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Kette 4.

Feettag, 39. Dexemdee 1998.

Wiesbadener Tagblatt.

China.

/Daily Telegraph" meldet aus Tokio, daß die (Lage in^der Mandschurei immer kritischer wird. Chine- Asche Räuberbanden griffen Charbin an. wobei es zu feiner regelrechten Schlacht zwischen den Chuntchusen- fbanden und Kosaken kam. Die russischen Truppen jagten ^!die Chuntchusen in die Flucht. Etwa 300 wurden ge­tötet. Die Einwohner von Chabarowsk einigten sich imit den Meuterern der russischen Armee, um den nörd­lichen Teil von Sachalin in Besitz zu nehmen.

Aus Stadt und Land.

Wies bade u, 29. Dezember.

(Die HanshaltSplünc der städtischen Znreigverwaltungen für 1906

(sind soeben zur Verteilung gelangt. Danach ist bei einer -Gesamteinnahrne des A k z i s e a m t s von 1 057 680 M. mnd einer Ausgabe von 271 130 M. ein an die Staöthaupt (kaffe abzuliefernder Überschuß von 7 86 500 M. vorgesehen, und zwar aus: Akzise 724 000 M., Marktge­bühren 40 000 M. und aus Lustbarkeitssteuern 22 500 M. f Die Bachmayersche Nachlaßverwaltung verfügt jetzt über einen Kapitalstock von 679 399 M. 93 Pf. Daraus ist noch das Vermächtnis der Blindenanstalt nach dem Ableben des letzten Leibrenten-Empfängers mit H2 264 M. 54 Pf. zu decken, so daß für die Stadt 617135 M. ,B9 Pf. verbleiben werden, welchem Betrage dann die Zweiter anzulegenden Überschüsse zufließcn. Aus den: Kapitalrest haften dann dauernd die Renten des Rettungshauses, des Frauenvereins und -der Witwen- ünd Waisen-Pensions- und Unterstützungskasse der Mit­glieder des Königl. Theaterorchesters mit je 1200 M. jühr. lich. Die Rechnung des Eichamts schließt mit 4700 Mark Ausgaben und 6000 M. Einnahmen ab. Der Über schuß von 1300 M. wird an die allgemeine Verwaltung abgeliefert. Bei dem Etat der Krankenhaus- Derwaltung zeigen die Verwaltungskosten eine weitere Steigerung, um so mehr, als der Betrieb stetig zunimmt, auch ohne die neuen Krankenhäuser, die soeben im Rohbau vollendet wurden. Sie sind insgesamt zu 173 199 M. 60 Pf. veranschlagt gegen die wirkliche Aus­gabe in 1904 von 157 795 M. 4 Pf. Für Verpflegung und Heilung sind 229 976 M. in Einnahme und 194 739 M. 80 Pf. in Ausgabe gesetzt. Für zwei Sekundärärzte sind Dienstzulagen von je 500 M. vorgesehen, womit ein län­geres Verbleiben dieser Arzte im Krankenhause erzielt werden soll. An ärztlichem Personal hat das Kranken­haus zwei Oberärzte, einen Prosektor, einen Assistenzarzt des pathologischen Instituts (neue Stelle), sieben Hülss- Krzte. Die Dr. Rothsche Stiftung im Betrage pon rund 250 000 M. erbringt 10 255 M. 58 Pf., wovon 3405 M. 53 Pf. für Badekuren Unbemittelter im städtischen BaühausZum Schützenhof" oder im städtischen Krankenhaus verwendet werden. Das Bad- h au sZ um S ch ü tz enh o f" erbringt an Pacht für den Gastwirtschaftsbetrieb 23 000 M., aus dem Verkauf der Thermalbäder 22 000 M., von den Badegästen, welche für eigene Rechnung im Badhaus verpflegt werden, 32 000 slstark, mit einigen