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Wiesbadener Tagblstt

Verlag: Langgasie 27.

Anzeigcn-Preisr Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeige«

15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 2., Pfg- Rcklamcn die Pctitzeste ,für Wiesbaden 50 Pfg-, für auswärts 1 Mr.

391. 8erlagS»Fer«!precher R». 298»

Morgen- Kusgsbe.

1. WLatt. _ _

Iüv 6m Monat September

auf das

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^Wiesbadener Tagblait

ju abonnieren, findet sich Gelegenheit

im Verlag Langgasse 27, bei de» Ausgabestellen, den Zweig - Expeditionen

der Nachbarorte,

«nd bei sämtlichen drntschen Rrichspostanstalten.

(NackdruS verboi-n.)

Eine KadebeKamrischasl.

,Von vr. jnr. W. Braudis, Gr.Mchter'felde.

«däe Neunions, die jeden -SaMStagäüend in N. statt- .® le unl öa ein Kurort war, Mrtktkich um 'rgv aeicblossen 'wurden, wollten trotz -aller Bemühungen JjjLeftion nicht recht in Ausnahme kommen, ^re -eilten Neuangekommenen gingen aus Neugierde eill- - oder höchstens 'zweimal hin, dann blieben sie for , da es ihnen kein Vergnügen machte, tit einer unoe-

Knuten Gesellschaft zu verkchrcn. Fräulein Elsriede F.

ÄÄSr/^^e: Me- verEtete sie etwas Gescheit z l kürzlich getroffen hatte, als

.Md B«r° «mm, Ü'Ä «,» IW .»'iteilte, '.M* f* «« -M-- S« mit ert-ieinlen Aktie »>-'!> «*»

land Gelegenheit 'zu kurzen Gesprächen und-hatte ihr baß er 'sich sehr 'freuen würde, sie bei der mchgeteilt, ü ^a 'das sichere Auftreten, hie ele-

Rennlon M sl - -gewandte 'Unterhaltung dem

gante ^rMmung uno o o erklärte sie

r öeIt J?ffilSxn & etnen fernem Gesuch der Um, daß ihre * & &, a g mit der Kur nicht in

rn^o/k'itÄ aber die Mama würde schon aus ihr mit iür gehen So geschah es denn auch, -der Herr ^ "t"'viel mit Fräulein 'Elfric'de und gab sich die Ehre, fich der Frau Mama vorzustellen, der die obigen Eigen- weniger als der Tochter gefielen, zumal er einen'klangvollen Titel führte, der eine sichere Existenz vcrMvate Seit diesem Tage trank der Herr fast ständig vervurgre. wamilie F. den Kaffee 'wahrend

^PrLn'adestkonzertes Der Water, dem die unver­kennbare Zuneigung seiner Tochter zu dem Herrn nicht

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lien oder auch allein arrangierte mozn er den Hmrn

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TirfftcrctnciVfdicifi^it. füllte ein locicxc Ö 1 /

schon zl? mehreren Mädchen und W^n tN ^Be­ziehung getreten war, ohne dah cs l a Bater durch- gekommen. Der junge Herr machte ans den Barer our, ans den Eindruck eines Lebemannes, der wenig Einn

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nlien würdigen Damen und Herren so l

Vsrag?n 'L^ZiLZ^iir^silichteit alles BestehenÄn nur zu oft mit Nasenrümpsen beantworte en ?är gar toMwiegen. Mit dem jungen Herrn könne sie sich über alles aus'sprechem Sie verstanden sich, ih

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iXer vcrr jan; «einzunehmen, ustd früher,

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anderen Ort wohnhaften Herrn bestand fort. Eines

TaacS entdeckte dics der Vater, da ein an seine Tochter £&»« ....d ---.»«-,«{*ä

iirtitr'fie den er kraft des ihm zustehenöen Crolehuligv rechts ösfnete. Dies veranlaßte den Vater ö« ernstlichen Worhaltungen an seine Tochter und zur Enkznehnna mancher ihr bisher gelwührter Vergünstigungen. Der Tochter wurde infolge dessen der Ansenthalt un elt r- lichen Hause immer unerträglicher und eines Tages war Ne verschwunden. Nach acht Tagen schbie'b ,te der Mutter -i«» -us einer Stadt

-Landes, worin sie ohne Angabe einer näheren Äoreste mitteilte, daß sie dort versuchen wolle, eigener Kraf tbren Lebensunterhalt zu vevdiienen, denn ihr höchstes

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wT'fütmlment fasse. Sie wolle sich ihr Brot veroienen

mit Unterricht oder als GesellWaswrtn ober Reisebeglel-

iertn oder Erzieherin oder wre es ihr sonst gM«e, jie fiof'e daß es ihr in der großen Stabt gelingen weroe, 'irgend eine derartige Stellung zu finden. Surdienach- sten Wochen wüstde übrigens ihr Lparkassengeld, das st erhoben habe, ausreichen. Eins nur freute die Eltern bet diesem Briefe, nämlich, daß sie nicht dem Herrn nach- aerei' t war Davon hatte sie ihre Selbstachtung aogc- balten. Der Vater wandtesich ^as GcrrM unt mn Ersuchen, ihm die min'derfahrige Tochter, über me die elterliche Gckwalt habe, w'ieöer zuznführen, und m» Gericht wandte sich mit dem gleichen Ersuchen an Me Polizeibehörde der betreffenden Ltadt, welche dem C - M-chen Folge gab und das Mädchen in Begleitung eines Vvlizeibeamten den Eltern wieder Mfnhren ließ Doch Nach wenigen Wochen war das Mad-- -cben aufs neue vestschiwuMden un!d gab diesmal den Eltern -keine Nachricht, wohin sie gegangen war. Sie hinterl der Mutter einen Zettel, worin ste Mese mm Enkschul- digung wegen des Kummers bat, den sie ihr mache, aber sie solle unbesorgt sein, sie werde nicht zugrunde ffcrwu Sie wolle lieber hungern, als sich entehren.

