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53 . Jahrgang.

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202 . BerlagS-Fernsprecher R». 2958.

Lebend-Ausgabe.

1. Mcatt.

Erst Vrnpet und dann Venedig.

Die Franzosen sind ärgerlich. Sie sind es schon lange, da die Politik des einst so volkstümlichen Herrn Delcaß'6 nicht mehr recht klappen will und da der Kurs des Ztveibundes infolge der Niederlagen, die Rußland Schlag aus Schlag erlitten hat, immer tiefer gesunken ist. Der Ärger der Franzosen stieg, als die deutsche Regierung den französischen Monopolbestrebungen in Marokko einer: Riegel verschob, und ihr Ärger erreichte den Gipfel, als auf den schlauen Plan Dclcassüs, Zwie­tracht zwischen Deutschland und Italien zu säen und dieses vom Dreibünde ab und in die Arme Frankreichs zu drängen, als Antwort die Zusammenkunft zwischen den: deutschen Kaiser und dem König Viktor E M a n u e l v o n Italien in Neapel erfolgte. In­dessen schien es fast, als ob den Franzosen hierbei ein Trost in Tränen erwachsen sollte, oder die Franzosen redeten es sich wenigstens ein. Von der Seine aus wurde mit Eifer hervorgehoben, selbstverständlich unter begeister- ter Zustimmung der englischen Presse, daß bei der Fürstenzusammenlunft in Neapel zwar Kaiser Wilhelni in seinem Trinkspruch, ausdrücklich von dem Dreibund als einem festen und sicheren Bund des Friedens ge- sprochert habe, während König Viktor Emannel int Gegensatz hierzu nur von den: Bund der innigen Freund­schaft zwischen den beiden verbündeten Völkern Deutsch­lands tind Italiens sprach und sich jeder Erwähnung Österreich-Ungarns enthalten habe.

Allein die Fronde hierüber und die Schlußfolgerun­gen hieraus warm von kurzer Dauer, denn auf die Neapeler Begegnung des deutschen Kaisers und des Königs von Italien ist am Sonntag die Zusammen­kunft des italienischen Ministers des Äußeren Tittoni mit dem Minister für die auswärtigen Angelegenheiten Österreichs-Ungarns, dem Grafen Goluchowski, in Venedig gefolgt. Somit ist in Venedig das bei der Neapeler Zusammenkiinft vermißte Schlußglied in der Kette des Dreibundes angereiht worden. Und der Ministerbegegnung in Venedig, welche eine Erwiderung des Besuches bedeutet. den Herr Tittoni am 9. April vorigen Jahres dem Grafen Goluchowski in Abbazia ab- stattetc, kommt eine um so größere Bedeutung bei, als auch der italienische Botschafter in Wim und der öster­reichisch-ungarische Botschafter beim Quirinal daran teil­nah mm.

Es handelte sich denn auch bei dieser Zusammen­kunft nicht bloß um einen Höflichkeitsakt, sondern, das ging schon aus der Länge der Unterredung zwischen dm Ministem hervor, um die Erörterung und Erledigung

FeniUetorr.

Me KoiWjMnen ?u Millers Werke»

stellt Max Friedlaender im Mäiheft der „Deutschen Rnndschau", das noch eine Reihe von wertvollen Bei­trägen zur Schillerseier von Ernst v. .Wildenbruch, Erich Schmidt, Alfred Gercke unid Julius Rudenberg enthält, in einer gehaltvollen Studie zusammen. Im ganzen zeigt sich, daß die Komponisten durch Schiller nicht zu so bedeutenden Kompositionen inspiriert worden sind wie durch Goethe: die Ursache findet Frie'dlaender darin, daß Schillers Lyrik „mehr Kunstpoesie als Naturpocsie ist, daß der Gedanke das Übergewicht über Anschauung urtd Er­fahrung hat, und daß der Glanz 'der Schillerschen Diktion dem Musiker nicht mehr viel zu sagen Ädrig läßt". Immerhin ist auch die Zahl der durch ihn angeregten Kompositionen nicht gering. An der Spitze steht Beet­hoven. Schon im Jahre 1793 erhielt Charlotte Schiller von Professor Fi'schenich die Mitteilung, der 23jährige Komponist wolle das Lied „Mn die Freude", und zwar jede Strophe, bearbeiten. Schiller hat aber die Vollen­dung der Komposition nicht möhr erlebt: erst im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts griff Beethoven die Aufgabe von neuem auf, ka'm aber nicht Wer den Ent­wurf hinaus, und nicht früher als 1823 koMMt er zu der Eigentlichen Komposition. Inmitten 'der ihn um- gSbeüden außerordentlichen Bedrängnisse schreibt er in sein Skizzenbuch die Worte: „Laßt uns das Lied des un­sterblichen Schillers singen", und er notiert stiach langen Ringen die endgültige Fassung im Finale der 9. Sin­fonie. Im übrigen hat Beethoven nur sehr wenig von dem ihm innerlich so nahe stehenden Dichter komponiert. Eine ganz kurze Skizze zum „Mädchen aus der Fremde" ist vorhanden, aus der „'Jungfrau von Orleans" hat er die Verse „Kurz ist der Schmerz und ewig ist die Freude" als dreistimmigen Kanon bearbeitet, und znm Gesang der Mönche aus dem „Tell" „Rasch tritt der Tod den Menschen ar " schrieb er eine kurze ergreifend« Ko'm»

