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Wiesbadener Tsgblatl.

54. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe«. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 5a Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

22,004) Abonnenten.

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Die einspaltige Pctitzeile für lokale Auzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

CV für die Abend-Ausaave bis 12 Uhr mittags, für die Morgen-Ansgobe bis 3 Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme später kingereichter Anzeigen zur nächst-

A>tt^eigkN"AtMlrI)Mö erscheinenden Ausgabe, wie für die Anzeißen-Aufnahme an bestimmt vorgefchriebenen Tagen wird reine «eloätir übernommen, icdoch nach Ätogllchkcit Sorge getragen.

N-. 2.

BerlagS^ernfprecher No. 2958.

Mittwoch, den 3. Januar.

NedaktisnS-Ferufprecher Nr 52.

1906.

Morgen - Ausgabe.

1. Matt.

Gutgemeinte Warnungen.

Dis radikalen Führer der Sozialdemokratie nehmen es der Regierung und den bürgerlichen Parteien heftig übel, daß sie auf die möglichen schlimmen Folgen revo­lutionärer Demonstrationen Hinweisen, wie sie die Sozial­demokraten für den 32. Januar, den Gedenktag des Be­ginns der russischen Revolution, beabsichtigen. Machen wir uns einmal, soweit das möglich ist, von allen poli­tischen Voreingenommenheiten frei, prüfen wir also die Sachlage mit der Gelassenheit eines Beobachters, den diese Dinge (es ist ja nur experimentweise) gar nichts angehen, stellen wir uns etwa auf den Standpunkt eines Fremden, der von außen her in die deutsche. Welt hinein­blickt, so müssen wir mit aller Ruhe und mit aller Über­zeugtbeit sagen: Die an die Adresse der Sozialdemokratie gerichteten Warnungen sind wirklich wohlgemeint; denn es kann keine Frage sein, daß jeder Versuch zu Aus­schreitungen, jede unangemessene Provokation, jedes Be­mühen, die Massen zu revolutionären Taten zu ^ent­flammen, rücksichtslos niedergeschlagen werden würde, sobald sich solche Absichten irgendwie in Taten umsetzten. Wir nehmen mit dieser Feststellung nicht Partei, wir sagen nur, was ist. Oder gibt es einen Verständigen, der glauben möchte, die Sozialdemokratie könnte durch Lärmmachen, durch eine Übertragung der politischen Gegensätze ans die Straße bei uns Erfolge erringen? Wir erkennen gern an, daß die Sozialdemokraten nicht Unrecht haben/wenn sie behaupten, die Scharfmacher warteten nur daraus, die Gelegenheit zu Ausnahme- maßregeln in die Hand zu bekommen, Uns aber kommt es hier darauf an/ der Sozialdemokratie vorzuhalten, daß sie den Scharfmachern ja nur Vorschub leisten würde, wenn sie zu Gewaltsamkeiten überginge. Wäre die Situation nicht so einfach, so könnten die Befürworter von gesetzlichen oder polizeilichen Repressionen nicht so begierig ans die angekündigten Dummheiten der Ge­nossen sein. Tie Sozialdemokratie sollte sich so viel Be­sinnung gewahrt haben, um zu wissen, daß die Liberalen, die gleich ihnen den geordneten Gang der deutfchen Ent­wicklung nicht durch ei ne Politik der Reaktion gestört sehen wollen, keine hochmütigen Drohungen ausstoßen, sondern ans großer Sorge heraus sprechen, wenn sie denen um Bebel eindringlichst klarmachen, daß sie sich auf der betretenen Babn nur einem Wgrunde und nicht der Möglichkeit eines Aufstieges nähern würden. Man kann sich keinen berufeneren Zeugen für die ungebrochene Macht unserer politischen wie wirischaftspolitischen Zu­stände denken, als es der doch wahrlich genügend sozial­demokratisch gesinnte, daneben aber ganz verständige Eduard Bernstein ist, der den Genossen soeben zu Ge

Feuilleton«

tsr-chdrrnk wttstw.)

Monatliche Mmmelsschau (lammt).

Von vr. F. K. D. Müller.

