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63. Jahrgang.

erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-PreiSr urch den Verlag 5« Pfg. monatliche durch die Joft S Mt. 64» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasie 27.

2L,OOO AdonnettLen. 1 /

" ') Anzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeigen So Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

«<*«>«« % «*«*»»!***»<» für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags, für die Morgen »Ausgabe bis S Uhr nachmittag«. Für die Aufnahme später eingcrcichter Anzeigen zur nächst' W»>« '> 111 !" erscheinenden Ausgabe, wie für die Anzeigcn-Aufnahme an bcstlmmt vorgeschriebenen Tagen wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

ip#, öll. BerlagS-Fernfprechrr No. 2 »8.

Mittwoch, den 1. November.

RedaktlonS^sernfprechrr No. SS.

isvs.

Morgen - Ausgabe.

1. Mtertt. ^

Unser Kolmüalhmldel.

Trotzdeni durch unfern Mißerfolge in Südw^stafrika rs Jiteresse des deutschen Volkes an unseren Kolonien ark wlahmt ist, gilt es, es neu zu beleben. Wir haben |F Monicn einmal und müssen so viel daraus machen, ns möglich ist. Eingehend und gründlich! müssen ns mit unseren Kolonien beschäftigen. Dann wird denfalls zeigen, daß sie doch schließlich besser sind ,r Ruf. Alle Schriften, die die Kenntnisse über ? kolonialen Erwerbungen erweitern, sind hesbalb Freuden zu begrüßen. Wenn neuerdings der tor der Zentralstelle zur Verbreitung dentsch-kolo- t Unternehmungen, A. Seidel, eine Broschüren- inlung dieser Art eröffnet (im Verlag von! Emil in Gießen), so ist das durchaus dankenswert, und ind gern bereit, das Material objektiv und kritisch üfen. Er beginnt mit einer Schrift über den gegen- igen Hendel der deutschen Schutzgebiete, öir erfahren da zunächst einiges über die Art des rdelsbet iebes, der in den einzelnen Kolonien auße ntlich v.rschieden ist. In Ostafrika liegt der Äroz- jc! herrte bereits in deutschen Händen. Die beder- sten F rmen sind die Deutsch-Ostcifrikanjsche: Ge- Hast, Hunsing & Ko. und L. Müller & Dcvers. strotze Massen von Trägern, ineist vom Wanyam- -Stamme, ziehen unter militärischer Bedeckung um ioitlicher Leitung eines landeskundigen Mannet,

! Tauschwaren reich beladen, tief hinein ins Innere ESchutzgebietes, um die Erzeugnisse der Eingeborenen !ir zur Küste zu bringen. In der Zeit vom Mai bis September Pflegen sie zurückzukehren. Zwischen- idler sind die indischen Kaufleute, die früher den ge­raten Karawanenhandel beherrschten, jetzt aber sich s die Entsendung kleinerer Handelsexpeditionen be­ranken müssen, die sie vorschußweise mit Waren mis­sten, damit sie im nahen Hinterlande Vieh, Tabak, itter und sonstige Handelserzeugnisse dafür ein- 4 chen.

In Südwestafrika ist der Handelsbetrieb ganz anders, au unterscheidet den Feldhandel und den Storehandel, siegende Händler ziehen mit ihren schwerbeladenen je'vntoofien ins Feld und bieten ihre meist aus Deutsch- cn bezogenen Waren den Eingeborenen zum Tausch jeoj jj Vieh, Straußenfedern und andere Landesprodukte nt. Da? Ab geben auf Borg hierbei gegen hohe Pro­zente bat mit eine Veranlassung zu dem Aufstande ge­boten, den wir noch bekämpfen. In entgegengesetzter

Weise errichtet der Storchändlcr in einer der größten Ortschaften einen Verkaufsladen (Store), worin er gegen Barzahlung Tauschartikel oder auch auf Kredit alles seilhält, was Weiße und Eingeborene brauchen. Die landesüblichen Preise sind da infolge der teueren Transportkosten sehr hoch.

