S 4 . Jahrgang.
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Io. 44.
Verlags-Fernsprecher No. 2958.
Samstag, den 27. Iarrrmr.
Redaktions-Fernsprecher Nr. 52. IA06.
Morgen - Ausgabe.
1. WLatt. _
Zum Geburtstag des Kaisers.
Am heutigen Tage vollendet unser Kaiser sein 47. Lebensjahr, und zum 18. Male, seit er des deutschen Kaiserreiches Krone trägt, feiert das deutsche Volk den Geburtstag des Kaisers. Es ist.für unser Kaiserhaus eine festliche Zeit, in welche diese Feier fällt. Das vergangene Jahr brachte die Vermählung des Kronprinzen und die Verlobung des Prinzen Eitel Fritz, und im nächsten Monat wird die Vermählung des Prinzen ge- nieinsam gefeiert werden mit der Silberhochzeit unseres K a i s e r p a a r c s. Allüberall im deutschen Vaterlande werden umfassende Veranstaltungen zu diesem Fest- und Jnbeltag des Kaiserhauses getroffen, und die heutige Kaisergeburtstagsfeier wird sich gleichsam zu einer Vorfeier des bevorstehenden Doppelfestes in unseren: Kaiserhause gestalten.
Die Feste unseres Kaiserhauses sind auch unsere Feste, und seine Freude ist die ünsrige. Das Wort können wir getrost aussprechen gegenüber den mannigfachen Klagen, die darüber laut werden, daß das monarchische Gefühl im deutschen Volke schwächer geworden sei. Wer vernommen hat, wie unser Kaiser am letzten Sonntag,, von dem man vielfach befürchtet hatte, daß er sich zu üinem „roten Sonntag" gestalten werde, in der Reichshauptstadt, in der die Sozialdemokratie zu einer Massenagitation gegen das preußischeDreiklassenwahlrecht mobil gernacht hatte, durch die Straßen der Stadt 'pazstren fuhr und wie er allenthalben mit Jubel und Begeisterung von den Menschenmassen begrüßt wurde, der wird 'ich sagen müssen: Wenn unser Kaiser sich selbst in dem so verschrieenen „roten Berlin" solcher Volkstümlichkeit erfreut, wenn ihn an cincmTage,welcher als ein Tag der schroffsten Opposition ausgegcben wurde, solche begeisterten, ja nicht erzwungenen, sondern aus dem Herzen kommenden Kundgebungen begrüßen, dann muß doch bei den .Klagen über die angebliche Abnahme der Monarchischen Gesinnung ein gut Teil unberechtigter Pessimismus unterlaufen.
Gewiß geben wir uns darüber keiner Tüuschurrg hin, daß es nicht alle Söbne des Vaterlandes sind, dm an Kaisers Geburtstag, der uns Deutschen nach alter sitte als ein Festtag der Nation gilt, von denselben Gefühlen beseelt werden wie die überwältigende Mehrheit der Nation. Wir wissen, daß es eine starke Gruppe von llnznfriedenen gibt, die an diesem Tage abseits stehen. Aber diese Gruppe, so stark sie ist, wird doch bei weitem überschätzt, und wir nröchten sie gewiß nicht mit der Sozialdemokratie ohne weiteres identifizieren. renn neben den sogenannten zielbewußten Anhängern der Sozialdemokratie ist die große Masse der Mitläufer, dre trotz aller Betonung ihrer „revolutionären Ge-
Femlletorr.
ORatfjWuff verbalen )
Geburtstage.
Am
Mozart.
Ein Gedenkblatt zu seinem 156.
Von Theodor Bergcngruen.
