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öS. Jahrgang.

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Al». 143. KerlagS-Fernfprecher No. 2853. AstMSlltg, feftt 26. MNcbaktions.Fcrnsprecher No. 52. 1905+

Morgen - Ausgabe.

1. Wkcrlt.

das Kohlensyndikat besteht, solange also eine bis dahin nicht gekannte Wirtschaftsmacht mit identischen Jntek- essen und geschlossener, reibungslos arbeitender Ver- tretung den Arbeitern gegenübersteht. Dies ist das Neue an dem westfälischen Streik, und hiermit vor allem er- klärt es sich, daß sowohl Einsicht Witz Instinkt der poli­tischen Kreise, innerhalb der Regierung wie in den bürgerlichen Parteien, eine gewisse Solidarität mit den Streikenden bekundeten. Denn es kann keinen politischen Faktor geben, dem es nicht etwas unheimlich, zu Mute werden müßte, wenn er inmitten unserer herkömmlichen Partei- und Wirtschaftstendenzen plötzlich eine ganz neue Macht, die trustartig gesteigerte Konzentration des Groß­kapitals, i gleichsam mit Elephantenfüßen durch die Arena des politischen Kampfes stampfen sieht. Don solchem Standpunkt aus betrachtet auch der Revisionist Eduard Bernstein die Sachlage, wenn er dem westfälischen Grub,eustreik eine ungemein fesselnde Studie unter dem Titel „Trust und Streik" im demnächst erscheinenden Aprilheft der „Neuen Rundschau" (Berlin, S. Fischer) widmet. Da uns diese Studie schon jetzt zugänglich ge­macht worden ist, so wollen wir ihre lichtvollen Aus- führungen den Lesern nicht vorenthalten. Bernstein geht von der zweifellos richtigen Tatsache ans, daß alle bis­herigen Streiks auf der Zersplitterung der Unternchmer- interessen fußten. Immer fanden sich Unternehmer, deren besondere Umstände sie geneigter machten, wenn nicht nötigten, mit den Arbeitern zu verhandeln. Je nachdem konnten die Arbeiter auch durch geschickte Taktik llnternehmerinteresse gegen Unternehmerinteresse ans- spielen. Auf diese Möglichkeiten, die namentlich in England freies Spiel hatten, stützen sich die Theorien, die in der Gewerkschaft das ausreichende, bezw. das ent­scheidende Organ der Arbeiterbefreinng erblicken. Der Trust entzieht jenen Theorien einen sehr wesentlichen Teil ihrer Grundlage. Das vertrustete oder trustartig syndizierte Unternehmertum hat dem Publikum, gegen­über im wesentlichen nur noch identische Interessen. Auf die eine oder andere Weise hat es die Konkurrenz unter üch aufgehoben oder auf ein Mindestmaß reduziert. Es kanlr also mit viel größerer Einheitlichkeit und viel länger der Arbeiterschaft Widerstand leisten. Auf diese Weife vermag der Trust die Auftvärtsbewegung der Ar- beiter wenn nicht völlig zu hemmen, so doch ungemein zu verlangsamen. Er ist ein mächtiger Druckapparat, gegen den mit rein wirtschaftlichen Mitteln anfzukommen fast aussichtslos erscheint. Nach diesen Ausführungen Bern- steins müßte also das Problem „Trust und Streik" dauernd als zuungunsten der Arbeiter entschieden gelten, wenn nickst eine Reaktion in den Dingen selber steckte. Je mehr sich der Trust ausbreitet, um so mehr werden naturgemäß die Streiks den Charakter öffentlicher An­gelegenheiten annehmen, die Allgemeinheit wird mit interessiert, sie nimmt Partei, und da sie unter der rück­sichtslosen Ausübung der von den Trusts angesammelten