kleinen Posten zusammen 77 921 M. BO Pf. Die Ausgaben beziffern sich ans dieselbe Höhe, doch sind darin rund 14 000 M. für Verzinsung und Tilgung .des Anlagekapitalrestes und 24 750 M. als zweite Rate der Kosten des Umbaues enthalten. Das Gemeinde­st ad wird bei 12 416 M. Einnahmen einen Überschuß von 3810 M. an das Krankenhaus abliefern. Das letztere er­fordert einen Zuschuß von 156 829 M. 60 Pf. aus der Staöthauptkasse. rund 21000 M. mehr als im Vorjahre. Der Etat des Betriebes des Krankenhauses balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 428 602 M. 19 Pf. Die Kurverwaltung hat aus dem Kurfonds, ihrem starken Rückhalt, eine Einnahme von 101188 M. Die persönlichen Kosten in der allgemeinen Verwaltung betra­gen rund 65 000 M. Der Pensionsfonds des Kurorchcstcrs erforöert bei 4672 M. Zinseneinnahme eine Summe von 17 401 M. 60 Pf. Die Summe der persönlichen Kosten beläuft sich auf 123108 M. 10 Pf. Die Beleuchtung des Kurhauses und der Anlagen kostet 35 200 M. Für Ver­öffentlichungen in auswärtigen Blättern, sowie Prospeltc, find, wie im Vorjahre, 30 000 M. vorgesehen. Das ,,Bade - Blat t" erbringt bei 26 400 M. Ausgaben einen Überschuß von rund 11000 M. Für die Benutzung des Paulinenschlöhchens mutz die Kurverwaltung an die Stadtkasse 60 000 M. jährlich bezahlen. Die Pacht für die Restauration daselbst beträgt 21104 M., diejenige für die Läden der alten Kolonnade 16 610 M., der neuen Kolonnade 14 540 M. Die Unterhaltung der Kuranlagen (kostet 36 800 M.. einschließlich 6000 M. für Unterhaltung der Anlagen am Paulinenschlößchen. Der Koch- lbrunnen erweist sich nach Übernahme des Betriebs durch die Kurverwaltung immer mehr als eine be­deutende Einnahmequelle der letzteren. Die Einnahmen betragen insgesamt 99 428 M., darunter 50 000 (Mark für Brunnenkarten, 18 000 M. vom Wasserablauf des Kochbrunnens von demBrunnen-Kontor", 6700 M. für Benutzung des Inhalatoriums, 3800 M. Eintrittsgeld bei den Morgenkonzerten und 17 000 M. aus dem Ver­kauf von Trinkgläsern (12 200), Ouellenerzeugnissen (1800 Mark) und Ansichtspostkarten (3000 M.). Die Burgruine -Sonnenberg erbringt 2500 M. Pacht und erfordert für -Unterhaltung und Aufsicht 1600 M. Der Sammel- -f o n d s der Kurverwaltung hatte im Oktober d. I. einen .Bestand von 296 000 M., wovon bis Ende des Jahres vor­aussichtlich 106 000 M. entnommen werden. Für Zinsen (und Tilgung von Passivkapitalten mutz die Kurverwal- (tung 86 310 M. auswenden. Die Einnahme aus ?K n r h a u s k a r t-e n für allgemeine Veranstaltungen ist (zu 209 400 M. und diejenige aus besonderen Veranstal- (tungen zu 57 600 M., die Ausgaben für die ersteren (zu 154 212 M. (darunter rund 111000 M. für Besoldung (des Kurorchesters) und für die letzteren zu M 300 Mark veranschlagt. Die Spiele und son- !stigen Unterhaltungen, wie Schlittschuhlaufen usw., -erbringen 116 500 M. und kosten 6375 M. Die 'Gesamteinnahmen und -Ausgaben der Kurverwaltung (balancieren mit 737 400 M. Das Leihhaus sieht für

