Einzelbild herunterladen
 

ss. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. BezugS-PreiS: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch dre Post S Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

21,000 Abonnenten.

Slnzeigen-Preisr

Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg.. für auswärts 1 Mk.

kür die Abend-Ausgabe bis 13 Uhr mittags, für die Morgen.Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags. Für die Aufnahme später einqercichter Anzeiacn zur näckst» Aimmzme erscheinenden Ausgabe, wie ,ur die Anzeigen-Aufnahme an bestimmt vorgeschricbenen Tagen wird keine Gewäbr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

|Jj), 1 ^ 0 . BerlagS-Fernsprecher R». 2988 .

B-ttnersiag, den 27. April«

Rebaktions-lt-ernivrecher No. 62

Morgen - Kusgabe.

1. ZZkcrtt. _

Iür Wcrr urrö Iurrr

auf das

Wiesbadener Tagblatt"

Zu abonnieren, findet sich Gelegenheit

ir« Mortag Langgasse 27 , bei den Ausgabestellen, den Zweig - Expeditionen

der Nachbarorte,

und bei sämtlichen deutschen Reichspostanstalten.

Die UegerrepulüiK Santo Domingo.

Präsident Roosevelt beschloß, den Antrag Scurko Domingos anzunehmen, dahingehend, daß der Gesandte der Unionstaaten einen Amerikaner ernenne, der die Zölle, so lange über das Protokoll vom amerikanischen Senat nicht entschieden ist, einsammelt. dem

Eurzlich abgeschlossenen Protokoll sollerr 55 Prozent der Einnahmen bei Banken angelegt werden, um zur Zah- luno der Schulden des Landes zur Verfügung zu stehen.

Das ist die erste Etappe zur Auslieferung Santo Domingös an Uncle Sam. Santo Domrngos Zukunft ist vornehmlich für Deutschland von hohem Interesse, ^enn hier stehen viele deutsche Interessen auf heni Spiele. In alleii Hafenplätzen der Insel, wie Kvp Haitien. Port-an-Prince, Port-de-Paix, St. Marc usw. sind Millionen deutschen Geldes angelegt. Besonders lind die deutschen Hansa-Städte interessiert. Dadurch gewinnt das Vorgehen des Panamerikaners Roosevelt für Deutschland ein großes Interesse,,, und es durfte bwle interessieren, etwas Näheres über die kleine ^gerrepublik zu erfahren.

Haiti, auch St. Domingo genaiint, wurde am 6. Dezember 1492 von Columbus entdeckt und von ihm Hispamola genannt. Der große Entdecker erbaute aus Haiti ein kleines Fort, die erste, Niederlassung der Spanier in diesem Weltteile. Die Länge der ^rrjel dhn Osten nach Westen beträgt ca. 100 deutsche Meilen, Esie Breite schwankt zwischen 10 20 Meilen. E» ist ?u Umfang etwa dem Königreich Bayern gleich. Hauc K nächst Kuba die reichste Insel der Antillen^ Das Laiid ist fruchtbar und erzeugt Kaffee, Katao, ^znoigo, Äauholz, Tabak und alle Sorten sudfruchte. Pferde- j-ud Rindviehzncht stehen aus großer Hohe und der Handel mit Häuten ist sehrp bedeutend. Erdreich und Gebirge bergen Marmor, Eisen, Kupfer, «ilber nur ^deutende Mengen von Gold. Das Meer ist sehr sisch-

FezrrUetorr.

