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53 . Jahrgang.

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Ho. 175.

Berlags-Fernsprecher No. 2958.

Donnerstag» den 13. Ipxii.

Redaktions-Fernsprecher No. 52. 1^03.

Morgen - Kusgabe.

i. iäCaft. _

Ein otkliZatorischer Spieinachmittug an den deutschen schulen.

< In dem 1904 veröffentlichten WerkeWehrkraft furch Erziehung", herausgegcbbn von E. von Schencken- und 1)i>. Lorenz, sind die großen vaterländischen Ziehungen der Spielbewegung zur deutschen Wehr- ds?st von einer Reihe hervorragender Pädagogischer und 'Mitärischer Fachmänner einheitlich zur Darstellung ge- ^cht und zugleich die erziehlichen Wege bezeichnet, auf Elchen die der Wehrkraft zugrunde lregenden törper- .Jwtt und sittlichen Eigenschaften irr der Heranwachsenden Zagend entwickelt werden können. Ein besonderer «Uusschutz zur Förderung der Wehrkraft durch Er- s.?hung" hat die Aufgabe'übernommen, diesen Vater- indischen Gedanken weiter zu verfolgen und die in dem spannten Werke zum Ausdruck gekommenen Leitsätze ckfr den maßgebenden -Stellen in Staat, Gemeinde und /Mule allmählich- zur Durchführung zu bringen. Und seitens ist in einer von dem Zentralausschuß in Ge- ^ kurschaft mit dem deutschen Turnlehrerverein anläßlich Guts Muts-Enthüllungsfeier zu Quedlinburg nvge- ^Wenen Versammlung die Forderung eines- allgemeinen U gato rische n Spielnachmittags an den deutschen schulen aufgestellt und eingehend begründet worden. S le beiden Berichterstatter. Studien-Tirettor Professor ,^ch>dt in Leipzig und Professor Dr. E. Kohlrausch in o chuwver, hatten der Versammlung die nachstehenden ^sätze, die einmütig Annahme fanden, unterbreitet:

G -1. Die Jugendspiele sind in gesundheitlicher und Pehlichex Hinsicht von großem Wert. 2. Die Schule iti'-'u Augendspiele in ihre Pflege nehmen,und zwar ' wl bloß gelegentlich. sondern grundsätzlich und in -l ordneter Weise" (Erlaß des preußischen Kultus- WNisteriums vom 27. Oktober 1882). &. Für jede

"laben- wie Mädchenschule (bezw. Spiclabteilung) ist Spielnachmittag mit allgemein verbindlicher Beteili- lug einzurichten. Dauernde Befreiung darf nur auf A-Mche Bescheinigung geschehen. 4. Jeder Schule mutz 7 n Leeigueter -Spielplatz zur Verfügung stehen. Für d, .^hlelgeräte sorgt die Schule. 5. Eine Spielaufsicht M^Lehre.r ist notwendig. Tie Aufsichtsstunden sind Z Pflichtstunden anzurechnen oder besonders zu ver- ^llen. g. Der Spielnachmittag kann gelegentlich zu Jllrnmärschen, Baden , und Schwimmen, Schlittschuh- Jollen und dergleichen ^verwendet werden. Unter dieser Maussetzung ist der Spieln-achmiltäg durch das ganze Mr. durchzuführen. 7. Die noch entgegenstehcndcn Schwierigkeiten müssen überwunden werden, um die für

Feuilleton.

Tiere bei der Mahlzeit-

Bon Dr. Th. Zell.

y. Daß die Kenntnis der TicreigenMmlichkciten für den "agex vy,, großer Bedeutung ist, sieht jedermann ohne cttereg ein. Daß aber diese Kenntnis auch für den Piksten von Wichtigkeit fein kann, ist nicht ohne iveitc- Kg einleuchtend. Trotzdem ist cs der Fall. Gerade ein *«vzetz, von dem mir türzi-ich ein befreundeter Anwalt ^ wählte, gibt mir Anlaß, über Eigenarten der Tier«e bei Mahlzeit zu sprechen.

Der Sachverhalt ist kurz folgender: Der Kutscher Speditionsgeschäftes war den Hinterfüßen eines lerdes, das gerade mit Fressen beschäftigt war, zu nahe - tonmien. Plötzlich schlug der Gaul aus und verletzte Kutscher erheblich. Dieser klagte auf Zahlung einer . msch«ädig«ung gegen die Geschäftsinhaber. Die «Beklag- n' erhoben den EiNmaud, daß Klüger sich selbst einer HMrlüssigxeit schuldig gemacht habet denn es sei ein alter ^ 'fahrungssatz, daß man sich bei einem fressenden Pferde ' f Ausschlagen gefaßt machen müßte.

