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ordentlich ruhig und wunderbar durchsichtig, so daß die ^dingungen für die Unterseeboote sehr ungünstig waren. Und trotz der gespanntesten Aufmerksamkeit der Torpedo­boote gelang es den süns Unterseebooten, die alle älteren ^yps waren, die Fläche zu durchqueren, ohne daß ihre Anwesenheit irgendwie festgestellt werden konnte. Nur einem Torpedoboot wollte man einige Sekunden lang «!» leichtes Sprudeln bemerkt haben, das jedenfalls von einem Periskop von einem vor-beifahrenöen Untersee­boot verursacht war,' aber man hatte das Unterseeboot lrotzdem nicht auffinden können.

Aus Ktadt und Karrd.

Wiesbaden, 10. Juni.

— Tägliche Erinnerungen. <10. Juni.) 1100: Friedrich Barbarossa f. 1880: Ca'moes, Dichter f (Lissa­bon). 1836: Ampärc, Physiker *. 1876: Wilhelm Ernst, Grotzherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, geb. 1877: F. A. G. Tholuck, Theolog, h Galle). 1004: K. Weit- vrecht, Dichter, f (Stuttgart).

— Personal-Nachrichien. Dem Kreisbaniiispcktor Berchold Böttcher zu Langenschwalbach ist der Rote Adlerorden 1. "lasse, dein Zimmermeister August H i e s und dem Maurer Ns-stcr Wilhelm Schmidt, beide zu Langenschwalbach, das Allgemein« Ehrenzeichen verliehen worden.

:i — Chok-Bencsiz. Wie wir kürzlich m'itteilten. siu- 'tot die von der Königlichen Intendantur dem Chor- Versonal des Königlichen Theaters als Benefiz-Vor­stellung zugestandene ,,«O b e r o n" - «A u f s ü h r u u g Mittwoch, den 11. d. M., statt. Unserem Chorpersvnal, bas trotz seiner angestrengten Tätigkeit seinen Pflichten Ur anerkennenswertester Weise nachlkömmt und es da­durch verstanden hat sich daS Wohlwollen «weiterer Kreise Är erwerben, ist diese hohe «Vergünstigung von Herzen M gönnen. 'Hoffen wir, daß den Benefizianten neben ihren sonstigen künstlerischen «Erfolgen an ihrem Ehren- lvbend auch ein materieller Erfolg zuteil werde.

'S Angenheilanstalt. Wir erhalten folgenden Bericht: Prin'-eslsin Elisabeth zu S ch aumbnrg-Lippe stattete gestern vormittag mit «Gräfin «Rohden und der 'Hofdame, «Fräulein p. Roeder, der Augenheilanstoli, die Zurzeit 82 Krankenbetten «belegt «hat, einen längeren Be­such ab. «Die Frau Prinzessin «besichtigte mit sachlichem Interesse die geräumige Küche, in der für 100 'Personen Eock: wird, die Wirtschaftsräume, die Poliklinik, die Männer-, Frauen- und Kinderstation und äußerte sich s^hr anerkennend über die gute Ventilation der Schlaf- Zimmer und der geräumigen hohen und luftigen Tages- räume, lobte die guten Wasch- und Badecinrichtnngen, svilvie die zweckmäßige Beleuchtung der «Krankenzimmer durch das von der Decke reflektierende Licht der in grünen Ampeln 'befindliche,' elektrischen Lampen. Besondere Trends erregte die «Sauberkeit, die in allen Räumen und Betriebsabteilungen «herrscht. «Durch teilnehmende An­sprachen «bekundete die hohe Frau ihr Interesse an dem befinden der Patienten.