Montag, den 1. Mai.

sehr ernster und wichtiger Fragen. Daß es mancherlei Reibungspunkte zwischen Österreich-Ungarn und Italien gerade in letzter Zeit gegeben hat, bas pfiffen die Spatzen von den Dächern. Es ist eine unbestrittene Tatsache, daß rtach bl»n Innsbrucker Studenten- kämpfen, die sich gegen die dortigen Italiener rich­teten, die österreichischen Garnisonen in Südtirol ver­stärkt wurden, während gleichzeitig die italienische Heeresverwaltung der Deputierteukammer neue Forde­rungen unterbreitete. Aber auch die Vorgänge auf den: Balkan, wo die Beruhigungsversuche iir Makedonien bisher versagt haben, verstärkten das Mißtrauen zwischen den beiden verbündeten Staaten. In Österreich-Ungarn hat man den Verdacht, daß Italien für den Fall einer Aufteilung Makedoniens auf die albanesischen Küsten- gegeitden spekuliert,. während man umgekehrt in Italien befürchtet, daß Österreich-Ungarn in diesem Fall die Posi­tion in Bosnien und der Herzegowina nach Salonikr verschieben möchte. Aus dem Verlauf der Zusammen­kunft in Venedig darf man wohl den Schluß ziehen, daß die Aussprache zwischen Tittoni und Goluchowski zu einer völligen Verständigung und zu einer Beseitigung des gegenseitigen Mißtrauens geführt hat. Hat doch Tittoni in seinem Trinkspruch betont, daß die Aussprache die „intimen Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und Italien" bekräftigt habe, und Graf Goluchowski hat die „vollkommene Übereinstimmung der Ansichten" hervor- gehoben, die „in den ausgezeichneten Beziehungen zwi­schen Italien und Österreich-Ungarn obwaltet."

Die Begegnungen in Neapel und Venedig und die dort gewechselten Trinksprüche sind geschichtliche Tat­sachen. welche kräftige Zeugnisse gegen die Ausstreuun­gen von französischer tind englischer Seite bilden, als ob der Dreibund im Sterben liege, während er sich doch in Wahrheit weit lebenskräftiger erwiesen hat als der Zweibund, der zurzeit wenigstens als politischer Faktor nahezu ausgeschaltet ist. Die Begegnungen in Neapel und Venedig werden aber auch die Franzosen darüber belehrt haben, daß ihr Versuch, Deutschland in dem Marokko-Streit zu isolieren itrtö Italien zu Frankreich hinüberzuzieheu, völlig fehlgeschlagen ist. Die irreigensten Interessen Italiens wie Österreichs-Un­garns, die ja beide ebenso wie Frankreich zu den Mittet- meermüchten zählen, zwingen sie, die Bestrebungen Deutschlands, die Freiheit des Handels in Marokko zu sichern, mit allen Kräften zu unterstützen, und dem. Traum Frankreichs, das Mittelmeer zu einem „französischen Binnensee" zu machen, entgegenzutreten. Wenn man in Frankreich gehofft hat, daß die Marokko-Frage den Drei­bund lockern werde, so wird man nunmehr erkennen müssen, daß gerade der Marokko-Konflikt miss neue die Notwendigkeit des Dreibundes und seine Bedeutung als Faktor zur Erhaltung des Weltfriedens aller Welt dar­getan hat.

