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5*. Jahrgang.

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K-. 4.

Verlags-Fernsprecher No. 2958.

Donnerslag, den 4. Januar.

Redaktions-Fernsprecher No. 52.

1906.

Morgen - Kusgabe.

1. SUicrtt. _

Her MW I» Große» Griieroiliod.

Der neue Generalstabschef, Generalleutnant von Moltke, wird hohe Leistungen aufweisen müssen, wenn ? r . das allgemeine Mißtrauen entkräften soll, mit dem ferne Ernennung ausgenommen wird. Diese Ernennung selbst ist keine Überraschung. Nicht bloß in militärischen Kreisen ist längst bekannt, daß der Kaiser den Jkeffen des großen Moltke zum Nachfolger des Grafen Schlieffen ausersehen hatte, und zwar schon im Februar 1903. wo «er.damalige Kommandeur der 1. Garde-Jnfanterie- Division als General-Quartiermeister in den Großen Generalstab kam. Es ehrt den Mann, daß er im Be­wußtsein der Grenzen seiner Fähigkeiten den Kaiser bat. do,n seiner Beförderung auf den verantwortungsvollsten unlitärischen Posten abzusehen. Er fühle sich, so erklärte

nach unwidersprochen gebliebenen Zeugnissen, der schweren Ausgabe nicht gewachsen. Auch mochte ihn die Ml) der Erbschaft eines weltgeschichtlichen Namens drücken. Indessen blieb der Kaiser bei seinem Vorhaben. Man hatte die Ernennung des Generalleutnants von Moltke zum Chef des Großen Generalstabs schon an­läßlich der Enthüllung des Moltkedenkmals am 26. Ott. 1905 erwartet. Jetzt also ist sie erfolgt. Es heißt, der Kaiser habe die Bedenken des neuen Mannes damit zu Entkräften gewußt, daß er erklärte, er werde ihm ^derzeit ergänzend zur Seite stehen, s^ein Probestück lieferte Moltke der Jüngere bei den dies­jährigen rheinischen Kaisermanövern. Man kann nicht lagen, daß die Fachmänner von dieser Leistung begeistert waren. Einen großen Vorteil, so meint Oberst Gaedke

„Tageblatt", hat der neue Generalstabschef: „Er kann uur angenehm enttäuschen".

Wir halten uns hier, wie sich ja von selbst versteht, an die Auffassungen und die Urteile berufener Männer, dar allem der militärischen Beobachter, von denen so wancher schon vor Monaten seine ernsten Sorgen wegen des bevorstehenden Personenwechsels im Großen General­stab geäußert hat. Tie Sache ist aber keine ausschließlich militärische Angelegenheit, sondern sie betrifft uns alle. Md darum ist es geboten, sich mit ihr von Gesichtspunk- wn aus zu beschäftigen, die zwar außerhalb der Fach- srage selber liegen, aber auch wieder zu ihr gehören und jedenfalls ihre Wichtigkeit nicht erst zu erweisen brau­nen. Man muß sich nämlich recht eindringlich klar Machen, welche außerordentliche Bedeutung auch im kon- stnutionellen Staatswesen das Ernennungsrecht der

Feuilleton.

t»i°adrull »erröten.»

Die Erbinnen.

Novellette von T. Breit.

, , Ein feuchtkalter, nebliger Herbsttag. Lore Dechow Mß unten im Wohnzimmer, in die Ecke des altmodischen, wrrlich begnemen Sofas gedrückt und las. >?n ^ dem M°ßen Kachelofen knatterte ein helles Feuer, das me düstere Stube ungewohnt freundlich und behaglich machte, y, Lore ließ ihr Buch einen Augenblick sinken und Mrchte nach draußen. Nichts rührte sich da. nur em leises Klappern aus der Küche zeigte an, daß die Plte Frau Mand an der Arbeit sei; sie kochte heut, für ein Mrttag- Zwn blieb sie gern mal etwas länger und tat etwas mehr, ^ arme, alte Frau. .. ...... .

