WjksbsdkM Tmblstt
sa. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — B°zug-Z-Prcls: durch den Verlag SO Pfg. monatlich durch Post 3 Mk. SO Pfg. vrertehahilm, für beide Ausgaben zusammen
Verlag: Langgasse 27.
23,000 Abonnent»«.
Anzeigen-Preis:
Die einspaltige Pctitzcile für lokale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzcile für Wiesbaden SO Pfg., für auswärts 1 Mk.
slbend-Ausgabe.
1. Wlicrtt.__
§?ür Sen Monat AezemSev
auf das
»»Wiesbadener Tagblatt
3» abonnieren, findet sich Gelegenheit
im Mrrlag Langgaste 27. bei de« AussabrstrUsn, de« Zmrig - Expeditione«
der Nachbarorte,
^ und bei sämtlichen deutschen R»ir>lvpoltanstaltern^^
Politische Kberftcht.
Die Silberhochzeit des Kaiserpaares.
. Hinsichtlich der Meldung von offiziöser Seite daß ^tens des Berliner Hofes zu der riner der silbernen ^chzeit keine Einladungen an fremde souveräne er.
werden, wird der „Deutschen Warte noch von gut- UwerrichtSter Seite mitgeteilt, daß es den allgemelnei Gepflogenheiten unseres Hofes entspricht daß zu einer Ischen Feier Oberhäupter auswärtiger Reiche nicht g- beten werden. Es liegt im Wesen emer derartigen Fest- fühkeit, daß das Kaiserpaar im MrttelpnnUe derselben t-ht und nicht durch besondere Empfangs- und Repra-
fentationsvslichten, die beim Eintreffen fremder Herrscher Natürlich nicht zu umgehen wären, rn Anspruch genom- ^en wird. Den hohen Gästen wurde zudem ber allem Vortritt gebühren. Bezüglich der Gratulation beutscher Bundessiirsten liegt dre Sache ander». B d'vzelne derselben erscheinen werden, ist Wohl anzr- sffhinen Im übrigen werden wohl nrerst Vertreter de Souveräne ihre Glückwünsche dem Kmferpaare darbringen. Die offiziöse Meldung dre, allerdings gleich Nach der Musterung des Privatsekretais des Komg» Eduard erschien und wohl aLn Kommentaren und Ver. ?rutunaen ein Ende machen sollte, stellt also ihrem balt nach an sich keine ungewöhiiliche Entschließung de. Eifers dar, die irgendwie als eme Spitze ggg Eduard zu deuten ist. Mannst sonst der Überzeugung, ^ß sich das Verhältnis zwischen Käfter Wilhelm und hwem Oheim wieder freundlicher gestalten wird. Alle Meldungen aber, welche von besonderen Versuchen tn bwser Hinsicht zu berichten wissen sind redenfall- der
trnht. Es ist bis jetzt nichts derartige- geschehen aber ^'and gewisse Anzeichen vorhanden, die ans günstigere
timmung zwische n beiden Hofe n schUeße^^^E'
Feuilleton.
