic nahmen galant,

Was die Wähler voll Groll refüsicreu,

Und steckt Vogel Strauß auch den Kopf in den Sand, Er mutz d o ch, was rings laut wird, verspüren.

Doch — wird auch für uns hier d i e Sache fatal. Sie wird uns doch jetzt kaum berühren,

Denn rv i r stecken einstweilen so tief im Kanal, Daß für nichts wir uns sonst int'ressiercn.

fliege ziemlich ausgerottct und damit von der Weizen- ernte ein Verlust von 100—200 Millionen abgewendet worden. Ihr Werk ist es, daß die Äpfel vor Schädlingen bewahrt werden, woraus gegenüber früheren Jahren ein Nutzen von jährlich 15—20 Millionen Dollar erwachsen ist. Ihr Werk ist die Erhaltung der kalifornischen Zitronenernten. Dadurch, daß sie den Landwirten den einfachen Rat gegeben hat, die Aussaat von Korn mit der von Hafer oder anderem Getreide abwechseln zu lassen, hat sie den Kornhandel im Mississippitale um eine Mehreinnahme um 100 Millionen Dollar vergrößert. Dadurch, daß sie den Verheerungen der Baumwollenraupe entgegentrat, hat sie ebenfalls eine Hebung des Ertrages um 30 Millionen Dollar bewirkt. So ist das Zusam­menarbeiten der amerikanischen Regierung mit den ein­zelnen Landwirten ein äußerst segensreiches und hat zu den glänzendsten Erfolgen geführt.

Politische Übersicht.

Zum Geburtstag des Kaisers.

In politischen Kreisen überrascht der nachdrückliche« Ernst der von uns mitgeteilten Worte, mit denen die hochosfizöse ,,N. A. Z." dem Kaiser zu seinem Geburts­tage ihre Glückwünsche darbrachte. Die Sprache des Negierungsorgans weicht in ganz ungewöhnlicher Weise von der konventionellen Art ab, die sonst bei solchen An­lässen gewählt zu werden pflegt. Die „N. A. Z." unter­streicht die Gefahren, die im vorigen Sommer drohten, mit solcher Bestimmtheit und mit solcher Häufung von wichtigen Worten, daß man sich beinahe fragen muß, ob etwa wieder eine Situation für möglich gehalten wird, die eine derartig kräftige Hinlcnkung der öffentlichen Meinung auf drohende Eventualitäten erforderlich macht. Es wird non dem Auftreten des Kaisers gesprochen, das eiiidringlich zu erkenneii geben sollte, ein jederzeit kampfbereites großes Volk siehe hinter ihm. Es wird« gesagt: „Auch das blödeste Auge mußte sehen, daß Ge­fahren im Anzuge seien, denen nur feste Entschlossenheit zu begegnen im stände war." Von Tagen „gewichtiger Entscheidima" spricht der offiziöse Artikel, vom Willen, Recht und Ehre der Station gegen „ungerechte Angriffe" zu wahren, von der Einsetzung der eigenen Person zur „Abwehr feindseliger Anschläge". Wie gesagt, das sind außerordentlich kräftige Worte, die denn auch zweifel­los im Auslände, besonders in Paris, aber auch in Lon­don, nach Gebühr werden bemerkt werden. Nun kann man eigentlich kaum annehmen, daß solche Sprache nur geführt werden sollte, um eine inzwischen abgetane Sach­lage nochmals zu verdeutlichen, aber nian kann auch wieder nicht annehmen, daß der Artikel dazu dienen soll, auf neue Verwicklungen vorzuberciten. Einmal näm­lich sind abermalige Komplikationen nicht zu erwarten,

Wenn die Primeln crblüh'n, neu erstch'n Wald _ und Feld,

Wenn die Lcrch' trillicrt sangesbeflissen,

Wird dem Fremdling zu lieb', dem das riesig gefällt Flugs der Wilhclmstraß' Fahrdamm zerrissen.

Da das Kurhaus, das neue, noch unfertig ist, Würö' die Kurstadt von manchem gemieden,

Und so dacht' man bei uns denn mit schlauer List, Daß es nottät', mal sonstwas zu bieten.

Kann der kurende Fremde durch waten die Straß' Die er tangweil'gcrweis' sonst begeh'» würd'

Ist das abwechslungsreich und macht furchtbar viel Spaß Ja, man hofft allgemein, daß das schön wird.

Zwar, — die Trambahn versagt in dem schlammigen

Doch das macht nichts, 's gibt soviel zu gaffen"' Außerdem ist es Frühling, da geht man zu Fuß'

Die Saisvn ist dafür, wie geschaffen.

Nur das Ding, das gewöhnlich man Kaufmann Wird nicht viel bei der Sach' profitieren'

Doch des Krämers berechnender, kleinlicher Geist Darf die Vater der Stadt nicht genieren.

Und cs dauert t2 Monat auch nur, - wenn das wabr Ja, dann hat es fast nichts zu bedeut":

Wen könnt das groß genieren — was ist denn ein Jaür In dem eiligen Fluge der Zeiten? J

lFür^i?!-/?^ Ö rf Kaufmann sich auf zu 'ncr Tat (Für die er so selten zu haben)

Und verehrt unsrer Weltkurstadt Magistrat Eine Lhren-Schüppc zum Graben.

t> war ein Akt nur der Dankbarkeit, den man erfüllt' ^enn ma«liris — so heißt's — lavat manum,

^tiö die S ch ü p p' nicht beliebt, schenkt vielleicht man

ein Bild

Von Ponipeji und Herkulanum