Merkur, der am 4. Januar um 4 Uhr nachts den Weitesten Abstand von der Sonne hat (23 Grao), geht in der ersten Hälfte des Januar zuerst zwei s runden, dann über eine Stunde vor der sonne auf. Am

22. Januar um 9 Uhr morgens kommt er mit dem Monde in Konjunktion (kaum mehr sichtbar), am

27. Januar um 6 Uhr abends steht er in Sonnenferne. Am f6. Januar steht Merkur um, 3 Uhr nachts über dem Uranus, einem Sternchen 6. Größe, welches letztere man, wenn inan den Merkur ausgefunden hat, um 7 /2 Uhr morgens mit einem Opernglas leicht auffinden kann. Auch die Venus steht am 7. Januar um b Uhr abenc v mit dem Uranus in Konjunktion; doch geht die Venus ganz kiirz vor der Sonne auf, so daß diese interessante Konstellation ganz verloren geht; nach den ersten -vagen des Monates' ist Venus nicht mehr zu sehen ; am

23. Januar um 10 Uhr vormittags steht sie mit dem Monde in Konjunktion. Mars, der rechtlaufig durch den Wassermann geht, ist abends 3-4 brs 3 Stunden vor seinem Untergange am Westhimmel zu sehen; Ende de- Monats geht er etwas nach 9 Ubr abend, unter am

28. Januar steht Mars mit dem Monde zum 1 fthr.nach­mittags) in Konjunktion. Jupiter, langsam rückläufig, nach dem 21. Januar um 11 Uhr nachts wieder recht- lvnfig rat Stier, ist den ganzen Abend urck in den erste! Morgenstunden sichtbar; am Ende de. Mönch? geht er um 2 Uhr 8 Minuten nachts unter; am 5. ^anuar um 11 Uhr vormittags steht er mit dem Monde m Kon­junktion. Saturn bleibt rechtläuftg; anfangs de. Monats ist er, am Abendhrmmel noch drei stunden vor

müte geführt Hst, wie wenig sich russische Verhältnisse mit I deutschen vergleichen lassen. Zweifellos denken Männer wie Vollmar, Heine, und andere besonnenere Elemente der Sozialdemokratie ganz ebenso, und vielleicht gelingt es ihrem Einfluß doch iioch, die geplanten Demonstra­tionen so unschädlich verlaufen, zu machen, wie es die phrasenhaften Maifeiern allmählich geworden sind. Nebenbei haben wir ganz persönliche Gründe dazu, uns über etwaige verhängnisvoll fehlerhafte Einschätzung der Festigkeit des bürgerlichen Gesellschaftsorganismus durch Herrn Bebel zu wundern. Wir wissen nämlich ganz genau, daß der sozialdemokratische Führer in Ge­sprächen mit Parteifreunden die Aussichten der russischen Revolutionäre lange nicht fa günstig beurteilt, ihre Taktik lange nicht so lobt, ihre Einsicht lange nicht so hoch bewertet, wie es die Presse der deutschen Genossen mit groteskem radikalen Offiziösentum hinzustellen liebt. Und dann sollte es Herrn Bebel und den Seinigen doch auch bekannt sein, daß nicht einmal in Frankreich, wo die Sozialdemokratie sogar einen Anteil an der Regierung hat, Auflehnungsversuche gegen die bürgerliche Ordnung geduldet werden, daß sie auch dort mehrfach bis in eine verhältnismäßig nahe Leit hinein mit noch größerer Energie, als sie unternommen worden waren, nieder­geschlagen worden sind.

Man kann also nur wiederholen: Es sind gut­

gemeinte Warnungen, die es. der Sozialdemokratie emp­fehlen, von herausfordernden Straßenkundgebungen ab- zusehen. Es ist nicht deutsche Art, ans solche Weise Politik zu nrachen, irnd die Mißachtung von Volks- und Landes­sitten rächt sich immer. Tie Sozialdemokratie wird ja nicht schwächer dadurch, daß sie aus dem gesetzlichen Boden verbleibt; im Gegenteil, gerade hier ist die Wurzel ihrer wahren Stärke, vielmehr ihres ziffernmäßigen Wachs­tums (denn über das Maß ihrer Stärke entscheiden noch andere Faktoren) zu suchen. Sie würde nur schwächer werden, wenn sie sich aus der Bahn der Gesetzlichkeit ent­fernte.

politische »berftcht.

Stengels Dementi.

