Einzelbild herunterladen
 

SS. Jahrgang«

Erscheint in zwei Ausgabe». — BezugS-PretS: durch den Verlag S« Pfg. monatlich, durch die Post 9 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgafse 27.

2r,OOO Abonnenten.

Anzetgen-Preiör

Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeige» 35 Pfa. — Reklame» die Petitzeile für Wiesbaden öd Pfg., für auswärts 1 Mk.

^Lttteinen - JLnttolnttl* f“ r die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittag», für die Morgen »Ausgabe di» 3 Uhr nachmittag». — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächst» E r v" s*«**w*jw«- erscheinenden Ausgabe, wie für die Anzeigcn-Aufaahme an bestimmt vorgeschriebene« Tage« wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

379« Berlags-Fernsprecher Ro. 29».

Morgen - Ausgabe.

1. Wkcrtt.

Reise - Abonnements

auf das

„Wiesbadener Tagblatt"

können rstglich begonnen toerven und kosten wöchentlich bei freier Zustellung in's Haus

lillch Vrtkn in DeuWllnli und GHerrrilh-Ungarn 60 Vf§.

.. .. im Ausland.90 ..

Bestellungen beliebe man genaue lvohnnngsadreffe beizufügen.

Der Verlag des Wiesbadener Tagblatts.

Die Zukunst der nordischen Stauten.

Am Sonntag hat in ganz Norwegen -die Volksab- 'timmung über die Fortdauer oder Auflösung der Uuion slattgefunden. Somit ist die erste der von Schweden für seine Zustimmung zur Auflösung ausgestellten Be­dingungen erfüllt worden. Nachdem die Vorstände de» Norwegischen Linkenvereins, der norwegischen Arbeiter­gesellschaft, der konservativen Zentvalleitung, der norwe­gischen Arbeiterpartei und der gemäßigten Partei einen gemeinsamen Aufruf zugunsten des Storthingbeschlusses vom 7. Juni erlassen, nachdem wiederholt Kundgebungen zugunsten der ja schon tatsächlich vollzogenen Auslösung stattgefunden hatten, konnte man über die Abstimmung nicht mehr im Zweifel sein. Mit überwältigender Mehrheit hat sich das Norwegische Volk mit seinem Ltorthing eins erklärt. Bereit s am.Montagsrüh wurden 521197 Stimmen für die Auslösung gezählt, nur 151 sprachen sich für den Fortbestand- der Verbindung mit Schweden aus.

So schmerzlich auch das Ergebnis des Asistimmungs- tages in Stockholm berühren mag, überraschend konnte es nicht kommen. Haben doch selbst die Konservativen Norwegens noch vor kurzem erklärt, die Union sei eine Quelle des Zwistes geworden, und schließlich sei Nor­wegen vor die Wahl gestellt gewesen, entweder von Schweden regiert zu werden oder aus der Union zu treten. Der schwedische Stolz, der sich durch die form­lose Aufkündigung der Union gekränkt fühlte, wird sich jetzt beruhigen müssen, zumal wenn man in Norwegen die Absicht zeigt, durch gegenseitige Verhandlungen die Angelegenheit in diplomatisch schicklicher Form zu er­ledigen. Keins der beiden Reiche denkt trotz aller Vor­sichtsmaßregeln und halbverhüllten Rüstungen an einen Waffengang. Das Berserkertnm, das im Mittelalter diese Völker beseelte und so oft zu blutigen, Fehden aegeneinand-er trieb, ist längst erloschen. So wird auch der hochgespannteste norwegische Unabhängigkeitsdraug

FemUetorr.

(Nachdruck verbalen.)

Aus dem Funde der Pharaonen.

Von Wilh. F. Brand.

V.

Schon sind wir sieben Tage unterwegs und wir haben bisher nur den Nil und seine nächste Umgebung, die Tütfer und die Menschen beobachtet und nur kleinere Ausflüge gemacht. Heute aber erschließt sich uns eine an­dere, eine ganz neue oder vielmehr eine ganz alte Welt, die Ruinen von Tempeln und Grabstätten, die, vor Tausenden von Fähren errichtet, jetzt aus Schutt und Moder wieder hervorgegraben, sich verhältnismäßig noch vorzüglich erhalten zeigen und uns einen so fesselnden Einblick gewähren in die Kunst, die Götterlehre, die Ge­schichte, das ganze Leben lange entschlafener ^Geschlechter.