P. Da ^>n Richtern von solcher Eigentümlichkeit der nichts bekannt «war, so wandte man sich an den . ^.'verständigen. Dieser jedenfalls war es der aus- ^Zeichnete «Pse rösten n er Major Schoenbeck bestätigte n,p..Zugaben der Beklagten, was, wie wir später sehen ^öen, vollkommen zutreffend ist. g» Äetzt «wurde von den Vertretern des Klägers fol- Ms geltend gemacht: Das Sachverständigen-Urteil be- Ä ht sich niizwe'ifelhaft bei einem alten Militär nur ans ^ mutigen Kavalleriepferde. Bei dem Gaul eines Speditionsgeschäfts sei jedoch die Sache ganz anders,- da u»e kein Mensch ans Ausschlagen gefaßt sein.

«i der Prozeß geendet hat, habe ich nicht erfahren, «p kann ich nicht die Richtigkeit der Einzelheiten ver- argerr. Mir kommt cs lediglich auf das böstritkene -^irzip an. Tiefes lautet: Ist bei fressenden Tieren,

das Vaterland notwendige kräftige Generation heran- zubilden."

Diese Verhandlungen sind gegenwärtig den sämt­lichen llnterrichtsm-inisterien und obersten deutschen Schulbehörden (103) wie beit Magistraten der größeren und mittleren deutschen Städte.(864) mit der Kitte übermittelt worden, diese, zeitgemäße Forderung allmäh­lich in den. Schulen zur. Geltung bringen zu wollen. Denn , wird kün ftig in allen Schulen neben dein seit­herigen Turnen, abwechselnd für die einzelnen Klassen, 'eine besondere freie Zeit geschaffen, und . diese auch mir häuslichen Arbeiten nicht belastet, so wird die körper­liche Erziehung mehr zu ihrem Rechte gelangen, ja ein wahrer Jungbrunnen für das Heranwachsende Geschlecht geschaffen werden. Zugleich aber wird der immer lebendige Tatendrang der Jugend in geordnete Bahnen geleitet werden, womit sie vor mannigfachen Verirrungen geschützt wird.

In dem diese Forderung ausführlich begründenden Anschreiben des Zentralausschusses ist von ihm, für Orte 'mit mehreren gleichartigen Schulen, das Vorgehen zu­nächst an einer einzigen Lehranstalt oder Volksschule empfohlen, und zwar an einer solchen, bei der die -Ver- hältnissE für diesen Zweck durch die Geneigtheit der Lehrerschaft, die Spielplatzfrage und das Vorhandensein von geeigneten Lehrkräften besonders günstig liegen, damit hier grundlegend eigene Erfahrungen und Vor­kämpfer gewonnen werden. Erst dann ist weiter Vor­züge/ en. So wird, ja muß der obligatorischen Ein­richtung- eine längere freiwillige Beteiligung vor-ans- gehen. Die spätere Berbindlichkeit zum Besuch der Spiele ist aber notwendig, da die Sache ohne diese An­ordnung der Behörden wenn überhaupt, so doch nur sehr . langsam weiter käme und die mannigfach jetzt wir­tenden freiwilligen Kräfte schließlich erlahmen würden. Zur Gewinnung eines authentischen Materials über den Fortgang dieser Maßnahmen, denen der Zentraläusschutz eine große Bedeutung beimißt, heißt es in dem be­treffenden Schreiben des .Zentralausschusses weiter, wäre der Zentralausschuß den Magistraten sehr dankbar, wenn sie ihmnach Jahresfrist eine Mitteilung über die bis dahin etwa emgel mieten Schritte" zugehen lassen würden. Boi: der Geschäftsführung werden einzelne Exemplare der Schrift:Ein obligatorischer Spielnachmittag an den deutschen Schulen, 30 S." frei abgegeben, während größere Partien für den Selbstkostenreis Von 20 Pf. das Stück direct von der Druckerei derGörlitzer Nach­richten und Anzeiger" zu Görlitz postfrei bezogen werden können. Die gesamte Geschäftsführung des Zentral- ausschusses, die seither im wesentlichen noch mit der Leitung desselben verbunden war, ist zur Entlastung derselben jetzt an den Studien-Direktor Professor Raydt in Leipzig übergegangen.

