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Verlag: Langgasse 27.

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Der preußische Landtag.

Die Session, zu welcher der preußische Landtag heute Zusammentritt, verspricht eine nicht minder bewegte zu lverden als die am vorigen Dienstag begonnene Reichv- tagssession. Bilden im Reichstage die Finanz- und Steuerfragen den „Clou der Saison", so wird nn preußi­schen Landtag die Bolksschulsrage den Kern- und Angel­punkt der Kämpfe bilden, die der Zession ihren Stempel aufdrücken werden. . _

Bekanntlich ist schon einmal vor dreizehn Zähren, im Jahre 1892, von seiten der preußischen Regierung ctn Anlauf zur Regelung der V o l ks s ch u l f r a g e rn streng konfessionellem Sinne unternommen worden. Für den Zedlitzschen Volksschulgesetzentwurf der auf dem Grundsatz der konfessionellen Schule ausgebaut war und die Schulaufsicht ganz in die Hände der Geistlichkeit legen wollte, begeisterten sich jedoch nur die konservative Par­tei iind das Zentrum, während sich in allen anderen Kreisen des Volkes eine gewaltige Opposition gegen die Vorlage der Regierung geltend mackste. Znfolge dreier Opposition wurde im März 1893 auf die Initiative des Kaisers hin der Schulgesetzentwurf zuruckgezogen wah­rend der Kultusminister v. Zedlitz gleichzeitig

demissionierte. _ . _ „„„ •„

J.n vorigen Jahre fern diese Frage aufs neue n htfolac des konservativ-nationalliberalen Schul- ?om pro misses vom 13. Mai. welches im Grundsatz die Konfessionsschule betonte aber gleichzeitig den Be­stand der Simultanschulen sichern wollte, ©egeit bedenkliche Kompromiß machte sich innerhalb der natio­nalliberalen Wählerschaft eine starke Opposition geltend, und bei den bevorstehenden Verhandlungen iin Abgeoid- netcnhause wird seitens der uatioiialliberalen Landtags- scaktion eine Gewähr für die Möglichkeit der Errichtung neuer Simultaiischulen gefordert werden. , ■

Der neue Gesetz e n t w ii r f -..er Regieriing, de.. zunächst z e h n M i I l i o n euMa r f LurDurchfuhrnng des Volksschullastengefetzes fordert, kommt wnem vollauf berechtigten Verlangen nur in sehr geiingem Maße entgegen. Der Gesetzentwurf geht davon aus, das; die Kinder in der Regel von Lehrern der gleichen Kon­fession unterrichtet werden sollen mit der Ausnahme daß f^lls für eine konfessionelle Minderheit die Anstellung

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anderen Fächern unterrichten soll Als Rege, steht c Gesetzentwurf die K o n f e s s t o n s s ch u l e an doch s der Fortbestand der S i m u l t a n s ch u l e n dort, wo sie bestehen, rechtlich sicher gestellt Werden. Neue Siinul-

tanschulen sollen jedoch „n u r a u s g e w i ch t i g c n , besonderen Gründen" aus Verlangen der Selbstverivaltungsbehörden vo.i der Schnlaussichts-Be- hörde genehmigt werden. r

Man sieht also, daß dieser Gesetzentwurf der Simul- taiischule gegeiniber eine mchts weniger als wohl­wollende Haltung einnimmt, da er, auch wenn dreSelbst- Verwaltungsbehörden ihre. Ernrrchtung wünschen, e Genehmigung zu ihrer Errichtung nur aus gewichtigen besonderen Gründen erteileii will. Damit Ware bei der Dehnbarkeit einer solchen Bestimmung die Neuerrlch ung von Simultaiischulen vollstälidig m die Hand der Auf­sichtsbehörde gegeben, von denen hier nach -age der Sache eine entgegenkommende Haltung Nicht erwartet werden kann. Diese Bestimmung bildet den Punkt, bei der die Opposition im Landtage eiMetzen wird Da­gegen ist es mit Befriedigung zu begrüßen, daß die Re­aierung die Er Höhung d e r ~ eh re r ge ha t er ^icht mit der Volksschulfrage verquickt hat, sondern ste einem besonderen Gesetzentwurf Vorbehalten hat

Von weiteren Gesetzentwürfen wird dem Landtag so­fort bei seinem Zusammentritt , die schon lange ange- kündiate N o v e ll e zu m E r n k o m me n st euer- g e s e tz zugehen. Diese will zunächst eure Vereinfachung und Verbesserung des Veranlagungs- und Beschwerde- Verfahrens durchführen und sodann bis zu dem Er kommen von 6300 Mark die größere Kinderzahl beruck- kAL ‘ ‘ Q„ m Ersatz für die durch die Steuererleichte-

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beschränkter Haftung, soweit sie niit einem Kapital von mehr als 100 000 Mark arbeiten, ziir Besteuerung heran- qezogeii werden. Ein weiterer Gesetzentwurf bezweckt die Ausgestaltung des B e st e u e r u n g s r echt e s d er 5ti r ch e nach dem Vorbild der Gemeindebesteue-

