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Wiksbs-kner iaflWatt.

53 . Jahrgang.

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N-. 263.

Verlags-Fernsprecher 9to. 2958.

Mittwoch» den 7. Irmi.

Redaktions-Ferusprecher No. 52.

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ZUM städtischen Archmwesrn.

Jede Stadt, mag sie noch so klein sein, Hat ihre mehr oder weniger interessante Geschichte. In sehr vielen. Fällen ist diese lückenhaft oder gar für große Zett- ibschnitte überhaupt nicht vorhanden, je nachdem das Ge­meinwesen von Krieg, Feuer oder anderem Ungemach heimgesucht worden ist. Neben diesen elementaren und unabwendbaren Ursachen war aber leider sehr oft auch unverantwortliche Gleichgültigkeit die Zerstörerin der Vergangenheit, die nicht nur ihre rein historischen Reize hat, sondern auch'die Wurzelfä.den für manche praktische Rechtsfrage in sich birgt. So manche Kommune gäbe einen stattlichen Finderlohn für ein abhanden ge­kommenes Pergament, welches ihr wertvolle Rechtstitel verbürgt, die so lange natürlich gegenstandslos sein müssen-, als die urkundlichen Belege fehlen. Man hat es gar nicht nötig, bis zur grauesten Vergangenheit zurückzugehen. Selbst ans den allerletzten Jahrzehnten sind Fälle zu berichten, in denen die zufällige 'Auffindung eines ausschlaggebenden Dokuments einen Rechtsstreit zugunsten der Kommune wendete. Wir verweisen nur aus den Streitfall der Stadt Rudolstadt, von der der Bahnfiskus. eine Bsihsilfe von 4OOO Mark zu einer Unterführung verlangte. Man war bereits im Begriffe, diese Summe zu bewilligen, als unerwartet eine Ver­trag surkun.de von 1871 zum Vorschein kam, in welcher ausdrücklich die Klausel enthalten war, daß die Bahn derartige UrrterMrungen auf ihre Kosten ausführen lassen müßte, wenn die Landesverwalrung es ans Ver­kehrsgründen verlangt. In Sielen Städten bildet der gesamte Urkundenbestand einen wenig geordneten „Akteu- friedhof", der unter Umständen ungeahnte Werte birgt, die nur gehoben und verwertet werdM können, wenn die Urkunden sachgemäß geordnet und registriert sind. Diese Arbeit ist allerdings eine überaus schwere und kostspielige. Sie kann, wenn sie allen Ansprüchen ge­