Der preußische Kultusminister Dr. Studt hat in einer am 13. April im Abgeordnetenhause gegebenen

speziell bei Pferden, Vorsicht geboten? Die Antwort wird sich aus dem nachstehenden ergeben.

Wie übel es selbst gezähmte Tiere nehmen, falls Man ihnen .ihr Futter entreißen will, .ersieht man daraus, daß die meisten Hunde knurren, »erat ihnen der eigene Herr einen Knochen fortne'hmen will. Vor Jahren wurde tm Berliner Zoologischen Garten ein Wärter -von einem großen Elefanten getötet, und es wurde als Beweggrund der Tat angeführt, daß bas sonst frle'dltche Tier eine Bewegung des Mannes mißverstanden hatte und tu die 'irrige Meinung pevfetzt war, der Wärter wolle das Mutter wieder sortnchmen. .

Professor Seiler, der vor einiger Zeit den P-cto- ponnes bereiste, erzählte in einem Berichte, daß er von feinem Maultier, dem er sich näherte, als es gerade Leim Kressen war, durch einen Hnfschlag nicht unerheblich ver­letzt wurde. -Er war nicht wenig erstaunt darüber.

«Liegt zu diesem -Erstaunen ein berechtigter Anlaß vor? Gewiß nicht. Jedes Tier, namentlich eins, das in Herden lebt, muß um 'seiner Existenz willen seine Beute oder Futter mit allen Mitteln verteidigen. Ein Tier, das sich von seinen Artgeuosscn etwas ohne Kampf sortnehmen läßt, ist dem Untergänge geweiht.

Hieraus erklären sich eine Reihe von Handlungen, die aus den ersten Blick merkwürdig erscheinen, in sehr einfacher Weife.

-Biele Hundearten, -z. B. Bullenbeißer, packen so fest zu, daß man sie mit dem gefaßten «Gegenstände, z. B. einem Stock, herltmschleudern kann, ohne daß.sie an 'Los­lassen denken.

«Fast immer muß sich die Hyäne mit ihren Genossin­nen um die ekelhäften Reste eines Aases balgen. Des­halb ist auch ihr der Grundsatz, unter keinen Umstünden ihre Beute loAzulassen, ganz besonders fest eingeprägt. Ich will mich zunächst auf Brchm berufen, der darüber folgendes schreibt: «Bon der Beute, die eine Hyäne ge­faßt hat, läßt sie sich nicht wieder abtreiben, sic nimmt ivenigstens ein Stück davon mit, uüd was sie einmal im Rächen trägt, gibt sie lebendig nicht wieder her, selbst wenn sie geWggett oder foWrvse gerpiMübelt werbe»

Antwort auf -meine bezügliche Anregung d-argelegt, daß er hoffen tonne, eine solche besondere Zeit für die Pflege der Spiele frei machen, zu tonnen, und in etwa gleicher Weise hat das bayerische Krütusministerimn in einem vor Jahresfrist veröffentlichten Erlaß hierzu Stellung genommen, so daß die beiden größten Bundesstaaten in -dieser für die Erstartung unserer Jugend- hochwich­tigen Frage voranmarschieren. Auch lassen zahlreiche bereits vorliegende Antworten der Behörden und Städte auf die vom Zentralausschuß gegebene Anregung etne überaus sympathischen Aufnahme erkennen, uno-.auch der Vorsitze n-d-e der Deutschen Turnerschaft, Dr. ineck. -Goetz in Leipzig, zugleich Mitglied des Zentralausschusses, hat in einer der letzten Nummern derDeutschen Turn- Zeitung" die weitesten Turnerkreise zur Förderung der Sache aufgefordert, -so läßt sich eine gesunde Ent­wickelung dieser Bestrebungen erhoffen. Zur späteren Durchführung wird in einer Reihe von Bundesstaaten eine besondere ministerielle Verfügung und in anderen eine Gesetzänderung notwendig sein.

