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Anzeigen-Preisr Die einspaltige Petitzcile für lakale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzcile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

54. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe«. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. L« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgabcn zusammen.

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—— —■■■ ’ erfchemcndcn Ausgabe, wie für die Anzctgen-Aufnahme an bestimmt vorgeschriebenen Tagen wird keine Gewähr übernommen, j edoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

I0. 40. Berlags-Fernsprecher No. 2958. DSKNeeSlNg^ d-N 25. InNUNr.

Redaktions-Fernsprecher Rr. KL.

1906 .

Morgen - Ausgabe.

_1. Wtcrtt.

Irrrr gießrwar und Wävz

auf das

„Wiesbadener Tagblatt"

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der Nachbarorte,

und bei sämtlichen deutschen Rrichspostanstalten.

Die rujstlche Finanzlage.

.. Kürzlich ist das russische Reichsbudget für 1906 ver­öffentlicht worden. Es ist ein außerordentlich wichtiges Schriftstiick. das in der deutschen Presse viel zu wenig beachtet worden ist. Berliner Börsenblätter haben es einfach ohne Kommentar abgedruckt. Sie sind daran interessiert, wieder eine neue Anleihe in Deutschland unterzubringen, deshalb wollen sie auf die üble russische Finanzwirtschaft die Augen nicht hinlenken. Es ist aber ungeheuer wichtig, das deutsche Publikum aufzuklärcn, nicht nur nin die etwaigen Geldverleiher zu unterrichten, sondern auch daniit man einen richtigen Maßstab für die Lage des russischen Reiches gewinnt. Wir wollen uns dabei wörtlich auf die konservativste Zeitung Rußlands, auf die „Petersburger Zeitung" beziehen. Die „Peters­burger Zeitung" schreibt:

m _ „Das alte Regiment geht mit einem Defizit von 481 Millionen m das neue Jahr, und mehr als das, es schließt in einer Situation ab. die die mit unendlicher Mühe und ungeheuren Opfern eingeführte Goldvaluta in hohem Maße gefährdet erscheinen läßt. Die wirt­schaftliche Lage des Reiches ist, dariiber darf man sich keinen Täuschungen hingeben, ungemein prekär, wozu in erster Linie der Krieg mit Japan und die unaufhör­lichen inneren Wirren, deren Ende sich noch gar nicht absehen läßt, beigetragen haben.

Der Krieg mit Japan hat eine ungeheure Lücke in die Staatsfinanzen gerissen. Die Kosten betragen ins­gesamt 1677 Millionen Rubel! Das ist eine kolossale Summe für ein Land, das mit Hülfe von Anleihen von der Hand in den Mund lebt und keine Mittel hat, um seine dringendsten kulturellen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Kriegslasten gewinnen an Bedeutung, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Sibirische Transversalbahn,

die „neue Weltstcaße", mehr als eine Milliarde kostete und daß diese Bahn ihre Weltbedeutung nun so gut wie ganz eingebüßt hat, denn das „Fenster nach Osten" ist für unabsehbare Zeit verschlossen und von dem stolzen Traum blieb nichts nach als der bittere Nachgeschmack eines leichtfertig vom Zaun gebrochenen Krieges, der das-politische Ansehen Rußlands und seine wirtschaftliche Stellung aus viele Jahre hinaus auf das empfindlichste erschüttert hat.

Die Schädigungen, die durch die inneren Unruhen hervorgerufen sind, lassen sich auch nicht nur annähernd abschätzen, doch werden sie im allgemeinen kaum niedriger sein als die Kriegskosten betragen.