^""Mannigfachem Widerspruch ist schon jetzt die geplante Novelle z um Sparkass enges etz begegnet, welche Vorschriften darüber treffen soll, m welchem Um- 22?e die SpaZgsjen ihre BestäM in-Juhab-rpapreren und insbesondere in Schuldv-rschreilmngen des Reiches und des Staates anzulegen haben. Sie ebenfaM. schon früher angekündigch. Vorlagen. betrefsend du. Wahlkreis estiteilung und das Wahlverfahren, werden demLandtage keineswegs vor Weihnachlen niid wahrscheinlich erst am späteren Verlauf der Sessiou zugehen. Was die erstere Vorlage betrifft, so ist nur die Teilung einzelner Riesenwahlkreise beabsichtigt. Du Wahl rechts reforni will sich aus etwas Flickarbeit be­schränken, urn den schlimmsten Auswuchsen der Drei­klasseneinteilung in etwas abzuhelfen Man steht, daß ebenso wie die Reichstagssession auch die de- Preußischen Landtags nicht nur Arbeitsstoff, sondern auch Konslikts- stoff genug mit sich bringt.

Tie Quittungssteuer in der Praxis.

In der Berliner Wochenschrift „Plutuß" finden sich folgende bemerkenswerte Ausführungen zu der geplan­ten Quittungssteuer, die deutlich die Schwierigkeiten kennzeichnen, die sich der praktischen Durchsührilng einer olchen Quittungssteuer entgegenstellen. Es heißt da u. a.: „Soll die Steuer etwas Ordentliches einbrrngen, dann niüssen alle Empfangsbescheinigungen gestempelt werden. Läßt man wie in England 40 M. frei oder 20 M., wie für Deutschland vorgeschlagen wurde, dann liegt die Versuchung, ans gesetzlichem Wege sich vor der Steuer zu drücken, zu nahe, als daß man nicht davon Gebrauch machen sollte. Wer über 30 M. zu quittieren hat gibt zwei Quittungen über je 10 und 20 M. usw. Um sich die Schreibereien zu ersparen, laßt man sich Formulare drucken über 19 M. 99 Pf., die für -0 M. «eiten Für 100 M. bekommt man fünf Quittungen oder fünf Marken, fünf Bons usw. Wir haben hier ein Vor­bild. Als die Wechsel unter 50 Taler stempelfrei waren, liefen Tausende vonWechseln über 49-valer 29 Gr. 11 Pf. um, Ui denen alles gedruckt war, nur Datum ,und Unter­schrift mutzten hineingeschrieben werden. Diese Wcw ll wurden stets für 30 Taler in Zahlung gegeben und auch so eingelöst. Nach Lage der Dinge wurde ■ der Ver­käufer — vor allein beim Ladengeschäfte den Stempel -u tragen haben. Wer will diesen hindern, sich Rechimn- gen aus Papier von zwei verschiedenen Farben herzu- stellen, von denen die Weißen die unbezahlten, dre roten oder blauen die quittierten Rechnungen vorstellen, wenn auch kein Quiltungsvermerk in der Rechnung vorhanden ist! Jede wirksame Kontrolle ist ausgeschlossen. Wenn ich nun einen Anzug kaufe uiid nur, dw Zahlung quittieren lasse, der Verkäufer das Geld in ferne Ladeli­kasse legt, ohne den einzelnen Fall besonders zu buchen,

wie will man ernWeln können, ob hre^ eme Quittung

ausäestellt ist oder wer sie w .Händen hat? Man kalin docb incht in jedem Hause nach ungestempcltenQuittungen suchen lassen! Sollen nur die Quittungen über eine Zahlung richtig sein oder auch solche über, Diamanten, Wertpapiere und Waren? Einen Grund, diese anderen Werte auszuscheiden, gibt es nicht. Sind aber diese Be­scheinigungen steinpelpslichtig, damr ist jeder Lieferschein, jede Quittung über Bahnsendungen pflichtig. Wie steht es mit Sparkassenbüchern, Steuerquittungen, Post-Eui- liescrungsschetnen Postanweisungs-Quittungen? Doch genug der Fragen: man könnte emen ganzen Tag damr. verbringen, ohne zu Ende zu kommen. Wir haben an alten Stempelabgaben und Steuern, denen ;ede Be­rechtigung fehlt, wahrlich schon genug, „es erben Steuern

Feuilleton.

0l!ack>dr!ick verboten.)

Das Neueste vom Neuen.

Berlin, 1. Dezember 1605.

