Wiesbadener Tsgblstt.
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Dj». 151» Bcrlags-Ferusprecher No. 2388.
Morgen - Kusgabe.
1. MLcrtt.
Iür: öcrs 2. HircrvtcrL 1905
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Ita AkMdellergefetz in der KonmWn.
P. Berlin, 28. März.
Zwischen Übereilung und Versäumnis liegt unseres Lebens tief Geheimnis! So^ zitierte gestern der Reichskanzler oder vielmehr in diesem Fall der preußische Ministerpräsident Gras Büloro, als ihm im Abgeord- netenhause von der einen Seite Übereilung" und von der anderen Seite Versäumnis bei der Einbringung der Berggesetznovelle oder des Bergarbeitergesetzes, wie es allgemein betitelt wird, vorgeworfen wurde. Vielleicht wird es der preußischen Regierung mit der Gesetzes- vorlage selbst, die den Bergarbeitern noch lange nicht weit genug, den Kreisen der Bergwerksbesitzer aber viel zu weit geht, ähnlich ergehen, indem sich nämlich trotz der Opposition von rechts und lin-ks in der Mitte eine breite Basis für das neue Gesetz finden wird.
Wenn man die gestern und heute im Abgeordneten- hanse gehaltenen Reden, deren Endergebnis die Verweisung der Gesetzesvorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern war, rein äußerlich betrachtet, dann könnte man in bezug auf ihre Aussichten leicht zu einem ungünstigen Ergebnis kommen. Wenn man aber das Fazit der ersten Lesung etwas genauer zieht, so ergibt sich, daß zwar von konservativer, Preikouservativer und nationalliberaler Seite eine sehr rückhaltslose, von seiten der beiden s r ei ko n se rv al iv en Redner v. Zedlitz und Vorster sogar eine ganz ungewöhnlich scharfe Krsiik an b>er. Art und der Zeit der Einbringung der Vorlage geübt worden ist, daß aber doch nicht ein einziger Redner, geschweige denn eine der Parteien, rund heraus verbündet hat: Wir machen nicht mit! Der,Umstand, daß ibie Vorlage einstimmig an die Kommission verwiesen worden ist, und daß alle Redner erklärt haben, in der Kommission an der Vorlage Mitarbeiten zu wollen, zeigt, daß das Unwetter, welches sich in der gestrigen und noch mehr in der heutigeil Sitzung des Abgeordnetenhauses
Dorrnersiag, drn 30. Miix;.
gegen Me Regierung und ihre Berggesetznovelle entlud, zum Schluß doch nicht viel wehr als ein in etwas heftigen Formen aufgetretenes Wetterleuchten war. -
Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man die Stellungnahme der Redner zu den einzelnen Forderungen des Gesetzentwurfes betrachtet. Was die Einführung eines sanitären MaiimakärheltZtages und - die Regelung der Über- utid Nebenschichten betrifft, so sind zwar von den Rednern der Heiden konservativen Parteien und. der Nationalliberalen im einzelnen - mancherlei Bedenken geltend gemacht worden, aber eine, runde und grundsätzliche Wlohnung dieser ■ sozialPoMschen MaßnahtNen hat doch kein Redner ausgesprochen.'. Ebenso sind dem berüchtigten Wagennullen, das die: Hauptursache oder richtiger gesagt den Hauptanlaß zum Ausbruch des Bevg- arbeiterstreiks im Ruhrrevier bildete., keine unbedingten Verteidiger erstanden. Und die meisten RedWr hwen sich sowohl mit dieser Maßnahme wie mit einer. Regelung des Strafgelderwesens einverstanden erklärt, das sich in der Tat mehrfach zu einem Unwesen aicsgehildet hat.