v . Lore lehnte sich wieder zurück. Wie gemütlich es ?°ch war! Ach wenn es doch immer so sem konnte! Aber J* Jahren war es nicht so gewesen, würde verrmitlich Morgen schon wieder vorbei sein und kam dann m Jayrn ^cht wieder jo. . .

lstiten ging die Haustür aus, langsame und muc i Dstiritte kamen die Treppe heraus, hielten draußen einen Mgenblick an und näherten sich dann der wur.^ore ließ Meder ihr Buck sinken iind weidete sich an dem Erstaunen Cintrelenden. . - r

. Dan den ungewohnten Dingen, die Erna Dechow vor stm sah. schien ihr das Feuer das ungewohnteste, aber Mch das ergötzlichste, sie näherte sich dem Ofen, hielt me MMalen. roten Hände vor die spielenden Flammen und ^gte: „Nanu, was ist denn los?"

Lore dehnte sich behaglich. „Tante ist kraut. ^

--Nun ja, du Leichtsinnige, aber ist sie. dav nta}r ,/"schmal; wird sie das hindern, sogleich hier^zu er- Amiien und zu sehen, daß du setzt im Oktober pwuer rm

i»nS lArvrrr mrfif Ptrr ffptttpJB. Bctdf}Ctbcn6§

bast, und zwar nicht ein kleines. beschcGenes ^ors sondern lustig das beste Holz verknallst, dazu ii er Sofaccke sitzst und liest, anstatt Essen zu kochen und .

Krone hat, welche Bedeutung es namentlich innerhalb des Armeeverbandes hat, wo der viel gebrauchte Begriff der Kommandogewalt jeden Versuch einer Einflußnahme von anderen Stellen her vorweg auszuschließen bestimmt ist. Wir bekennen, daß wir keine bestimmte Vorstellung davon besitzen, wie sich wohl der Reichskanzler als ver­antwortungsvoller Beamter wie auch als Privatmensch in Fällen wie dieser verhalten mag. Wir wissen nicht, ob der Kaiser mit ihm über die Absicht, den General­leutnant v. Moltke zum Nachfolger des Grafen Schlieffen zu ernennen, jemals gesprochen hat, und wir wissen noch weniger, ob Fürst Bülow seinerseits jemals das Ge­spräch aut diese Frage gebracht hat. So viel jedoch weiß jeder urteilsfähige Betrachter, daß die Persönlichkeit des Generalstabschefs dem Fürsten Bülow noch wichtiger sein muß als uns anderen Deutschen, daß hierbei die Pro­bleme der auswärtigen Politik mitsamt ihrer doch immer- hin möglichen Zuspitzung zu ernsteren Verwickelungen mit dem Auslande bedeutsam mitsprechen. Dian nruß sich nach Lage der Sache damit begnügen, den gegebenen Zustand zu betonen, und inan sieht keine Möglichkeit, ihn zu ändern, es sei denn, daß die Grundlagen unserer ver­fassungsrechtlichen Verhältnisse stark reformiert werden. Wir haben bei diesen Betrachtungen nicht sowohl das persönliche Moment im Auge (obwohl das schließlich ent­scheidend mitspricht), als vielmehr den Zuschnitt unserer Institutionen, die eben so beschaffen sind, daß die Mit­wirkung der verantwortlichen Männer der Regierung an militärischen Ernennungen zu unterbleiben hat. Und zwar gilt das wohl auch vom Verhältnis des Kriegs- ministers zur Kommandogewalt der Armee. Im vor­liegenden Falle gilt es von diesem Verhältnis umso mehr, je strittiger von jeher die Kompetenzfrage bei den Beziehungen zwischen Kriegsministerium. Generalstab und auch Militärkabinett gewesen ist. Es bieten sich da allerlei verfassungsrechtliche Schwierigkeiten dar, an deren Lösung sich ans begreiflichen Gründen noch nie­mand hat versuchen wollen, deren Lösung auch um so heikler sein mag, je machtvoller die Komman dogewalt an sich ihren Platz über und neben diesen militärischen Be­hörden behauptet. ^