nügen soll, nur durch einen Fachmann von Beruf ge­macht werden. Sehr oft findet sich in den Gemeinden ein gelehrter Bücherwurm mit guten Svrachkenntnisseu, guter Lokalkenntnis und Liebe zur Sache, der in den alten ilrkmKstn hevumgräbt, um historische oder ähnliche Schätze zu finden. In manchen Getneindsn ist ein Lehrer oder/Jurist solch ein interessanter Bücherwurm, für den jedoch die berufsmäßigen Archivare keine be­sondere Zuneigung halben, weil er oft genug nur ver­wirrt und zerstreut, was ein gelernter Spezialist zu- sammenhalten würde. Auch das Archivwesen erfordert unstreitig eine Reihe von Kunstgriffen, die man praktisch erlernt haben muß, und zwar an einem Platze, der für Sachlichkeit bürgt. Das finS» gewöhnlich die Staats­archive, wo ans leicht erklärlichen Gründen jedem Perga­ment die gleiche Sorgfalt gewidmet wird, weil kein Mensch weiß, wozu es später noch einmal von Nutzen sein kann. Hierin ist gleichzeitig der Weg gegeben, den solche Stadtgemeinden' betreten müssen, die weder, einen besonderen Archivar im Hauptamt haben können, noch über einen so großen Bestand an Archivalien verfügen, daß er eine Kraft voll beschäftigt. Solche Gemeinden können nichts Besseres und Wohlfeileres tun, als sich einen geschulten jüngeren Archivar von einer Archiv- Verwaltung des Staates zur Aufarbeitung und Reper- torisierung des Archivs auf ein paar Wochen oder Monate zu erbitten. Die dafür aufzuwendenden Kosten sind nur einmütige und bescheidene, weil es viele jüngere Archi­vare gibt, die mit Freuden derartige Aufträge über­nehmen. Wenn eine Gemeinde aber eine solche einmalige Ausgabe scheut, so handelt sie entgegen ihren Interessen. Nicht nur ihren wirtschaftlichen. Denn jede Stadt, hat schließlich auch gegenüber ihrer Vergangenheit ideelle Pflichten. Sie darf nicht zngeben., daß diese Vergangen hast in leichtfertiger Weise ausgerottet und, ausgelöscht wird, Vielmehr hat .sie die wähl unbestrittene Ausgabe, den Sinn für die Taten und das 'Treiben unserer Vor­väter wach zu erhalten. Es ist notwendig, daß in jeder Kommune ein gesunder Lokalpatriotismus labe; denn nur ein solcher Patriotismus wird die Bürger des Ge­meinwesens an die Scholle heften und sie veranlassen, dann und wann selbstlos für die Gemeinde einzutreten. Wer wollte da seine Hand ausstrecken, unr die Erinne­rungen an die Vergangenheit des Gemeinwesens zu .ver­nichten? Ani allerwenigsten doch die Stadtverwaltung selbst. So sprechen nicht Nur materielle, sondern auch ideelle Gründe dafür, daß jede Stadt ihr wohlgeordnetes Archiv habe, das leicht zugänglich, leicht übersichtlich und vollauf gegen Feuer, Staub, Regen und Würmer ge­sichert ist. -Dian kann Beispiele genug davon erzählen, wie selbst Städte mit weitberühMer Vergangenheit pietätlos die ererbten Schätze verkommen ließen. Nicht streng genug kann der Freund des KulturfortschrittZ gegen eine solche Gleichgültigkeit zu Felde ziehen. Wie es auf manchem Rathausboden, in mancher Turmkammer, in mancher uralten schwergeschnitzten Eichenholzbade aussieht, das weiß dieser und jener aus eigener An­schauung. Heutzutage wird so viel gepredigt über

Heimatkunst und bodenständiges Heimatgewerbe. Was sollen diese Predigten wirken, wenn die Berusenften ihre Ohren dagegen verschließen. Wie man einen Kultur­maßstab' an dem Seifenverbrauch eines Volkes hat, so möchte man fast das Vorhandensein bezw. den Zustand des Ratsarchivs zum Maßstab des Wertes machen, den eine Stadtverwaltung hat. Man blicke. hierbei nicht ge­ringschätzig nur auf die kleineren Städte hin! Es lassen sich ganz große Gemeinden in Fülle anführen, die weder ein wohlgeordnetes Archiv noch einen technisch gebilde­ten Archivar im Hauptamt haben. Dabei ist es sehr leicht angängig, eine solche Stellung mit der eines Biblio­thekars einer öffentlichen Bibliothek zu verbinden. Auf jeden Fall findet sich leicht auch für wenig bemittelte Ge­meinden ein Weg, unsere Forderungen zu erfüllen. Noch hat es keine Stadt zu bereuen gehabt, Ordnung in den einzelnen Verwaltungsressorts geschaffen zu haben. Warum will man gerade das städtische Archiv als unge­waschenes und ungekämmtes Aschenbrödel her-umlaufen lassen? C. C.

Ale geWgen FWOetten der Waben and Mädchen.

In einer Versammlung der British Association in Cambridge erregte ein Vortrag des bekannten Gelehrten Dr. Josef v. Körössy, Direktor des Budapester Stati­stischen Amtes, großes Aufsehen, und zwar nicht nur in.den Kreiseii der Gelehrten, sondern auch in der Presse und im Publikum. Dr. Körössy legte nämlich das Er­gebnis einer seit 27 Jahren geführten Statistik vor, die sich mit dem Verhältnis der geistigen Fähigkeiten zum Geschlecht befaßt. Diese Statistik scheint vor allem von methodologischem Werte gat sein und wird zu ähnlichen Erhebungen in anderen Städten vielleicht Anlaß geben.