In Kamerun liegt die Verschiffung der Ein- und Ausfuhrgüter über See ganz überwiegend in den Hän­den mehrerer deutscher und englischer Firmen, z. B. der Gesellschaften Nordwestkamerun und Südkamerun. Diese unterhalten überall an den zur Küste führenden Land- und Wasserstraßen Faktoreien unter weißer oder schwarzer Leitung, die durch Vermittelung eines zum Teil doppelten Ringes von Zwischenhändlern mit dem Hinterlande Handelsbeziehungen pflegen. Jnr Dnala- Gebiet hat viel Schaden das Trustgeben angerichtet, das darin besteht, daß der Zwischenhändler auf Kredit mit Tauschwaren ausgerüstet wird. Dabei sind naturgemäß große Verluste unvermeidlich. Besser ist das System in Südkamerun, wo geeignete Mittelsmänner gegen Ge­halt und Provision in feste Verpflichtung genommen werden. Man hat große Anstrengungen gemacht, den Zwischenhandel zu durchbrechen und eigene Karawanen ins Hinterland entsandt, um Gummi und Elfenbein direkt einzuhandeln. Die damit verbundenen Unkosten, besonders Beschaffung geeigneten Trägermaterials, sind aber so hoch, daß der erzielte Gewinn auch nicht größer ist als früher. Der gesamte Ausfuhrhandel unserer Kolonien hat heute einen Wert von etwa 15 Millionen Mark. Von der Gesamtsumme der Waren machen Kaut­schuk, Kopra und Palmkerne die volle Hälfte aus. Außer­dem kommen nur noch Palmöl, Elfenbein und Guano mit erheblichen Summen in Betracht. Das Peinliche einer näheren Durchsicht des Exports ist, daß die Haupt­ausfuhren fast durchweg Produkte des Raubbaues, also der Gefahr der Erschöpfung ausgesetzt sind. Das gilt auch für einen Teil der weniger bedeutenden Artikel in Kanal und Trepang. Tatsächlich macht sich diese Gefahr bei einzelnenArtikeln, wie Kautschuk und Elfenbein, be­reits jetzt fühlbar. Es gilt deshalb, hier Gegenmaß- regeln zu treffen.

Ziehen wir das Verhältnis der Ausfuhr zur Größe des jeweiligen Schutzgebietes in Betracht, so ergibt sich, daß die Marschall-Jnseln relativ bei weitem unsere er­tragreichste Kolonie sind,'dann folgt Samoa. Erst in weitem Abstande reiben sich Togo, Kamerun, Nengninea und Ostafrika an. Südwestafrika hat bisher am wenig­sten zur Ausfuhr gebracht. Auch Togo erreicht nur den Lsi. Teil des Exports unserer bevorzugtesten Kolonie. Eine Steigerung des Exports ist vor ollem dadurch zu erzielen, daß bei den obengenannten Produkten an die Stelle des Raubbaues der Plantagenbau tritt. Der Kautschuk ist infolge des Raubbaues und seines immer

stärkeren Verbrauchs in der Industrie ein recht teurer Artikel geworden, dessen Anbau sehr lohnen muß. Die erste Gesellschaft zum Großbetrieb dieser Kultur hat in Sanioa eingesetzt. Auch in Neuguinea u>(d Ostasrika sind Versuche gemacht worden. Der letzte Kolonialkon­gretz hat sich in hohem Maße für den Kautschukbau in­teressiert. Auch die Gewinnung von Palmkernen ist noch weiterer Ausdehnung fähig. Es gibt weite Land­striche, besonders in Kamerun, die überhaupt noch nicht ausgebeutet sind, und die natürlichen Bestände können durch künstliche Anpflanzung vermehrt werden.

Außer diesen beiden Produkten besteht die Haupt­hoffnung unserer Kolonialpolitiker ans den Anpflan­zungen von Kaffee, Kakao, Tabak, und vor allem Baum­wolle. Der llsambarakaffee ist gut, aber vorläufig noch zu teuer. Auch in Togo scheint der Kasfeebaum zu ge­deihen. Kamerun ist das Zuknnftsland für Kakao. Über den Tabakbau ist man sehr geteilter Ansicht. In Ostafrika sind die Versuche vollständig aufgegeben wor­den. Etwas glücklicher scheinen die Ergebnisse in Kamerun zu sein. Hoffentlich werden weitere Versuche noch manches erfreuliche Resultat zeitigen. Über die deutsch-ostasrikanischen Baumwolle sprach man sich auf dem Kolonialkongreß recht günstig aus. Sie scheint durchaus mit guter amerikanischer Baumwolle konkur- rieren zu können. Die deutschen Baumwollspinncr haben das größte Interesse an dieser Kultur, weil eine teil­weise Unabhängigkeit vom amerikanischen Markt für sie von größter Bedeutung ist. Sie sind auch bereit, mit größeren Kapitalien die Sache zu unterstützen. Von ge­ringerer Bedeutung sind die Anpflanzungen von Vanille, Sesam und Sisal-Agaven.