Die dishengell ruifTenrcljaftltcljen ErWungell

i Die vjuuui

. Die Genickstarre, die jetzt wegen üires epidemischen Auftretens, übrigens nicht nur in Deutschland, >y viel ison sich reden macht, ist eine Krankheit, die zu oer Truppe der Gehirnhautentzündungen gchorr und unter Diesen eine ähnliche Stellung einnimmt wie ut arme Gelenkrheumatismus unter den übrigen Gelentent- iündunqen. Das Wesentliche bei diesen bewenstwant- seiten ist ihr epidemisches Auftreten. Die Gehirnhaur teilt die Umhüllung des Gehirns dar, die sich ni gleiche, ®eife als Umkleidmig des Rückeninarks fortjetzt. ^ie besteht aus einer serösen Oberfläche und einem "wirrner befindlichen losen Bindegewebe, das die Blutgefäße für >as Gehirn und das Rückenmark enthält. Daraus er- 4ärt es sich bereits, daß eine Erkrankung der Gehlrn- laut stets auch eine solche des Gehirns selbst bedeutet oie Krankheitskeime können auf verschiedene Art in besen Körperteil gelangen, entweder durch pa.v ciiit 'der durch den Übergriff ansteckender Vorgänge von 'enachbarten Organen. Hauptsächlich sind es drel^ebe- vosen ans der Gruppe der Bakterien oder eigentlich der Kokken, die zu solchen Krankheiten Veranlassung geben, »er koeumoooeeus, der Ktreptocaecis und der DipiO- °ccus intracellularis meningitidis. Aer letztere oirrde zuerst im Jahr 1887 von Weichselbauin beschrieben Md 1896 von Jaeger als Erreger der eprdem-lchen Gehirnentzündung oder der^enickstarre genannt., rer 4ipIococcn8 hat die vergleichsweise, gute EigeiNchaft, schwache Lebensfähigkeit zu besitzen, aber bieici lmstand bringt auch den Nachteil rmt sich, ba\] der üim schwer zu züchten und deshalb in feiner Entwrck- ung schwer zu studieren ist. Von sachverständiger Seite ist bereits darauf aufmerksam gemacht worden, ' das Auftreten vereinzelter Fälle von Genickstarre,

( reich, das Klima tropisch-warm, aber durch kühle See­winde wird es 'erträglich gemacht. Zur Regenzeit gibt es sogar unangenehme und gefährlich kalte Nächte.

Im Jahre 1533 war es den Spaniern bereits gelungen, durch ihre unkluge Grausamkeit die roten Ureinwohner, friedliche und sanfte Menscheii, etwa eine Million an Zahl, auszurotten.. An Stelle der Urein­wohner wurden Negersklaven eingeführt. Doch Mi) vernachlässigten die Bequemen Spanier die schöne Nieder­lassung, weil sie aus dem festen Lande von Amerika leichter Schätze gewinnen konnten.

Eben hundert Jahre später, 1630, ließen sich französische Abenteurer im westlichen Teil der Insel nieder. Im Lause von dreißig Jahren vermehrten sich die Franzosen auffallend, so daß sich im Jahre 1660 die französische Regierung der Niederlassung ernstlich annahm. Sie erzielte von Spanien im Jahre 1697 die Abtretung des westlichen Teiles der Insel. Jni Frieden zu Basel 1795 trat Spanien auch den östlichen Teil der fruchtbaren Insel an Frankreich ab. Um diese Zeit betrug die Bevölkerung des westlichen Teiles 600 000 Seelen, deS östlichen (spanischen) dagegen nur 150 006. Von diesen Einwohnern machten aber die aus Afrika herübergebrachten Negersklaven den größten Teil ans, fast eine halbe Million. Die Weißen gingen sehr oft Ehen ein mit Negerinnen, weit mehr als mit weißen Frauen und es entstand eine sehr große Anzahl von Mulatten, ,geit8 de conleur, wie die Franzosen sie nannten. So kam allmählich der größte Teil der Macht, des Geldes und des Landes in den.Besitz der Mulatten, die die besseren Eigenschaften der weißen und der schwarzen Rasse in sich vereinigten. Sie standen sfttlich, geistig und körperlich über den Spaniern und den Negern. Somit war es eine rratürliche Folge, daß die Mulatten ihre Überlegenheit fühlten und aus- nutzen wollten, zumal sich die in Frankreich durch die Revolution erweckten Ideen von der Gleichheit der Menschenrechte auch auf die westindischen Inseln ver­pflanzten.

