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Uo. 4 41. B-rlagS.Fer«,precher R-. 296 *. DoNKerslag» den 21. September.
RedaktionS^ernfprecher Ro. 6S. 1903.
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Warinefragen.
L. Berlin, 19. September.
Wie groß die Forderungen für den Ausbau der Flotte im neuen Etat sein wenden, weiß bisher niemand, aber eines weiß man Zuverlässig, nämlich daß der Tonnen- geholt der Linienschiffe erhöht werden soll. Die Frage ist nur noch, ob die Marineverwaltung Schiffe von 16 000 Tonnen bauen will, wie sie gegenwärtig die meisten Linienschiffe der englischen und der japanischen Flotte auswelsen, oder ob in Erwartung einer Erhöhung des Deplacements bei den anderenMarinen auch 'deutscherseits smart gleichfaliL ein höheres Deplaceirrent gewählt werden soll. stdach verschiedenen Anzeichen scheint es srei- Iia . als ob biete Frage bereits dahin entschieden sei, baß nicht über 16 000 Tonnen hinausgegangen werden soll. Wir enthalten uns jedes Urteils über die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit des etwa schon gefaßten Entschlusses, wie es denn naturgemäß die Sache der verantwortlichen Fachmänner ist, in dieser Beziehung eine Entscheidung zu treffen. Nun hat sich im Anschluß an die Erörterungen über die wahrscheinlich bevorstehende Steigerung des ÄMacements eine Streitfrage besonderer Art entspannen, nämlich die, ab im Falle einer Vergrößerung des Linienschiff-Typus der Kaiser Wilh-elms- kanal ausreichen würde, um die künftigen Kolosse zwischen beiden deutschen Meeren zirkulieren zu lassen. Wie man sich erinnert, ist die Errichtung einer Zweignieder- lasstmg des Stettiner„Bulkans" bei Hamburg -u. a. damit begründet worden, daß die Regierung eine Erhöhung des Deplacements plane, und daß die größeren Schiffe infolge ihres Tiefganges den Kanal nicht mehr würden benutzen können. Aus dieser Ankündigung war vielfach geschlossen worden, daß die Folge der veränderten Pläne der Marineperwaltnng unweigerlich der Umbau und dia Vertiefung desKaiserWilhelmskanals werden sein müssen. Ter Kanal hat freilich 9 Meter Tiefe, aber was nützt das, wenn die Linienschiffe noch tiefer gehen? Die Voraus-
Femüeton.
(Nachdruck verboten.)
Sympathische Färbungen im Tierreiche.
Von F. N. Gerling.
Auf den Reichtum der Formen und Farben in der Natur hat der Mensch seit je mit scheuem Erstaunen geblickt. Diese Fülle zahlloser Wunder an keimenden, kriechenden oder fliegenden Wesen, sie war ihm lange der unwiderlegbarste Beweis dafür, daß sie entstanden, hcr- vorgegangen sei aus der Hand eines allumfassenden Wcl- tenmachers. Bor allem war es das überaus Zweckmäßige in den Gebilden und Erscheinungen aller Art, was ihm als ein bewußt vollbrachtes Machwerk, aus Ausfluß eines Genies erschien, das nach weife erwogenen Plänen erschaffe und gestalte. Denn wie anders sollte so etwas zuwege kommen können als in der Weise, wie er, der Mensch, selbst sinnt, schafft und gestaltet? Hier müsse — das war ihm unverbrüchlich — ein ihm ähnlicher, nur höherer, umfassenderer Jntellekl in weiser Voraussicht bildenund formen. Diese Auffassung ist heute nvch in vielem Kreisen gültig,' sie war dies aber vor noch nicht fünfzig Jahren in einer Weise, Sah sie selbst in den einer freien Weltanschauung dienenden populären Schriften als selbstverständlich gepredigt wurde. Gegenwärtig aber ist dieser Glaube von der Naturforschnng erschüttert und durchbrochen worden. Denn zur absvluten Gewißheit reifte die Erkenntnis, daß die Natur einem Entwicklungsprozesse unterliegt, der nicht nach vorgefaßten Plänen, sondern den jeweiligen Verhältnissen entsprechend, also nvtwendig gestaltet. Indem man ciner- seils erkannte, daß die Statur alles Verwickelte allmählich und in langer Stufenfolge aus Einfachem bildet, erkannte man andererseits, daß der Formenreichtum der Lebewesen nicht zustande komme ohne den Faktor rein mechanischer Einflüsse, welche auf den lebenstätigen Stofs einwMen. Damit aber verlor alles Zweavolle, das uns in der Natur begegnet, den Charakter des Vorbedachten und Geplanten,