— Die Wertschätzung der Leibesübungen für die Ge­sundheit mehrt sich. «Sv plant die würitembergi'sche Regierung für alle höheren Knaben- und Mädchenschulen «die Einführung eines besonderen Spielnachmittags, an 'welchen., sich sämtliche Schüler und Schülerinnen betei­ligen müssen. .'Die dortige Schulbehörde geht sogar, wie Düerstndienrat Hanbcr in einer Lehreroersämmln ng aus. führte, so weit, daß sie andere Stunden dafür wegfallen und die Hausaufgaben für diesen Nachmittag erlassen will, denn die körperlichen llbungen Müßten mehr ge­pflegt werden als seither, damit die «Schüler eine wirt­liche Erholung von der geistigen Tätigkeit fänden. — Sollte dies nicht auch ein Fingerzeig für andere Per­sonen sein, deren Geist tagsüber durch den Berus in An­spruch genommen ist, wie sie ihren Körper vor den schäd­lichen Folgen geistiger Anstrengung durch Pflege der Leibesübungen bewahreu können?

«Programm zu streichen, und an Stelle dessen «die achte Sinfonie von Bruckner zu setzen. Dieses hochherzige Äurückstehen Strauß' und Schillings, die bekanntlich die Präsidenten des Ausschusses sind, wurde natürlich von den Österreichern nicht akzeptiert, und so legte inan denn schließlich noch ein außerordentliches Orchesterkoirzert ein, in welchem die beiden letztgenannten Werke zur «Wieder­gabe kamen. Der Fest-Dirigent, Ferdinand Löwe aus Wien der begeisterte Brucknerianer, hatte ein riesiges Stück Arbeit zu leisten. Wenn auch ein großer Teil der Novitäten von den -anwesenden Autoren selbst geleitet wurden, so blieb «dem Festdirigenteis doch die ganze Last des Eiustndierens, und diese war nicht gering.

Der Vorabend des Festes brachte eine Aufführung des „Don Quixote" von Wilhelm Kienzl im prächtigen Neuen Siadtthcater. Kienzl als Grazer Bürger mußte selbstverständlich zu Worte kommen. Daß -man ihn durch die Aufführung seiner -am größten angelegten, im Er­folg leider so unglücklichen Oper ehrte, berührte -be­sonders sympathisch. Den schwierigen szenischen An­forderungen, die das Werk stellt, wurde man nach Mög- lichkeit gerecht. Die Ausführung befriedigte das kritische Fachpnbliknin, und das will schon etwas heißen. Während der Vorstellung erhielt Richard Strauß die telegraphische Nachricht vom plötzlichen Tode seines Vaters. Er reiste umgehend nach München ab. Die Präsidialvertretung übernahm an seiner Statt Max Schillings. _

Das erste Orchesterkonzert wurde mit einem -ziemlich konventionellen Org-elsatz von Roderich v. Mojsisovics -er­öffnet. Es folgten zwei Sätze ans der zweiten -Sinfonie in E-moll von Guido Peters. In diesen beiden Sin- foniesätzen offenbart sich neben solidem Können einE «arparte Begabung für klangliche -Schönheiten. Zu -den ultramodernen Schöpfungen aber zählen -die Stücke nicht. Starken Beifall fanden die Mahlerschen Gesänge mit Orchester, sie reihen fick dem« Besten an, was wir von dieser neueren Kunstgattung bisher besitzen. Den Be­schluß machte eine mit allein orchestralen Auswand ge­schriebene «sinfonische Dichtung in Form eines- Prälu­diums und einer Tripelfng-e von Paul Ertcl. „Der Mensch" ist der Titel dieses mit außerordentlicher Routine -machtvoll aufgebauten -Werkes, das -bei allen Männern von Fach bereitwillige Anerkennung fand. Die Glanzpunkte 'des ersten Kammermusikkonzerts -waren «die

Miesvadener Tagblaft.