Soll -dieses Ziel aber wirklich mit der-Zeit erreicht werden, so ist die tätige Vkitwirkting aller notlnendig, die in Staat, Parlament. Gemeinde, Vereinen und in der Presse tätig sind und die Bedeutung einer solchen erziehlichen Einrichtung überblicken. Schon seither haben dem Zentralansschuß viele dieser Männer in allen Lnüdesteilen helfend zur Seite gestanden, weshalb es auch möglich gewesen ist, die grundlegenden Arbeiten des Zentralausschusses schon nach der verhältnismäßrg kurzen Zeit voir noch nicht anderthalb Jahrzehnten znm Abschluß bringen zu können. Aber diese Zahl mutz noch, besonders. -auch aus Ärzte- und Lehrerkreisen, er­heblich zunehmen, wenn dieser Jungbrunnen, der unserer Jugend so nottut, geschaffen werde» soll. Möchte dieses schöne Ziel, das mit seinen Früchten in jede Familie hineinreicht, zu -gutem^ Evtzq geführt werden, zum Ge­deihen der JirgeuT zur - Erhaltnng und .Stärkung der nationalen Wehrkraft und zur Wohlfahrt des Volkes!

E. v. S ch e n ck'tz n d o r f f , 'Vorsitzender des Zentral» auSschusses.

fit UMMMMrerMgen der GegelMtt.

Die V o l k swoh l-B e«st r e bu n g e> t haben eine iilter- n-ationäle Verbveitun-g unter allen Kulturvölkern gefun­den itit'5 sind dem deutschen Volke schon durch Schillers Zuruf:Alle Menschen werden Brüder!" in seinem Liöd an die Fr ende sympathif-ch gcw-ord-en. J'm Jahre 1880 gab die Begründung des Deutschen Vereins für Armenpflege uild Wohltätigkeit nicht bloß der Avmen» fürfv-r-ge, sondern auch der Wohlfahrtspflege überhaupt cinett neuen Anfschiw-ung. Man lernte in dem Mafsen- verbralu-ch- des Alkohols eine Hailpturs-ache der Ver» armung erkennen und begründete 1883 den ^Deutschen

sollte. Man konnte sich aber auch in Berlin von der Wahrheit dieser Behauptung überze-ugLn. 'Im Zoologi» sch-en Garten finden die sehr interessanten Vorführungen der Ranbtierspielschule statt. Unter den S-chailfP-ielen be­findet sich auch folgendes: Inspektor Haiveman'il gibt einer Hyäne einen großen Holzlöffel und- wendet- min alle Kunstgriffe an, ihr diesen zu entreißen, Schlagen, «Stoßen, Zerren, auf den Rücken av-erfen, Unfd-rc'heu, alles ist vergeblich, die Hyäne hält ihren «Löffel fest.

«Solche Grundsätze, sich- niemals etwas entreißen zu lallen, gehen den Tieren so in Fleisch und Blut über, daß sie selbst dann daran festhalten, wo sie au-geüscheinlich töricht sind. «Mit wahnsinnigem Hunger kann man sie nicht evtlären, denn die Hyäne kann doch beisplelsiweise den -Löffel so weing fressen, wie der Hund den Stock.

Betrachten w-ir nun non diesem Standpunkte folgen­den Bericht über den Fang von Assen.

Am Or-inoeoslusse in Südamerika bedient man sich eines sonderbaren Mittels, die Assen zu fangen. Die Assen flüden alle einen sonderlichen Geschmack an dem Maiskorn. Davon tut man nun etwas in ein Gefäß, das einen langen und zugleich sehr engen Hals hat, so daß ein Affe nur eben die eine Pfote hineinbringen- karar. Und dieses Gesäß stellt man dann unter einen Baum, worauf man einen Affen sitzen sieht und geht davon. Kaum hat der Affe cs bemerkt, so steigt er herab, steckt sein Pfötchen in den engen Hals und nimmt eine Hand-voll Mais vom Boden auf. Nun kann er äb«er die geschlossene Pfote nicht wieder zirrückziehen, und sie Mlf- m-achen und -den Mais, dessen er sich einmal bemächtigt hat, wieder fahren zu lassen, dazu kann er sich änch nicht entschließen, cs koste, -was es rp-ollc. Er fängt also ein klägliches Geschrei an, -als wenn er in großen Nöten wäre, ungeachtet -es nur bei -ihm steht, sich wieder frei zu machen. Aber feine Begierde nach dem Mais ist so groß, daß er sich lieber töten, als seine Beute fahren läßt. Die Jäger versichern, niemals erlebt zu haben, daß auch nur ein einziger die Pfote ausgemacht hätte, um sich durch die F-luckt zu retten.

Wüs zunächst die Glanbwürdig'ke'it «des Berichts be«