Im Jahre 1873 regte Dr. Körössy die Aufnahme dieser Statistik an und bewog den Stadtrat von Budapest, die Abgabe des nötigen Materials zu veranlassen. Seit­dem werden alljährlich ausführliche Ausweise über alle Schüler der Budapester Kvmmunalschulen geliefert. Direktor Körössy hat die Daten über 808 305 Schüler aufgearbeitet, so daß seine Feststellungen einen überaus ernsten Beitrag zur Abwehr der Annahme einer physio­logisch begründeten geistigen Minderwertigkeit des Weibes bilden.

Die Erhebungen erstreckten sich auf:

Knaben Mädchen

412 768 350 382 in 6 Elementarklassen von 1873 bis 1899,

14 201 20 588 in 6 Bürgerklassen von 1899—1902,

2 628 5 326 in 4. Klasse der Bürgerschule von

1881—1894,

2 208 214 in 8 Gymnastalklassen von 1900 bis

1903

431 795 376 510.

Vor allem konstatiert der Bericht, der demnächst als Broschüre erscheinen wird, daß von einer angeborenen

Feuilleton.

(Nachdruck verdaten.)

Oie Hygiene des Hangers.

Einer längeren Abhandlung des namhaften am?.- rikanischen Spezialisten Theo. Seelmann entnehmen wir folgende Einzelheiten, die wegen ihrer allgemein ver­ständlichen Fassung auch für nicht berufsmäßige Sänger und Sangesfreunde von hohem Interesse sein dürften. Da heißt es gleich zu Anfang : .Das Metall der Kehle, dem man so gern einen silbernen Klang beilogt, ähnelt gleichwohl insofern wenig dem Silber, als sein Klang keineswegs die gleiche Dauerhaftigkeit aufweist, sondern kn Gegenteil schon durch anscheinend belanglose Ein­flüsse -getrübt und abgestumpft wird. Auf wenig anderen Gebieten haben kleine Ursachen so empfindliche Wirkun­gen wie im Bereich der Stimmhygiene.

Schon die Nahrungsaufnahme, soweit man nament­lich in der Aufnahme der Speisen und Getränke unvor­sichtig zu Werke geht, kann einen schädigenden Einfluß ans die Stimme äußern. Zwar geraten die im Kehlkopf geborgenen Stimmbänder, die den wesentlichen Teil.des Gesang,organs darstellen, mit der Nahrung nicht in Be­rührung und sind daher einer Beeinträchtigung durch diese nicht unmittelbar unterworfen, allein die Klang­farbe der Gesangstöne hängt von der Mund- . und Rachenhöhle ab. da sie das Ansatzrohr für den Stimm­apparat und die Bildungsstätte der Obertöne abgeben. Und die Auskleidung dieses Ansatzrohres, die Schleim­haut. ist es. die durch gewisse Bestandteile unserer Speisen in einen Reizzustand versetzt werden kann, der der Rein­heit und dem Wohlklang des Gesanges Abbruch tut. Zu diesen Stoffen gehören vor allem die - starken Ge­würze, wie Pfeffer, Paprika, Mostrich, ferner Essig urid