Die „Nordd. Mg. Ztg." hat sich beeilt, die Äuße­rungen Herrn v. Stengels gegenüber einem Parlamen- tarier zu'dementieren. Das war zu erwarten, denn jene Besprechungen leiteten das Rückzugsgefecht des Reichs- schatzsckretärs ein, welches die offiziöse Kanonade in der „Nordd. Allg. Ztg," verdecken soll. Daß diese Besprechun­gen nicht nur stattgefunden, sondern sogar bereits ein Ergebnis gezeitigt haben, werden die demnächst. begin­nenden Kommissionsverhandlungen beweisen. , Sie wer­den zeigen: 1. daß die Regierung einer Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf die Deszendenten zustimmen wird: 2. daß die Regierung mit einer Herabsetzung des Zoll-

feinem Untergang im Südwesten zu sehen, doch nimmt die Dauer seiner Sichtbarkeit rasch ab und geht er zuletzt um 6 Uhr 7 Minuten abends unter.

Mi 2. Januar um 3 Uhr 52 Minuten 3 Sekunden nachmittags haben wir erstes Viertel, an: 10. Januar um 5 Uhr 36 Minuten 8 Sekunden abends Vollmond, am 17. Januar um. 9 Uhr 48 Minuten 8 Sekunden nachts letztes Viertel und am 24. Januar um 6 Uhr 9 Minuten 3 Sekunden abends Neumond. Am 4. Januar um 5 Uhr abends steht der Mond in Erdferne, am 19. Januar um 7 Uhr 2 Minuten morgens in Erdnähe.

Verfinsterungen der Jupitermonde finden im Monat . o v.m 7 Uhr 57 Minuten

Januar statt: am 2. Januar wm

abends Eintritt des ersten Mondes ain Rande (Austritt uui 11 Uhr 2 Minuten 52 Sekunden nachts); am 3. Januar um 5 Uhr 18 Minuten Eintritt des zweiten Mondes am Rande (ini Osten zu seheii) (Austritt um 9 Ubr 42 Minuten 40 Sekunden nachts); am 3. Januar uin 6 Uhr 25 Minuten abends Eintritt des dritten Mondes am Rande (Austritt um 8 Uhr 10 Minuten nachts): dann um 10 Uhr 15 Minuten nachts Eintritt desselben Mondes tit den Schatten (Austritt um 11 Ubr 58" Minuten 33 Sekunden nachts) ; ain 4. Januar um y libr 4 Minuten nachmittags Eintritt des ersten Mon­de?- am Rande (Austritt um 5 Uhr 31 Minuten 43 Sekunden abends); am 9 Januar um 9 Uhr 45 Mrauten uackts Eintritt des ersten Mondes am Rande. (Austritt um 12 Uhr 58 Minuten 36 Sekiindeii nachts): am

10. Januar um 7 Uhr 40 Minuten abends Eintritt des zweiten Mondes am Rande (Austritt um 12 Uhr 18 Minuten 24 Sekunden nachts); am 10. ^anuar um 9 Ubr 67 Minuten nachts Eintritt des dritten Monde? am Rande (Austritt ebendort um 11 Uhr 46 Mnuten nacht?); dann am 14. Januar Eintritt desselben M,ndes in den Schatten :un 4 Uhr 27 Mrautennachts (Austritt um 4 Uhr 25 Sekunden nachts) (im Westen wohl noch -u sehen); am 11. Januar um 4 Uhr 2 Minuten nach-

satzes für Tabak sich einverstanden erklären wird; 3. daß die Regierung gegenüber der Forderung auf Beseitigung oder Umbildung der Quittungssteuer Nachgiebigkeit zeigen wird.

Ein Kongreß der Millionenstädte.