Es ging ihr schlecht in der großen Stadt. An Arbeit niM gewöhnt, genügte sie den an sie gestellten ^.nfpruchen n cht S«woy , .i ' Lvhii ohne Wohnung und

ÄöstiLa^ vonSntcn deren Kinder «c BeiVn Schulastbeiten beaufsichtigte und sPazleien Mhrte Sie mußte buchstäblich hungern. Die Eltern er­mittelten ihren Aufenthalt, und wiederum versuchte der

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-rreicht habe, er also kein Recht der Erziehung und -a-

Slg?Ä^ S&ÄSe MeTochter 'F^7 und da Ne Wirtslente sie gleichgültig rn ihrer Stube' liegen ließen, ohne jegliche Pflege und Wartung, sg wäre sie wohl bald dahin gestecht, wenn nicht zufällig

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jung ihre Überführung in das KrankenhMs veranlaßt

Feuilleton.

lNachdrull verrotkn.)

Unterwegs-

Indiskrete Skizze aus dem Abendzuge. Bon Mathilde Tipp.

drucksvolles Änschanen verlor und me vmom

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der beiden Freundlnnnen «"/angs mit gu w ' - Diener des Meilenberg,chen Hausesdie ^nr^

Überraschung., wie die ihr werdende, kam A 'ay oort in

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belederte Händchen an de>r bärtigen Mund.

grüßte er die Meilenbergs, die ihre Halse neugierig

Meilenberg, die Alicesfaible" für den eleganten, liebenAwürdigen Gutsbesitzer naMrl l kannre, wechselte mit der Freundin sprechende Bücke Welch'reizender Zufall! Und ^ umfangreich und iw i-reisant würde Alices nächster Brief se"i, dem Vera tmn natürlich schon heute e^artungsvoll^ntgegensam Geschäfte in der Stadt?" fragte de. Baron oen Eutsnachbarn.

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nickst H"nm^an? ihrer Arbeitslosigkeit wate- ging ab. - , Meaen aus dem Bahnhof fuhr,

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Se ein Schleier wob sich die Dämmerung um das schön- ^t^ben Erde das sie soeben verließen, und «in «chatten wate ich auf Alices Herz, das sehnsüchtig die entfchw'in- Veüe eines Landes genoß, w'o ihr zwei wonn'e- vM? Monate hindurch großzügige Gastfreundschaft ge-

seüs ai^ewig, sah sic abschiednehmend nieder auf Äkwiaen Wichen und goldgelben Felder, hinunter in den stillflietzenden Fluß, über den die Eisenbahn ge-

rade donner^. saß Alice seine Heimat M

lieben schien, und heißer denn ,e wünschte er. das hübsche Mädchen hier fcsthalten zu kon«««. Nun hatte^ s ck iw Schmerz wohl einigermaßen geregt, und der junge

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p Q lt foH cv. Iir Begleiter fern zu dürfen. Wie

kommt es. daß Sie .statt übermorgen schon heute reisen?

Meine Mutter hat Sehnsucht nach mir," antwortete

Schade, daß ich nichs davon erfuhr, ich hätte Ihnen

gern einen Blumenstrauß gesandt. Mem Gärtner war schon angehalten, jede Knospe mrt ^gu^u^n M über wachen, die bis übermorgen schone Blute versprach.

Wie nett von Ihnen!" Sie sah, auf das Buketr win "absckiattterter, schwerer Nelken, wie sie auf schloß Lilerrberg so prackstvoll wuchsen, lieb zu ihm hinüber, und sein Herz klopfte schneller.

Ich habe alles -gern, was blüht und grünt und

tmi'icfiiit " siiaie sie ablenkend htN-iN.

ü'nd nun plauderte man vom Landleben und der Landwirtschaft. Alice zeigte viel Verständnts, fragte ge­schickt, antwortete prompt - trotzdei-l ^er^g^ber ihr eine Befangenheit, eine Unruhe, wie -o . l

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Fleisch ahnungsvoll schimmerte, SitterM ^ murde Augen flimmerten unstat, und nach jeder Station wurde das iun-ge Mädchen stiller und bla,sei.

Was hatte sie nur? Seine kühne Hoffnung auf ihren Besitz begann -an Zuversichtlichkeit zu verlieren, obgleich ihn ab und zu ein verheißungsvoller Blick traf.

Plötzlich schlug der Gutsbesitzer mit -der flachen Hand an die weiße Stirn, die gegen sein sonnverbranntes Ge-

sicht ^^"^'ckwabimch. vergaß, etwas- sehr

Wichtsi es Sn anzuordnen . . . Ich muß meinem Inspektor so schnell wie möglich telegraphieren oder tele-

phonieren. Minuten Aufenthalt."

"Ä es ist wahr, d-a habe ich- genügend Zeit. J-n einer halben Stunde werden wir dort fern.

D-amit beruhigte er sich wieder,, aber seme Aus merksamkeit blieb von nun ab geteilt. D-a schlug mit einem Male Alices Stimmung um, und- wortlos genoß Bäi-niried- ihre «eb-hasti-gkeit und übersprude-lnden E:n- Mke Fn Alices Anblickversunken, bauic er im stillen Luftschlösser, in denen sie als unumschränkte Herrin hauste. . .