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Verlag: Langgasse 27,

6». Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». Bezngs-PreiS: durch den Verlast 50 Pfg. monatlich, durch die Post S Atk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

MZ,OOO AKimrrentrn.

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^$0. Verlags-Fernsprecher R». 2981.

Morgen - Kusgsbe.

1. Wlcrtt.

BrNsilien und Argentinien.

Ein erfreuliches Symptom für eine friedliche Ent- wrckelnng der politischen Verhältnisse auf dem südlichen Teile des amerikanischen Kontinents bedeutet die voll­ständige Beseitigung der in den Beziehungen zwischen Brasilien und Argentinien seit Jahren vorherrschenden Snannung. Ties offenbarte sich besonders ausfallend bei dem Besuche, foen das argentinische Übungs- geschtoader kürzlich aus Anlaß des brasilianischen Nationalfestes in Rio de Janeiro abstattete. Tie Ver­sicherungen aufrichtiger Freundschaft, die zwischen argentinischen Marineoffizieren und den Behörden des Nachbarlandes ausgetauscht wurden, waren nicht bloßes Formelwerk, sondern standen mit der auswärtigen Politik Argentiniens im Einklang und bildeten das würdige Pendant zu dem Besuche der argentinischen Flotte in Montevideo. Noch zur Zeit der Einbringung ter letzten brasilianischen Flottenvorlage war die Stim- rming in den beiden Nachbarländern so feindselig, daß in Argentinien der Eindruck vorherrschte, als rüste der Gegner von früher nur deshalb, um den La-Plata- Etaaten gegebenenfalls seinen Willen aufzuzwingen. oder um wenigstens der argentinischen Republik die Stellung als erste Seemacht Südamerikas zu entreißen. Mehrere andere Umstände kamen hinzu, um die Be­ziehungen zwischen den beiden Staaten noch mehr zu verwirren. Die ausgesprochenen Sympathien, die man in Argentinien für Peru und das peruanische Volk emp­findet, ließen die Grenzkonflikte, bei denen es vorüber­gehend sogar zu blutigen Zusammenstößen zwischen bra­silianischen und peruanischen Truppenteilen kam, in einem Licht erscheinen, bas für Brasilien nichts weniger wie günstig war. Man hegte damals ernste Befürch­tungen wegen Ausbruchs eines Krieges, bei welchen! die Sympathien des argentinischen Volkes sicherlich zu- gunsten der Peruaner sich geäußert hätten, wenn die brasilianische Regierung, die zur Mobilmachung ent­schlossen schien, mit Waffengewalt ihre Ansprüche auf bas streitige Gebiet an der Grenze Perus geltend ge­maßt haben würde. Andere Fragen, die wirtschaftlicher Natur waren, trugen ebenfalls dazu bei, daß man in Buenos Aires auf den nördlichen Nachbarn nicht gerade aut zu sprechen war. Durch die teilweise Erhöhung der Einfuhrzölle in Brasilien wurde der Export argen­tinischer Landesproduckte und Fabrikate, so weit jenes Absatzgebiet in Betracht kommt, erschwert. Als dann noch von Rio Grande da Sul aus die formelle Anklage erhoben wurde, daß in argentinischem Erportmehl Mann vorgestmden sei, da schien das Maß voll zu sein, um so Ehr' als sich durch umfangreiche Erhebungen und chemische Analysen ergab, daß. die brasilianische Anschul-

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Feuilleton.

Eine PmirMmüierm äm der Kaiserin^ Mime von China.

Der erste Fremde zu sein, der seit Marco Polos Zeiten im Palast eines chinesischen Kaisers beherbergt worden ist, ja überhaupt der erste Fremde, der in d:e streng bewachten Bezirke der kaiserlichen Frauengemächer eindringen durfte, dessen kann sich die amerikanische Malerin Katharina A. Carl rühmen, die auser­sehen worden war, das Porträt der allmächtigen Kaiserin- Witwe von China der Nachwelt zu überliefern. Durch die Vermittlung der Gemahlin des amerikanischen Ge­sandten in Peking, Mrs. Conger, erhielt sie den Auf­trag. Das Bildnis, das die Kaiserin in starr frontaler Haltung mit orientalischem Prunk auf dem Thrcmsessel darstellte, wurde in einem kostbar geschnitzten Rahmen auf der Weltausstellung von St. Louis gezeigt und dann von der Kaiserin der amerikanischen Regierung znw Geschenk gemacht, die das geschichtlich wie künstlerisch be­deutsame Gemälde dem National-Museum in Washing­ton überwies. Unterdessen verbreiteten sich die selt­samsten Gerüchte über die Abenteuer von Miß Carl, über die Grausamkeit der Herrscherin, über die Gewaltmittel, mit denen sie die Malerin gezwungen, sie jung und schön darzustellen.