Die meisten und entschiedensten Einwände sind von seiten der beiden konservativen Parteien gegen die vor- geschlagens Einrichtung der ArÜeftevauKschüsse erhoben worden. Aber selbst der Wortführer dex Konservativen, Herr v. Heydebrand, hat Liese Forderungen keineswegs unmittelbar verworfen, sondern nur verlangt, daß sie „nicht Mittel des sozialistischen Terrorismus werden"; und seitens der nationalliberälen Partei ist unter gewissen Kautelen ausdrücklich das Einverständnis Mit der Einrichtung von Arbeiterausschüssen zum Ausdruck gebracht worden.
In der Kommission dürften die Anstrengungen derjenigen Parteien, welchen die Vorlage nach den Erklärungen ihrer Wortführer in manchen Punkten zu weit geht, yor allen Dingen darauf gerichtet sein, die Bestimmungen üher die Festlegung des sanitären Arbeitstages abzuschwächen und die Einrichtung, sowie die Tätigkeit der Arheiterausschüsse rnöglichst einZuschränken. Es wird abzuwarten sein, inwieweit einmal das Zentrum, für das ja nach den Erklärungen seiner Wortführer der Gesetzenüourf das Mindestmaß der den Bergarbeitern zu gewährenden Zugeständnisse bildet, sind wie weit vor allem die. Regierung geneigt sein wird, auf Wanderungen ihrer Vorlage- einzugehen.
Jedenfalls steht eines fest, daß die Regieruira, ange- sichts der starken Stimmung, die innerhalb der Bevölke- rnng nahezu allgemein für die Durchführung der vorgeschlagenen sozialpolitischen Reformen im Bergbau vorhanden ist, schwerlich Neigung haben dürste, sich die Rosinen oder auch nur einen Teil derselben aus ihrem gesetzgeberischen Kuchen nehmest zu lassen; um so mehr, als die in der Vorlage ausgestellten Forderungen weder unerfüllbar sind, noch die Kassairdra-Prophezeinngen über den zu erwartenden Niedergang des Bergbaus rechtfertigen.
Dazu kommt, daß die preußische Negierung den Bergarbeitern gegenüber jedenfalls die moralische Verpflich-
ReLaktions-Ferusprecher No. 82. 1905.
tung übernommen hat, zu tun, was in ihren Kräften steht, um die von ihr in Aussicht gestellte Reform in die Tat umZusetzen. Die Dinge liegen aber hier so, daß wenn der Weg der Landesgesetzgebung versagen würde, der Regierung nicht nur der Appell an den Reichstag übrig bliebe, sondern daß sie eigentlich moralisch gezwungen wäre, diesen letzten Ausweg zu ergreifen. Es' dürfte sich freilich kaum eine Notwendigkeit für diesen „Notausgang" ergeben.
Der preußische Dergnrbeitrrtnz.
K. Es trifft sich gut, daß unmittelbar neben den Be- ratungen über die Berggesetznovellen im preußischen W'georduetcuhcmse die Bergarbgiter aus ganz Preußen in Berlin sich versammelt haben, um ihrerseits zu den Vorlagen Stellung zu nehmen, da sie ja auf das Dreiklassenparlament selbst sehr wenig Einfluß haben. Dis Bergarbeiter tagen im Gewerkschaftshause, einer sozialdemokratischen Gründung. Die Christlichen hatten gegen die Wahl des Lokals Bedenken erhoben, aber schließlich haben sie sich gefügt, weil ihnen die Räume hier unentgeltlich zur Verfügung standen, während sonst in Berlin die Mietskosten dafür ziemlich hoch sind. Jedenfalls hat die Regierung die Wahl des Lokals wohl msi als Vorwand benutzt, um nicht zu erscheinen. Das Handelsministerium hat erklärt, es sei mit Geschäften überlaste^ das Reichsamt des Innern hat geantwortet, das Bergrecht sei Wichsrecht. Auch von bürgerlichen Abgeordneten sind recht wenige anwesend. Man sieht die Herren Trimborn, Hitze und Stötzel vom Zentrum, ferner dis Wg. Gothein und Lattmann und Breiski. Dabei Muß man gestehen, daß es für die bürgerlichen Abgeordnäen, die jetzt über die Bergarbeiterverhältnisse Gesetze machen», gar keine günstigere Gelegenheit gibt, als hier zu hospitieren.
