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UZ». 3-1. Berlags-Fernsprecher No. 295*.
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egen, Ungarn - Deutschland.
Ein Vergleich.
wir" Deutsche das uripolitischste Volk sind — ••§ unter den Külturstaaten, ist zwar eine be- itsache. Es ist ober immer wieder mal gut, ache durch bestimmte Hinweise zu erhärten zu Frommen derer, die ihre Blindheit noch nicht oben.
orwegen und Ungarn vollziehen sich Erciguisst, sie Geschicke der betreffenden Länder von der en historischen Bedeutung sind. Es ist sehr t, die Beurteilung zu beobachten, 'die diese Vor- , uns erfahren. Da der Dnrchschnittsdeutsche Sozialistenfurcht wittert, die Sozialdemokratie mannten Ländern aber gar keine Rolle spielt, mge vielmehr rein bürgerlicher Natur sind, so , ungestört die politische Reife gerade des deut- gertum-s daran erkennen, wie es zu jenen Erich stellt.
geradezu verblüffender Einigkeit hat Norwegen iältnis zu feinem König gelöst, weil er die Personalunion iniit Schweden für schädlich k-an sollte denken, 'biefe politische Energie der sichen Bauern" würde in Deutschland allgemein ■ en. Das deutsche Bürgertum würde ans diesem en Beispiel politischer Intelligenz die nötige «endnng für sich machen und sich fragen: Woran, das; in Deutschland des Volkes Wille so sehr treffen steht und nichts weniger, als das höchste Aber von solch«; Vergleichen spürt man bei ch wenig. Man hört sogar nicht selten Urteile,
- idealistische und zugleich praktische Kühnheit eger mißbilligt wird.
Feuilleton.
(Nachdruck verboten.)
Berliner Brief.
^Deutsche KLnstlerbund - Ausstcllnng.j
den Par reist reit der Tage hinaus", das ist Zeitwort der Vereinigung, die in den Kamps- r dem Namen der Sezession auf den Plan trat, etzt diesen Namen abgelegt. Ohne Polemik, a inneren Ziele folgend, hat sich diese Beniner positiver gestaltet. Und mit seiner zweiten g verkündet der „Deutsche Künstlcrbund", der 'ciltschcn Sezessionen hervorgegangen ist, ein ues und förderliches Resultat. Er hat einen öilla Roma na bei Florenz erworben; vor der k nana gelegen ist diese Stätte mit weitem Blick >z, Ficsole und den Apennin. Der Zweck die- mng ist, talentvollen Künstlern Gelegenheit zu Zcitlang in Ruhe an schönem Ort zu arbeiten ch vor den in Florenz so reich vertretenen n aller Epochen, aller Stile mit sich und ihrer late zir gehen." Weder Alter, noch Richtung, gen sollen dabei ausschlaggebend sein, sondern nt und Arbeitskraft. Weder eine Schule für '-ch eine Versorgungsanstalt will man schassen, "tigen Künstlern Gelegenheit bieten, sich und auszureifen und damit die deutsche Kunst zu
den Parteistreit der Tage hinaus" ist heute 'jung, uitd würdig, ruhig und abgeklärt klingt amm. Der Florentiner Preis soll künftig als :r Ausstellung jedesmal an sieben Künstler werden, und der Anfang wird mit der dies- erlincr Ausstellung gemacht werden, rm neuen Hause ist sie angesiedelt. Das alt« ebände aus dem Gelände des Westen-Theater!
Samstag» den I. Juli.
Die -Ungarn werden vielleicht auf denselben Weg gedrängt. Weil die Krone der geschlossenen Opposit'on der Parlamentsmehrheit nicht das geringste Zugeständnis in Öen Kampfforderungen gemacht hat und das Ministerium Fejervary bei seinem ersten Auftreten noch besonders ungeschickt und eigenwillig Verfahren ist, Hot man ih-m flugs — in unverblümter Derbheit nicht nur ein scharfes Mißtrauensvotum erteilt, sondern ihm sogar Berfassungsöruch vorgeworfen, weil es gegen tre Wünsche der Majorität der Volksvertretung regieren wolle und sich gegen einen Beschluß des Hauses aufze- lehnt hatte. Man beschloß sogar, Steuern und Rekruten zu verweigern. Dabei waren die Ungarn in der Verurteilung des Ministeriums vollständig einig, selbst der alte Tisza stimmte zu, trotzdem dieser die Forderungen der Opposition durchaus mißbilligt. Aber in Sachen der Rechte der Volksvertretung verstand-auch er keinen Spaß. Auch das Oberhaus sägte das Ministerium ab. Man darf darauf gespannt sein, wie die Ungarn den Konflikt mit der Regierung durchführen. Aber daß sie den endgültigen Sieg über die Regierung gewinnen, erscheint bei -der politischen Tüchtigkeit und Energie des ungarischen Volkes kaum zweifelhaft. Es mag sein, daß das lockere Band mit Österreich dabei einen schweren Riß erhält und die Ungarn die schützende Decke Österreichs verlieren, aber höher als die Vertretung nach außen steht den Ungarn die Demokratisierung im Innern. Darin sind alle Parteien einig.