Beleihung von Pfändern 205 000 M. an Rückzahlungen und die gleiche Summe für ausgeliehene Kapitalien, an Zinsen von den letzteren 18 000 M. und an Mehrerlös aus versteigerten Pfändern 2900 M. vor. Die Vermal tungskosten betragen 18 848 M. 92 Pf. Bei 232 036 M. Einnahmen und 226 718 M. 92 Pf. Ausgaben wird die Verwaltung einen Überschuß von 5286 M. 8 Pf. erzielen. Der Etat des städtischen Elektrizitätswerkes erscheint in neuer Form, da der Betrieb, der bisher an die Firma Lahmeycr verpachtet war, am 1. April auf die Stadt übergeht. Die Einnahme ans der Stromabgabe ist zu 1110 200 M. veranschlagt, darunter von Privaten für Licht 760 000 M., für Kraft 89 000 M., von der Straßen­bahn 175000 M., von der Staatsbahn 20000 M., für Zählermiete 32 000 M. Für Verzinsung und Tilgung von Passivkapitalten sind 220 864 M. 61 Pf., für Besol­dungen der Beamten 26 100 M. und für sachliche Verwal­tungskosten 13.987 M. vorgesehen. Die Kosten der Er­zeugung der Elektrizität sind zu 311235 M. und die der laufenden Erweiterung des Kabelnetzes zu 199 000 M. veranschlagt. Der Etat balanciert mit 1 616 800 M, Von dem R e i n g e w t n n von 152186 M. erhält die Stadt- kaffe 150 000 M. Aus dem Pachtzins für 1905/06 von 463 000 M. werden dem Reservefonds 42 000 M., dem Er- neuerungsfynds 84 000 M. und der außerordentlichen Verwaltung für Erweiterungen und Erneuerungen 387 000 M. überwiesen. Die Gaswerks-Verwal­tung verzeichnet an Einnahme für Gas von Privaten: für Belcuchtungszwecke 980 000 M., für Motorbetrieb 42 000 M., von Staats- und öffentlichen Verwaltungen 66 000 M. und von den städtischen Zweigverwaltungen 55 300 M. und für besondere Zwecke 11700 M., zusammen 1145 000 M., an Gasmessermiete 50 000 M., an Erlös für Koks 264 000 M., welcher Summe eine Ausgabe für Ar­beitslöhne von 47 000 M. (infolge des neuen maschinellen Betriebs 8000 M. weniger als im Vorjahre), für Fähr­lohn usw., 27 000 M., gcgenübcrsteht. Für den Verkauf von Teer sind 46 000 M. und für den Verkauf von Ammoniakwasser 61800 M. in Einnahme gestellt. Die Be­schaffung der Kohlen erfordert eine Summe von 591000 Mark und die Herstellung des Gases eine solche von 98 000 M., darunter 67 000 Ai. für Arbeitslöhne. Auch hier konnte infolge Einführung des maschinellen Betriebs eine Reduktion von 4000 M. eintreten. Die allgemeinen Betriebskosten betragen 47 000 M., die Löhne für das Anzünden und Löschen der Laternen 88 500 M. Die Unterhaltung der Fabrik, des Rohrnetzes und der Stra­ßenbeleuchtungs-Einrichtung kostet 105 000 M. Die Ver­zinsung und Tilgung von Passivkapitalten erfordern 168000 M. Als Beitrag zu den Kosten der all­gemeinen städtischen Verwaltung kann der Betrag von 300 000 M. in Aussicht genommen werden. Der Etat der ordentlichen Verwaltung schließt in Ein­nahme und Ausgabe mit je 2 089 500 M. ab. In der außerordentlichen Verwaltung sind für den weiteren Ausbau der Äassabrik 600 000 M. vorgesehen, die zum größten Teile durch Kapitalaufnahme gedeckt werden. Die W a s s er w e r k s v e r w a l t u n g hat für Abgabe von Wasser 815 000 M. in Einnahme gestellt. Die Kosten des allgemeinen Betriebs betragen 30 000 M., des Be­triebs der Pumpstation für die Römerquellenleitung 12 500 M., des Betriebs der Pumpstation in Schierstein, einschl. Wassergewinnung, Enteisenung- und Ozon-An­lagen, 65000 M, Für Besoldungen der Beamten und Hülfsarbeiter sind 43 455 M. vorgesehen. Die Unterhal­tung der Wasseranlagen erfordert 112 700 M., die Ver­zinsung und Tilgung von Passivkapitalien 442 000 M. Der Grundbesitz in Hatzloch, Rüsselsheim und Raunheim in Hessen erbringt eine Einnahme von 15 000 M., der jedoch eine Ausgabe für Zinsen, Steuern usw. von 20 800 Mark gegenübersteht. Als Beitrag an die allgemeine städtische Verwaltung sind 60 000 Dt. vorgesehen. Zur Deckung der Aufwendungen für den weiteren Ausbau der Wasserwerke ist eine Anleihe von 1590 000 M. erforder­lich, u. a. für die Fertigstellung des Kellerskopfstollens 90 000 M., für Verlängerung des Schläferskopfstollens 30 000 M., für die zweite Erweiterung des Wasserwerks Schierstein 580 000 M., für Grunderwerb zum Schutze der Anlagen daselbst 100 000 M., für die Verlängerung der Zuleitung für das Kellerskopfwasser über Sonnenberg nach dem Behälter Neroberg 121 000 M., für Grunderwerb zu Hatzloch 60 000 M. und für Fortsetzung der Vorarbei­ten und Untersuchung von neuen Bezugsquellen daselbst 55 000 M. Die Etats der einzelnen Abteilungen des Museums zeigen gegen das Vorjahr keine wesentliche Veränderung. Die von der Stadt zu leistenden Veüürf- niszuschüssc betragen: a) bet dem Altertumsmuseum