Bis jetzt hatten nur die Weißen volle Bürgerrechte. Nun verlangten auch die Mulatten dieselben. Als Frankreich dieses verweigerte, griffen die Mulatten zu den Waffen. Sie begingen aber dabei den Fehler, daß sie sich mit den Schwarzen verbündeten. Es kam zu einem furchtbaren Bürgerkrieg. Wer von der weißen Bevölkerung nicht fliehen konnte, wurde niedergemacht. Am 13. Juni 1793 wurde die zweitgrößte Stadt Kap Franxais, das heutige Kap Haiti, von den Mulatten und Negern erobert und zerstört, weil es der Hauptsitz der weißen Rasse gewesen war. Der Nationalkonven! in Paris verlieh durch das Dekret vom 4. Februar 1791 den Negern in allen französischen Kolonien völlige Freiheit und gleiche Rechte mit den übrigen Einwohnern. Aber damit waren die Neger auf Haiti nun nicht mehr zufrieden, sie wollten ganz frei, ganz unabhängig sein,

wie es jetzt beispielsweise aus Rixdorf zu melden ge­wesen ist, wenig zu bedeuten hat, weil solche vereinzelte Erkrankungen in den meisten Ländern der geniäßigten Zone fast alljährlich Vorkommen. Die meisten Erfah­rungen sowohl mit solchen wie mit eigentlichen Epide- mien der Genickstarre hat man in den Vereinigten Staaten gesammelt, wo 1805 wohl überhaupt die erste derartige Epidemie zu beobachten war. Seitdem haben sich die Seuchen von Genickstarre in einzelnen Gebieten dieses Landes in verhältnismäßig kurzen Abständen wiederholt. Die Erkennung der Krankheit ist, auch wenn ihre .eigentlichen Keime nicht gefunden werden, ziemlich leicht, weil das Krankheitsbild eine gewisse Eigenart besitzt. Immerhin ist eine genaue Statistik über die Häufigkeit und Ausbreitung der Genickstarre noch ein dringendes Bedürfnis zu nennen. Vor allem wird man den vereinzelten Fällen eine höhere Aufmerk­samkeit schenken müssen, weil in ihnen die Erklärung für das plötzliche Auftreten von Epidemien zu suchen ist. Ter verantwortliche Diplococcus geht unter Trockenheit und starker Belichtung rasch zugrunde, unter den gegenteiligen Umständen aber, also beispielsweise in einem so feuchten und sonnenlosen Winter wie dem lesitvergangencn, vermehrt er sich vermutlich so stark, daß dadurch das Entstehen einer Epidemie erklärlich wird. Überhaupt sind diese Epidemien im Spätwinter und Frühling am häufigsten und. befallen vorzugsweise junge Erwachsene nitd Kinder. Oft werden die ersten Erkrankungen in den Garnisonen bemerkbar. Glück­licherweise breiten sich die Epidemien gewöhnlich nicht schnell aus und bleiben vielmehr aus ein kleines Gebier beschränkt. Gleich andern ansteckenden Krankheiten ist die Genickstarre übertragbar, dach weiß man noch nicht genau zu. sagen, auf welchem Wege. Einige Sachver­ständige schreiben die Ansteckung hauptsächlich der Über­tragung des Keims durch die Luft zu, andere ausschließ­lich der durch unmittelbare Berührung, Infolge de, Abschließung des Krankheitsvorgangs in einem inrrern und wenig zugänglichen Teil des Körpers ist die Gefahr

auch von Frankreich. An der Spitze der unzufriedenen Neger stand Toussaint l'Ouverture, der am 9. Mai 1801 der Insel eine eigens Verfassung gab, durch welche ev selbst zum lebenslänglichen Statthalter ernannt, fotoie alle Sklaverei auf ewig abgeschafft wurde. Die Freude dauerte aber nicht lange.. Neun Monate später landete der französische General Leclerc mit 26 000 Mann auf Haiti. Die drei schwarzen Führer Toussaint, Dessa- lines und Christoph waren nicht einig und wurde» unterworfen,

Toussaint l'Ouverture wurde nach Frankreich ge> bracht und starb dort im Kerker. Die Sklaverei wurde auf Haiti wieder eingeführt. Das reizte aber die Neger so sehr, daß Dessalines ein großes Heer sammeln und die Franzosen völlig vernichten konnte. Am 8. Oktober 1804 ließ sich Dessalines zum Kaiser von Haiti aus- rufen unter dem Namen Jakob I. Zwei Jahre später brach eine Revolution ans und Jakob I. wurde ermordet. Es folgten noch mehrere kleine Tyrannen, bis Haitr im Jahre 1821 als Republik, als Megerrepublik erklärt rmd anerkannt wurde.