27. Januar 1756 wurde in Salzburg Wolsgang
Amadeus Mbzart geboren. Die Reihe Namen kann fuglrch unerwähnt bleiben. Oie W ^ ,
Um doch nur kurzweg Mozart. Aber wmn ein Mdodr ans seinen unsterblichen Opern, eine i | l u " 0 £
Sinfonien ertönt, so ersteht ferne Gestalt doch s f - und fertig irr ihren Umrissen, vor unlerer Phantas^ Der sechsjährige. Knabe, wie er mit der ^chw.ster vor born Spinett sitzt unb die kleinen ub ü
Tasten gleiten läßt. Dann als Wunderkind aus^ der Aagantenfahrt, die er mit den Ettern . K '
Nffinchen, Paris, London unternimmt, M m ^ ^
Neapel, Mailand rind Venedig. Dazwischenschon stlber komponierend, vorläufig, wie selbstverständlich, nach ren Zeschrnack der Zeit im welschen Fahrwasser aber der Individualismus, das Genie kommt s g Nichtigkeiten zum Durchbruch. Dabei M ^ohlrch und aufgelegt zu Schelw.ereierr — und verliebt. >^o knapp an Geld, daß er, weil er sich kein Holz zum^Emh 8-- ä
kaufen vermag, im Zimmer herurntanh , unMa mch me
Kalte zu verspüren. Ohne Groll Kuren -»wer awer Gegenüber, ohne Eitelkeit, obwohl | ff
Künstler, ein echter, gottbegnadeter; «"tnustrg, osten ^rzig, von rührender Treue. Die W I-ne oett ,ell Stelle als Kapellmeister inrt einem.^ahresgeyatt v
8000 Talern, die ihm König Fruürnch W he nr d r Zweite an seiner Hofoper Zu. Berlmanbmtetz lehnt er ab, weil er „seinen Kaiser nicht verlasten.mag.
sinnirung", welche ja im Grunde doch nur auf mehr oder weniger Phrasentunr herauskommt, wahrscheinlich, wenn sie vor die entscheidende Wahl gestellt würden, es machen würden wie seinerzeit int Revolutionsjahr jene badischen Bauern, welche die Republik mit denr Großherzog an der Spitze forderten.
Und in der Tat, selbst diejenigen, welchen nicht, wie der bei weitem überwiegeirdcn Mehrheit bei uns, die monarchische Gesinnung gleichsam in den Knochen steckt, müßten eigentlich durch die mancherlei Erfahrungen, Welche die. Geschichte uns in den letzten Jahren hat zuteil werden lassen, zur konstitutionellen Monarchie, deren wir uns in Deutschland erfreuen, bekehrt werden. Ern gütiges Geschick hat dafür gesorgt, daß uns zur Rechten wie zur Linken Nachbarn hingesetzt wurden gleichsam als Schulbeispiele, die laut und mahnend zugunsten der konstitutionellen Monarchie sprechen. Im republikanischen Frankreich sehen wir seit Jahrzehnten mit an, wie die Kraft des Volkes sich in unendlichen srncht- losen Parteikämpfen aufzehrt, die Kabinett aus Kabinett, Politiker auf Politiker verschlingen. Im despotischen Rußland aber haben wir es soeben mit angesehen, wie der autokratische Zarismus an dern Widerspruch dieser mittelalterlichen Regierungsform mit der neuen Zeit und denr erwachten Rechtsbewutztsein des Volkes scheiterte und den Massen, was er freiwillig nicht gewähren wollte, unfreiwillig zngestehen mußte.
Noch eines aber haben wir aus diesen beiden „Schulbeispielen" lernen können. Das autokratische Regiment in Rußland ist nicht imstande gcweseir, dein russischen Volke die Segnungen, des Friedens zu verschaffe». Ter Friodenszar hat sich, als ein Kriegszar erwiesen, und noch Jahrzehnte hinaus wird Rußland an den Folgen der schweren, vernichtenden Niederlagen tragen, die das kleine Japan dem Koloß beigebracht hat. Aber auch iit der französischen Republik wäre es vor etwas mehr als einem halben Jahre den Intrigen eines einzelnen Mairnes, eines ehrgeizigen Strebers, beinahe gelungen, die. Kriegsfurie zu entfesseln, den Frieden Europas zu stören, wenn nicht die deutsche Regie- r ri n g durch ihr entschlossenes Vorgehen jene Intrigen durchkreuzt und so durch eine Taktik, die Übelwollende für eine Politik des Konflikts, für eine Angriffstaktik ausgabcn, mit den Interessen Deutschlands zugleich den Frieden Europas gewahrt hätte.