Das etzste wirklich gewaltige Denkmal, das wir in Llerüanpten besuchten, war der Tempel von Dendara, und jetzt folgt bald Tempel aus Tempel, der eine noch großartiger als der andere, Werke von Menschenhand, die uns mit frommen Schauer erfüllen. Am nächsten Tage kamen wir nun sckon nach Luksor, dem einstigen Theben, dem „hunderttorigen", Mit noch großartigeren Denkmälern aus alten, alten Zeiten. Wir besuchen den erstaunlichen A-m-monteMpel von Larnak, den Tempel von Luksor und auf der anderen Seite des Nils zwischen schaurig wüstem Felsgeklüst die Toten'staüt mit ihren Dutzenden von Königsgrüften, die, Hunderte von Fuß weil in die Felsen hineingehauen, vorzüglich erhalten sind. Selbst die Farben der urfpünglichen Malereien kommen noch immer sehr schön zur Geltung.

Wir nahmen in d-e'm geräumigen Eingang einer der Grüfte unser Mittagsmahl ein. Das mochte nicht gerade ebrerbietig, noch besonders appctiterrcgend sein, aber <wtr waren ja nur in derBorhalle, und der dort gebotene

Mittwoch» de« 16 . August.

die weiteren Forderungen Schwedens nicht von vorn­herein abweisen: Schweden will sich den freien Durch­gang seiner Eisenerze zu de» norwegischen Häfen und den Lappländern ihre Weidetriften auf norwegischem Gebiete auch für die Zukunft sichern. Gerade wenn es den Norwegern ernst ist mit ihrer Versicherung, ihr letztes Ziel sei die Union der drei nordischen Staaten und die Trennung ihres Landes von Schweden sei der erste Schritt, diese von allen ersehnte Verbindung anzn- bahnen, werden sie den billigen Forderungen ihrer öst­lichen Nachbarn entgegenzukommen suchen. Ob aber danüt schon die nordische Union erreicht werden lvivd, erscheint mehr als fraglich.

So oft sie angestrebt wurde, ist sie noch immer an den Sonderinteressen der drei Reiche und der unüber­windlichen Eigenart der drei Völker gescheitert,- deren Gegensätze sich bei der ursprünglichen Verwandtschaft um so schärfer geltend machen. Auch ohne Union ist der Friede zwischen Norwegen, Schweden und Dänemark fast ein Jahrhundert lang erhalten geblieben. Was den Schutz gegen das Ausland betrifft, den die Union im erhöhten Maße gewähren könnte, so brauchte auch sie im Ernstfall des Beistandes der einen oder anderen Groß­macht. Aber niemand bedroht -den Beistand und die Unabhängigkeit der drei nordischen Reiche. Und wenn bei den Zusammenkünften des deutschen Kaisers mit den Königen von Schweden und Dänemark die nordischen Angelegenheiten erörtert worden sind-und bei der Be­gegnung mit dem Zaren ihre Würdigung erfahren haben, so weiß man in Kopenhagen nicht minder wie in Stock­holm und Ehristiania, daß dem deutschen Kaiser wie dem deutschen Volke jede Lösung willkommen sein wird, die eine Fortdauer des Friedens zwischen den nordischen Ländern und mit ihren Nachbarn verbürgt. Aber diese Lösung müssen die Norweger und -Schweden aus ihren eigenen Entschlüssen gewinnen. Keine Großmacht denkt daran, die Entscheidung der einen oder anderere Partei beeinflussen zu wollen.

Die Klugheit und Einmütigkeit des norwegischen Volkes gibt die Gewähr dafür, daß auf der skandinavischen Halbinsel auch fürderhin Friede herrschen wird, ob die Nachkommen der kühnen Wikinger in einem Königrerch oder einer Ba-uernrepub-lik leben.

(Nachdruck »erboten.)

Indische Fürsten.

Bon Di-.. I. Wiese.

Eine sonderbare Nachricht kommt soeben aus Indien. Zwischen dem Fürsten von Gir und dein Fürsten Nawa- gai hat ein Kampf begonnen. Eine englische fliegende Kolonne ist von Malakand aufgebrochen. um die Per- bindungslinie nach Chitral zu schützen und möglicher­weise den Fürsten von Gir zu unterstützen.