setzung bei dieser an und für sich sehr logisch ineinander- g rei fen den Vevknüpfnng van Ursache und Wirkung ist freilich, baß Linienschiffe mit wesentlich erhöhter Tonnenzahl auch tatsächlich einen erhöhten Tiefgang haben müssen. Aber es ist zu fragen, ob,das notwendig der Fall ist. Es gibt Fachmänner, die die Notwendigkeit bestreiten, und zu ihnen gehört -auch ein sachverständiger Beurteiler, der soeben in einer bamerkenswerten Ausführung in der „Krefelder Zeitung" anseinandersetzt, die Steigerung des Deplacements brauche keineswegs eine Steigerung des Tiefgangs mit sich zn bringen. Der Verfasser behauptet, daß sich durch geeignete Herstellungsweise des Äänffskörpers die gefährliche Begleit-Er- scheinung stark herabmindern, ja geradezu aufheben läßt. Wir können nicht beurteilen, ob er rocht hat, aber wir wollen einige von ihm angeführte Beispiele hier wiedergeben, die in der Tat etwas Frappierendes haben. Unser Linienschiff „Brandenburg" mit 10 000 Tonnen hat 7,4 Meter Tiefgang, unsere „Deutschland" mit 13 200 Tonnen 7,7 Meter Tiefgang. . Der Unterschied ist also nur geringfügig trotz der wesentlich höheren Toirnenzahl. Der englische Mämperdowe" sodann mit 10 700 Tonnen geht 8,6 Meter tief, der englische „Lord Nelson" aber mit 16 700 Tonnen nur 8,2 Meter tief. Hier zeigt sich gar, daß ein wesentlich stärkeres Schiss flacher -gehen kann als ein schwächeres. Den Rekord erreicht Amerika, dessen Linienschiff „Kansas" -mit 16 200 Tonnen nur einen Tiefgang von 7,5 Meter hat. Daraus würde folgen, könnte wenigstens folgen, wenn unsere Schisfs-b-a-ii-Tech- niker denen der anderen Staaten nicht nachstehen, daß Deutsche Linienschiffe von mehr als 16 000 Tonnen höchstens 8 Meter Tiefgang zu haben brauchten, eigentlich also nicht mehr, als jetzt die „Deutschland" hat, dis hinter dem künftigen Typus um über 3000 Tonnen zürückbleibt. Nebenbei bemerkt, hat der Kaiser Wilhelniskanal eine -größere Tiefe als der Suezkanal, ein Moment, das bei der Beurteilung. der englischen Moriuoverhältniss-e vielfach außer acht gelassen wird. Wir in Deutschland pflegen uns gemeinhin horzustcllen, daß die gewaltigen englischen Schlachtschiffe ungehindert auf -dem kürzesten Wege von der Heimat nach den asiatischen Gewässern gelangen können. Dies ist -aber keineswegs der Fall, sondern gerade die -mächtigsten englischen Schiffe müssen den Umwog um das Kap machen. Die Engländer würden wohl jeden sonderbar anseh-en, der ihnen' auseinandersetzte, jie dürften -den Tonnengehalt- ihrer Linienschiffe mit Rücksicht auf die Tiefenverhältnisse des^ für sie doch unendlich wichtigen Sne-zkanals nicht erhöhen. Angenommen, daß der Kaiser Wilhelmskanal später wirklich nicht mehr für die größten deutschen Schiffe ausreicht, so glauben wir nicht, daß die Marineverwa-ltung um dieses Umstandes willen auf die Steigerung des Deplacements verzichten würde, falls sie von ihrer Notwendigkeit überzeugt sein sollte. _
Obwohl nun die Entwicklungslehre durch viele verdienstvolle Schriften und Vorträge dem Verständnis unserer Zeit nahegelegt worden ist, so fällt es doch manchem Gebildeten schwer, diese Lehre als maßgebend für alle Formen und zweckentsprechenden Vorrichtungen in der Tier- und Pflanzenwelt zn halten.