— Wichtig für Metzger und Viehhändler. Eine Frage von großer prinzipieller Tragweite, die demnächst auch die höheren Instanzen befchä'stigen wird, hat kürz­lich das Düsseldorfer Landgericht entschieden, nämlich, ob aus der Überweisung von minderwertigem Fleisch seitens «der Schlachthäuser -an die sog. Fre'ibaük ein Hauptmangel «des betreiffenden Tieres, von dem das Fleisch herrührt, im Stirne der kaiserlichen Verordnung vom 27. Mär«z 1890, die den Käufer zur Auflösung des Kaufvertrages berechtigt, herg-eleitet werden kann. Das Düsseldorfer Landgericht hat diese Frage i-m folge-n'öen Falle verneint: Der Viehhändler D. zu Grefrath bei Krefeld verkaufte dem Metzger Sch. zu Viersen «in SchMin zum Preise von 88 M. als Schlachttier. Das Schwein wurde beim Schlachten im Viersener Schlachthaus für tuberkulös be­funden und deshalb der Freibank des Schlachthauses überwiesen. «Sch. zeigte dies sofort dem D. an und ver­langte Rückgängigmachung des Ka-uises. D. verweigerte diese und erhob, als Sch, den- Kaufpreis nicht zahlte, Klage gegen ihn mit dem Anträge, denselben zu verur­teilen, an ihn 85 M. zu zahlen. Beklagter beantrag«, die erhobene Klage kosten-fällig äbznweisen. «Beklagter macht den: Klag-eanspvuch gegenüber geltend, die tuber- kulkfche Erkrankung sei ein Hauptmangel im Sinne des 8 182 B. G-.-'B. und des 8 2, 4, 1 der kaiserlichen Verord­nung vom 27. März 1899, denn in der Überweisung an die Freibank sei eine Beschränkung zu erblicken. Somit sei er berechtigt, den Kauf rückgängig zu machen, Kläger «führt aus, die Überweisung an die Freibank sei keine, derartige Beschränkung und bezieht sich hierfür auf ein Urteil des Düsseldorfer Landgerichts vom 80. November 1908. «Das Landgericht sprach dem Kläger seinen An­spruch zu, und zwar mit folgender BegMndung: Nach § 2, 1, 1, beziv. 2 der angeführten Verordnung gilt als Hauptmangel L«st Schweinen, di« „alsbald geschlachtet werden sollen und «bestimmt sind, als Nahrungsmittel für Menschen zu dienen", „tuberkulöse Erkrankung, so­fern infolge dieser Erkrankung mehr als die Hälfte des Schlachtgewiichts nicht oder nur unter Beschränkungen als Nahrungsmittel für Menschen geeignet ist". Der Freibank der Schlachthäuser wird man dasjenige Fleisch -überweisen, das zwar nicht gesundheitsschädlich, aber doch nicht vollwertig ist. Durch« die Bestimmung, daß an der AreibaNk das Fleisch nur an Konsumenten, nicht aber an «Metzger, Wirte usw. verkauft werden darf, soll verhindert -werden, daß dieses minderwertige Fleisch für den gleichen «Preis in de'n Handel kommt wie «vollwertig«:?'. Aus diesen Grün«den wird auch das Fleisch, das Tuberkulose in mittlerem Grade zeigt, der Freibank überwiesen. In diesem Zustande ist das Fleisch- ohne Schaden für die Ge­sundheit, es kann ohne weitere Behandlung, wie Au­lkochen, Räuchern usw«., genossen werden, jedoch hat es nicht denselben Nährwert infolge des durch- die Erkrau- «kung herbei-gesührten schlechteren Ernahrun-gszustan-de§ des Tieres wie das Fleisch von voMowlme-n gesunden Tieren. Die erwähnte Bestimmung der kaiserlichen Ver­ordnung spricht aber ausdrücklich von der Eigenschaft des Fleisches, als „'Nahrungsmittel geeignet-zu sein", und «er­langt für die Ilnerkennuug als Hauptmängel, daß diese Eigenschaft dein Fleische nur unter Beschränkung zuge- «fprochen werden kann. Etwas begrifflich davon ganz verschiedenes ist die Rubrizierung dieses Fleisches seitens der Schlachthausperwaltung unter dasjenige Flei-üb, d-aS, «wie oben ausgefirhrt, nur eine rein wirt's-chastliche Für- sorgemaßregel ist. Ob bei Erlaß der Verordnung die Ab­sicht bestanden hat, mit der «Fassung des 8 2 . 1, bezw. 2, die Fälle, in denen das Fleisch wegen Tuberkulose aus die Freibank verwiese» wird, mit zu tressen, kann da­hingestellt bleiben. Hat diese Absicht tatsächlich Vorge­legen, so hat sie doch in dem «Wortlaut des Gesetzes ihren Ausdruck nicht gefunden und kann dicsc'm gegenüber also auch nicht in Betracht kommen.