Tie eigentümliche Stellung, die die indischen Fürsten zur auglo-iudischen Regierung -und zu einander ein-

Schatten war gar zu .verlockend. Doch- dabei wurden uus rinn gar etliche Mumienköpfe zum Kaufe angeboren. ES waren" doch Menschenköpfe! And sie waren echt ge­nug. was man von den Sharabaeen, Perlenschnuren und -Osirissiguren weniger glauben kann, die hier fortwäh­rend als „den Gräbern entnommen" -feilgcboten werden, aber zum großen Teil aus — Hanau kommen. Sie wer­den dort sehr geschickt nachgemacht und sind von den antiken schwer -zu unterscheiden. 'Selbst ein bekannte: Ägyptologe anwortete mir einmal auf mein Befragen, man könnte der Echtheit jener D-inge nur dann gewiß sein, wenn man mit Sicherheit mühte, daß dieselben -- ei ne in bis dahin unerösfneten Grabe entnommen wären!

-Unweit der Totcn-staüt befinden sich auch der herr­liche Tempel Der-el-Bahari, das Ramaseum und die beiden Memnons-iKolosse von 20 Meter Höhe. Der nördliche ist das bekannte „Wunder der Alten", die singende Statue, die bei Sonnenaufgang die Eos, die Morgenröte, durch einen- wundersamen Torr begrüßte. -Daß'der teilweise zerstörte Koloß tatsächlich.einen Laut von sich gab, ist -durch zahlreiche Inschriften am Fuße desselben bezeugt und scheint auch abgesehen davon außer Zweifel zu stehen. Man hat die Sache Wohl richtig da­hin erklärt, daß das gevorftene und zerbrochene Gestein, das irr der Nacht stark abgekühlt und von Tan befeuchtet Morden war, bei aufgehender Sonne sich plötzlich er­wärmte und sich ausdehnte, und dann^an der gebrochenen Stelle ein Tönen verursacht wurde. Sind doch derartige Erscheinungen auch anderswo von Männern, wie Pro­fessor Ebers, Lilwingstone und dem Konsul Dm Wetzstein, beobachtet worden. Seit der Zeit der Scptimius Sewe- rus aber, der ungefähr Um das Fahr 200 n. Ehr. oic Statue erneuern ließ, hat dieselbe nie wieder -etwas von sich hören lassen.

-In Luksor verbrachten wir vier Tage, führen dann nach Eöfn zu dem prächtigen Hornstempel und gelangten am 10. Tage au das Endziel unserer Reise, Assuan, unweit der ersten Stromschnelle des Nils, die der Schiss­

Redakti»nöH«r«sprecher No. 62. 1363.

nehmen, wird durch- diese Nachricht wieder einmal illustriert u verdient eine kurze Schilderung.

In dem- gewaltigen auglo-indischen Besitz mit seinen Ärmeren Birma und Belutsclsistan, eineni Gebiete von 4i/2 Millionen Quadratkilometer und 294 Millionen Einwohnern, bestehen etwa 630 eingeborene Staaten mit einer Oberfläche von Isst Millionen Quadratkilometer und einer Bevölkerung von etwa 66 Millionen Einge­borenen. In einem gewaltigen Block bilden sie -also den dritten Teil der Oberfläche und etwas weniger als den vierten Teil der Bevölkerung. Die einheimischen Staaten (Native States) find sehr verschieden an Aus­dehnung und Bevölkerung. Hyderabad mit 12 Mill. Einwohnern kommt Italien an Oberfläche gleich-; das Gebiet von Kaschmir ist fast ebenso groß. Mysore hat mehr Einwohner als Portugal und fast ebenso viel Quadratkilometer, andere dagegen, und- zwar die meisten, sind überaus winzig. In der Provinz. Bombay gibt es gewisse sogenannte Staaten, die nur in Ruinen liegende Farmen und einige H-ektar Sumpf sind. Jedoch England schützt sie mit eifersüchtiger Klugheit wie die großen. Aber welche andere Kolonie konnte auch- dem 'Könige von England die Huldigung -von 630 Vasallen — Rajahs, Mah-arajahs, Nabobs — bieten mit ihren 66 Millionen Untertanen, ihren Heeren, ihren- Schätzen, ihren Kleinodien, ihren Elefantenschwadronen und ihren rosamarmornen Palästen?! Kein- Engländer mag ohne ein Gefühl des Stolzes an jenen berühmten Durbar in Delhi denken, wo im Jahre 1870 -auf Betreiben Dis- raelis' die einheimischen Fürsten sich versammelten, um edier im Abendland regierenden Frau auf einer fernen Insel die souveräne Macht zu übertragen oder besser bei ihr anzuerkennen, die einstmals dem Großmogul -gehört hatte. Aber trotz jener Proklamation der Königin von England zur Kaiserin von Indien entbehrt die so- -ge­schaffene Lage jeder internationalen Sanktion.