Die Delegierten wurden zunächst begrüßt vom 3E&&, Körsten im Namen der Berliner Gewerkschastskvm- mission. Er sprach den Bergarbeitern die Anerkennung der deutschen Arbeiterschaft aus wegen ihrer musterhaften Disziplin beim Streik und des rechtzeisigen Astbruchs. Dies war ein deutlicher Hinweis auf die sozialdemokratischen Kritiker, denen der Streik nicht lange genug gedauert hat. Die Leitung der Verhandlungen wurde 6 Mitgliedern der Siebenerkommission in die Hand gegeben und einem Delegierten eines andern Bezirks. Als Vorsitzende fungieren Sachse und Effert,
Den ersten Vortrag hielt Otto Hue, Redakteur dev Bergarbeiter-Zeitung, über die Berggesetzgebung im allgemeinen. Hue ging ausführlich ein auf die gewaltige Revolution im deutschen Bergbau in den letzten 80 Jahren. Vor 50 Jahren sei die staatliche Kontrolle im Bergbau noch außerordentlich stark gewesen. Soweit wolle man zurzeit sie keineswegs ansdehnen. Aber die Bergbaufreiheit, die die 60er Jahre gebracht hätten, müsse entschieden eingedämmt werden. Sodann befaßte er sich etwas eingehend mit den einzelnen Be-
fntillefcm-
(Nachdruck verboten.)
Vom ItcmDfegen.
Licht, Sauberkeit und Luft, das ist es, was die Ärzte, was alle, die der öffentlichen Gesundheit rhre Arsimerk- samkeit widmen, vor allem fordern, damit Per Körper kräftig und gesund bleibe. Wenn jetzt die SterblrMert so wesentlich'zurückgegangen trotz der wen nwyr uder- aifftrengten Nerven, wenn es gelungen rft, ,dre Epioemren teils ganz auszurotten, teils auf einen geringen Herd zu beschränken, so ist dies zum größten Teile dem Umstande zuzuschreiben, daß die hygienischen Bedingung^ weit günstigere geworden sind, Licht und Luft m ötonen dringt, wo sonst Dunkelheit und llnsauberkeit herrschte.
Aber noch ist in dieser Hinsicht natürlich bei weitem nicht genug getan, gelingt es nicht nur häufig noch Nicht, das Volk zu der nötigen Reinlichkeit zu erziehen, selbst wo sie geübt wird, nimmt sie oft eine Form an, die ore Gesundheit eher benachteiligt, als stärkt.
Wenn die Hausfrau möglichst häufig W? Wohnung einer gründlichen Säuberung unterwirft, indem sie das beim Gatten nichts weniger als beliebw „Großreinemachen" in Szene setzt, so glaubt sie natürlich m me,er Hinsicht das Beste zu leisten und dem Staubfemde nach straften zu Leibe zu gehen. Doch wurde gerade m letzter Zeit von berufener Stelle mit Recht darauf hrngewiesen, Saß, wenn nicht in ganz rationeller Weise verfahren wird, man den Stäub oft nur aufwirbelt, damit er sich an einer anderen Stelle wieder setzt. Teppiche werden zum Klopfen aus den Räumen entfernt, nur selten kann dies aber mit den Möbeln und Vorhängen geschehen. <20 läßt sich die Staubwolke, die man durch ihre lebhafte Säuberung hervorbringt, sehr bald wieder darauf meder
und ist eigentlich nur erzielt worden, daß man die Luft etwas verunreinigt hat.