ErnUlch. ^
. Deutschland erzielte in bezug auf seine Du duktion wobl den Weltrekord. Tausende von Zasern
^uiiron wohl den Wenreroro. . e ; ne a -
k°wmen da jährlich neu heraus, darunter auch gliche Anzahl von guten Büchern ^^0 /l en geschieht es, daß man tn der Fülle desiew üa- ^ Unterhält oder belehrt, einmal auf NN
man mit Überzeugung sagen rann.» > Be- nnmal ein Buch, ein Buch, dem etwaS. von arm
»riss: „Bibel" anhaftet ein Buch, von ^ ^onigstens lfrast ausgeht, und m dem sich die Welt, rrn tüchtig Stück Welt, klar und herz, T ^^.-^j-spunk- -ei'er widerspiegelt; em Buch »on ftitf> " Darstellung, und, bei emer durchaus krm stlerrs 1 > ^
d°n anregendster, ethischer dedeutung.^^^^^^ g r= ^.uch hat uns diesmal ern jchon al» 1 Schriftsteller,
öahler bekannter niederrhemftch-bergifcher S^h ^ ^ ^ g „
but uns RÜdolfH er zo g m seinent ^ Nachfolger
beschert, das eben rm Verlage von^. G. Doku-
ur Stuttgart erschien (Preis4M.). Insofern, als es fUent geläuterter Heimatkunst, gelan grinen Darum Nch als Kunstwerk großen Stil» “ S^fcntng !'ud Daran, von der allzu behaglich ^ Schärfe der des Milieus freimacht und sich ber alle nirgends Charakteristik und der lokale,i Färbung Ganze"
berliert, sondern unentwegt und taps ^ nran als s.cht. Und so ist denn etwa» entstanden, o ein
em „hohes Lied ^r Famrlre un^
-hohes Lied der V u d ust. r t .. ihrer Art
u . Die Wißkottens sind sechs lebenZ^f msichtiqkeit ^ch. bleifach verschiedene, aber rn rhrcr aus kleinen
geartete Brüder, welche die & 5 g' Q j. er g m it Ein-
Anfängen entstandene Bandfabrrk rh s^ Höh-
.atz ihrer ganzen Persönlichkeit erw Fabrik, die
fuhren. Das Werden und Wachsen » ser a ß Schwierigkeiten, die sich dein Gedeihen enlgegi, >
Sozialdemokratische Unternehmerbrutalität.
L. Berlin, 21. November.
Ein Mt brutaler Unternehmerwillkür aus den letzten Tagen verdient niedriger gehängt zu werden. Eine Firnra die eine Anzahl Arbeiter ausgesperrt hatte, hat anderen, kleineren Unternehmern, m^,denen sie rn Der- bindung steht, deren Lösung und dre Nichteinhaltung von ihr bisher anerkannter inoralischer Verbindlichkeiten an- gedroht für den Fall, daß sie einen der Ausgesperrten in Arbeit nähmen. Die betreffenden Unternehmer gehören sämtlich einem Ringe an, rn welchem die aus- sperrenüe Firma eine beherrschende Stellung emmmmt. Hiernach und bei der Natur ihrer Berufsarbeit, die eine ganz spezialistische ist, wird es den Ausgesperrten schwerlich möglich sein, anderwärts Beschäftigung zu finden. Sie sehen sich also existenzlos. Die aussperrende Firma ist Paul Singer und Kompagnie, die den sozialdemokratischen Parteivorstand vertritt, und d,e Ausgesperrten sind natürlich die Sechs, im „Vorwärts" mrt dem stehenden ironischen Beiwort „die edlen" versehen. Der Par- teivorstand will die Sechs also auch nicht an anderen, an Provinzblättern angestellt wissen. Das „Herr iw eigenen Hause sein" beschränkt sich nicht auf das Zentral- orqan wndern erstreckt sich auf den ganzen Bereich sozialistischer Preßäußerung. Dazu paßt ech daß die Korrc- spondenzen von Privatpersonen in der Parte: vom „Vorwärts" als „Meinungsfabriken" verspottet werden. Meinungen", die sa imemr individuell sind, hält man in, Parteivorstands für entbehrlich: das geistige Erzeugnis der amtlichen Fabrikationsbetriebe genügt vollständig. Man kann dem Parteivorstande das Zeugnis nicht versagen daß er seine Anschauungen mit der äußersten Folgerichtigkeit durchführt; in Rußland dankt der absolute Zarismus ab, in der deutschen Sozialdemokratie dagegen etabliert sich das autokratische System. Eines seiner Opfer ist auch Schippe!. Seine Mandatsniederlegung ist das Ergebnis eines von der Parteileitung ansgeübten Drucks. Schippe! kann, als einer der geistig bedeutendsten Sozialisten angesprochen werden, hat aber nicht die Entschlossenheit zur Vertretung seiner Ansichten gegenüber einem zahlenmäßig odm durch ferne Autorität stärkeren Gegner in der Parier. Dre Gesundheitsrücksichten sind in diesem Falle nur vorgeschoben.
Aus dem Rnhrrcvier.