Der Schlußsatz meines letzten Modeartikels lautete:

Polle Überraschungen vorbereitet wurden, dre uns alle verblüffen sollen". Nun, in Mooedrngen w schlecht prophezeien, aber diesmal hat die Prophetin recht be ml- ten Der „Mode in der Mode" i,t ParisM, SM

und die Losung lautet dort ,ctzr plötzlich w«d ii .• CW. Und da die Pariser Mode stets das deut che Reformkle d mit Hohn lind Spott überschüttet hat, so 'st es weiter^gar

Nicht verwunderlich, daß sie nun einmal s . Eleides man in Paris aus der Idee des deutschen Resormkleide^ machen kann, oder eigentlich vielmehr.. dafi man es nicht

lwtig hat, beim deutschen Reformkleid .me Anleche z.l

machen, weil man ja selber das Empire hat ^ Empme ist ja das Urbild unserer Rcformmvde, nur daß die öeut- scheu Künstler und die deutschen Frauen zu dem Ompme, itt die Verzierungen des Jugendstils getan haven,

in, d^daß^sie vielleicht ^in diesen Rerziernngen oster e„.

billcheii Zuviel getan haben und zuweilen auch emmai il. ML Geschmacks und der »£«

daneben getappt sind. Doch das t,t »« '"fer StS n gültig. Die Hauptsache ist, man mxb JMvoü n

der und t>amü : #«J^«gi«BeJSS

man gleich zwei „Stile 'das Empire unv stes den Direktoirestil. Beide stnd aller-m^ mehr oe Salon Vorbehalten, das Empirekleib s»r «rotze Ost

schäften, das Direktotrekleid sur Besuchstoiletten ö

man ist noch weiter gegangen, man verqu ckt dw W i Stile miteinander, und im Bestreben, auch für die S Mtz. etwas zu schaffen, bringt man Jacketts,d,emit'.niere,

Reformjacketts eilte verzweifelte Ähnlichkeit haben e

so verzweifelte, daß der gewiegteste Kenner src nicht von einander unterscheiden könnte.

Mit den alten Formen sind auch dre alten Farben wieder aufgetaucht. Für diese Kleider wird man wieder viel Braun tragen, ein seltsames stark rdtlrchee, oder stark gelbliches Braun, viel Grün, das ebenfalls m den alten Nuancen anftritt, viel rötliches Lila, Dahlrenrot und für die Empirekleider viel gestreifte, glacrerte Serbe. Indes

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können sich die die es mit der „Mode in der Mode" halten

wollen, Ä ummtn. So gm, tWwigJg « LÄK daß man das Moderne vergape Die ch^nke geschnü

Taille wenn sie auch verkürzt ist und dre Hustim". ,laii..a Lame, wenn » g ich im vorigen Artrkel

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vom Gürtel aus wieder in ein ztpfclartiges Arrangement endet, dessen Spitze bis auf den Rocksaum fallt, diese Mach­art ist besonders für leichte Kleider sehr beliebt.^ Sw ha auch etwas ungemein Graziöses und Elegante!... Lann gibt cs die andere, in der das Überkleid m der vorderen Mitte ein wenig übers Knie reicht, von dort nach beiden Seiten bis zum Rocksaum fällt, um dann ringsum mi. dem Rock gleich zu gehen.

Für kleine Gesellschaftskleider nimmt man sehr gern die geblümten Stoffe im Empiregenre, GrenadrneS und Voiles mit kleinen, abgcsetzten Blümchen m sehr üb- haften, bunten Farben auf mattem Grund. Diese Kleider wirken sehr jugendlich, besonders wenn der eingekrauste Rock mit Rüschen oder Plissees besetzt ist und die Ta.lle nur eine volle, um den Ausschnitt fallende Sprtzen- garnitur erhält. Man ergänzt das Kleid durch einen sehr hohen gefalteten Gürtel aus weicher Seide m irgend einer lebhaften Farbe, die in den Buketts vertreten ist, korallenrosa, tcrrakvtta, grün oder blau.

Ein reizendes Kleidchen dieser Art sah ich in einem großen Berliner Atelier (Fig. 1). Der ganze mattblaue Grund war mit Buketts ans Maienro-.chen bedeckt. Ler Rock außerordentlich weit, ringsum eingezogen, wdoch nur im Gürtel, nicht iveiter nach unten, so ran er von oben an völlig lose zu hängen schien. Drei Ruschen aus demselben Stöfs, mit schmalen Spitzchcn begrenzt, waren

Sen'öret stark übereinander fallende und sehr gc- krauste Spitzenvolants. Die kurzen Pnffärmel waren von den gleichen Volants abgeschlossen. Der ro,a seidene Gürtel war breit und schmiegte sich faltig um dw Taille. l5-in Rowttenarrangement schloß die Laille und setztr sich bis zum Gürtel fort. Ein jugendlicheres Kleidchen läßt

sich kamn^denken.^ ^ Beschreibung eines zweiten

modernen, „nur modernen" Kostüms, das indes durch Material und Ausführung gleich interessant ist (Fig. 2). Schwarzer klarer Sciöcnkrepp oder Grenadine ist dazu verwendet. Dem Stoff sind breite girlandenartig ge­musterte Bordüren angeweot, die kleine, sehr diskrete