Wenden wir uns nun der Bilanz zu, so übersteigt das Ordinarinni der Ausgaben pro 1906 mit 2018 Mill. das des Jahres 1905 mit 1916 Mill. um 102 Mill. Die zweite Ausgabenposition, die der höchsten Staatsinstitu­tionen, weist eine Zunahme von 1 600 000 Rubel auf, die für die Reichsduma ausgeworfen sind. Es ist nicht ohne Interesse, dieser bescheidenen Summe, die gewiß nicht der Würde, Rußlands und auch nicht derjenigen der Volks­vertretung entspricht, die Ausgaben für den Reichsrat gegenüberzustellen, die rund 2 277 000 Rubel betragen. — Der Etat des Verkehrsministeriums weist eine Steige­rung um 29,4 Mill. auf, wovon 16,1 Mill. zur Besser­stellung der Lage der Eisenbahner verwendet werden. Eine Ausgabe, die man nur mit Genugtuung begrüßen kann, wenn Hand in Hand mit dieser schon seit Jahren dringend notwendigen Aufbesserung eine Sichtung des im wesentlichen völlig untauglichen höheren und niederen Beamtenpersonals geht. Ein Posten, der tief blicken läßt, ist der von drei Millionen, die „zu Reparatur­ausgaben für die von den Bahnen des europäischen Netzes nach dem fernen Osten abgesandten Lokomotiven" aus­geworfen sind. Kein günstiges Zeichen für die Loko­motivführer in Sibirien, die. ob sie nun Zivilisten oder Soldaten waren, beinahe jede Lokomotive, die in ihre Finger kam, wie Vandalen behandelten.

Der Voranschlag für das Ministerium des Innern lautet um 24,8 Millionen höher, die in bedenklichem Gegensatz zu den verliehenen „Freiheiten" zur Ver­stärkung des Personalbestandes der städtischen Polizei und der Polizei auf dem flachen Lande angewiesen wer­den. Leider finden wir keine Andeutungen dafür, daß die Versprechungen, die in bezug auf die Aufbesserung der Lage der Post- und Telegraphenbeamten gemacht wurden, zur Ausführung gelangen sollen. Im Etat findet sich wenigstens kein entsprechender Posten. Eine der Positionen des Etats scheint eine Spezialität des Ministeriums — es verbraucht zu „Abkommandierun­gen" 1 600 000 Rubel. Diese Position findet sich selbst bei solchen Ressorts nicht, die ihrer Natur nach mehr

„abzukommandieren" haben als das Ministerium des Innern. Gleich geheimnisvoll ist die Position „Ver­schiedene Ausgaben", die mit 6 309 446 Rubel bei weitem höher ist als bei irgend einem anderen Ressort. Hinter diesen Positionen verbergen sich wohl schämig die sekreten Funklionen des Ministeriums, die also auch im ersten Jahr der Reichsdnma beibehalten werden sollen. Bei­läufig bemerkt, brauchten Ssipjagin und Plehwe zu diesen Zwecken weniger Geld. Die Höhe der geheimen Ausgaben in Rußland hat bisher noch stets die Richtung des jeweiligen Kurses angezeigt.

Zu den Etats der übrigen Ministerien ist kaum etwas zu bemerken. Am stiefmütterlichsten wie immer sind die Etats der Landwirtschaft und des Unterrichts behandelt. Wir sind der Überzeugung, daß das zum letzten Mal geschieht. Die Reichsduma wird gewiß diese beiden Ressorts, von denen die Zukunft Rußlands ab­hängt, in der Weise ausstatten, wie das im Interesse der geistigen und materiellen Entwicklung des Landes durchaus erforderlich ist; 24 Millionen für die Polizei und 1 Million für Elementarschulen; darin liegt ein Programm, das ist eine Tatsache, die mehr als Bände redet und unsere gegenwärtige Regierung in unzwei­deutiger Weise charakterisiert.

An außerordentlichen Ausgaben sind eingestellt „zu Ausgaben, die mit dem japanischen Kriege und dessen Folgen in Verbindung stehen", 405 376 776 Rubel. Zum Ausbau von Eisenbahnen 42 365 250 Rubel, zu Ver­pflegungszwecken, an notleidende Bauern nicht weniger als 30 000 000 Rubel, eine Summe, die um so unge­heuerlicher ist, als sie seit einem Jahrzehnt so ziemlich auf derselben Höhe bleibt und wohl auch bleiben wird.

Die Zerstörung der Naphthaindustrie, die dank der Untätigkeit der örtlichen Autoritäten und der Zentral- Verwaltung erfolgte, kostet an Darlehn 15 Millionen Rubel. Man gönnt diese an und für sich geringe Unter­stützung der Naphthaindustrie, — doch fragen wir, wie wird es mit den Gutsbesitzern werden, die gleichfalls in­folge Untätigkeit der, Autoritäten ruiniert find? Was dem einen recht ist. ist dem anderen billig.