— Kriegsgericht. A-m Abend -des 7. Mai fand- eine von dem Unteroffizier Schmidt -des 88. Regiments ge­führte Patrouille «auf «dem Wege nach der Zitadelle von

beiden Bariationswerke Max Negers, des modernen «Deb. Bach, wie ihn begeisterte Verehrer skrupellos nennen. Die gewaltigen «Steigerungen der beiden Schlußfu-gen sind freilich auch von einer faszinierenden Wirkung. Diese Variationen, die erster«» über ein Bachsches, -die zweiten über ein Beethov-ensches Thema, sind für zwei Klaviere geschrieben. Professor Schmid-Lindner und der Kompo­nist -selbst saßen an den Instrumenten. Eine Streich­quartett-Serenade «des Schweizers Dalcroc« gefiel mehr durch ihre flüssige, gefällige Melodik, denn durch in­teressante Gestaltung. Ehrliche Anerkennung fanden auch etliche Lieder von Otto Taubmann in der Interpretation durch Joses Loritz. «Sehr gut schnitt Rudolf Burk mit zwei charakteristischen, stark -modern gehaltenen Münner- chvren „Gotenzug" und „Wilde Jagd" ab, die vom aka- demischey Gesangverein begeistert gesungen wurden.

Das zweite Orchesterkonzert brachte die auAgedehn- t-cste Novität des Festes, Otto Naumanns Chorwerk „D-er Tod und die Mutter". Das zweistündige -Werk enthält reiche Schönheiten, die besonders auf orchestralem -und chorischem Gebiet liegen, liberraschend ist die blühende Klangpracht des Orchesters. Dahingegen sind «die Solo­partien ausfallend undankbar geschrieben. Trotz des nn- zwci-felhast hohen kün-stlerischeu Wertes -des Werkes ist es fraglich, ob «dasselbe große Verbreitung finden wird. Es hat zu viel Längen. Bruckners -achte Sinfonie in glänzender -Wiedergabe machte -den zweiten Teil des Abends ans. In dein nun folgenden außerordentlichen Konzert fand Schillings „Dem Verklärten" allseitige be­geisterte Anerkennung. Es ist schlecht und recht ein reifes Meisterwerk. Strauß' „.Heldenleben" halte unter störender liberhetzung des Tempos zu leiden. Klang­lich kam die Riesenschöpfung -aber prächtig heraus. Von weiteren größeren Werken begegneten «Siegmund von Hauseggers Orchesterlieder, Julius Weißmanns Frau-en- chovwerk „Fingerhütchen" und Theodor «Streichers Männerchöre mit Blasorchester lebhaftem Interesse. Den stärksten Beifall unter den Werken des letzten Orchester­konzerts fand Boehes „Odysseus Heimkehr". «Wagners Kaiser-Marsch machte den Abschluß der Grazer Festtage. Dankbar empfand n,an diesmal die Kürze der einzelnen Konzerte. Man hat die Fehler des vergangenen Jahres nicht wieder gemacht. Neben den künstlerischen Veran­staltungen liefen die geschäftlichen Sitzungen und die ge-

Marge«-A«sgabe, 1. Zlatt.