Der Ausgang der M a r o k k o k o n s e r e. n z wird, davon sind wir überzeugt, beweisen, daß der von manchen Seiten so heftig angegriffene Besuch des deutschen Kaisers in Tanger ein Akt war, der denr europäischen Gleichgewicht und damit dem europäischen Frieden förderlicher war als manche init gewaltiger Reklame ins Werk gesetzte: Friedensaktion. Möge es, das ist unser Wunsch air dem heutigen Tage, unserem Kaiser >vie bisher so auch in Zukunft vergönnt sein, allzeit du Mehrer des Reickes zu fein in den Werken des F r i e d e n s , auf denr Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung!
ieibt er in Wien, wo er nur 800 Guldeir als Kammer- nnponist bezog. Hier stirbt er denn auch im Dezember 791, erst 36 Jahre alt. Sein ganzes Dasein ein Ge- iifd) von Frohsinn und Dürftigkeit. Erhellt wurde es ui einer handvoll Liebe und emsigster Arbeit. Als er ine Sonncmaugcn schloß, bestand sein gesamtes Verlogen aus baren sechzig Gulden und vielen, ach, sehr ielen Schulden.
Unermeßlich dafür sind die in Tönen niedergclegten schütze, die er der Menschheit hinterlassen hat. Wir ihren nun schon feit länger als einem vollen Jahr- llndcrt davon, und sie sind noch nicht aufgebrancht. Noch mte erstrahlt das Opern-Dreigestirn „Don Juan". Figaros Hochzeit" und „Zauberflötc" in derselben fischen Schönheit am Musikhimmel wie damals, wo cs lerst der staunenden Welt vor die Sinne trat. Seine ieder singt das Volk wie selbstverständlicb; es kann icht widerstehen: liebkosend, schmeicheln sie sich in die -ehle. Seine Sonaten gehen ohne Umwege zu Herz nd Gemüt, seine Kammermusik bleibt du Leckerbissen xx Feinschmecker. Innerlich und doch gefällig, vor- ehm und dennoch nicht gespreizt, durchaus originell und llbstständig — aber niemals herausgetüftelt und ge*
E_so möchte ich seine Musik in ihrer Wesenheit
mnzeichncn. Und was hätte er nicht erst schaffen innen, wenn sich nicht die Sorge so oft zwingend aus ünc Rechte legte und diese veranlaßte, Noten auf das dpier zu werfen, die bereits vorausbezahlt oder doch estellte Arbeit waren! Von den vielen Charakteristiken, ie von Mozart entworfen wurden, erscheint mir kerne nch nur annähernd so^tresfend wie die von Richard öagner herrührende. Sie ist zwar zum Teil verstreut vischcn seine mannigfachen Aufzeichnungen; allein auch )se aneinandergefügt, geben diese cur deutlich erkeiin- ares Bild: „Mozarts Leben war cm unausgesetzter
wmpf für eine friedlich gesicherte Existenz. Als Knw
Politische Übersicht.
Stöcker und die protestantische Gewissensfreiheit.
Eine kaum glaubliche Herabsetzung dcs^ geistlichen Standes leistet sich das Organ des Herrn Stöcker „Die Reformation". Als Antwort auf einen Brief, der zur Mäßigung in. der Behandlung der Lehrfälle mahnte, schreibt der Herausgeber: „Nichts ist so geeignet, den
Pastoren die Gewissen zu schärfen, als recht geübte, Weisheit mit Ernst verbindende Lehrzucht. Denn cs iß •eine oft gemachte Erfahrung, die mit der sündhaften Natur des Menschen zusammenhängt, daß Belehrungen, Bitten, Verwarnungen nicht in dem Maße imstande sind, cinen Menschen vom Unrecht zurückzuhalten, als die bestimmte Aussicht ans Strafe. Darin liegt die Bedeutung des Gesetzes für die, welche dem Geist Gottes nicht gehorsam sind. Eine Amtsentsetzung wegen Mißbrauchs des Amtes durch Verkündigung von Irrlehre wirkt wie ein reinigendes Gewitter. Die Erwartung, ihr Amt zu verlieren, wird die jungen Theologen, die. leichthin ihre persönliche wandelbare Überzeugung über die unwande.1- barc Offenbarung in der heiligen Schrift setzen, veranlassen, ihre innere Stellung nachzuprüfen, das Positive, das sie besitzen, zu vertiefen, ihre Negative zurückzustellen." Am schlimmsten in diesem Stück ist Wohl die Identifizierung des „Geistes Gottes" mit dem „Geist der Orthodoxie", ebenso die alleinige Inanspruchnahme der „Wdsheit" durch Stöcker. Das Ganze mutet an wie die berüchtigte Landsknechtszucht, angewendet auf die Geistlichkeit. An Erwiderungen wird es nicht fehlen.
