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|ta, BerlagS-Fernsprecher No. 205».

Monlao. den 19. Irrm.

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Redaktions-Fernsprecher No. 52. 1905.

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Ner zrHe AmSsl ii» MW» KricgsM.

Unser Londoner n-Korrespondent schreibt uns Unterm 17. d. M.: ,

. Ein würdiges Seitenstück zu den seinerzeit aufge­weckten ungeheueren Schwindeleien im Zusammenhang mit den Pferdslieferungen während des Transvaal- Zteges kam soeben ans Licht der Sonnen. Daß das nuht Kreits vor zwei oder drei Jahren geschah, mag wohl der seltenen Anwesenheit des Tagesgestirnes in England, Und nicht, wie die klatschsüchtigen radikalen und liberalen Blätter behaupten, den Vertuschungsversuchen des Kriegs- Ministers, Mr.ArnoldForsrer, znzuschretben gewesen fern.

machen nmi einen tQeibcn- wrm und verlangen den sofortigen Rücktritt oder die Entlassung jenes Regierungsmttgliedes, u.nd all das Kegen lumpiger sechs oder sieben Millionen Pfund Sterling auf die Lord Kitchener die Unterschlagungen schätzt. Es ist ja allerdings richtig, das; Mr. Förster Uber die Geschichte seit langer Zeit wußte und sie, wie besagt, offenbar zu vertuschen bemüht war. Daß ihn: letzteres nicht gelang, ist indes möglicherweise gar nicht >ün, sondern vielleicht nur der Tusche Fehler gewesen. Schließlich schuldete er doch auch vor allen anderen seinen Kollegen und dem.lieben Herrn Ehamberlam Rucklickt, denn immer neue Skandale schaden nicht nur der unionsiit- scheu Regierung, sondern auch dein Ex-Kolonialminister. chiiewohl dieser nach dem bekannten zoologischen Beispiel das Schiff jener bei Zeiten verließ, bringt man rtdmuä' mit ihm, als dem Anzettler des Transvaalkrieges, doch Ulin einmal alles in Verbindung, was sich auf jene Glorreiche Evisode in der englischen Geschichte beziehk. Cs ist bezeichnend für die Krmnernatur gewisser Eng- lander, daß sie bei einem Unternehmen, das 260 000 000 Btund Sterling verschlungen, auf den Pfennig scher« und einen Höllenlärm verführen, weil sich verschiedene

Auf öer 3ttfel der Hertha.

Erzählung von Rudolf v. Gotischall.

Wolken hingen über den Waldhügeln der Stübnitz; düster lagen die Herthaburg und der Herthasee. wa ki'ctrf) auf einmal der Mond durch das Gewalt und Darf l'chteStreifen in den dunkelnSee, auf dieSeerosen, die sich darin schaukelten, auf die Mummelblätter, die sich wert über die Flut ausbreiteten, und nur der bohe^Wall der Herthaburg ragte düster trotzig in die Nacht.

Ein junger Mann stand nachdenklich an den Stamni einer Buche gelehnt und nahm das Bild in seine Seele auf; e r sah es mit dem Blicke eines Künstlers. Er war bon München herübergekommen, um hier für ein Ge- ürälde, das ihm im Geiste aufgogangen war, den land- ichaftlichen stimmungsvollen Hintergrund zu finden. Um die Überlieferung der Sage wollte er sich nicht kümmern; was ging es ihn an, ob die Forschung hinter die Göttin Hertha bedenkliche Fragezeichen gemacht? Er wollte e:n künstlerisches Motiv der alten Sagenwelt entnehmen. Kühe waren vor den Wagen der Hertha gespannt: er wollte auf seinoin Bilde weiße Rosse mit goldgeflochtenen Dröhnen davor spannen, mochten die Superklugen, auch darüber den Kopf schütteln. Das Motiv aber gab ihm die Überlieferung, daß das Bild der Göttin im See ge- badet wurde von Sklaven, die nachher dem Tode ver­fielen. Eine Priesterin sollte die Mitte des Gemäldes kinnehmen, die mit abgewandtem Antlitz den Befehl zur Opferung eines schönen Sklaven erteilt, der ihrem Herzen teuer war. Ta standen sie vor seiner Seele, die prächti­gen, ins Gebiß schäumenden Rosse, der edle, kräftige, dem Tode geweihte Jüngling, die schlanke Priesterin, die der Pflicht gehorcht, ob auch das Herz ihr bricht! Und dann umwandelte er den See, um das günstigste land­schaftliche Motiv für diesen Vorgang zu finden, denn \o wenig er sich um Quellenforschung kümmerte und um die

