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sa. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe«. — Bezugs-PrekS: durch den Verlag 5® Pfg. monatlich, durch die Post s Mk. s« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

!ZZ,OOO Avomrenterr.

Anzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzcile für lokale Anzeige« 1ü Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzcile für Wiesbaden SO Pfg, fiir auswärts 1 Mk.

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*fj0. 364 . NerlagS-Fernsprecher R». 298$.

Msntag, den 7 . August.

Reraktion»Äer«sprech«r R». 82. 1905.

Abend-Ausgabe.

1. Wcatt.

In Ost- und Ln SttdwsstnsrrKu.

Ein Unglück kommt feiten allein. Diese alte Er­fahrung machen wir auch jetzt wieder auf oder in einem Gebiet, wo wir sie leider schon öfters gemacht haben, in unseren Schutzgebieten. Während die Kämpfe in Sud- westafrika noch immer fortdcmern und kein Ende der­selben abzusehen ist, während aus Kamerun und ans der Südsee in abgemessenen Zwischenräumen Alarmimel- dungen kommen, ist jetzt auch noch, ans O st a f r i k a eine neue Hiobspost eingetroffen, die freilich zunächst nur von lokalen Unruhen berichtet. Aber wir sind nach den Erfahrungen, die ivir in unserem sudwestafrika- nifchen Schutzgebiet gemacht haben, gegen die sogen, lokalen Unruhen etwas mißtrauisch geworden. Wir haben in den letzten Jahren allzu oft die Erfahrung ge­macht, Latz unsere kolonialen Behörden über die Vor­gänge in den ihnen unterstellten Gebieten nur mangel­haft unterrichtet waren. Hat doch auch der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Graf v. Götzen, wiederholt ver-' sichert, daß das ostafrikanische @dnet von den südwest­afrikanischen Unruhen nicht angesteckt werden würde, aber diese Auffassung hat sich jetzt leider als optimistisch erwiesen. Daß die „lokalen Unruhen" gerade in dem im südlichen Teil von Deutschostafrika gelegenen Gebiet von Kilw-a aus-gebrochen sind, ist erstaunlich, denn es hat dort seit mehreren Jahren völlige Ruhe geherrscht, und wiederholt ist dies Gebiet als zur Besiedelung besonders geeignet bezeichnet wvrd,en. Hoffentlich täuscht sich der Gouverneur nicht mit seiner Annahme, datz es sich nur um Unruhen lokalen Charakters handele. Jedenfalls ist zu hoffen, daß die Bewegung im Keime erstickt wird. Dar-es-Salaam und Lindi, von wo aus zwei Kompag­nien in das Aufstandsgebiet geschickt worden sind, sind rund 200 Kilometer entfernt, so datz also die militärische Unterstützung sehr schnell dort eingetroffen sein wird.

Diese anscheinend und hoffentlich kleineren Sorgen verschwinden ja zurzeit vor der großen Sorge, die uns unser südw e st afrik a nis ches Schutzgebi et bereitet. Wie oft ist nicht schon das Ende des Aufstandes in Südw-estafrika offiziös angekündigt worden! Aber rrotz aller dieser Ankündigungen dauert der Aufstand nahezu unverändert fort, und Hendrik Witboi, der „Krisgsmüde", ist jetzt wieder mit starken Kräften am Tschacheib aufgetaucht und er dürfte unseren Truppen noch manches schwere Stück Arbeit bereiten. Ist es doch schon ein recht bedenkliches Zeichen, datz der verschlagene Oberhäuptling der Hottentotten das Kunststück fertig -ge- bmcht hat, aus seinen Schlupfwinkeln im östlichen Teil des Groß-Namalan'des mit seinen ,ansch,einend großen

Feuilleton.

(Nachdruck Verbote».)

Vom Velsen uick KchnuMmben.

Berlin, August 1908.