Macht leidet, so kommt den Arbeitern eine Hülfe, auf dre sie bei den bisherigen Lohnkämpfen nicht mehr rechnen durften: das Interesse wie die Sympathien der Öffentlich­keit treten auf ihre Seite. Dian hat das schon bei dem westfälischen Grubenstreik erlebt, man wird es voraus­sichtlich zu gegebener Zeit wieder erleben. Die Gesetz­gebung wird genötigt, mit Partei zu ergreifen, die Re­gierung muß regulierend einwirken. Hemmt der Trust die Aufwärtsbewegung der Arbeiterklasse, die Grund­bedingung alles sozialen Fortschritts, so ist es ein Gebot für diesen sozialen Fortschritt, ein bedeutsames öffent­liches Interesse, den Arbeitern im Kämpfe gegen den Trust in jeder Weise Beistand zu leisten.

Iüv öcrs 2. HucrrtLcrc 1905

auf das

„Wiesbadener Tagblatt"

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Deller Kongreß der leutfdjcn GesWM \u Bekämpfung der GeWchlskrankheilen?)

München, 17. u. 18. März.

Nachdem die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts-Krankheiten vor 2 Jahren in Frankfurt am Alain ihren ersten Kongreß mit großem Erfolge ab­gehalten hatte, konnte sie jetzt, nachdem die Zahl ihrer Mitglieder auf 4000, die ihrer über ganz Deutschland verteilten Ortsgruppen auf 21 gewachsen war, hoffen, daß die Öffentlichkeit den Beratungen ihres zwecken in München tagenden Kongresses ein weitgehendes Inter­esse entgegenbringen würde. Diese Voraussetzung hat sich im weitesten Umfange erfüllt —- unter offizieller Be­teiligung fast aller größeren Bundesstaaten und Stadt­verwaltungen, vieler Polizeibehörden, Landesversiche­rungsanstalten und der Zentrale für das deutsche Kran­kenkassenwesen, besucht von zahlreichen Ärzten, Juristen, VerValtungsbeamten, Volkswirten und von den Führerinnen der deutschen Frauenbewegung, sowie von den Vertretern der Sittlichkeitsvereine, hat der Kongreß 2 Tage in dem großen Saale des alten Münchener Rat­hauses getagt und, wie wir gleich vorweg bemerken wollen, sehr ersprießliche Arbeit geleistet. Auf der Tagesordnung des Kongresses standen drei mit den §§ 300, 180 und 184, 3, des Reichsstrafgesehbuches in enger Verbindung stehende Fragen, deren Erörterung von seiten der Gesellschaft im Hinblick auf die in den nächsten Jahren zu erwartende Novelle zu diesem Gesetzbuch als ein besonders glücklicher Gedanke bezeichnet werden muß. — Gegen den § 300 des Strafgesetzbuches,- welcher die Verletzung des ärztlichen BerufsgeheimnisfeZ unter Strafe stellt, ist schon wiederholt von ärztlicher Seite ein- gewendet worden, daß seine strikte Anwendung oft zu sehr schweren Konflikten und Unzuträglichkecken führe —■

*) Wir haben zwar schon einen knappen Bericht über den Kongreß gebracht, aber bei der Wichtigkeit, die er für das Allge­meinwohl hat, dürfte diese ausführlichere Übersicht sehr am Platze sein. D. Red.

Trust und Streik.