Als hervorragend zweckmäßig müssen diejenigen Vorrichtungen erkannt werden, welche dem Schutze des Individuums gegen seine Feinde dienen. In erster Reihe steht da jene großartige Schutzfärbung, welche wir bei vielen Tieren finden, ja, welche sogar bei manchen Insekten bis an das Wunderbare grenzt. Wie groß ist die Zahl derjenigen Wesen, deren Farbe vollkommen dem Ort ihres Aufenthaltes entspricht! Die vielen Bewohner des Blattes, des Halmes mit ihrem grünen, der Rinde mit ihrem braunen Kleide, wie vortrefflich entziehen sie sich dem spähenden Auge des Verfolgers! Sind nicht Tiere fast jeglicher Art aufzuzählen, deren Färbung ihnen vorzüglichen Schutz gewährt? Von vielen fast ganz durchsichtigen Bewohnern des Wassers, von der Fauna des Meeresstrandes zn unserem Hasen und Feldhuhn, deren Kleid mit der Farbe der Ackerkrume sich zu decken pflegt, bis zu den weißen Bewohnern der Eisregivn,' predigt hier nicht allenthalben das Farbenklcid den Zweck, welchem es vornehmlich dient?
Auf den Schutz, welchen die Farbe vielen Tieren gewährt, ist früher nie großes Gewicht gelegt worden, obgleich schon im 18. Jahrhundert der Naturforscher Rosenhof die Aufmerksamkeit der Wissenschaft darauf zu lenken suchte. Im allgemeinen aber erweckte die Sache kein größeres Interesse, da Probleme anderer Art die Köpfe der Forscher beschäftigten. Erst Charles Darwin war es Vorbehalten, dem Strome der Zeit und den üblichen Anschauungen entgegen, darauf zu verweisen, welche Bedeutung in vielen Fällen die Farbe für das bezügliche Tier besitzt, und daß ganz bestimmte Ursachen für das Vorhandensein der Farbe maßgebend seien. Freilich stehen diese Ursachen ganz im Gegensätze zu der theologischen Weltanschauung, welche stets in der so auffälligen Zweckmäßigkeit solcher Erscheinungen den Beweis für die alles
Was der Zeysig lang.
Unter diesem Titel gibt die „Freie Deutsche Presse" folgende Darstellung der bekannten, ungarischen Sen» sätionsgeschichte:
Viel Lärm um nichts, so kann man von einer Angelegenheit sagen, die jetzt in Österreich-Ungarn -wahre Wolken von Staub aufwirbelt. In den letzten Tagen -war in -den Berichten aus Bud-apest oft -die Rede von einer „Zeysig-Brvschürc" und daran sich knüpfenden Matz- nahuien der ungarischen Behörden. Wer ist dieser Zeysig un-& -was stand in jener Broschüre, so wird- -man sich! verwundert fragen, wenn man v-ernimmt, -welcher Eifer in Budapest entfaltet wird, um jenem Vogel, der bekanntlich L-aS Beiwort „locker" im deutschen V-olksmnnd führt, hinter seine Schliche zu kommen.
Im August erschien in Berlin (Druck und Verlag Eugen Wertheim, Frie-drichstraße 91) ein Druckheftchen, betitelt „Die ungarische Krise und die Hohenzollern" von Professor Julius A. v. Zeysig. Das Ding kostete 80 Pf., ist aber noch nicht die Hälfte -wert. Die meisten Zeitungen Deutschlands-, denen -diese Zeysig-Broschüre znging, würdigten sie kaum einer Besprechung, und mit Recht, denn der Inhalt des Machwerkes war so -inmrm und albern, daß man am besten 'tat, keine Notiz davon zu nehmen. Ein deutscher Professor hätte solches Zeug wohl kaum zu- sammengeschrieben, es gibt auch keinen deutschen Professor Zeysig. ES lag am nächsten, an eine buchhändlerische Spekulation auf das Sensationsbedürfnis törichter Massen zu denken.