20 630 M., b) bei der Gemäldesammlung 9070 M., c) bei der Landesbibliothek 52 050 M., d) bei dem naturhistori- chen Museum 14 330 M. Die Schlachthaus- und B i e h h o f - V e r w a l t u n g, die nach der alphabetischen Ordnung direkt dem Museum folgt, leistet an Abgaben an die Stadtkasse 91500 M. An Miete für die Restau­ration sind 3000 M.» für die Kühlräume 25 000 M., für tarifmäßige Gebühren 283 000 M. in Einnahme gestellt. Die persönlichen Ausgaben betragen 66 197 M., die sach­lichen 69 520 M. Der Voranschlag der Rechnung schließt mit 564 065 M. 60 Pf. Einnahmen und 560 785 M. 50 Pf. Ausgaben, mithin mit einem Überschuß von 3330 Mark ab._o.

Personal-Nachrichten. Der Militäranwärter Regierungs- Bnreandiätar Karl Grebe ist zur etatsmätzigen Anstellung als Regierungssekretär gelangt. Der interim. Gemeiudeförster Heinrich O r l o p p zu Hallgarten ist zum Gcmeindeförster für den Schutzbezirk Mapper-Schützenhaus in der Königlichen Obor- försterei Eltville ernannt worden.

Jnbilänm. Am 1. Januar 1906 sind cs 25 Jahre, daß der Königl. Kammermusiker und Ballett-Korrepetitor Herr Otto K o r t h der Kapelle des Königl. Theaters an­gehört. Herr Korth machte den Feldzug 1870/71 bet der hiesigen Regimentskapelle mit und gehörte späterhin einige Jahre der Kurkapelle an, bis er 1880 zur Königl. Theaterkapelle übertrat.

o. Wettbewerb wegen Umgestaltung der Knranlagen. Auf das Preisausschreiben der Stadt zur Erlangung eines geeigneten Planes für die Umgestaltung der An­lagen hinter dem neuen Kurhause sind im ganzen 108 Projekte eingeangen. Nachdem diese im Festsaal des