Wie mrs Niederlagen Vorteile entstehen können, das hat der westfälische Bergarbeiterstreik gezeigt. Die Ar« beiter sind unterlegen, aber einen ansehnlichen Teil ihrer Forderungen wird ihnen .das treue Berggesetz erfüllen. Es wird nicht entfernt alles bringen, was die Bergarbeiter zu verlangen sich berechtigt glaubten, es wird vermutlich sogar weniger bringen, Äs die Regierung selber in ihrem. Entwurf vorgeschlagen hat, denn van der Mehrheit in beiden Häusern des Landtags ist anzunehmen, daß sie in der Form von vermeintlichen Verbesserungen beträcht­liche Verschlechterungen durchsetzen wird. Aber von einem vollen Siege des Kohlensyndikats kann keine Rede sein, und das Syndikat beweist schon durch die An­kündigung von Preiserhöhungen, daß die Befriedigung ler Arbeiter in dem dafür in Aussicht genommenen be- cheidenen Nahmen gleichbedeutend sein wird mit einer Schmälerung der Gewinnquote. Der Verlauf des Streiks stellt etwas so vollkommen Neues in unserer Wirtschafts- aeschichte dar, daß man nicht erst um Nachsicht zu bitten braucht, wenn man sich gedrungen fühlt, immer wieder auf die eigentümlichen Merkmale dieser Bewegung zurück­zukommen. Wer sie näher untersucht, gelangt dabei zu Beobachtungen und Schlüssen,, die richtunggebend für die ^Gesamtheit unserer ökonomischen Entwicklung werden dürften. Tie klugen Wortführer aller beim, Streik be­teiligt gewesenen Organisationen waren entschieden gegen sden Ausstand: sie wußten, daß er mißlingen werde. Woher aber wußten sie das? Warum der vermeintliche Kleinmut, da früher doch die Lust am Streik, an der Benutzung dieser Waffe zur Erringung dauernder Vor­teile, stets lebendig aewestn war? ©ie Antwort ist ein­fach, aber ausschlaggebend. Ter Streik konnte nicht ge­lingen (und kein fernerer Streik wird gelingen), solange

FeuiUetorr.

Gallenstemleiöen.

Prophylaktisch-therapeutische Studie

von Dr. med. Fr. H. Frank.

Wie alles andere ans der Erde, so haben auch die Krankheiten ihre Geschichte. Tie Erfahrung spricht da­für/daß die Krankheiten einander ab lösen, daß sie selbst einer Entwickelung unterworfen sind. Sie scheinen jede für sich geboren zu werden, zu leben,und zu sterben. Entweder schwinden sie, wenn der Mensch gelernt hat, sie zu heilen; oder der Mensch glaubt, wenn sie ver­gehen, er stabe gelernt, sie zu heilen.

Die „französische Seuche" (Pocken), der Flecktyphus, der „englische Schweiß" und andere verheerendeSeuchen, die im Mirtelalter und bis in das 18. Jahrhundert hinein Geschlecht um Geschlecht zu Tode gepeitscht hatten, haben im 19. Säkulum stark abgenommen,, wurden aber zugleich von anderen Krankheiten abgelöst, die die Vergangenheit nicht in diesem Grade kannte.

Es ist wahr, die steigende Bekanntschaft mit dem Bau und der Lebenstätigleit des menschlichen Körpers hat eine wachsende Fertigkeit in der Kunst, des Be- obachtens, Diagnosiizierens und Heilens mit, sich ge- bracht. Die großen Fortschritte in der Diagnostik, durch die das Erkennen der Krankheitsvorgänge sicherer ge- worden ist, erklären aber mit Nichten allein die Tatsache, daß Krankheiten, von denen früher sehr wenig die Rede war, in unseren Tagen häufig auftreten, wie das Heer der nervösen Krankheiten, der Krebs, der Diabetes, die Gallensteinkrankheit usw. Ter ©nmi» muß ein tieferer sein. Die gewissen neuen Leiden tragen, den Stempel unseres Zeitalters, sie werden geboren aus der geräusch­vollen, hastigen, raffinierten und oft direkt gesundheits­widrigen modernen Lebensweise.

Das letztere gilt sicherlich von dem Leiden, über dessen

vorbeugende Behandlung ich heute sprechen will, von der Gallen,steinkrankheit.

Das Gallensteinleiden ist erne Krankheit von Volks- wirtschaftlicher Bedeutung. Wenn man bedenkt, daß auf jeden zehnten Erwachsenen ein Gallensteinträger kommt, bei Frauen, die Mütter geworden, sogar auf vier, so ist der Ausfall an Arbeitskraft durch dieses Leiden ein großer. Außer der Häufigkeit der Gallen­steine kann ich noch einen Punkt zur Rechtfertigung für meine Studie anführen, deren Zweck es ist, bie wirk­samen Mittel zur Verhütung des Leidens, die die Medizin besitzt, allen Menschen, den Gesunden wie den Kranken, zu gute kommen zu lassen. Das sind die ge­heimnisvollen Auslegungen und unklaren Vorstellungen, die über Galle und Gallensteine im Volke gehen.