Die Broschüre wurde bald nach ihrem Erscheinen in" Österreich sowohl wie in Ungarn verboten, und da sich nunmehr ein hochnotpeinliches Verfahren an die Geschichte gekn-üpft hat und in Ungarn vielleicht ein großer politischer Skandal daraus entstehen kann, wollen wir zum Verständnis des ganzen Rummels auch einige Proben ans dein Zeysiggesang mitteilen. Der Verfasser, dem man auch in iStil und Sprache den Ausländer anmerkt, bringt zunächst tatsächliches Material bei über die Ursache und den Verlauf der ungarischen Krisis. Von vornherein geht er aber darauf aus, Österreich -und die habAburgische Dynastie ins Unrecht zu setzen. „Österreich-Ungarn in seiner jetzigen -Staatsverfaffung ist, so schreibt der Zeysig, keine Garantie -des Friedens, im Gegenteil — eine Brutstätte von Unruhen, vielleicht der Revolution, ans jeden Fall aber viel eher -eine Gefahr als eine Stütze -des europäischen Friedens und G-lcichge- wichts." Aus diesem Gedanken heraus redete der Verfasser einer Trennung Österreichs und lingarns das Wort, indem er zugleich die schwersten Anklagen gegen die Habsbnrgische Dynastie erhob. Die Lage sei genau dieselbe wie 1818, -die Wiener militärischen Kreise mit ihrem unnachgiebigen, befehlenden Ton wollten die ungarische Nation zu gewaltsamen Maßregeln reizen, um die konstitutionellen Bestrebungen dann mit bewaffneter Macht niedertreten zu können. In diesem Stil geht es -Seiten lang weiter und der Verfasser warf die — von ihm
bestimmende Vorsehung, für die Weisheit Gottes erkennen wollte.
Überall da, wo man eine mehr oder weniger große Übereinstimmung zwischen der Färbung eines Tieres und der seines Aufenthaltsortes konstatiert, pflegt man diese Färbung als „sympathische Färbung" zu bezeichnen. Sie ist, wie bereits erwähnt, überans häufig, und ihre Ursache ist in dem sogenannten Selektions- oder Anslesevorgang der Natur zu suchen. Dieser Vorgang besteht darin, daß diejenigen Wesen einer Art, welche durch irgend einen kleinen Vorteil ihren Lebensbedingnngen besser angepaßt sind als andere Wesen derselben Art, eine größere Aussicht haben, zur Fortpflanzung zn kommen, und damit ihre Eigentümlichkeiten zu vererben, während die weniger den Umständen und Verhältnissen angepatzten Wesen im Daseinskämpfe zu unterliegen pflegen und schließlich ausgcmcrzt werden.
Der so oon der Natur inszenierte Ausleseprvzetz ist nun eine sehr einfache Erklärung für das Zustandekommen der sympathischen Färbung der Tiere. Es liegt nämlich auf der Hand, daß dasjenige Individuum, welches auch nur durch eine unwesentliche Abschattung in der Farbe gegenüber dem Boden, auf welchem es lebt, mehr absticht als die übrigen Individuen, von seinen Feinden leichter bemerkt, verfolgt und vernichtet werden kann. Dagegen werden diejenigen Wesen, deren Färbung sich am besten mit der Farbe des Wohnortes deckt, sich dem Auge des Feindes leichter entziehen. Die damit beständig bewirkte Auslese in der Farbenvariativn muß bedingen, daß schließlich nur noch solche Individuen zur Nachfolge gelangen, welche ihrem Wohnorte in der Farbe angepaßt sind.
Dieser einfachen Erklärung einer Erscheinung von höchster Zweckmäßigkeit in der Natur ist natürlich anfangs mit starkem Kopfschütteln begegnet worden. Heute aber steht hinter ihr eine stattliche Anzahl hervorragender Forscher, welche den Vorgang natürlicher Auslese nicht nur als rationelle, sondern als einzig mögliche Erklärung der sympathischen Färbung anerkennen. An Einwendungen dagegen hat es natürlich nicht gefehlt. Es ist aber auch nichts leichter, als einzelne Tatsachen bei-
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