Herren des Provinzialamtes mit dem Herrn Meyer und befieu Verwandten und Bekannten, ebenso.. wie eimge Remonteoffizieve mit ein paar Pferdehändlern rn lumpige zehn oder zwölf Millionen Pfund Sterling ge­teilt haben. Herr Meyer konnte doch schließlich auch nicht umsonst arbeiten. Im März 1903 teilte ein Offr- zier im Distrikt von Moemfontain der obersten Mrütar- bebörde in Pretoria mit, er hätte erfahren, daß Meyer die alten Haferkriegsvorräie des Heeres zu 11 8. für den Zentner und das Heu von 13 8. 7 d. übernahm, du gleichen Bestände aber, ohne sie auch nur temporär zu entfernen, an die Proviantämter zu 16 8. 4 d. bezw. 13 8. 7 d. zurückverkaufte, und daß, wiewohl der Hafer z. B. von den Händlern an Ort und Stelle 2 8. billiger erhältlich war. Jener Brief wurde an das Kriegsamt in London weiter gegeben, das aber keine Notiz von ihm genommen zu haben scheint. In ganz Südafrika ver­ursachte die Sache jahrelang einen ungeheueren Skandal, denn da Herr Meyer auch 12 000 000 Pfund Biskmts, ferner Konserven, Sattlerwaren, Kleidungsstücke, Decken und eine Unmenge anderer Dinge für ein Lmnpengeld übernahm, überschwemmte er das ganze Land mit seinen Gütern. Er vermochte natürlich jedermann zu> unter­bieten und ruinierte das ganze Geschäft. Dian kam sehr bald dahinter, daß Herr Meyer eine bevorzugte Persön­lichkeit beim Proviantamt war, und die südafrikanischen Zeitungen ließen es sich angelegen sein, den großen Schwindel aufzudecken. Es führte das zu verschiedenen Belcidignngsklagen, und im Verlauf der Prozesse kamen skandalöse Dinge zutage. Aber das hiesige Kriegsamt rührte sich nicht, bis das Unterhaus auf einer Untersuchung von Staats wegen bestand, deren Resultat soeben in Ge­stalt eines Blaubuches zur Veröffentlichung kam, und einen so ungeheueren Sturm der Entrüstung hervorriesi Der weiteren Entwickekmq der Sache vor dem Kriminal gericht wird mit größter Spannung entgegengesehen, und wenn die Regierung überhaupt einen weiteren Nagel für ihren Sarg benötigte, hat ihn ihr diese Geschichte geliefert.

Warum Hai Japan gesiegt?

Unter diesem Titel veröffentlicht die Londoner Nature" in Form eines Leitartikels eine lesenswerte Abhandlung, die sich hauptsächlich mit der Bedeutung der europäischen Wissenschaft für die Entwickelung Japans beschäftigt. Seit vor zehn Jahren nach Be­endigung des Krieges zwischen Japan und China die Grobmachtstellung des bis dahin verhältnismäßig wenig beachteten Jnselreichs aller Welt bewiesen wurde, hat sich die Erkenntnis immer mehr Bahn gebrochen, daß der wichtigste Hebel in -der Schaffung . desneuen Japan" die Anwendung der modernen Wissenschaft auf die Künste des Friedens und des Krieges gewesen ist. Mit einem. richtigen Vergleich wird gesagt, daß ohne diese wissenschaftliche Arbeit der Todesmut der Samurai.