Darum veröffentlicht Miß Carl in der neuesten Nummer desCentury Magazine" einen ausführlichen Bericht über ihre Erlebnisse am chinesischen Kaiserhofe, die einen interessanten Einblick in das noch so in Dunkel gebullte Le»en und Trerhen der Herrscherin gewähren. Nach langen Erwägungen und mancherlei Beratungen, so erzählt sie sohsst war es herausgefunden worden, daß iie günstigste ZeH das erste, je hergestellte Bildnis der

Sirrnstag, den 7. Oktober.

digung «s der Luft gegriffen war. Rechnet man hin­zu, daß alle diese Einzelheiten in eine Zeit fielen, wo die brasilianische Negierung begonnen hatte, auch die Wehrkraft zu Lande einer völligen Umgestaltung und Verstärkung zu unterwerfen, so ist die Gewandtheit und Umsicht der argentinischen Regierung, die in der aus- wärtigen Politik in i)r. Rodriguez Larreta einen be­währten Führer besitzt, um so niehr anzuerkennen, wenn sie nicht nur die freundschaftlichen Beziehungen zu Bra­silien aufrecht zu erhalten, sondern auch die Kabinette in Rio und Lima davon zu überzeugen vermochte, daß sie ihre Streitigkeiten weit besser durch die schiedsrichter­liche Entscheidung einer befreundeten Macht als durch Waffengewalt zum Austrag bringen könnten. Man kann in dem nunmehr über jeden Zweifel erhabenen guten Einvernehmen zwischen Argentinien und Bra­silien auch ein Symptom dafür erblicken, daß sich die Völker Südamerikas mehr und mehr der Solidarität ihrer Lebensinteressen bewußt werden. Dieses Zusam­mengehörigkeitsgefühl wird durch Roosevelts Bestreben, die Monroedoktrin zu einem Bevornmndnngs'ystem über die Staaten Süd- und Zcntralamerikas zu erwei­tern, eine weitere Kräftigung erfahren; denn wenn diese sich auch dem Joche der Union werden beugen müssen, so liegt es doch und um so mehr in ihrem In­teresse, sich durch einen engeren Zusammenschluß davor zu retten, daß das Abhängigkeitsverhältnis zu ^einer Vasallenschaft würde. Erfreulich ist es in diesem Sinne, daß man in Chile, wo zurzeit lebhaft und erfolgreiche für eine Neugestaltung und Verstärkung der Flotte agitier! wird, nach der ..Deutschen Da-Plata-Zeitung", energisch der Idee das Wort redet, sich :nit Argentinien dahin zu verständigen, künftig die Marine der beiden Länder nach einem einheitlichen Plan auszugestalten. Es könne über kurz oder lang der Augenblick kommen, wo die Flotten Argentiniens und Chiles gemeinsam ope­rieren müssten und da sei es von ganz besonderer Bedeu­tung. wenn die Schlachtschiffe und Kreuzer einen ein­heitlichen Tyv aufwiesen. Gegen wen eine derartige gemeinsame Aktion wohl gerichtet sein konnte, wird natürlicherweise vorsichtig völlig verschwiegen.

2. deutscher Kolonmlkongrrß.

II. F. Berlin, 6. Oktober.

In seinem bedeutungsvollen Bortrage WerD i e Landwirtschaft in den deutschen Kolo­nien" führte Professor Dr. Marburg- Berlin aus:

Unsere Kolonien seien vor allem als Rohstoffliefe­ranten für unsere Industrie von Bedeutung, an zweiter Stelle als Absatzgebiete für die Fabrikate der Industrie, an letzter Stelle erst als Ziel für deutsche Auswanderung.