Es gibt in Indien nur einen unabhängigen Herrscher, den König von England. In internationaler Beziehung müssen die Rajahs als einfache englische Würdenträger, als Offiziere der Krone, betrachtet werden, -denen- die britische Regierung unter Bedingungen und unter einer Form, die nur sie allein angeht, die innere Verwaltung ihres eigenen Gebietes an-vertraut hat.

Die Fürsten Indiens sind also- nicht das, was man „internationale Persönlichkeit" nennt, sie können keine politischen Beziehungen mit einer fremden Macht ab­schließen, noch Krieg führen. In ihren Beziehungen zu den fremden Mächten betrachtet England die Fürsten Indiens und deren Untertanen als englische Untertanen, auf die die internationalen Abmachungen Groß britanniens anwendbar sind. Aus dem gleichen Grunde hat England sich- stets — besonders Frankreich gegen­über — geweigert, der einheimischen Staaten in irgend eineni Vertrage Erwähnung zu tun.

Wenn die äußere Souveränität der Rajahs null und nichtig ist, so ist ihre innere Souveränität bedeutend: sie wird durch die Verträge und Konventionen, die sie nrtt

fahrt eirr so wesentliches Hindernis bereitet. Daher konnte Assuan in früheren Zeiten wohl als „eine der Grenzen der Zivilisation" angesehen werden. Der ge­waltige Ta-m-m, der vor etlichen Fahren hier aber quer -durch das Bett des -Nils gezogen und ungeheure Wassermassen ausspeichert, hat, indem das Niveau des Wassers gehoben, damit auch die reißenden Fluten te- fänftigt, zu gleicher Zeit uns aber auch einer großarti­gen Naturerscheinung beraubt, von der ein lieber Freund wir vor acht Fahren noch die folgende Schilderung ent­werfen- konnte: „Zwischen zahllosen Felseninf-elchen bricht sich ans einer etwa ein Kilometer langen Strecke der brausende Strom seinen Weg durch schwarze Klippen und Felsenriffe. An einer Stelle ist die -wogende Strömung so heftig, daß man meinen sollte, ein Mensch, der hinetn- g-eriete, wäre unrettbar verloren, aber plötzlich sehen wir einige junge Burschen, auf PalmenstämMen reitend, dire-kt auf die Brandung zusteuern. Sie werden rasch in dieselbe hinabgezogen und hindurchgeschnellt, kommen aber hundert Meter flußabwärts wohlbehalten ans Land. Bald sichen sie -an unserer Seite auf dem felsigen Vor­sprung und verlangen ihr Backschisch, das sie in diesem Falle ja auch verdient haben. Für wenige -Piaster stür­zen sich andere nun aber -von dem Felsen direkt -und ohne Baumstämme in den schäumenden Strudel und -kommen unversehrt wieder aufs Trockene. Das Gefühl der Ge« fahr verliert sich mehr und mehr und macht deür Begehren Platz, sich selbst einmal von den reißenden Fluten davon- tragen zu lassen. Ein junger Engländer gab diesem Verlangen vor etlichen Jahren nach. Er sprang in die Fluten und ward nie wieder gesehen. Ein anderer Arm des Flusses Hst nicht ganz so wild. Hier schießen wir dann selbst hinab, die ganze Stromsch-ncllc entlang, aller­dings rv-ohlgebörgen in einem großen, -kräftig gebauten Boot, das mit 10 Ruderern bemannt ist, und so kommen wir wohlbehalten wieder nach Assuan zurück."

Fn dieser Stadt bekommen wir übrigens noch ein­mal mehr Zivilisation zu sehen als auf der ganzen bis-