Der Stolz unseres Budgets, die Einkünfte aus dem Branntweinmonopol find mit 568,4 Millionen ange­setzt, es ergibt sich mithin eine weitere Steigerung um 42 Millionen, die sicher zu sein scheint, denn trotz der schlechten Zeiten wird-mehr Branntwein getrunken als je. Über diesen Punkt ist so viel gesprochen worden, daß diesmal der Hinweis auf Tätigkeit der Mäßigkeits­kuratorien fehlt. Alle diese Beschönigungen können in der Tat nicht darüber hinwegtäuschen, daß der dritte Teil unserer Staatseinnahmen auf dem Wege der Ent- ittlichung des Volkes erzielt wird.

Die Zündholzsteuer, die im Jahre 1905 verdoppelt

Femlleton.

Etwas über den RrebZ^

Ein Mahnruf an die Frauenwelt!

Der Kampf gegen die verheerendsten Krankheiten ist allen zivilisierten Staaten mit größtem Eifer, zum il feit vielen Jahren schon, ausgenommen worden, ihr, Typhus, Pocken u. a. Krankheiten, wurden tn er Ausbreitung ganz wesentlich beschränkt, und die phtherie mit ihrer früher erschreckenden Sterblichkeit i bedeutend abgenommen. Das Kindbettsieber ist m t Frauenkliniken nur noch eine seltene Erscheinung, d gegen die Lungenschwindsucht, welche alftahrlich wohl größte Zahl an Opfern fordert, werden von den Rö­tungen, sowohl wie don Städten undGememden, Ber­eu und Wohltätigkeitsanstalten die weitgehendsten rßnahmen getroffen, um ihre Ansteckungskeime abzu- en und ihre Verbreitung zu hemmen., .

Nur gegen eine Krankheit, welche jährlich allein im utschen Reiche viele Tausende von Frauen dahinrastt, bisher in der Öffentlichkeit so gut, wie nichts ge­hen: es ist der .Krebs, welcher beim weiblichen Gc- echt vorwiegend die Brust und Teile im Unterleib bc- i und mit aller Sicherheit zum Tode fuhrt, wenn er st frühzeitig erkannt und beseitigt wird, ^arum soll 5 muß zum Heile des ganzen Volkes hrer endlich ^ an­geschaffen werden. _ ir , . . .

Denn ist es nicht eine entsetzliche Tatsache, daß in stschland jährlich zirka 26 000 Frauen an Kreb,' zü­nde gehen? Wie viele blühende Leben werden ver­stell Wie viele Familien wird die Mutter, wie vielen ldern die einzige, die beste Beraterin geraubt. Seit ireren Jahren haben sich nun gewichtige und ernst- hnende Stimmen erhoben, endlich auch gegeii diese 'htbare Krankheit wirksame Maßregeln zu „ergreifen. k>ar namentlich Professor Winter tn Königsberg, cher sich mit einem öffentlichen Mahnruf an me wcnwelt wandte iind ihr darlcgte, durch wclme Er­klungen man aus den Beginn des Krebses ausmert-