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Position nieder, als die Nachricht vom Hinscheiden seines Freundes Krumpholz an ihn gelangte. Haydn, Gluck uns Mozart sind an den Werken Schillers wie überhaupt der zeitgenössischen großen deutschen Dichter achtlos vor- übergegangen. Schubert hat dagegen weit über 5» Kom­positionen zu Schiller geschrieben. Schon als Vierzehn­jähriger hatte er für das zweite und dritte Li öd, das er überhaupt in Musik setzte, Schillersche Texte gewählt, „Des Mädchens Klage" und „Eine Leichenpyantasie". Zu döm ersiereu hat er später noch ziwei weiter« Kompositio­nen geschaffen, wie überhaupt zu verschiedenen Liedern mehrere ausge'führte Entwürfe vorhanden sind. Allen seinen Kompositionen voran sicht die zweite Version der „Gruppe aus dem Tartarus": „unter seinen Händen ent­wickelt sich eine erschütternde Szene, die in ihrer sinstcrcn Großartigkeit über den tasteirden Versuch des Dichters weit hinausgeht." Theklas Gesang „Der EichwaD braust", den Schubert als Achtzehnjähriger komponiert hat, gehört seit seinem ersten Bolanntwcrden ziim eiser­nen Vestaüde der deutschen Hausmusik. Karl Maria von Weber hat nur eine Ouvertüre zu „Turandot" kompo­stiert: seine Komposition zu einer Umarbeitung von „Wallensteins Lager" ist leider verloren gegangen. Von seinem Namensvetter, dem Berliner Hoskaxellmeister Bernhard Anselm Weber, stammt eine der hübschesten volkstümlichsten Melodien, die «in Schillersches Gedicht gefunden hat: „Mit dem Pfeil, dem Bogen". Schillers Freund Johann Rudolf Zumstceg hat die erste Musik ge­schrieben, die Schiller zu einer seiner Dichtungen ver­nahm: eine seiner allerfrühesten Kompositionen, die Ge­sänge aus den „Räubern", ist mit Schiller von Stuttgart nach Mannheim gelwandert und dort im Jahre 1782 er­schienen. Zumstecgs Abschied Johannas „Lebt wohl, ihr Berge, ihr geliebten Triften" bildete das Entzücken un­serer Großeltern und erhielt sich bis in die sechziger Jahre in den LiedersaMmlüngen; auch den „Toggen- burg", „Mädchens Klage", „Erwartung" und sogar „Die Entzückung an Laura" hat er komponiert. Auch der treueste unter Schillers Freunden, Christian Gottfried Körner, betätigte sich, freilich mit wenig Glück, als schaffender

Redaktions.Ferrisprccher No. 52. 1905.

Venedig, 29. April. Der österreichisch-ungarische Minister des Äußern, Graf v. Goluchowski, ist heute vor» mittag 10 Uhr hier eingetroffen und wurde am Bahnhofs von dein Sekretär des Ministers Tittoni, dem Botschafter Grafen Lützom, und von >dem österreichischi-ungarischeir Vizckvnsul empfangen. Graf Goluchowski besucht heute nachmittag 2 Uhr Tittoni, der heute abend um 5 Uhv einen Gegenbesuch abstattet. Heute abend um 8 Uhr gibt Minister Tittoni ein Diner zu Ehren Goluchowskts.

wb. Venedig, 30. April. Bei dem Senator Graten Papadopoli fand gestern albend zu Ehren des Ministers GoluchowSky ein großer Empfang statt, bei dem Minister Tittoni, die Botschäfter Graf v. Lützriw und Herzog von Avarna, sowie die Spitzen der Behörden erschienen.

wb. Venedig, 80. April. Gras Goluchowsky ist heute nachmittag nach Wien zurückgereist. Mm Bahnhof hatten sich zur Verabschiedung cingesuniden Minister Tittoni, die Botschafter Gras Ltitzvw und Herzog Mvarua ttstv. Die beiden Minister nahmen äußerst herzlichen Abschied von- einander. Graf Golrrchvwsky sagte «wiederholt „Auf Wiedersehen!"