Abend-Ausgabe. 1. Klatt. No» < 0

Rathauses übersichtlich aufgehängt und auch die übrigen Vorarbeiten erledigt sind, wird das Preisgericht in den ersten Tagen des Januar zusammentreten, um seine Ent­scheidung zn treffen. Die Auswahl ist ja eine uner­wartet große, doch sollen sich unter den Entwürfen nur sehr wenige befinden, die sich durch wirklich neue Ideen auszeichnen, also von dem herkömmlichen Charakter sol­cher Anlagen abweichen.

o. Städtetag und Schulgesetz. Der Vorstand des n a s s a u i s ch e n S t ü ö t e t a g e s wird morgen Sams­tagnachmittag im hiesigen Rathaus eine Sitzung abhalten, um über den Vorschlag des hessischen Städtctages Be­schluß zu fassen, behufs Stellungnahme zu dem Schulge­setzentwurf eine gemeinsame Tagung der beiden Stäüte- tagc zn veranstalten.

Als Freiwillige für die Schntztrnppe in Südwest- asrika werden Mannschaften des Beurlaubtenstandes, namentlich Handwerker, Büchsenmachergehülfen, Tele­graphisten, Sanitütsmannschasten, Zahlmeister-Aspiran­ten, angenommen. Meldungen behufs Feststellung der Tropendienstfähigkeitz haben persönlich auf dem Dienst­zimmer des Bezirkskommandos Wiesbaden, Rhein- stratze 47, bis spätestens 6. Januar zn erfolgen.

Der belobte Landrat. Herr Landrat v. Marx in Homburg erhielt am Weihnachtsabend von Seiner Maje­stät dem Kaiser ein Bild, darstellend den Moment nach der Enthüllung des Kaiser Wilhelms-Denkmals am Kaiserbrunnen, wo Seine Majestät Herrn Landrat von Marx mit einer Ansprache beehrte, mit der Namensunter­schrift des Kaisers und der Widmung:Der belobte Landrat".

Postoerkehr. Nach einer amtlichen Übersicht über den Postpäckereiverkehr während der Weihnachts­zeit 1905, vom 12. bis einschließlich 25. Dezenrber, betrug irr diesem Zeitraum die Zahl der aufgegebenen Pakete 47186, gegen 1904 mit 46 479 mehr 707, die Zahl der ein- gegangenen Pakete mit und ohne Wertangabe 69 979, gegen 1904 mit 67 727 mehr 2252, die Gesamtzahl der auf- gegebenen und eingegangenen Pakete Mit und ohne Wertangabe 117165, gegen 1904 mit 114 206 mehr 2959.

Eisenbahnpakettarif. Mit Gültigkeit vom 1. Febr. 1906 gelangt an Stelle des gleichen Tarifs vom 15. Mar 1900 ein neuer Eisenbahnpakettarif zur Ausgabe. In demselben sind die Lieferfristen gemäß den allgemeinen Bestimmungen neu festgesetzt, die Entfernungen insoweit geändert, als sie durch Eröffnung neuer Strecken Ände­rungen erfahren, auch die Stationen der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft sind neu ausgenommen. Schließ­lich ist noch die Form der blauen Eisenbahnpaketadresie, die übrigens ihre abweichende Farbe beibehält, derjeni­gen des allgemeincrr Expretzgutverkehrs angcpatzt worden. Die gegenwärtigen blauen Paketaöreffen bleiben bis zum 1, April 1906 gültig. Von diesem Zeitpunkte werden nur die neuen'Paketaöreffen angenommen.