-Wie steht es bei uns in Deutschland mit der Macht des Volkes und seiner Vertretung? Welchen Einfluß hat der Reichstag auf die Geschicke des Vaterlandes? Zunächst ein Momentbild, das aber bezeichnend ist. Bef der KronPrinzenhochFeit in Berlin kam ein Mitglied des Reichstags etwas spät, um den Platz ans der Tribüne einzuneh-men. Ter Schutzmann wollte ihn durch das Gedränge nicht durchlassen. Er zeigte seine Karte vor Das Hais nichts. Tann ließ u* einen Polizeileutnant i rufen. Nach langem Wortwechsel kam er endlich ans Ziel. Auch der jüngste Leutnant wäre mit mehr Achtung behandelt worden. Einem französischen Journalisten, der den Vorgang mit angesehen, standen die Haare zu Berge.
Der Reichstag hat mit seltener Einmütigkeit seit Jahrzehnten Diäten verlangt — eine Forderung, die so selbstverständlich ist, daß selbst ein Blinder sie sehen könnte. Tenn in allen Landtagen giebt's Diäten. Der Reichstag h-at es -aber bisher nicht verstanden, die nötigen Maßregeln anzuwenden, um seiner Forderung Gehör zu verschaffen. In Norwegen, Ungarn und fast allen andern Parlamenten würde eine solche Forderung noch nicht eine Sitzung kosten. Bei uns sind schon viele Dutzende darauf gegangen: und wie viel es noch werden, weiß man nicht.
Bei den Chinakrediten regierte -der Reichskanzler und gab Mittel aus gegen die Verfassung. Der Reichstag formulierte den Tadel so milde, daß der Reichskanzler
das sich als zu klein erwies, ist gefallen, und am Kur- fiirstenidaiNm erstand ein «gutgegliederter, einfach-geschmackvoller Bau.
In leichter Empire-Anlehnung ist er errichtet. Ein GartenruNbell mit einem Umgang lagert vor, Kugcl- bäüme stim'men ihn zu einer Architektur-Big nette. Durch das vorspringende, kräftig betonte Portal betritt man einen lichten Borhvf und ist dann sogleich inmitten der Bilderräume, die sich außerordentlich übersichtlich und angenehm gliedern.
Eine deutsch-österreichische Ausstellung wild geboten, diesmal ganz ohne AuKlanüstzefolgfchäft. In grrt gemischter Auswahl vereinigen sich Gemälde mit Schwarz- 'Weitz-Kuust, mit Plastiken und wenigen, sorgfältig ausgesuchten Stücken des Kn-nstgewerbes.
Eine hervorragende Rolle spielt auf der Ausstellung ' das Porträt; vom Grafen Kalckreuth sicht man- zwei Frauenbilder voll schwingender, seelifch>-landschäftlicher Stimmung. An eine Szene von Marie Ebncr-Escheu- bach lassen sie denken, an jene Eingangsbilder von „Am Ende" mit dem still, ruhevollen Hervstsonnenschciu, in dein die Alternde, zum Frieden Gekommene auf der Gartenivcranda sitzt und sinnend, rückschauend in das Grüne blickt. Solch Szenerie, solch dämmernd Ber» fonnensein eines alten Menschenkindes, von Güte und lächelnder Entsagung umspielt, ist auf diesen Bildern Kalckrcilths. Und darunter könnte jenes Ebncr-Wort stehen, das von den Leidenschafts- und Triederlöste» gilt: „Die schönen Tage sind vorbei, nun werden die guten kommen."
Großen Wurf und meisterliche Qualität hat ein anderes Werk Kakckrcuths, das hier gleich mit charakterisiert werden soll: „Die Kostümprobe". Bon der Belasgnez- Rasse stammend. Ein zierliches Mädchen stolziert im starrenden Reifrock. Energisch modelliert sich seine Form heraus. Heraldisch fast. Und die Tönung dieser Fläche in weichem Übergang von Grau, Blau und Rosa ist ganz in der Art der Jusantenbildcr des Meisters und von geschmacksraffinierter Delikatesse.
RedaTtioriS-Fernlprecher No. 52. 1N0F.
daraus die Erlaubnis entnahm, den Versuch bei dm Ausgaben für Südwestafrika zu wiederholen. Man kann nicht die Hoffnung haben, daß öer zweite Tadel den Reichskanzler kuriert hat.
Eine ganze Menge Vorlagen, wie das längst von fast allen Parteien angestrebte freie Vereins- -und Versmnm- lungsrecht, bringt die Regierung überhaupt nicht. Wir sind so ziemlich der einzige Staat, der noch keine Fixierung des Fremdenrechts hat. Bei den Rnssenausli errungen trat dieser Mißstand in grellster Form zutage. Die Mehrheit des Reichstags-war sich darüber einig, das; dieser Zustand nicht länger andauern dürfe. Tie Regierung -aber blieb hart. Nichts zu machen, war die einz'go Antwort, die man vernahm.