Treue gegen Tatsachen, welche sie noch nicht hinlänglich aufgeklärt: die seit Jahrtausenden wandellofe Szenerie sollte voll zu ihrem Rechte kommen und nur die stimmungsvollste Beleuchtung mit andächtigem Kunst­verständnis der Natur abgelauscht werden.

Als er so am Ufer d°S Sees hiir und her ging, be­merkte er eine schlanke, weiße Gestalt, die von der großen Buche der Fahrstraße herüberkam. Wie flutendes Silber bewegte es sich hinter dem grünen Gezweig, und als es hell ans Mondlicht hervortrat, da schien es ihm eine Gestalt von leuchtender Schönheit zu sein: er fand kein Versteck an dem weithin offenen Ufersmrm als einen niedrigen Wachholderbusch, hinter dem er sich ins Gras warf.' Und da sah er sie vorüberschreiten: edel ge­schnittene Züge, träumerische Augen, blondes Gelock, Anmut in allen Bewegungen und wenn er sie näher ansah, da hatte ihr Gesicht doch etwas Herbes und Trauriges. War das seine Priesterin, die den Geliebten dem Tode weihen mußte? Ahnungslos schritt sie vor­über, in ihre Gedanken versenkt, bald die Hände gefaltet, bald frei hinausgreifend, wenn sich ihre Brust zu. einem erlösenden Atemzug hob, als wollte sie alles abschütteln, was sie quälte, und den Zauber der schönen Nacht ma vollen Zügen einatmen.

Doch man wandelt nicht ungestraft allein in den Mondnächten dcrHerthainsel: für solchesWagnis sollte die SLöne mit einem kleinen Schreck bestraft werden. Ter Maler wartete ihre Rückkehr ab, und als sie dem Wach- bolderbusch sich genähert hatte, erhob er sich und trat her­vor. Sie stutzte einen Augenblick, dann aber setzte sie, nicht unfreundlich . lächelnd, ihren Weg fort. Er grüßte höflich.

Erschrecken Sie nicht, mein Fräulein! Ich bin kein Räuber wie der Stoertebecker, der einstmals hier gehaust; ich bin ein harmloser Sommergast wie Sie selbst, und ich bewohne mit Ihnen vielleicht dasselbe Standquartier, dasHotel zur Stubbenkammer"."

Die Dame nickte lächelnd.

der japanischen Kriegskaste, im Kampf gegen europäische Mächte ebenso hoffnungslos gewesen sein würde wie der Kampf der Derwische gegen die modernen Waffen in der Schlacht von Onidurman, einer Schlacht, in der sich sogar die siegreichen englischen Soldaten eines M- leids mit den tapferen Gegnern, die so rettungslos der europäischen Kriegstechnik zum Opfer fielen, nicht er- wehren konnten. Dian stelle sich vor, daß bie Japaner mit ihren früheren primitiven Waffen mit einer oder mehreren europäischen Mächten den Kampf hätten auf­nehmen sollen. Es wäre zu einem einfachen Abschlachten aller kampffähiger Japaner gekommen, die ihrem Charakter gemäß den Tod der Unterwerfung vorge­zogen hätten. Das Bewunderungswürdigste und gleich­zeitig Geheimnisvollste an dem Erfolg der Japaner im jetzigen Krieg liegt eben darin, daß sie nichts versäumt zu haben scheinen, um die Lehren der modernsten Wissen­schaft bis ins kleinste für die Praxis der Kriegführung auszunützen. Aber auch dann wäre der Erfolg noch nicht gewährleistet worden, wenn sich dieser wunderbar planmäßige Aufschwung nicht gleichzeitig auf die ge­samte Erziehung ausgedehnt hätte, in deren Vervoll­kommnung die Japaner mit Recht eine unerläßliche Be­dingung zur Verwirklichung ihrer nationalen Ideale erblickt haben. Auf jedem Zweig des Wissens und Leistens mußten Männer hervorgeheu, die zur Führung der Station in dem angebrochenen modernen Zeitalter, berufen waren. Deshalb wurde die Bolkserziehung im ganzen Lande organisiert, der höhere Unterricht in den zentralen Bezirken und der technische Unterricht, wo cs immer notwendig schien. Überdies wurden die beiden Landesunivcrsitäten in einer Weise ausgestattet, daß sie es in jeder Hinsicht mit ähnlichen Anstalten in irgend einem Lande der Welt ausnehmen können. Man kann sagen, daß jeder. Teil des nationalen Lebens in ver­nünftiger Weise, also auf wissenschaftlicher Grundlage, neuorganisiert wurde. Das Unterrichtswesen wurde nicht nach persönlichen oder doch besonderen Anschau­ungen, wie so oft in Europa, sondern bewußt mit Rück- fickt auf große nationale Zwecke geleiter. Der wissen-, schaftliche Geist in jeder nationalen Betätigung der Japaner hat sich im jetzigen Krieg überall bewährt. Die Eisenbahnen und die Schisse haben sich al§ vollkommen leistungsfähig erwiesen, die Mittel der Telegraphie haben vollendet gearbeitet, die Schiffswerften haben jede notwendige Reparatur aufs schnellste vorge- nommen, die Arsenale und Maschinenwerkstätten waren mit jeder Art von Kriegsmaterial und andern Hülfs- mitteln zur Unterstützung der Operationen im Felde rechtzeitig gur Stelle, leichte Eisenbahnen sind dem Heere nachgefolgt, drahtlose Telegraphie und Telephone haben Befehle übermittelt kurz alle neuesten Anwendungen der mechanischen, elektrischen und chemischen Wissen­schaft sind mit höchster Intelligenz verwertet worden. Außerdem aber haben die Japaner manchen Fortschritt aus eigene Hand gemacht, was am besten durch die Er-