Der erste Präsident Boger, der die ganze Insel unter sich hatte, regierte glücklich und lange, bis zum Jahre 1843. Tann Vertrieb auch diesen tüchtigen Mann eine Revolution, Im Jahre drauf riß sich der spanische Teil wieder los und errichtete unter dem Namen San Domingo die östliche Republik, etwa 800 Quadratmeter groß mit Million Einwohnern. Der französische oder westliche Teil nannte sich Republik Haiti oder Negerrepublik. Dieser Teil umfaßte zwar nur 560 Quadratmeter, zählte aber % Millionen Ein­wohner. Hier im Westen ist auch der Sitz des Verkehrs mit dem Auslande. Die Einrichtung dies Landes ist nach französischem Muster getroffen worden.

Von 1844 bis 1847 folgten sich schnell viele Präsi­denten, .bis Faustin Soulouque das sfluder ergriff. Er war ein echter Vollblutneger, der nicht nur die Weißen haßte, sondern auch die Mulatten. Er verfolgte fahre- lang Weiße wie Mulatten und rottete sie beinahe aus. Im Jahre 1849 'nahm er den Käisertitel an und ent- faltete einen ebenso kostspieligen wie lächerlichen Pomp. Er wollte den abgefallenen Teil, die Republik Sau Domingo, wieder unterwerfen, wurde aber wiederholt geschlagen und schließlich im Jahre 1859 vertrieben.- Hierauf wurde die Republik wieder hergestellt, deren erster Präsident Gefsrard war, ein Mulatte. Er be­hauptete sich bis 13. März 1867; dann wurde er ge­stürzt. Die Republik blieb zwar, aber es blieben die ewigen Unruhen auch. Vis heute hat Gefsrard mehr als ein Dutzend Nachfolger gehabt.

Es ist schade, daß das Klima den Europäern auf die Dauer nicht zuträglich ist, das gelbe Fieber rafft die meisten weg.

Mit dem Eingriff des Präsidenten Roosevelt werden Zwar geordnete Zustände eintreten, wird aber auch die

der Ansteckung wahrscheinlich verhältnismäßig gering- immerhin fehlt es nicht an Beispielen, daß in einer Familie mehrere Personen nach einander von der Genick­starre ergriffen wurden, obgleich die Übertragung der Krankheit auf Ärzte oder Wärter in Krankenhäusern nach den in Amerika gesammelten Erfahrungen mit einer Ausnahme niemals vorgekommen sein soll Die Krankheit setzt meist plötzlich ein und beginnt mit stärkend Kopfweh und Schmerzen im Halse und im Rücken wozu bald cm Gefühl der Steifheit in den Muskeln hinzu- tritt. Bei Kindern können sich auch Krämpfe einstellen Zuweilen geht eine kurze Zeit allgemeinen Übelbefindens voraus, das mit einem Frostschauer endet. Die Tempe- ratur des Körpers steigt, während der Puls verhältnis­mäßig wenig beschleunigt, aber unregelmäßig wird. Andere Merkmale sind Erbrechen, Delirium, Verwirrung des Bewußtseins, Lähmung verschiedenen Grades und .verschiedene Arten von Hautausschlag. Der Verlauf des Leidens ist in tödlichen Fällen ein sehr schneller und spielt sich in wenigen Stunden oder doch in wenigen Tagen ab. Bei weniger heftigen Erkrankungen kann sich die Wiederherstellung doch sehr lange hinziehen 3laä) dem Tod findet sich die Harrt um das Gehirn wie nur das Rückenmark mit Blut überfüllt und von Eiter durchsetzt, mich die Gewebe des Gehirns und des Rücken­marks selbst zeigen bis auf seltene Ausnahmen betracht, lrche Verletzungen, an denen namentlich die zweiten fünften und siebenten Kopfnerven, sowie die Wurzeln der Nerven des Rückenmarks beteiligt sind. Lungen- entzündung ist eine häufige Komplikation bei Genick- starre. Auch Nase rmd Rachen können von der Ent- zündnng ergriffen werden, rmd die Sinne des Geruchs und Geschmacks konnnen in Verlust. Auch völlige Taub­heit stellt sich oft durch eitrige Entzündung des Ohr- labyrinths oder des Gehörnerven als Folgeerscheinung ein. Damit auch das vierte bedeutende -Sinnesorgan nrcht fehle, werden auch die Augen oft von schweren Entzündungen ergriffen oder die Augenmuskeln ge­lähmt, ferner entzünden sich häufig die Gelenke Die