Die Reifeepidemie steht in höchster Blüte. Die Zu­hausebleibenden kommen sich wahrhaftig ganz plebejisch vor. Sie suchen nach allen möglichen Gründen, um es glaubhaft zu machen, daß man zu Hause bleiben kann, ohne halbbankerott zu sein oder ganz unfashi-onable. Ja, cs geht sogar die Sage, daß so manche Grohstaö-tfamilie hinter den reife-mäßig herab-gelassenen Jalousien der Wohnung ihre Tage in einem Dämmerzustand verbringt, um der Außenwelt ihre Abwesenheit vorzutäuschen und nur unter dem Schutze der verschwiegenen Dunkelheit die nötigsten Ausgänge besorgt und ein wenig Luft schöpft.

Das Reisen ist zu einer Mode geworden, wie so manches andre, das auch so mancher mitmacht, eben weil es modern ist, während er viel lieber das Gegenteil täte. Und wahrhaftig, in diesen Ferientagen, da überall alles überfüllt ist und erfahrungsgemäß das Wetter gewöhnlich sein sauerstes Gesicht macht, gerade als ob es sich ärgere über das unnütze Menschenvolk, hat es auch sein Schönes, zu Hause zu bleiben und vom sichern Port ans zu -be­wachten, Me alle Welt im Schweiße ihres Angesichts sich plagt, der Reisemode zu frönen, mit allerhand Dingen, die mail lieber nicht täte und nun heimlich seufzend doch tut, früh aufstehen am Morgen, während man lieber schlafen möchte, Brunnen zu trinken, der einem nicht schmeckt und von dem man schon im voraus weiß, daß er einem doch nichts nützt, zumal wenn er zum Schlank- rverden getrunken wird, weite Spaziergänge zu machen in Staub und Hitze, während man lieber ruhig im Grünen sitzen möchte und sogar anstrengende Bergtouren zu unter­nehmen, bloß weil's einmal Mode ist und man sich doch schämen mutz, wenn mau nirgends oben gewesen ist. Der einzige Trost für so manche „Sport- und Touren- sreundin" (?) ist noch, daß man ja bei solchen Gelegen­heiten sehr hübsch ausfehen kann, mit einem feschen

Streitkräften unbemerkt nach dem Westen durchzn- b rechen.

Wenn wir uns entsinnen, wie lange Zeit die Kämpfe in Südwestafrika bereits dauern, so können wir daraus eine unliebsame Schlußfolgerung auf die Zeit ziehen, die sie voraussichtlich noch dauern werden. Es sind bald zwei Jahre her, feit im Oktober des Jahres 1903 die Unrichen unter den Bondelzwarts im südlichsten Teil unseres Schutzgebietes, im Bezirk Warmbad, aiusbrachen. Freilich meldete Oberst Leutwein im, März des vorigen Jahres den Abschluß des „Friedens" und die „Unterwer­fung" der Aufständischen, aber es zeigte sich bald, datz der Aufstand der Bondelzwarts nur das Vorspiel zn einer nahezu allgemeinen Erhebung der Eingeborenen i» Dlnitschsüdwestafrika war. Im Juni des vorigen Jahres übernahm dann cm Stelle Leutweins General v. Trotha den Oberbefehl über unsere Truppen und nun sollte sich, so wurde offiziös verkündet, „alles, alles wenden". Aber es kam anders. Der mit schweren Opfern erkaufte Sieg über die Hereros am Watevberg (11.—12. August) erwies sich nur als ein halber Erfolg, und das Kesseltreiben gegen die Hereros dauerte noch fort, als Mitte Oktober die Hiobspost eintraf, daß auch Hendrik Witboi mit seinen Hottentotten das Kriegsbeil ausgegraben habe. Run begann das Kesseltreiben gegen die Hottentotten mit dem „Erfolg", daß Hendrik Witboi jetzt abermals auf dem Plan erschienen ist und das Kesseltreiben nun wieder von vorn beginnt.