Wir wollen uns. zunächst in Kürze klar werden, was denn das wirkliche Wesen des Leidens ist, und wie die Bildung der-Gallensteine zustande kommt.

Die Galle, eine rotgelbe oder grüne, fadtznziehende, stark bitter schmeckende Flüssigkeit, wird von den Drüsen­zellen der Leber abgeschieden und sammelt sich in den immer größer werdenden Gallengängen, aus denen sie durch einen gemeinsamen Ausführungsgang in die an der unteren Fläche der Leber befindliche Gallenblase gelangt.

Die Galle hat zwei Aufgaben zu erfüllen: 1. Die

mit dtzr Nahrung aufgenommenen Fette auffangbar zu machen und 2. den Darminhalt vor fauligen Zer­setzungen zu schützen, zu desinfizieren.

Reservoir der Galle, die Gallenblase, steht durch einen Kanal mit dem Zwölffingerdarm., dem unmittel­bar an den Magen sich anschließenden Tarmabschmtt, in

^r^Kallenobionderuna findet ununterbrochen statt Die TageSmenge ' beträgt bei einem Erwachsenen rund einerTW+pr Bei der Verdauung nimmt die Sekretion der Galle zu. Sobald der Speisebrei aus dem Magen in den Zwölffingerdarm gelangt ist ward durch dessen wurmförmige' Bewegungen die Gallenblase zu Müde-

wegungen gereizt und treibt die dort aufgespeicherte Galle stoßweise in denTärm, wo letztere ihre verdannngs. befördernde Tätigkeit entfaltet.

So geht es zu, wenn die Gallenwege frei sind. Ist hingegen der Abfluß der Galle verhindert, so tritt sie in die Lymphgefäße und von da aus in das Blut. Wir haben dann die sogenannte Gelbsucht (Ikterus).

Solche Gallenstauungen können hevvorgerufen wer­den durch eine katarrhalische Schwellung der Schleim­haut der Gallenwege, wie sie sich häufig an einen Magenkatarrh anschließt, durch Geschwülste oder durch Gallensteine.

Was ist nun ein Gallenstein? Wir verstehen darunter ein steinartiges Gebilde von mäßiger Festigkeit, etwas sprödem Gefüge, das aus Produkten besteht, die in den Gallenwegen ihren Ursprung haben (meist aus Gall- fett, Gallrot und l'ohlensaurem Kalk), von wechselnder Größe (vom Hirsekorn bis zum Hühnerei) und ver- schiedener Form (rundlich, eckig, wie geschliffene Steine oder Buchenkerne). Was die Zahl anbetrifft, so kommen in den Gallenwegen eines Menschen Steinchen in der Zahl'bis mehrere Tausend vor (in einem Falle wurden bei der Sektion 7802 Stücke vorgefunden). Natürlich sind dann die Steine klein, wie Sandkörner. Gewöhm sich sind sie weniger zahlreich und dann größer. Zu- weilen kann auch nur ein Stein vorhanden sein.

Wie kommen nun diele Steine in die Gallenwege, die doch sonst nur flüssige Galle führen?

Früher glaubte man an die Erblichkeit der Gallen­steine und sprach von „Gallensteinfamilien". Eine Erblichkeit kann aber nur in dem Sinne festgehalten werden, daß gewisse Lebensgewohnbeiten ein Glied einer Familie gerade so leicht an einem derartigen Leiden er- kranken lassen können, wie das andere Glied.

Ter Gallenstein ist das Produkt entzündlicher Vor­gänge auf der Schleimhaut der Gallenwege, eines Katarrhs der Gallenblase, der durch Schädlichkeiten vom Blute oder Darm hervorgerufen wird.

In den meisten Fällen, setzen sich die Steine ans