Es ist erfreulich, daß die Regierung durch Anlage von botanischen Gärten und Versuchsstationen in den Kolonien die Lebensbedingungen der einzelnen Pflan­zen, die Fernhaltung von Schädlingen und Ähnliches' studieren läßt. Die Agriknltnrwissenschast ist ja heute so entwickelt, daß ihr zweifellos auch in den Kolonien manches gelingen wird. Für eine Entwickelung der Viehzucht ist hauptsächlich Südwest Afrika geeignet. Leider werden auch nach Beendigung des Aufstandes viele Jahre vergehen, ehe von dort an einen Viehexport zu denken ist.

Ans eine Hebung des Imports in den Kolonien ist nur zu rechnen, wenn diese selbst produktiver werden. Vorläufig sind die Eingeborenen noch recht bedürfnislos und deshalb arbeitsscheu. Unsere Kolonien importieren zurzeit im Durchschnitt für etwa 30 Millionen Mark. Davon stammen etwa zwei Drittel der Waren aus Deutschland. Fremde Waren spielen namentlich in Kamerun eine Rolle hier englische und in Oft­afrika dort indische. Der Anteil der Weißen als Warenverkäufe!.' wird nieist übertrieben. Gegen drei

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Feuilleton.

tRaSdruck BfrSotm.)

Die Runst öe§ Sachers.

lZurBerline r F ü ch e r - Au s st e l l n n g.)

Eine Frau braucht nichts zu wissen,' aber den Fächer muß sie handhaben können, das ist durchaus not­wendig. Es gibt so viele Arten, sich dieser Spielerei zu bedienen, daß man an einem Fächerschlage die Prinzessin von de: Marquise, die Gräfin von der Bürgerssrau unterscheiden kann." So hat Mad. de Staöl von der schweren Kunst ches Fächerspiels gesprochen, sie, die so sehr viel wußte und so scharf die Wesenart ihres Ge­schlecht? erkannt hat, wie man etwas Fremdes und doch nah Verwandtes beobachtet. Ja, im Fächer liegt die Seele der Frau geborgen, jenes leichte luftige Seelchen, das mit unruhigem Schlage dem Schmetterlinge gleich, taumelnd auffMtert, gebrechlich und zart, aus einem unendlich reizenden Nichts, einem kaum wägbaren über­irdisch leichten Stoff geformt, neckisch und verführerisch, im schnellen Fluge kaum berührend und doch Wunden zurückmsscnö unendlicher Qual, im plötzlichen Neigen gewährend und winkend, hinterlassend jugendliche Selig­keit. >Znm Symbol des Frauenwesens, des losen ver­liebte i spielerischen Seelchens, das die Männer um- gauke t und berückt, ward der Fächer,' darum mußte Frau von Staöl, deren tiefe ernste Klugheit den Ab­stand ihres schwereren genialen Wollens vor dem bunten Flatt-rsinn der Frau empfand, mit bitterem Lächeln der Mach: des Fächers sich beugen, und die Maler und Künä r * ie haben sich beeilt, alle Schönheit, allen Glanz und Kostbarkeit über die gebrechlichen kleinen Dinger zu in, die zum Szepter wurden in der Hand der nen und Seligkeit wie Hölle im weiten Rei^' eres anzeigten. Ludwig IV. tanzte damals mit ' ^u, er die Ballets zu Ehren der Frauen und der L