Nus dem Reichsgericht. Wegen Glücksspiels erhielt der Schreiner Albert Julius Karl Schröder am 23. Oktober er. vom Landgericht Mainz eine Gefäng­nisstrafe von zwei Jahren und eine Geldstrafe von 2000 Mark. Er hat gegen dieses Urteil beim Reichsgericht Revision eingelegt, der mitverurteilte Rogo nicht. Der Sachverhalt ist folgender: Rogo schlug einem Bäcker namens Kaiser vor, nach Wiesbaden zu fahren. Eine Station vor Wiesbaden, in Biebrich, stiegen sie aus, um den Weg, da er sehr schön war, zu Fuß zu machen. Auf der Landstraße kam Schröder an,' erverlor" sein Porte­monnaie, aus dem ein Zehnmarkstück fiel. Rogo hob das­selbe auf und gab es Schröder. Nun wurden die drei miteinanderbekannt" und kehrten gemeinschaftlich in einer Wirtschaft ein. Sie hatten gar nicht lange gesessen, so versuchten Schröder und Nvgv, den Kaiser zn einem Glücksspiel, dem Kümmelblättchen, zu bewegen. Derselbe willigte auch ein. Es wurde gespielt, und Kaiser verlor dabei über 100 M. Die beiden Angeklagten machten noch bezüglich ihres Namens falsche Angaben. Schröder bringt nun in seiner Revision folgende Rügen vor: Das Gericht habe den Einwanö der örtlichen Unzuständigkeit abgelehnt. Das vor dem Untersuchungsrichter abgegebene Geständnis sei erpreßt worden. Kaiser, der als Teilhaber verdächtig angesehen werden müsse, hätte nicht vereidigt werden dürfen. Sie, die Angeklagten, hätten nicht das letzte Wort gehabt (dies hatten sie doch). Es habe sich ferner nicht um Glücksspiel gehandelt, sondern um eine Wette. Schließlich wird noch gerügt, daß außer Gefäng­nisstrafe noch auf eine Geldstrafe erkannt wurde. Trotz dieser Anzahl Beschwerden wurde die Revision kosten­pflichtig verworfen. Vom Landgericht Mainz er­hielt am 21. November der Burcaugehülfe Louis Vögt- l i n aus Wiesbaden wegen Betrugs und Diebstahls eine Gesamtstrafe von 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis, außerdem eine Geldstrafe von 50 M. oder weitere zehn Tage Gefängnis. Gegen dieses Urteil legte er beim Reichsgericht Revision ein, in der er wiederholt hervor­hebt, daß die Vernehmung von drei Zeugen hätte statt- sinöen sollen: öics sei nicht geschehen. Die Revision wurde jedoch vom Reichsgericht verworfen und dem Be­schwerdeführer die Kosten des Verfahrens auferlegt.

Plötzliche Entlassung nach 8 70 des Handelsgesetz­buches. Die Verkäuferin Wanda M. war mit der Firnü Kux in Cöln in Streitigkeiten geraten wegen Antritts einer Stellung bet letzterer und noch vor dem richterlichen Abschluß dieser Streitigkeiten bei der Firma W( in Wies­baden als Verkäuferin angetreten. Die Streitigkeiten der Cölner Firma fielen für sie zuungunsten aus, uns die Verkäuferin wurde der Firma Kux gegenüber als verpflichtet erklärt und wegen nicht erfolgtem Antritt der Stelle zum Schadensersatz verurteilt. Daraufhin wnrö^ die M. von ihrem jetzigen Chef plötzlich ohne .Kündigung entlassen. Sie hatte deshalb Klage gegen W. erhoben, an) Auszahlung des ihr noch zustehenöen Lohnes, den sie bei Einhaltung der Kündigungsfrist bekommen hätte. Das Landgericht Wiesbaden erkannte nach dem Anträge der Klägerin, während das Obcrlandesgericht Frankfurt als Berufungsinstanz in der anderweitigen Verpflichtung der Klägerin einen wichtigen Grund zu ihrer Entlassung er­blickt:Es kann dem Beklagten nach den in kaufmänni­schen Kreisen über die Beschäftigung einer Vertragsbrüchi­gen Angestellten herrschenden Anschauungen nicht zuge-