Mailand, 30. Ilpril. Ern nach Venedig entsandter Korrespondent des „Corriere della Sera" will von einem in Wiesbaden stationierten Diplomaten erfahren haben, Graf Goluchowski habe die Einwilligung Italiens haben wollen, daß Österreich auf Grund des Berliner Vertrages Novibazar besetze. Dem habe sich Tittoni widersetzt und erklärt, Italien würde das mit der Be­setzung von Durazzo und Vällona beantworten. Beide Teile hätten dann vereinbart, vorläufig keine Schritts auf dem Balkan zu unternehmen.

bä. Wien, 30. April. Das „Fremdestblatt" bespricht . an leitender Stelle die gestern zwischen Goluchüwsky und Tittoni gewechselten Trinksprüche unid spricht seine Be- friodigung darüber aus, daß in denselben der friedliche Charakter der österreichisch-ungarischen und italienischen Politik ganz besonders betont wird. Der Verlauf der Z'usaMMeniünft der beiden Staatsmänner beweise, daß der Dreibund in seiner alten Kraft fortbcstche, und daß Oiterreich-lliigarU und Italien in allen politischen Fragen in vollster übe re i nsti mmun g stehen, und daß Österreich-Ungarn und Italien vereint für eine ruhige Fortentwickelung der Verhältnisse im europäischen Orient tätig sind.

wb. Berlin, 30. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt in ihrer Wochenrundschau zu 'der Begegnung des Grasen Goluchowsky und des Ministers Tittoni in Venedig: Um die Bedeutung dieser Zusammenkunft zu «würdigen, braucht man sich nur zu vergegenwärtigen, wie oft und bestimmt das ,Bündnis zwischen den drei mitteleuropäi­schen Mächten in französischen Blättern und in einem Teile der englischen Presse totgesagt wurde. Seit Jahr und Tag waren eifrige Federn an der Arbeit, uniwiber» leglich nachzttweisen, daß die Tage des Dreibundes end­gültig gezählt seien, und daß Italien die Stunde herbei, sehne, daß es sich von den Fesseln dieses Bündnisses los->

M'usiker und ließ die „von allen Musen verlassenen"

Kompositionen zum „Mädchen aus der Fremde" und zu dem Liede „An die Freude" im Druck erscheinen. Ebenso war der Berliner Musikdirektor Karl Friedrich Zelter in seinen ziemlich zahlreichen Kompositionen zu Schillers Gedichten wenig glücklich: der Dichter selbst hat sich frei» lich über diese wie über die seines Freundes Körner geradezu begeistert geäußert, er war eben, wie er selbst einmal schrieb, in musikalischen Dingen ein „vollkomme­ner Laie": er forderte vor allem ganz einfache, schlicht be­gleitete Weisen, die die Deutlichkeit des Textes nicht be­einträchtigen sollten. Anspruchslose Melodien zu einem halben Hundert Schillerscher GÄichtc hat der Berliner Hofkapellmeister Johann Friedrich Reichardt komponiert. Karl Locwe setzte die „Hochzeit der Thetis", den „Gang nach dem Eisenhammer", die „Würde der Frauen" und den „Graf von Habsburg" in Musik: aber seine musika­lische Erfindung floß gerade bei Werken Schillers nicht so reich wie sonst. Von Spohr, Robert Schümann mtt* Mendelssohn liegen nur «wenige Kompositionen zu Schiller vor, unid cs sind nicht gerade ihre Scdeutenldstcu. Franz Liszt hat den Anfang des „Festgesangs an die Künstler" für Mannerchor, mit glänzender Instrumen­tation, komponiert. Ebenso behandelte er die Lieder NuS „Wilhelm Tell", und die letzte seiner großen sinfonischen Dichtungen betitelte er „Die Ideale, nach Schiller". Eine größere Zahl von Kompositionen sind zn Schillers Schau­spielen vorhanden: von Deutschen zählt Friedlaender

zur „Jungfrau von Orleans" elf ans, zu „Tell" dret, zu „Maria Stuart" zwei, zu „Wallenstein" eine, zu „Turan- dot" drei und zu „Demetrius" drei, darunter eine Szene der „Marfa" von Joses Joachim. Auch auf die fremden Komponisten haben Schillers Dramen stark gewirkt. Am berühmtesten ist Ro'Mnis „Guillaume Tell". Weniger crF'iOtreüfi war Verdi mit dem „Don Carlos", den „Masuadicri" (Räubers, „Lnisa Miller" und „Johanna D'Arc": airch Opern nach Schiller von Mercadantcs, Gallo, Baccaj, Montuoro usw. hielten sich nicht lange auf dem Repertoire. 'Weiter werden angeführt: von dem Dänen Baron v. Lüwenskjold eine Oper „Turandvt",