KamsL-rs, 10. Iiini 190». Kette 8.

Mainz einen Mann, der anscheinend überfallen -worden war und blutend am Boden lag. Es bildete sich ein Menschenauflauf: auch ein Soldat, der Musketier O §- w a l d von der 1. Komp, des 88. Regiments, drängte sich neugierig vor. Diese Neugierde sollte ihm Übel «bekom­men. Er war stark angeheitert. Als ihn der Unter- vfsizier fragte, was er hier wolle, gab er keine sehr ehr­erbietige Ilntw«ort. Run fragte ihn der Unteroffizier, bei welcher Kouipagnie er fei. Statt der Kompagnie- nnmmer nannte der Musketier einen Namen und lief -ivcg. Der Unteroffizier rief dem Posten am Kohlen­lager, dem der «Flüchtling in die Arme lief, zu, er solle -den Mann fest halten. Das -geschah, und der Betrunkene ließ sich dann gutwillig abführen. Was er angestellt hatte, kam ihm -erst zum Bew«ußtsein, als er am 24. Mar vor dem Kriegsgericht stand. Hier bekundete nämlich der Unteroffizier, der Angeklagte habe einen Stoß gegen den Posten geführt. «Die Schildwache selbst hat davon nichts gemerkt, aber der Unteroffizier erklärt dies damit, -daß er durch Vorstrecken des Arms den Stotz aufgefangen «habe. Hiernach hat sich t>er Musketier nicht nur d-er «Achtun-gsverletzung und -des Widerstands-, sondern auch des tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten, -die Schild- w«irchc, schuldig gemacht. Das Kriegsgericht vertagte «d-ie «Sache, um nach gesetzlicher Vorschrift dem Angeklagten einen Verteidiger zu stellen. Nun -wurde die Verhand­lung wieder -ausgenommen. D-er Vertreter der Anklage beantragte ein Jahr und zwei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte, nach -der „Franks. Ztg.", auf sieben -M. o n a t e Ge f ä n g n i s.

— Die Ladendicüiu Möges vor dem Reichsgericht. Wegen Diebstahls im «Rückfall«, s-dwic «wegen- falscher Namensanga.be wurde die Johanna «Dorothea Möges von Wiesbaden -am '5. April d. I. von der «zweiten Straf- «kämmer des «Landgerichts Wiesbaden zu einer G-efängnis- 'strafe von- 8 Jahren «verurteilt, sowie «wegen der letz­teren Straftat zu einer Woche Hast. Die «Angeklagte ist «den Feststellungen des an«gesoch«teneu Urteils znfol-g-e eine -unverbesserliche Ladendiebin, gegen -die aufs schärfste porgegangen werden «müßte, wenn nicht ihr minder- «weriiger «Geisteszüstand als Mildernngsgrund zu berück- sichtvgen «wäre. «Die Revision d«er Angeklagten stützte sich ans die einzige Prozeßbeschwerüe der unzulässigen Bc- schrän'kung der Verteidigung in einem für die Entschei­dung wesentlichen Punkte durch Ablehnung eines Be- weisantvages. «Der Verteidiger Hatte in der Hauptver- handlung beantragt, «die Angekla-gte nach einer Nerven­heilanstalt zu «verbringen, um ein weiteres Sachverstün- digeniGntachten -einzuholen. Dieser Antrag wurde vom ersten Richter -avgelehnt, da er sich- bereits ans dem Gut­achten des vernommenen Sachverständigen und aus d-e'm Verhalten der Angeklagten in der Hanptverhandlnug ein Urteil über dieselbe gebildet habe. -Danach sei sie zwar sehr hysterisch, über nicht unzurechnungsfähig. Die Revi­sion der Angeklagten« wurde vom ersten Strafsenat kosten­pflichtig -verworfen, da -es in das« richterliche Er­messen gestellt ist, «weitere «Sachverständige zu hören oder darauf zu verzichten.