sam gemacht wird und daß man durch eine sehr frühe operative Entfernung der erkrankten Organe dauernd von dem Leiden befreit werden kann. Winters Bei­spielen folgten viele der hervorragendsten Frauenärzte und wissenschaftliche Gesellschaften in Breslau, Berlin, Dresden, Leipzig. «Nöttingen, Nürnberg u. a. Und wenn es heute die Unterzeichneten Gesellschaften unternehmen, sich mit diesem Mahnwort an die Frauenwelt zu wenden, so verfolgen sie lediglich den Zweck, zum Wohls der leidenden Frauen Aufklärung zu schaffen. Niemand soll Angst oder Furcht eingeslößt werden. Aber cs soll gemahnt, gewarnt, es soll Belehrung in alle Volks­schichten getragen werden! Und cs ist wirklich hohe Zeit, in der Öffentlichteit darauf hinzuwciscn, daß es früh­zeitig auftretende Erscheinungen am Frauenkörper gibt, welche dringend mahnen, einen Arzt zu befragen, ob die gefährliche Krankheit etwa im Aiizuge ist. Und es soll durch die Macht der Wahrheit und unumstößlicher Tat­sachen laut verkündet werden, daß die Kranke nur durch eine frühzeitige Operation, und zwar mit Sicherheit gerettet werden kann. Liegt die Anregung zu diesem Mahnruf ziinächst in der Häufig­keit des Krebses beim weiblichen Geschlecht, so fühlen sich andererseits die Unterzeichneten Gesellschaften ins­besondere. hierzu dringend veranlaßt, weil sie immer und immer wieder erleben müssen, in welchem schon weit vor­geschrittenen, oft trostlosen Zustande viele Krebskranke zum ersten Male ärztliche Hülfe oder die Kraiikenhäuser aussuchen. Sie kommen in den meisten Fällen viel zu spät, so daß eine gründliche Entfernung des kranken Organes nicht mehr ausführbar oder zu gefährlich ist.

Warum aber kommen sie zu spät? Die einen aus größter Gleichgültigkeit gegen ein bestehendes Leiden: andere leben in der Vertrauensseligkeit, daß es wohl bald von selbst wieder besser werde. Wieder andere täuschen sich selbst durch die Annahme, daß cs doch nichts zu be­deuten haben könne, da sie keine Schmerzen noch sonstige erhebliche Beschwerden haben. Und nicht wenige Frauen trösten sich durch die Beruhigung, welche ihnen von anderen Frauen, obwohl diese nichts von der Sache ver­stehen, zuteil wird. Es bedarf gewiß keiner näheren

Mgrunoung. oaß noer em derartiges Leiden nur der Sachverständige, also der Arzt, ein Urteil abgeben kann. Welche großen Fehler' aber werden hier von kranken Frauen begangen! Manche befragen Laien, Kurpfuscher, sogenannte Naturärzte, Natur- Heilkundige, d. h. Nicht-Ärzte, welche nach ihrem Bildungsgänge von Krankheiten und deren Beginn keine Kenntnis haben, also nichts davon verstehen können. Wenn diese gleichwohl solche Kranke beraten oder gar behandeln, so muß dies als Gewissenlosigkeit bezeichnet werden.

Eine andere Gruppe krebskranker Frauen fragt Hebamnten um Rat. Letztere werden aber in der Heb- ammenschulc nur über Geburtshülfe, nicht über Krank­heiten unterrichtet. Es wird ihnen vielmehr ausdrück­lich und eriistlich von ihren Lehrern und Vorgesetzten zur Pflicht gemacht, jede irgendwie kranke Frau sofort an einen Arzt zu weisen. Endlich suchen viele Kranke iiicht rechtzeitig genug ärztliche Hülfe auf, einmal aus falscher Scham vor ärztlicher Untersuchung zweitens weil sie die Anfangserscheinungen der Erkrankung an Krebs nicht kennen. Deshalb sollen diese hier klar dar­gelegt werden.

Was hat man zunächst unter Krebs zu verstehen? Der Krebs ist eme Wucherung, die zuerst als kleiner Knoten °derals era kleines Gejchwür oder Gewächs austritt. C-s wachst zwar langsam, aber ohne Unterlaß weiter fort verschwrndet also niemals wieder. Seine Bösartigkeit zeigt sich nun darm, 1. daß es an der befallenen Stelle n *°'’ E, Umgebung weiter wuchert, also kein Nachbargewebe verschont, 2. daß es in die Lymphgefäße etnbiicht und dadurch r.en Weg zu allen anderen, Körper- organen finden kann, die nun ebenfalls nach und nach vom Krebs befallen w-wden, und 3. daß es zum Zerfall neigt und endlich zerfällt und zu einem Jauchehcrd wird, an dem der Kranke durch Blutvergiftung schließlich zu- 0 ^'Eoe geht. Diese Erkrankung an Krebs befällt beim weiblichen Geschlecht mit Vorliebe gewisse Organe im Unterleibe und tritt in den meisten Fällen zrrrzeit des Rückganges derPeriode, also in den 40er und 50erJahren, manchmal aber auch früher oder später auf.