Man schreibt uns aus Westfalen: Die Gefahr eines neuen Bergarbeiterstreiks im Ruhrrevier ist fetzt völlig beseitigt, wofern sie nämlich überhaupt bestanden hat Ruhige Beobachter haben einen abermaligen Ausstand wohl für möglich, aber nickt für wahrscheinlich gehalten Urteile darüber sind sehr schwer abzugeben, denn dre Beraleute arbeiten meist isoliert, und was an Entschlüssen unter Tage la ngsam reift, tritt zuletzt überraschend an»
Lohn- und Konkurrenzkämpfe, das alles ist mit einer seltenen Sachkenntnis in großem Zuge vorgesuhrt, dermaßen, daß man oft glaubt, eine höchst spannende Schlachtenerzählnng zu lesen, bei der mmr mrt den Hern,i- scheu Trnppeir ringt und kämpft ,.nd leidet und hofft, um schließlich in ihren Siegesjubel begeistert miteiNgU- stimmen. In unserer Zeit, wo der Ruf: Hre Landwirtschaft hie Industrie! überall erklingt, t|t tn Rudolf Herzog für die Industrie ein feuriger Redner entstanden, kein Tendenzredner, sondern ein Dichter, der mrt begnadeten Augen auf die schwirrenden sausenden^ Räder der Fabrik, in das Schaffen der Arbeiter und m me Bücher und Korrespondenzen der Comptoire blickte und für den der Spruch: „Greift nur hinein ins volle Menschenleben — und wo ihr'» packt, da ist es interessant!" eine ganz besondere Bedeutung gewann. Ano fo hat das Buch schon einen sehr aktuellen Wert, dieses seines Stoffes wegen, aus dem uns die weltbewegende Bedeutung des Kaufmanns, die Hobe Bedeutung der Industrie, überzeugend und klar vor Augen tritt, dermaßen vor Augen tritt, daß sich jeder wirkliche Kaufmann, der nicht innerlich bloß ein „Tütcheskramer rst, bm de ~ * tüte der „Wißkottens" innerlich gehoben suhlen mutz- Und auf diesem groß und meisterhaft gezeichneten Smte * rtfimb bet 2 Btib.fc)G£tcfIct Stcrtilinbuiiric btt p . gestalten der sechs Gebrüder Wißlötten, keine romanhafte Musterknaben, sondern Menschen von Charakter» 3 ^ heften, tatkräftig bis zur Störrigkeit, ~ ^mcidien zur Rücksichtslosigkeit, aber statt Mst m den Aache^
«“•SJÄS» Äte. »enn
S Kölsch, feine Engländerin Möbel die sich der anglisierte Wilhelm Wißkotten, der Repende der Firma, au»
Licht des Tages. Daher entstehen so leicht Kombinationen und sensationelle Meldungen. Als aber aus dem sozialdemokratischen Provinziallandtage, der am 11. uno 12. September in Witten stattfand/ dre Eventualita eines neuen Ausstaiides überhaupt nicht erwähnt wur e, da durste man ruhig schließen, daß erii solcher wirtlich nicht in Aussicht stehe. Der Einsicht der organisierten Bergleute stellt die entschlossene Abweisung des Streik- gedankens ein gutes Zeugnis an». Man kann lagen. Die Bergarbeiterschaft ist über den Antrag ohne sebatte zur Tagesordnuiig übergegangen. Au" der andern Seite aber scheint auch die Regierung auf die Gefahr em scharfes Augenmerk gerichtet zu haben. Wie die »f 7 .v'-t- mnnder Zeitung" von einem Parlamentarier erfahrt, sind die Aushebung der Sperre und der Rücktritt Krabler» indirekt unzweifelhaft auf die Tätigkeit des Reich»- kanzlers zurückzuführen, der sich lebhaft um dre ^ en legung der neuen Differenzen bemüht habe, und dem e» diesmal schnell gelungen sei, die Parole: ,,Keine»fall»
einen neuen Streik!" zur gemeinsamen der Regierung und der Grubenbesitzer zu machen. Die neue Arbeitsordnung widerstreite in einigen Punkten dem Ge'etz. andere Einwendungen der Gewerkschaftsprepe lwer schienen von der Absicht diktiert zu sein, die gesetzlichen Zugeständnisse auf dem Wege der Interpretation anszu- dehnen. Die Arbeitsordnung werde daher Ins auf zwei Bestimmungen die Genehmigung der Staatsbehörde er- langen. Diese Mtteilungen erklären manches jonü Rätselhafte, was in den letzten Wochen im Bergbaulichen Verein vor sich gegangen ist. Der Reichskanzler iU augenscheinlich entschlossen sowohl zur Durchführung der Bergaesetznovelle ohne Abstrich seitens der Unternehmer und ohne Verschärfung, die die andere Seite lnnernprak- tizieren möchte, als auch besonders zur Abwendung eme» neuen Ausstandes und zur Währung der Jiiteressen der Allgemeinheit. Eine ernste Streikgefahr war diesmal gar nickt vorhanden und brauchte also auch nicht abge- wendet zu werden; die vorbeugenden Maßnahmen oer Regierung sind darum nicht weniger gutzuheißen.