Österreich und die serbisch-bulgarische Zollunion.
h. Belgrad, 28. Januar.
Ihn die Bedeutung der serbisch-bulgarischen Zoll- Union, die nun wirklich zur Eröffnung eines Zollkrieges Österreich-Ungarns gegen Serbien geführt hat, zu der- stehen, muß man üe im Zusammenhänge mit früheren Vorgängen betrachten, in deren Kette sie nur das letzte Glied darstellt. Nicht seit gestern erst bedauern Serbien und Bulgarien den Bruderkrieg, den König Milan vor zwanzig Jahren entfesselte. Schon im Jahre 1897 zogen die Ministerien Simitsch und Stoilow die Möglichkeit einer Annäherung in Erwägung. Die Unterhandlungen wurden durch die Kabinette Wunitsch und Danesf wieder ausgenommen. Im Jahre 1904 kam es dann zu einem Abkommen über die gemeinsame Regelung der Post- und Telegraphenverhältnisse; gegenseitige Besuche der beiden Staatsoberhäupter bekräftigten das dadurch bekundete gute Einvernehmen. Bald daraus kam ein serbisch- montenegrinischer Handelsvertrag zustande, in dessen Einleitung die Jntercssensolidarität unter den Balkan- staatcn besonders unterstrichen und der Abschluß weiterer Verträge als zu erstrebendes Ziel hingestellt wurde. Mil der serbisch-bulgarischen Zollunion sollte nun ein großer Schritt vorwärts auf dem Wege zu einer Einigung der Balkanstaaten getan werden. Daß man nicht beabsichtigte
von halb Europa geliebkost, findet er als Jüngling jede Befriedigung seiner lebhaft erregten Neigungeu bis zur lästigen Bedrückung erschwert, um von dem Eintritte in das Mannesalter an elend einem frühen Tode entgegen zu siechen. Seine schönsten Werke sind zwischen dem ilbermutc des Augenblicks und der Angst der nächsten Stunde entworfen. Mozart machte immcrsort Musik, aber eine schöne Musik konnte er nie schreiben, als wenn er begeistert war. Mußte diese Begeisterung von innen, aus eigenem Vermögen kommen, so schlug sic bei ihm doch nur dann hell und leuchtend hervor., wenn sie von außen entzündet wurde, wenn dem Genius in ihm der lebenswerte Gegenstand sich zeigte, den er brünstig selbstvergessen umarmen konnte." Ein andermal spricht er von dem „zarten Licht- und Lrebesgenius Mozarts" direkt. Und sein Glaubensbekenntnis lautet: „Ich glaube an Gott — Mozart und Beethoven!"
Mozart war-zeitlebens schwächlich und von hagerer Figur. Wer ihn zum ersten Male erblickte, wäre von seiner äußeren Erscheinung aus schwerlich zu dem Schlüsse gekommen, den so berühmten Komponisten, den rastlos schaffenden Geist vor sich zu sehen. Der Kopf zu groß im Verhältnis zum übrigen Körper. Aber er steckt unter reicher Fülle von Haaren, die zuerst lichtblond sind jedoch bei zunehmendem Alter mehr und mehr nach- dnnkeln. Bei dem Kinde und Knaben ist das Auge blau und strahlend m seiner Herzensgute; später wird es sichtlich graublau; Sorge und Krankheit lassen es müde und zerstreut erscheinen. Charakteristisch ist die Nase, sie tritt^stark und entschieden aus dem mageren Gesicht hervor. Infolge von auffälligen Knorpelveränderungcn ist die Ohrmuschel zum Teil verkümmert, das Läppchen in seinem Ansatz zu kurz gekommen. Sämtliche Bildnisse des Komponisten, die auf uns gekommen sind — und cs existieren wirklich getreu ansgeführte und gut erhaltene — stimmen in diesen prägnante^ Merkmalen