Daher sei es im nationalen Sinne von hoher Wich­tigkeit, daß sich Deutschland auch die Märkte der deutsch- kvlonialen Produkte auf die Dauer sichert. Die Plan­tagenkultur fei sowohl aus wirtschaftlichen als auch ethischen, d. h. volkserzieherischen Gründen vorläufig

Kaiserin zu beginnen, am st. August um 11 Uhr sei. Ich erhielt also um y 2 ll meine erste Audienz, um zur rech­ten, den Göttern und Dämonen angenehmen Zeit mit meinem Werke anznfangen. Don dem Glanze der in Sommer und Sonne strahlenden Landschaft entzückt, ward ich fast geblendet von der kostbaren Pracht des Palastes, als mich an seiner Pforte der Obereunuch emp­fing und mich in einen rot ausgeschlagenen Tragsessel nötigte, den sechs Männer trugen. Nun ging es durch das kaiserliche Portal, das nur die Mp-jestäten benutzen, durch ein Gewirr von prachtvollen Gängen und blumen­prangenden Höfen nach dem Lieblingspalast der Kaiserin- Witwe. Wir stiegen ans, eine breite Glastür, von deren Höhe die strahlend roten Buchstaben des WortesSho", daslanges Leben" bedeutet, herabgrüßten, tat sich ge­räuschlos auf. Ich stand in dem Thronsaal ihrer Maje­stät. Eine Anzahl Prinzessinnen und Hofdamen waren bereits versammelt, unter denen ich mit vieler Freude in der Gemahlin und Tochter des chinesischen Gesandten in Paris Pu Keng Bekannte begrüßte, mit denen ich mich auch unterhalten konnte. Tie Geheimnisse der chinesischen Sprache hatten sich mir nämlich noch nicht erschlossen Ganz betäubt von dem Schmuck und der Pracht dieses Märchcnfaales sah ich mich um, als plötzlich eine kleine Dame mit einem liebenswürdigen Lächeln aus Mrs. Conger zukam und sie herzlich begrüßte: eine der Damen Pu-Keng flüsterte mir zu:Ihre Majestät." Die Kaiserin-Witwe war unbemerkt und ohne alle Zeremonie unter uns getreten. Also diese so gutmütig aussehende, fast jugendliche Dame war die grausame, blutdürstige, alte" Kaiserin, von deren Gewaltregiment ich so viel gehört hatte. Neben ihr ging ein junger, fast knaben­haft aussehender Mann, es war der Sohn des Himmels, der Kaiser. Die Kaiserin sah mich an und ich machte eine tiefe Verbeugung, dann kam üe mit einem bezwingenden Lächeln .auf mich zu und streckte mir ihre Hand entgegen,.

RedLkiicmö-Fer«sprecher No. 82. 1903-.

nicht zu entbehren. Es sei deshalb unbedingt zu ver­langen, daß die Regierung sich auch weiter der Plan­tagenkultur gegenüber wohlwollend verhalte.

Bon Genußmitteln aber habe in unseren Kolonien Kaffee kaum Chancen, Tabak gar keine, ziemlich gute dagegen lllakao, dessen Export aus Kamerun in diesem Jahre wohl schon zwei Millionen Mark ausmache. Redner empfahl schließlich die Annahme folgender Er­klärung:

1. Zum Zwvcke der Sicherung der national wichtigen Rohstoffe und behufs Erziehung der Eingeborenen zu rationeller und stetiger Arbeit sind Großkulturen nicht zu entbehren, und eS ist deshalb die Förderung der Plantagenunternehmungen in den deutschen Kolonien der Regierung angelegentlichst zu emptehleu.

2. Die Sicherung der für die deutsche Banmwvll- indnstrie nötigen Grundstoffe erfordert dringend einen verstärkten Ausbau des kolonialen Eifenbahngefetzes, sowie ferner die intensive Unterstützung aller auf die Bekämpfung der Viehseuchen und die Überführung der Eingeborenen zur Pflugkultur gerichteten Bestrebungen.