Zur Aötteudewouslruliou.
lad Kvnstantinopcl, 22. November. In diplomati- scheu Kreisen heißt es, daß der deutsche Botschafter gestern den Minister des Äußern in seiner Privatwohnung besuchte und namens des deutschen Kaisers übermal» Nachgiebigkeit empfohlen habe. ,
wb Kvnstantinvpel, 22. November. („Wiener Korr.- Bur.") Tie Antwort der Pforte in Sachen der mate- dänischen Finanzkontrolle ist heute abend der ofter- reichisch-ungarischen Botschaft überreicht worden sre ist in allcii Puiilt-n ablehnend unter Hmweis auf d,e otto-
England mitbringt, das sind Frauen voll sprühender Natürlichkeit und hohem Reiz. Und wie! wahr, gesehen in jeder Bewegung und in jeder Bemerkung oie^rai des Ältesten, die sich aus der spleßburgerlichen Uewfiamt- heit und aus den Fesseln des Muckertums nach schweren Kämpfen schließlich zu einem Vollweibe durchrmgt. Und dann wieder die naive Verderbtheft der an sich hockm appetitlichen Kneipenwirtstochter Gretcyen, ^ tn beten Netzen vorübergehend der jüngste wie rer älteste d
Wißkottens zappeln. =
Genug, wir haben hier ein Buch von hohem ^.eben»- reichtum vor uns, ein Buch, liach dessen Lektüre fedem Leter ordentlich eine neue Lebens- und Kampsessreude div'ch die Adern strömt, ein Buch von großem künstleri- schcii Zuge, ein großer Wurf, der voll gelungen. Wir lebeii mehr als se in einer Zeit, wo ein Buch zur Mode werden kann. Wir haben den beispiellosen Erfolg von .Zorn Uhl" erlebt, das Werk eines eigenartigen uiid tiefblickenden Dichters; aber wie mühselig ist es, sich dre Goldkörner ans der schwerfälligen, unkünstlerischen Form herauszusnchen. Ohne eine unverständliche Suggestion, ohne einen Modetanz wäre dies gute Buch niemals in die Massen gedrungen. Hier aber, in diesen Wißkottens, liegt das Gold einer hohen, dichterischen Erkenntnis für jeden ohne Schwierigkeiten, ohne jede Beschwerde ^ der Lektüre, areifbar leuchtend zutage. Und wie deni dichterisch veranlagten Paul Wißkotten, so wird in dem Buch auch jedem einsichtigen Leser die Wahrheit deutlich, daß die Arbeit den großen Hintergrund bildet, der sein muß, damit sich alle Bilder des Lebens leuchtend von ihm ab- hcben Und nicht minder klar prägt sich die Wahrheit au» die sich hier in die Sätze zusammensaßt: „Da
schreien sie über den Rückgang der Privatbetriebe und über die Trustbildungen. Ich sage euch, der wahre Trust
^ ^Möchten^die „Wißkottens" ihr lebensfreudiges, ihr einzig zeitgemäßes Evangelium in recht breite Leser- scharen hineintragen. Dieses Buch verdient einen großen buchhändlerischen Erfolg, aber einen vollkommen ehr- lichen, keinen Modeerfolg. Scli. v. 11.