Trotzdem ist natürlich ein Klopfen von Zeit zu Zeit unvermeidlich, im Sommer schon deshalb, weil sonst die Motten, diese Feinde all der schweren Stoffe, mit denen man jetzt die Fenster zu verhüllen liebt, um damit das so heilkräftige Licht mehr auszuschließen, nicht zu festen Wohnsitz darauf nehmen. Man lebt eben nicht nur seiner Gesundheit, sonst müßte gar manches vermieden .werden, was für viele gerade das Vergnügen bedeutet, das. Leben, wie sie behaupten, erst lebenswert macht, und darum umkleidet mau die Fenster, weil so die Wohnung traulicher, gemütlicher, wie es heißt, in Wahrheit aber, weil sie dadurch eleganter erscheint.
Übrigens wird von den Hygienikern nicht nur häufig gegen die Form des „Großreinemachens" zu Felde gezogen, auch die Art, wie das tägliche Staübwischdn vor sich geht, findet in ihren Augen keine Gnade. Der Staubwedel gilt natürlich als absolut verdammungswürdig, da er ja den Staub in der Tat nur von dem einen Platze an einen anderen fegt,, doch selbst das all- beliebte Staubtuch verpönen sie, mag es auch nach so häufig mehr oder minder graziös zum Fenster heraus- aeschüttelt und so des aufgenommenen Staubes entledigt werden. Ein feuchtes Tuch höchstens, so erklären die Wächter unserer Gesundheit, dürste Anwendung finden, und vergessen dabei ganz, daß die Möbel eine derartige Berührung häufig nicht vertragen, dadurch ihren Glanz und ihr schönes Aussehen verlieren.
So sündigte denn die gute Hausfrau weiter, nicht dem etcrcnen Triebe gehorchend, der sie zwar veranlaßt, rein-, ja sogar großreinzumachen, sondern durch die Not gezwungen die ihr geeignete ^taubbeseitiger nicht zur Verfügung'stellte. Nun aber sind solche erfunden worden, ingeniöse, pneumatische Apparate, mittels derer der Kampf gegen den Staub und damit auch gegen me
Mikroben in wirklich rationeller Weise vorgenommen werden kann, d. h. dieser nicht nur aufgewirbelt, sondern gefangen genommen wird, um dann der Vernichtung anbei mzufallen.
Den Vereinigten Staaten gebührt wieder einmal der Ruhm, einen Apparat hergestellt zu haben, der allen An- forderungen am besten zu entsprechen scheint. Er hat den Vorteil, wie ein. großer Staubwedel benutzt werden zu können, so einfach und mühelos, Latz die dienstbaren Geister, die gegen Neuerungen sich meist ablehnend und mißtrauisch zu verhalten Pflegen, dagegen nichts einzuwenden haben können. Er bläst sowohl als fangt auf. Mittels eines Blasebalgs in zylindrischen Harmonikafalten wird der Luftzug zuerst auf den von Staub zu be» freienden Gegenstand geblasen und bann sofort der auf* gewirbelte Staub in das Innere des Apparats gezogen. Dort findet er ein Päckchen Watte oder ganz feiner Holzwolle, auf welche er sich nicderläßt, so daß man den Ab- sta.ubungsprozcß gleich weiter fortsetzen kann.
Natürlich ist nach dem Verlauf einer bestimmten, ziemlich kurzen Zeit das Watte- oder Holzwollebäuschchen ganz schmutzig und würde nun den Staub nicht mehr aufnehmen. Man schraubt also den Deckel des Apparates ab, entfernt es und läßt ein anderes an seine Stelle treten, während man das unbrauchbar gewordene dem reinigenden Feuer überliefert. So kann das Abstäuben vor sich gehen, ohne daß der Staub in die Lust dringt und sie verunreinigt.
Vielleicht erfindet nun ein ingeniöser Kopf — es braucht ja nicht gerade ein amerikanischer zu sein — einen Möbelklopfapparat, der in gleicher Weise arbeitet. Dann würde das Großreinemachen eine Beschäftigung toeröen die in jeder Weise begünstigt werden müßte, wenn auch mehr ihrer Bequemlichkeit als ihrer Gesundheit lebende Hausherrn es selbst daun noch zum Teufel wünschen!-