Montespan herrschte mit ihrem Fächer, der lu

'morphotev rftcdte, ebenst'---

ogen, sehr,_ :n. Da muv ich euch

durchprügeln n< sagen, aber sie fühlt,

ihr da» füllt, wo einer plötzlichen Eingebung

Marntenon mit dem ihren, der von biblischen Geschichten erzähltes wie einst Kleopatra, regierte Katharina von Rußland mit dem Fächer in der Hand. Die stolze Rodo- gune in der Tragödie Corneilles ließ die Wut ihrer Alexandriner in heftigen Fächerschlügen austoben; unter dem sanften Wehen des Fächers hauchte die Börenice Rücines ihre Liebesklagen, ließ die Colimöne Moliöres das Sprühfeuer ihrer Koketterien hervorblitzen. Mit majestätischem Federsächcr oder dem schweren Stabfächer aus Elfenbein und Metall schritt die große Dame daher, die Rhythmen ihres gravitätischen Ganges folgten den Schwingungen ihrer Liebcswaffe. Mit leichten, kurzen Schlägen, mit kokettem Auf- und Zuklappen begleiteten die Salrmdamen die pikanten Witze, die verführerischen Antworten, die sie in galanter Causerie Hinwarsen. Viel­deutig und glückverheißend war es, wenn die Dame den Fischer fallen ließ, denn dann war beim Aufheben, beim überreichen Gelegenheit zu mancher Annäherung, zu mancher Vertraulichkeit gegeben. Unmäßig und nnaus- tzörlich war das Klappern und Hin- und Herfahren des Fächers, mit dem die Bürgerin ihren schwatzlmsten Ser- tnon begleitete. Es gab ganze Theorien der Facher- Whrung. Den Fächer bereit halten hieß, ihn nachlässig 'iscken zwei Finger legen. Die Präludien des Fücher- t eis bestanden im allmählichen Offnen imb schnellen ' sschlagen, ein leichtes wellenförmiges Schwingen ge- ! rte dazu. Im koketten Gefecht ließ man ihn jäh aus- > ad zuschnellen, so daß es einen kurzen herausfordernden alafreizenden Ton gab. Den Fächer ruhen lassen hieß, ihn geschlossen in die Hand nehmen, mit die schlanken Frager, das zarte Handgelenk zu zeigen. Sv gab es un­endlich viele Nuancen.

Und wie steht cs Heute? Haben wir heute noch Frauen, die nichts' wissen wollen, als die Kunst des " ' chertragens zu verstehen? Waat sich heute das leichte, ftige Seelchen weiblicher Anmut, das in den Schwingen s Fächers lauscht, noch offen hervor? Nur eine Frau, t in das nichtige kleine Ding die Melodie ihres Innern V-ächcr des South w»--» -><-»» Fächer recht zu handhr^ ' 'leite der Marquis . rxs,* rirf, --

erlernen. Der Fächer setzt nur die Bewegungen seiner Trägerin fort, gibt ihr Gelegenheit, die ihr innc» wohnende Grazie sich auslebcn zu lassen, bringt die ver- borgene Schönheit ihrer Linien und Formen zur Gel­tung. Alle Zartheiten der Liebe, alle Koketterien und Schelmerei sind in seinen Falten verborgen. Der Fächer kann Sehnsucht seufzen und Hohn kichern, er kann im schmelzenden Ton der Hingebung Ja hanchen und ein kaltes schroffes Nein Hervorstotzen. Verstehen es unsere Damen noch, den Fächer seine Sprache reden zu lassen?

Der Versuch einerFächeransstellnng", der soeben in Berlin gemacht worden ist, läßt für die leichte Grazie unserer Kultur das Beste erhoffen. Er flihrt aus der Vergangenheit in die Gegenwart, zeigt an vorzüglichen Mastern die Schönheit der alten Fächer und ruft die heutigen Frauen und die heutigen Künstler auf, wieder vereint die Wunder der alten Fücherknnst mit der eleganten Kultur der Vergangenheit znrückznsühren.

Mit einein zärtlichen Raffinement hat man Kostbar­keiten und Kunstwerke über die kleinen Fächer ausge­breitet, reichsten Geschmack und feinste Sorgfalt auf sie verschwendet. Ans Elfenbein, Perlmutter, Schildpatt, feinen» Horn sind die Gestelle zusammengefügt, mit Schnitzereien, JnkriiOcrnngen, Eiold- und Edelstein- belegen anss reizendste ausgeziert. Daß Fächerblatt be­steht aus feinstein gegerbten Leder, der sog.Schwanen­staut", ans seidnen Stoffen, die ein feines Parfüm ans- hanchten, aus Spitzen und Stickereien, ans Pergament und Papier mit Malereien. Während frühe Fächer noch vielfach aus einem Stück bestehen, so z. B. zeigt die Aus­stellung einen wunderbar geschnitzten elfenbeinernen Stabsä'che^, der wie alle die Fächer aus chinesischen Ur­sprung hinweist, wird seit Ludwig XIV. der in Gestell und Blatt sich teilende Faltfächer säst allgemein Mode, da er handlicher, leichter, "'-ganter ist. Nnn beginnen auch die Maler immer >'

Schönheit auf die Fächo,

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