. Nach jahrelangem Drängen haben wir eine gesetzlicho Militärstrafpro-zeßordnung bekommen. Aber auch nach dieser Reform gehören wir in Deutschland auf -diesem Gebiet zu den rückständigen Ländern. Es werden bei uns Urteile gefällt, die jedesmal ein Schlag -ins Angesicht -der öffentlichen Meinung sind. Neuerdings sucht man die öffentliche Meinung nicht mehr zu Wort kommen zu lassen, indem man die Öffentlichkeit des Verfahrens ausschließt. Trotzdem dies gegen das Gesetz verstößt und der Reichstag ■dagegen protestiert bat. ist vorläufig nicht abzusehen, wie lange dieser Zustand noch andauern wird.
Selbst geringfügige Reformen werden bei uns von der Regierung einfach mit dem Diktum abgelehnt: Un» annehmbar! Bei dem Gesetz zur Eutla-stung des Reichsgerichts im letzten Winter verlangte der Reichstag, öatz die Preßver-gehen vor das Schwurgericht kommen sollten. In Süddeutschlond^ ist das bereits der Fall. Dort ist feder Mensch damit zufrieden. Dort werden infolge dessen die Redakteure etwas weniger als gefährliche Mcn- scheu angesehen als in Norddeutschland. Die Reichs- regierung aber lehnte ab. Es hieß: Unannehmbar! Das Zentrum fiel schließlich vor der Regierung um. und die fortschrittliche Bestimmung wurde abgelehnt. Ganz außerordentlich ließen sich die Beispiele häufen, wo der Reichstag vor dem „Unannehmbar" der Regierung zurückgewichen ist. Um so seltener sind die Fälle, wo die Regierung vor dem ausdrücklichen Wunsch der Volksvertretung sich gebeugt hat.
In der letzten Sitzung des Reichstags wurde eine offenbare Verfa-ssungsverletzung von Behörden gegen den ReichstagsabgeordnetM Jessen von allen Parteien scharf kritisiert. Die Regierung hatte nicht nur nichts getan. Herrn Jessen zu schützen, sie brüskierte den Reichstag sogar durch auffällige Nichtbeachtung dieser Kritik. Ter jähe Schluß der letzten Session, der durch nichts begründet war, hat rechts und links vor den Kops gestoßen. Die daran geknüpfte Kritik läßt demnach kaum- Besse- rung erwarten.
Wenn es gegen ihre Rechte geht, halten noch am meisten die rechtsstehenden Parteien auf Reputation. Ohne Rüge durfte im Herrenhaus Graf Tiele-Winklec
Zwei jüngere Berliner, die Herren v. Kalldorfs und v. König, bewähren auch diesmal ihre sichere und pointierte Charäkterisierungskunst. Kardorff hält «den Kopf eines Berliner Berlagsbnchhündlerk fest und bringt mit einer sehr persönlichen Technik den Ausdruck des Momentanen, lebendig Sprechenden zur Wirkung. Sehr originell ist Königs Studie des BoMme-tPveterr Erich MÄHsa'm, ein Gegenstück zu dem Bilde, das Corintch von Peter Hille machte. Auf schmaler, langer Leinwand malte König seinen Bvhümien. Man denkt an den „armen Lelian" in der Dürftigkeit der äußeren Erscheinung, den suchenden, frierenden Augen. Hülflose, tastende Menschlichkeit, der Dichter als ein verlassenes Kind, das sich verlaufen und sich in dieser rauhen Welt nicht zurechksindet, das spricht dieses Werk ans.
Gegen diese weiche, verlorene Verträumtheit das scharfgeschnittene Bild eines Mannes der Tat. Skevogts Porträt des Banköirektors Demburg. Lässig, in leichter, Heller SoiNmerjacke, lehnt der schwartzbärttge Mann im Lehnstuhl. Eine gemächliche Ausrühstellring, doch in dem kühn geprägten Gesicht zuckt es von Berstaildesarbeit, ein BeweguNgsfpiel von intensivem «Leben; Kombinationen und bewegliche Phantasien tummeln sich hier, und ans dieser Stirn glaubt inan das Wort von den unbegrenzten Möglichkeiten zu lesen.
Aus «einer seinen Vorstellung heraus erwuchs Erters Richard Strauß. Leider aber mißlang der Ausdruck. Exter wollte den Meister-Musiker in der Vielfältigkeit seines Wesens festhalten. Er dachte vielleicht daran, daß dieser Verwegene und Raffinierte, der immer die steilen Wege des Unerhörten in seiner Kunst sucht, in seiner äußeren Menschlichkeit eine Liebe zum Primitiven, Rustikalen hat, einen Zug vom bayerischen Bauerntum, «den er gern und froh in seinen Sommerzeiten auf dem Hof von Marguardstein betätigt. So stellte Exter Richard Strauß in ländlicher Tracht, in Bergcinsamkeit, vou BüüMen überrauicht, dar, aber es gelang ihm nicht, die Einheit von Mensch und Natur zu treffen, noch weniger aber, aus dem Derben, Schlichten der äußeren Erschei-