Das find recht trübe Aussichten, und es liegt auf der Hand, daß die Bekämpfung des Aufstandes, die schon erschreckend große Opfer an Gut und Blut gekostet hat, auch bis zu seiner völligen Niederschlagung noch weiter schwere Opfer fordern wird. Wird doch bereits von einigen Zeitungen die Alarmmeldung verbreitet, daß in den nächsten Wochen eine weitere Verstärkung von 6000 Mann nach Südw-estafrika gesandt werden soll, so datz die Zahl der in den Schutzgebieten befindlichen Truppen von 16 000 auf 20 000 Mann anwach,sen würde._ Diese Meldung halten wir allerdings schon deshalb für voll­kommen unglaubwürdig, da wir es als ausgeschlossen ansehen würden, daß die Regierung eine solche weit- tragende Maßnahme ohne vorherige Zustimmung des Reichstages unternehmen würde. Ist __ doch schon ans Anlaß des vor einigen Tagen nach Südwestafrika abge­gangenen Nachschubes von 300 Mann von mehreren Seiten der Vorwurf der Etatsüberschreitung und damit der Verfassungsverletzung gegen die Regierung erhoben und die Einberufung des Reichstags gefobdert worden. Jedenfalls müssen wir es angesichts der verschiedenen Älarmnachrichten als eine unabweisbare und dringliche Pflicht der Regierung bezeichnen, über die Aussichten und über ihre Absichten in Südwestafrika der Öffentlich- keit und den Steuerzahlern, die hierauf Anspruch haben, reinen Wem einZuschenken.

Touristenkostüm und sogar dem Bergstock in der Hand, wenn auch nur ein ganz gefahrloser Hügel bestiegen wird, und datz schließlich der Bergstock geduldig ist und -sich auch tm Tal Stempel einbrenuen läßt mit hoch­touristisch klingenden Namen, die sich dann nachher zu Haus großartig ausuehmen.

Fig. i. Fig- 2.

In Len Luxusbädern selbst ist Hochsaison, und was alles an Toilettenluxus nur erdenklich ist, zeigt sich da beim Kurkonzert, auf den Promenaden und bet festlichen -Veranstaltungen, die sich eine an die andere reihen, so datz sich der Außenstehende verwundert fragt, wo denn nun eigentlich die Erholung Herkommen soll für die Bade­gäste und das Ausruhen. Die -wirklichen Touristen, die Menschen, die mit Sinn und Verstand reisen, ver-

Politische Kberstcht.

Zur Fleischnot.

Zum Kapitel der Fleischnot bringt der Halbjahres- ausweis über die Ein- und Ausfuhr von Fleisch und Vieh insofern Bemerkenswertes, als er erkennen läßt, dos; das Offnen der Grenzen nicht unter allen Umstän­den ein Abhülfemittel darstellt. In bezug auf Rindvieh droht die Emsuhr nachzulafs-en. In Österreich-Ungarn ist die Produktion selbst tm Rückgang und die Pro­duktionskosten sind dort zurzeit höher als in Deutsch­land. Wenn nicht Dänemark Ersatz geleistet hätte, wäre schon jetzt ein ziffernmäßiger Rückgang zu verzeichnen: seit Ende Mai ist auch von diesem Lande her die Zufuhr geringer und zugleich teurer geworden. Dennoch wird man sich, soweit Rindvieh in Betracht kommt, auf die durch Angebot und Nachfrage bestimmten Preise des Großhandels einrichten müssen. Ebenso wie Krupp sollten -auch andere Großbetriebe darauf ansgehen, durch Errichtung von Konsumanstalten die oft exorbitante Spannung zwischen Großhandels- und Kleinverkaufs­preisen in etwas auszugleichen. Auch die Stadtverwal­tungen sollten es für ihre Pflicht halten, die Preisbil­dung der notwendigsten Lebensmittel anders -als bisher zu kontrollieren. Andernfalls dürften die Arbeiterent- lafsungen, mit denen bald stark zu rechnen sein wird, Zu­stände zeitigen, die nicht schön sind. Ebenso wie es früher in München gelegentlich zu Vierrevolutionen kam, könnten leicht einmal, besonders in Staaten mit dichter Arbeiterbevölkerung, Fleisch- und Brotrevolu- tionen entstehen.