Helmut!» Johannes Ludwig v. Moltke, ein Neffe des Generalfeldmarschalls Grafen v. Moltke, ist am 23. Mai 1848 in Gcrstorsf in Mecklenburg geboren. Er nahm als Leutnant an dem Feldzuge gegen Frankreich teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse dekoriert. 1882 wurde er Adjutant seines Oheims und trat mit der Ent­hebung des Feldmarschalls Grafen v. Moltke als Chef des Generalstabcs der Armee und Ernennung zum Präses der Landesverteidigungskommisston gleichzeitig urit über. Illach dem Tode seines Oheims wurde Moltke

im Jahre 1891 züm diensttuenden Flügelaöjutanten des Königs ernannt, nachdem er einige Jahre vorher zum Major befördert worden war. 1899 wurde Moltke zum Generalmajor befördert, 1902 zum Generalleutnant und gleichzeitig zum GencraladjutaNten ernannt. Am 18. Februar 1904 wurde er zum Generalstabe der Armee kommandiert und zum General-Quartiermeister er­nannt.

UM Md And im RegieruMbeM Wiesbaden Md die ©InkommcnHeucr.

In der gesamten deutschen Presse sind in den letzten 14 Jahren, d. h. also seit dem Jahre des Inkrafttretens der neuen EinkommenfteuergLsetzgebung, immer wieder von neuem über den Umfang der Steuerfähigkeit von Stadt und Land vergleichende Zusammenstellungen auf- geinacht worden. Es dürfte daher des allgemeinen In­teresses nicht entbehren, wenn an dieser Stelle, gestützt aus das staatliche steuerstatistische Material, einige kurze Mit- teilungcn darüber gegeben werden, wie die Verhältnisse auf diesem Gebiete in unserem Regierungsbezirke Wies­baden gestaltet sind.

Was zunächst die Einwohnerzahl aubelangt, so stellte sich dieselbe nach den Ermittelungen des Personenstandes, welche den Steuerveranlagungen für 1892/93 und für 1904/05 vorangingcn, in unserem Regierungsbezirke wie folgt, und zwar:

Städte: Land: Zusammen:

Herbst 1901 . . . 896 745 454 891 851 136

„ 1903 . . . 577 264 501060 1078 264

Die Zunahme in diesem zwölfjährigen Zeit­räume betrug also in den Städten 130 519, aus dem Lande 46 609, und insgesamt 227128 Köpfe, und war mithin eine sehr airsehnliche. Seit dem Herbste 1903 haben nun allerdings wieder zwei Personenstandserinittelungcn stattgcfunden, und zwar im Herbste 1904 und im Herbste 1905. Die Ergebnisse derselben sind von der staatlichen Statistik bis jetzt aber noch nicht soweit verarbeitet, daß sic hier mit in Betracht gezogen werden könnten.

Die Fraae. ob und welche Veränderungen die in die­sen PersonenMndsziffern enthaltene Anzahl der zur Ein­kommensteuer veranlagten Personen in den in Betracht gezogenen Jahren erfahren hat, beantwortet sich dahin, daß an solchen Personen aufzuwciscn hatten:

Städte: Land: Rcg.-Bcz.:

1902/03 . 57 024 22 381 79 405

1904/05 . 126 610 40 543 167153

mithin Zunahme . 69 586 18 162 87 748

Diese Ziffern vermehrten sich also in den Städten um mehr als das Doppelte, auf dem Lande aber um fast das

Dinge!. Aber heut wird sie sie nicht merken, denn sie liegt oben, hat Morphiummedizin und wird danach mindestens bis heut abend schlafen, sagt Doktor

Schlüter." ,

„Was, den Doktor hast du auch geholt, wenn dir das

man gut bekommt."

„Pah, ich würd's schon auf mich nehmen, aber er tam nun mal zufällig! Gerade als Tante da saß undMhre Atemnot hatte. Natürlich war sie wieder im Keller ge­wesen und hatte die alten Kisten umgepackt. Der Doktor schalt denn auch nicht schlecht darüber, ich bekam auch was ab' Lächerlich, als ob es einen Menschen gibt, der Tante veranlassen könnte, etwas zu tun oder nicht zu tun! Ich wundere mich nur, daß sie zu Bett ging, daß sie die Medi­zin nahm, aber sie tat's und nun schläft sie und dieser Tag gehört uns. Komm, setz dich, Frau Brand bringt gleich das Essen."