Zwiebeln. Auch die stark gesalzenen und geräucherten Nahrungsmittel reizen die Schleimhaut gleicht. In demselben Sinne wirken die aromatischen Öle, die den Mandeln und Nüssen und den aus ihnen verfertigten Speisen, wie Marzipan und Makronen, ihren charakte­ristischen Geschmack verleihen. Wer die Gesangskunst nur aus Liebhaberei pflegt, wird sich ja dieser Substanzen und Nahrungsmittel nicht völlig zu enthalten brauchen. Immerhin aber ist es auch für ihn klug und weise ge- hasidelk, wenn er sich in ihrem Gewiß einige Be­schränkung auferlegt. Sehr kalte Speisen und Getränke meidet der liederbegabte Mund ans Furcht vor Er­kältung meist von selbst. Dagegen erscheinen heiße Nahrungs- und Genuß mittel in der Regel unverdächtig. Und doch rächt sich diese falsche Einschätzung. oft genug recht unangenehm, Tenn die hohe Temperatur bringt eine starke Blutüberfüllung des Rachens mit sich, durch die nicht nur, sobald sie sich häufiger wiederholt, die Emp­findlichkeit der Schleimhaut außerordentlich gesteigert wird, sondern auch der Grund zu einem veritabeln Katarrh geschaffen werden kann.

Es ist eine unter den Berufssängern allgemein ein­gebürgerte Gewohnheit, kurz vor dem Auftreten keine größere Mahlzeit einzunehmen. Ein voller Bauch ist ein träger Gaüch, sagt das Sprichwort etwas derb. In der Tat, nach jeder reicheren Nahrungsaufnahme, stellt sich eine gewiß geistige Ermüdung und Unlust ein. Sic hat ihre, physiologische Ursache in der lebhafteren Hinlenkung des Blutstromes zu den arbeitenden Verdauungsorganen und der damit parallel gehenden Blutverarmung des Gehirns. Die Frische und Munterkeit des Vortrages leiden unbestreitbar unter diesen Vorgängen. Aber das ist nicht der geringste Nachteil. Durch die Anfüllung mit einer größeren Speisemenge erfährt der Magen eine stärkere Ausdehnung. Diese Volumenvergrößerung des Magens , beengt aber 'die Atmung, Bei der Abmlung er-

weitert und verengert sich nicht nur der Brustkorb, sondern es wird auch das Zwerchfell, das die Brusthöhle von der Bauchhöhle scheidet, im Einatmnngsstadium nach unten gedrängt und rückt im Ausatmuntzsstadium wieder nach oben. Durch die starke Ausdehnung des Magens wird aber das Zwerchfell in seiner Bewegungs­freiheit nach unten hin behindert. Der Fassungsraum der Lunge verringert sich daher bei der Einatmung und dementsprechend auch der Lustvorrat, über den der Sänger bei der Ausatmung und zur Hervorbringung der Töne verfügt. Tie Endfolge dieser Wechselwirkung liegt klar auf der Hand. Wie die Pfeifen der Orgel an Klangstärke einbüßen, wenn die Bälge ihnen einen Un­zureichenden Lnftstrom zuführen, so verliert die Gesangs- stimme an Kraft und Fülle, wenn die Atmung gehemmt und eingeschränkt.

Einige Speisen tragen noch im besonderen Maße dazu bei, vermöge der ihnen eigenen Gasentwicklung den Verdauungsapparat auszudehnen und aufzublähen. Als solche sind in erster Linie die Kohlarten und die Hülsen­früchte zu nennen. Aber auch Schwarzbrot, Mehlspeisen und Kartoffeln betätigen sich bei manchen Personen in ähnlicher Weise. Eine übertriebene Nahrungsenthaltung wäre freilich ebenso verkehrt wie eine Überladung des Magens. Es ist durchaus gestattet, bei angemessener Auswahl der Speisen auch eine reichlichere Mahlzeit 2 bis 3 Stunden vor dem Singen zu verzehren. Meldet sich dann nochmal der Appetit, so werden zu seiner Stillung ein Stück Schokolade, ein Cake oder dergleichen vollauf genügen. Man sieht, selbst der Gesang ist in gewissem Sinne eine Magenfrage.

Das ärgste Mißgeschick, das einem ausübenden Ge.- sangsfrennd passieren kann,«- ist eine plötzlich chrftretende Erkältung. Ein wichtiges Schutzmittel bietet sich hier. Der Bau der Nasenhöhle verursacht es, daß die durch sie hindurchstreichende Außenluft.annähernd bis auf die