So erlauben Sie mir wohl. Sie nach Hause zu be­gleiten. Ein wenig unvorsichtig ist es doch von Ihnen, eine solche Mondnacht zu einsamem Ausflug zu benutzen. Es könnten Ihnen da leicht Begleiter aus dem Boden wachsen, die weniger angenehm wären, als ich Ihnen zu sein hoffe."

Viel Selbstvertrauen, mein Herr!"

Ich bin ein Dichter, aber nicht bekannt im deutschen Land wie Heinrich Heine; mein Dichtername ist Rein- bald Frey; ich habe Gedichte und Novellen gesündigt; glücklicherweise sind meine Gedichte unter der Hochflut der täglich bedenklicher anschwellenden Romanliteratur begraben, und wenn ich auch glaube, daß Sie in einem Journallesezirkel abonniert sind, so darf ich doch nicht annehmen, daß Ihnen mein Name einmal zu Gesicht ge­kommen ist."

Durchaus nicht, mein Herr! Das darf Sie aber nicht befremden, denn ich bin keine Jcmrnalleserm; mir genügen die Werke der großen Dichter."

Dergleichen hört man selten; es gilt für veraltet, doch ich denke darüber wie Sie, mein Fräulein, und es ist nur die Nervosität der Zeit, die uns allen in den Fingern kribbelt und die auch mir bisweilen keine Ruhr läßt, bis ich meine Feder in irgend einer kleinen Novelle ausgespritzt habe. Doch habe ich das Glück, daß man hinter meinem Namen eine Dame sucht, und da nur Schriftstellerinnen heutigestags die Mode beherrschen, w werde ich von den Journalleserinnen geduldet und bis­weilen auch von den Redakteuren begünstigt. Nur der Verleger kennt mein Geheimnis. Die Redakteure sind darauf gefaßt, daß eines Tags eine blendende Schönheit in ihr Bureau tritt und erklärt:Ich bin Reinhold Frey."

Die tensche Priesterin des Opferkultus der Hertha mußte lächeln über diese Bekenntnisse und warf ihrem Begleiter zum erstenmal einen prüfenden Blick zu.

'Doch ich bin mit meinem Sündenbekenntnis noch I nicht zu Ende: ich bin auch Maler und habe Gemälde I ausgestellt und sogar verkauft, und rwch dazu große ge-

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