„Die hast du auch dabehalten? Aber Lore, ist denn

das recht?" , .. .. . , ,

„Nun, natürlich! Erstensmal mußte sie doch nach der Apotheke gehen und dann, cs hätte doch schlimmer werden können mit Tante, kann ich vielleicht zugleich oben sein und in der Küche? Und dann . . . na dann freut sich die alte Frau, wenn sie hier ihr Essen hat und in der warmen Küche sitzen kann anstatt in ihrer Dach­kammer." , y .. PI ,., , •

jawohl ja!" Erna sah ängstlich nach der Tur.

Aber du wüßt, Tante kaiin auch die kleinste Abweichung von der Regel nicht leiden iind duldet nicht die geringste Eigenmächtigkeit." , . . .

L^e lackte spottend. „Das sollte ich m den zwanzig wo wir hier ihre Sklaven spielen und ihr Gnadenbrot essen, wohl begriffen haben! Aber wenn die Katz' nicht zu Hanse ist, tanzen die Man'e ans dem Tische' So geduckt bin ich doch noch nicht, daß ich mich nicht mal eines ungewohnten Augenblicks der Freiheit freuen kann. Doch da tomint das Essen, es gibt heut - natürlich was Gutes." ^

Die alte heisere Dielennhr schlug fünf. Eriia kam die Treppe herunter auS ihren: Zimmer, wo sie euien

langen Nachmittagsschlaf gehalten hatte. Im Wohn- ziminer brannte die Lampe, der Kasfeetisch war schon ge­deckt und Lore war beschäftigt die Schlüssel ihres Schlüsselbundes an der Tante Sekretär zu probieren. Gerade warf sie es ärgerlich fort. „Wie schade, keiner meiner Schlüssel paßt", rief sie dabei.^

Erna riß staunend die Augen auf. „Aber Lore, du wolltest bei Tantes Sekretär!"

„Nun ja, nur mal reingucken, mir nur mal ansehen, was drin ist, seit meiner Kindheit brenn' ich schon daraus!

— Tu. was sie da wohl alles drin hat? Geld und Schmuck und — ob Ne wohl reich ist? .... ich glaub's.

— Im Hause spart sie zwar immer, jeden alten Lappen bewahrt sie auf und wir müssen arbeiten und kein Fest­tag und keine Freude wird uns gegönnt, aber ich glaub doch, daß sie Geld hat .... Wer's wohl später mal kriegt?" . . .

„Wir gewiß nicht!" Erna bog den Kops mit den früh gealterten, milden Zügen ängstlich lauschend vor. „Wünsch ihr nur nicht, daß sie bald stirbt, denn dann sitzen wir auf der Straße. Ich bin überhaupt nicht für was anderes, ich finde, das Nene war für uns immer nur das Schlechtere. Weißt du noch, wie Mama lebte und es uns so elend ging? Wie beineideten wir andere Kinder, wie sehnten wir uns fort aus der engen Wohnung, ans der kleinen Stadt und dann, dann kamen wir hierher zur Tante. Ach Gott, Lore, wie haben wir geweint in den ersten Jahren und hier in dem großen Hanse zwischen all den vielen Sachen uns nach der engen Stube und der armen Mutter gebangt! Wie schalt und stieß die Tante mit uns herum, nichts machten wir ihr recht, nie arbeite­ten wir genug! Wir dachten, es würde besser, wenn wir efft erwachsen seien, aber ach nein, nur schlinimer wurde es und trostloser. Was Hab' ich davon, daß ich mein Eramen gemacht habe, Lehrerin bin! Meine Vorsteherin ist Tantes Freundin, das sagt alles, hier wie dort werde ich geduckt, kommandiert, zur Arbeit getrieben wie ein Lasttier! Aber ich möcht's nicht anders, nun nicht mehr, denn ich weiß, anders wird es schlimmer."

.„Warum nicht gar! Und ewig kann sie doch auch nicht leben, wenn sie gewiß auch noch zwanzig Jahre lebt