— Ein nächtliches «Intermezzo, das der Komik nicht entbehrt, spielte sich kürzlich in einem Hanse der See- rob«enstraße ab. Dort wohnen -zwei ledige Kellner ge­meinsam als «Chambregarnisten, von denen einer sich Doi'kommen ließ, spät abends in weiblicher Gesellschaft nach «Hause «zu kommen. Man hatte es sich bereits recht gsmiütlich gem«acht, als der Partner ebenfalls zurückkam, um sein «Lager -aüfznsuchen. Er suchte zunächst das herr­schende Dunkel durch 'Anzünd-en eines Lichtes zu v-cr- tretben, -doch wollte ihm dies nicht -gelingen, denn- i-m'mer «wieder bli-es der andere ihm die Flamme aus. Danach geimährte «der nach Auf«klärung über das meullwürdige Verhalten seines Kollegen Berlan-gend-e inzwischen so viel, daß 'Frauenkleider bei ihnen im Zimmer lagen. „«Wie kommen Frauenkleiöer hierher? Was habenFrauen- «kleidsr hier zu tun?" schrie er, und eins, zwei, drei — packte er den ganzen verdächtigen Plunder und warf ihn zum Fenster hinaus aus die Straße. Der nun eut-

selligen Zusammenkünfte. Viel Zeit zum Ausruhen gab es nicht. -Und -dann ging die «gemeinsame Fahrt üb«er Leu Semmering ucjch Wien, allwo Gustav Mahler den Tmlkünstlern die Feuersnot Pfitzwers „Rose vom -Liebes- garten" und «ine szenische Ausführung von Liszts heiliger Elisabeth «darbot. Reichliche musikalische Gaben waren es auch in ü«iesein Jahre wieö«er, und cs ist «kaum anzu- nehmen, daß sie «sich 1906 in Essen verringern werden.

Aus Kunst und Leben.

Die englische Mode vor hnndcrt Jahren im Spiegel der Karikatur.

Da die jetzige Möde hauptsächlich die Stil'for«me„ der Vergangenheit aufni'm'mt und besonders die Mo'den vor und nach ö«c'm Jahre 1800 bevorzugt- ist es vielleicht zeit­gemäß, w«enn man Genaueres von diesen alten Moden berichtet. Währen-d nran in anderen «Ländern die Ein­zelheiten der vergangenen Trachten nur mühsam aus alten Modöjourwal-en und Abbildungen zilsamm-ensiichen Mutz, bietet sich für die englische Mode unter Georg lll. eine unerschöpfliche Quelle in den G'iLö-ern d-er danrali- geu grvtzeu Karikaturisten Gillray, Row«lan«dso.n und vieler anderer, denen Ilnguste Filou i«m „«Gaulois" interessante Einzelheiten -entnimmt. Wie in einem Brenn'spiegel humoristisch verzerrt und doch i«n diesen Vergröberungen das Wichtigste u-'m so deutlicher ver­ratend, tauchen da die Gestalten der engli«fch-en Modewelt vor uns aüf, die Zwar noch von de!m großen Vorbild Paris abhängig, doch bereits «stolz ans ureigene, bizarre und sonderbar-e Er'findung-en ist. Es ist etwa um <7k»0. Eine Gesellfch«äft, Herren und «Damen, prom-en«ieren die safhi-o-näble Bondstreet in London herunter: sie ähneln einer Herde von Zebras, denn sie tragen alle nach der neuesten Mode gestreifte Stoffe. Die Herren tpagen. den langschößigen, kurztailligen Rock mit dem breiten Revers und die langen flatternden Krawatten, die sich in den Wogen der Musselinjabots verlieren. Die Damen haben «den unter dem Busen durch ein Fichsi geteilten, dann gerade heräüfallend:n Rock mit absch-lie-ßendem Volant, diesen Jlock, der damals sehr kurz war und häufig ans -durchscheinend-cn allzu leichten Stoffen bestand. Wie sich