Der neue Direktor der Landesbibliothck.

Die Ernennung Professor Harnacks zum Direktor der Königs.' Bibliothek in Berlin beweist, daß man an maßgebender Stelle entschlossen ist, den Ruf der ersten preußischen Landesbibliothek aufrecht zu erhalten. Pros.. Harnack ist der rechte Mann dazu, den Glanz der größten Bücherei in Preußen zu hoben und diese kostbaren Schätze zu mehren. Hoffentlich findet er auch die Zeit und die Kraft, mancher Mihstände bei der Benutzung Herr zu werden

Besserung der Fricdensaussichten.

Das angekündigte Zusammentreffen unseres Kaisers mit seinem Onkel, dem König von E n g I a nd, wird die gute Folge haben, all den Hetzern, die seit Wochen am Werke sind, das Handwerk zu legem Das Verdienstliche der Bemühungen hüben.und drüben, sich gegenseitig immer mehr und besser kennen und ver­stehen zu lernen, kann im Interesse des WÄtfrisdens nicht hoch genug veranschlagt werden. Wenn das gleiche Bestreben auch zwischen Frankreich und Deutschland in stetem Wachsen begriffen ist, so wird das viel dazu bei­

schwinden in diesem Trubel, fallen höchstens mißfällig auf, wenn sie -tm einfachen, manchmal sogar nicht ganz salonfähigen, strapazierten Touristenanzug an, der Table d'hote erscheinen, übrigens sollte das nicht nur die reisende Dame, sondern auch der reisende Herr vermeiden. So knapp darf das Gepäck des Touristen nicht sein, daß es nicht für die Dame eine hübsche frische Bluse enthielte, die mit einem feschen Shlips ja immer genügt, um- den Ansprüchen, die man an wirkliche Touristen stellt, zu genügen, und auch der Herr sollte es vermeiden, im Jügerhcmd an der Table d-'hote zu erscheinen. Die Rück­sicht ist man schon seinen Nebenmenschen und sich selbst schuldig, besonders an Orten, die gerade kein Ausga-n-gs- oöer Durchgangspunkt von wirklich großen Bergtouren stnd. Es gibt auch eine Art Touristen-gigerltum, das geradezu mit salopper -Kleidung protzt, und das ist die unangenehme Sorte davon. Empfehlenswert für Damen ist es, eine hübsche, kleidsame Wollbluse mitzunehmen, die für solche Zwecke ausgespart -wird. Waschblusen zer­knittern und beschmutzen durch das Mitnehmen tm Hand­gepäck gar zu leicht. Eine hübsche Flanellbluse in kräftiger Farbe sieht immer nett ans und ist immer praktisch.

Die Reise- und Bergsteigeanzüge sind in diesem- Jahre Hübscher als je, in den so praktischen englischen Stoffen, entweder in einfarbigem Covercoat oder noch praktischer in den karierten Geweben, die den Herrerianzugstofsen ähnlich sind und wenn man sie in der richtigen Farbe und guten Qualität -wählt, -weder flecken noch- abgetragen aus» sehen. Sehr praktisch sind die kurzen Röcke, die um die Hüften gruppenweise in mäßig tiefe Falten gelegt werden, so daß sie nach unten weit ausspringen und- ungehindertes Ausschreiten geitatten. (Figur 1.) Die Vordcrbahn ist dem Rock aufgeknöpft, so daß man sie b-ei wirklichen Hoch» touren bis zur Kniehöhe anfknöpfen und -mittelst einer -einfachen Vorrichtung durch drei Druckknöpfe umsch-la-gen kann, damit das Knie frei wird. Die Zipfel d-cr Seiten­bahnen werden ebenfalls durch einen Druckknopf zurück- gehalten und so kann die Touristin ungehindert aus» schreiten. Unter diesem Rock -wird natürlich das ge­schlossene Loden- oder Trikotbeinkleid getragen, das um das Knie -mäßig weit sein muß, jedoch nicht zu bauschig