Stabsarzt IW. Heisch- Eharlottenburg sprach, über D i e wissenschaftlichen Grundlagen der T y p h u s s ck u tz i m p f u n g". Redner hat mit vielen anderen umfangreiche Untersuchungen angestellt und ist zu folgenden Ergebnissen gekommen: Die meiste Aussicht auf die Erzielung eines wirksamen Impfschutzes bietet nach Hem heutigen Stande der Wissenschaft die Einver­leibung großer Dosen von Typhus-Agarkulturmasse. Zur Erreichung einer länger dauernden Immunität scheint es notwendig zu fein, gute lokale und allgemeine Reaktionen zu erzielen. Wenn irgend möglich, ist eine mehrmalige Impfung vorznnehmen unter Anwendung steigender Dosen. Bon der Benutzung kleiner Dosen ist äbzuratcn, weil durch sie eine genügende Steigerung der spezifischen Schnystosfe imBlut derGeimpsten nicht er­reicht wird. Bouillonkulturen sind u. A. aus technische« Gründen nicht empfehlenswert.

Geh. Reg.-Rat Prof. vr. Kirchhofs-Leipzig sprach in der Abteilung 1 überD i e Fortschritte der g e o g r a phi s ch c n Erforschu n g der deutschen Schutzgebiete während der letzten drei Jahre". Der Redner führte aus: Unter der verständnisvollen Oberleitung des Gouver­neurs Grafen v. Gvetzen hat sich Deutsch-Ostafrika eines stetigen Fortschrittes seiner landeskundlichen Durch­forschung zu erfreuen gehabt. In Togo ist die geo­graphische Erschließung unter den friedlichen Zuständen seiner an regelrechten Bodenanbaunng gewöhnten Be­völkerung am weitesten vorgeschritten. In Kamerun sind, namentlich im SÄbosten, leere Flächen von der Landkarte verschwunden. Vorzugsweise aber fesselt die Besitzergreifung des. fernen Nordens, wo ans den Trümmern des Ravehreiches ein Stück deutschen Sudans entstanden ist. Hier ist Deutschland plötzlich Herr ge­worden über ein Stück jener vom Islam in seiner Kul­tur geförderten zentralafrikanischen Negerlande. In Deutsch-Südwe'stasrika hemmen die Rebellen die Wissen­schaft. Er schließe mit dem Wunsche nach einer künftig einheitlich durchgesührten Erforschung unserer Schutz» gebiete.

die ich an meine Lippen führte. Sie wandte sich darauf und wies mit einer anmutigen Gebärde auf den neben ihr stehenden Herrscher und murmelte:Der Kaiser"; auch ihm machte ich eine Verbeugung. Beide sahen mich sehr aufmerksam und forschend an. Die Kaiserin befahl darauf, mir mein Malzeug zu bringen; sie selbst zog sich wieder zurück, um den vollen kaiserlichen Staat für die Sttzring anzulegen. Der Saal war groß und ausgedehnt, hatte aber sehr schlechtes Licht. Tie einzige Helligkeit war am Eingang in der Nähe der großen Glastür. Ich hatte bereits soviel in Erfahrung gebracht, daß die Kaiserin ein sehr großes Bild von sich haben wollte und! daß sie es sicher als Ungeschicklichkeit aufnehmen würde, wenn ich erst einige vorbereitende Studien und Skizzen machte. Auch wußte ich nicht, wieviel Sitzungen sie mir gewähren würde, und war daher fest entschlossen, die erste Gelegenheit zu nützen und sogleich, ohne Charakter und Wesen der Kaiserin zu kennen, ihre GesichtSzüge auf der großen Leinewand sestzuhalten.

Nur wenige Minuten hatte ich, umstdies zu über­legen. denn schon kehrte die Kaiserin zurück. Sie war angetan mit einer gelben Robe, die ganz mit Stickereien überdeckt war und mit Perlenschnuren wie übersponnen war. Das Gewand war ganz aus einem Stück in schwerer leuchtender Seide verfertigt und ließ ein Untergewand von gleicher Farbe hervorstvahlen. Um den Hals trug sic eine Kette von achtzehn enorm großen Perlen, die zwischen grünem Jade glänzten. Ein sehr großer, fein­geschnittener, blasser Rubin zierte ihre Brust; von Kurt gingen gelbseidene Quasten aus, die wieder in riesen­großen Perlen von erlesenster Schönheit endeten. Die Schultern waren mit blaßblauen, gestickten Seidentüchern geschmückt, die wieder lange Quasten hatten. Ihr glän­zendes. schwarzes Haar war in der Mitte gescheitelt und an beiden Seiten hoch heraufgenommen. Ruf dem Haar war ein bizarrer Schmuck aus Perlen, Gold und Schild-