L. Berlin, 30. Dezember.

Der Präsident des Londoner Grafsckaftsrats, Sire Cornwall, hat, wie ein „Renter"-Telegramm vor einigen Tagen zu melden wußte, die Initiative ergriffen, um einen Kongreß der Millionenstädte znsammenzubringen. Er hat diesen Plan in einem für das „Neue Wiener Tagblatt" geschriebenen Artikel im einzelnen aus- einandergesetzt. Er denkt sich, daß die Vertreter der Hauptstädte der zivilisierten Welt, insoweit sie eine Be­völkerung von einer halben Million und mehr ausweisen. in Zwisckienräumen zusammentxeten, um über eine Reihe von wichtigen und strittigen. Kommunalfragen zu be­raten, ihre Ideen auszutauschen, von einander zu lernen usw. Anscheinend werden wir um diese neue Spielart internationaler Kongresse wirklich nicht hcrum- kommen. Sire Cornwall scheint entschlossen, die Sache wie er sich ausdrückt, „in London aufs Tapet zu bringen", und er hofft, daß die britische Hauptstadt als erster Ver­sammlungsort des Kongresses akzeptiert werden wird. Man muß billig fragen, ob der Vorteil die zu machen­den Aufwendungen jemals aufwiegen könnte. Auf Kon- gressen werden in der Regel sehr schöne, manchmal auch nicht schöne Reden gehalten, die Geselligkeit wird heftig gepflegt, und dann geht man in dem erhebenden ^Bewußt- sein auseinander, das nächste Mal zu gleichem Tun ver­einigt zu sein. Aber wie ein Übel (und wir halten Kon­greße beinahe dafür) das Heilmittel zuweilen in sich selber trägt, so kann es auch hier geschehen: irgend welche Anregung fruchtbringender Art könnte wirklich von einem Kongreß der Millionenstädte ausgehen, und in keinem Falle brauchte es zu schaden, wenn sich die berufenen Ver­treter der Großstädte der zivilisierten Welt gelegentlich znsainmenfänden, von friedlichen und freundlichen Ab­sichten erfüllt, als bewußte und unseretwegen auch unbe­wußte Träger des Gedankens einer wohlmeinenden inter- nationalen-'UnPaßuna und Wschleifung. Nur darf man nicht zu viel erwarten. Wir haben vor einigen Tagen den Anlaß wahrgenommen, den Oberbürgermeister von Berlin über den Plan Sire Cornwalls zu befragen. Herr Kirschner gab bereitwillige Auskunft über seine Stellung zu dem aus London gekommenen Vorschläge. Um das Wichtigste vorwegzunchmen, so wäre er^selbstverständlich bereit, der angekündigten Einladung Folge zu leisten, man tonnte sich ja auch nicht vorstellen, daß dies unter­bleiben dürfe. Herr Kirschner hat damit eigentlich schon alles gesagt und auch getan, was bei vernünftiger Er­wägung und bei angemessen kühler Schätzung des Wertes von internationalen Kongressen gesaat und getan wer­den kann. Wenn er von dem Gedanken nicht gerade be­geistert ist, so bedeutet das noch nicht, daß er ihm nicht

mittags Eintritt des ersten Mondes am Rande (Austritt um 7 Uhr 27 Minuten 28 Sekunden abends); am 16. Januar um 11 Ubr 35 Minuten Eintritt des ersten Mondes am Rande (Austritt um 2 Uhr 54 Minuten 22 Sekunden nachts); am 17. Januar um 10 Uhr 4 Minuten nachts Eintritt des zweiten Mondes am Rande (Austritt um 2 Uhr 54 Minuten 14 Sekunden nachts); am 18. Januar um 6 Ubr 3 Minuten abends Eintritt des ersten Mondes ani Rande (Austritt ran 9 Uhr 23 Minuten 16 Sekunden nachts); am 25. Januar um

7 Uhr 54 Minuten abends Eintritt des ersten Mondes am Rande (Austritt um 11 Uhr 19 Mnuten 4 Sekunden nachts); am 27. Januar um 2 Uhr 4 Minuten nach- mittags Eintritt des ersten Mondes am Rande (Aus­tritt um 5 Uhr 48 Minuten 5 Sekunder! abends); am 28. Januar um 1 Uhr S Minuten nachmittags Eintritt de? zweiten Mondes in den Schatten (Austritt um 6 Uhr 48 Minuten 15 Sekunden abends).

A:n 20 Januar um 11 Uhr nachts tritt die Sonne in das Zeichen des Wassermanns, am 3. Januar um 6 Uhr abends steht sie in Erdnähe. Die Sonne geht ain 1. Januar um 8 Uhr 14 Minuten auf, um 3 Uhr 53 Minuter unter, am 10. Januar um 8 Uhr 11 Minuten aus. um 4 Uhr 1 Minrite unter, am 20. Januar ran

8 Uhr 2 Mnuten ausi um 4 Uhr 20 Minuten unter niid am 31. Jamiar um 7 Uhr 47 Minuten ans. um 4 Uhr 41 Minuten unter. Die Tageslänge beträgt ain

1. Januar 7 Stunden 39 Minuten, die Nachtlänge 16 Stunden 21 Minuten, die Tageslänge am 31. Januar 8 Stunden 52 Minuten, die Nachtlänge 15 Stunden 8 Minuten; es nimmt also der Tag im Januar um 1 Stunde 13 Minuten zu.

Um Mitternacht am höchsten am Himmel stehen im Januar die Fixsterne: Theta Zwillinge (3,4. Größe) am

2. Januar, Epsilon großer Hund (2,1. Größe) am 4.. Januar. Omikron" großer Hund (3,4. Größe) am 6. Januar, Delta großer Hund (2. Größe) am 6. Januar,