ss. Jahrgang»
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Ms» 136. verlagS-Fernfprecher No. 2888.
Sfcitfffaft» den 21» Meier.
«i-n.ietiaaS-Kerrlloreaier
Lebend-ttusgabs.
1 . MLcrtt.
Der Besuch des Kaisers iu Tanger.
I>. Berlin, 20. März.
Die heute hier eingetroffene Meldung, datz der Kaiser Lei Gelegenheit der Mittelmeerreise, hie er Mtte dieser Woche anMtreten gedenkt, auch der Marokkanischen -Hafen- stadt Tanger einen Besuch abstatten wird, hat nicht nur in den hiesigen politischen Kreisen große Aufmerksamkeit erregt, sondern auch in England viel Beachtung und — wie es freilich in der Natur der Sache liegt —- falsche Kommentare gefunden. In Marokko selbst hat dis Ankündigung des Kaiserbesuches nicht nur bei den dortigen marokkanischen Politikern und nicht nur bei den dort lebenden Deutschen, sondern auch bei den Spaniern nach den vorliegenden Meldungen große Begeisterung hervorgerufen, und darin liegt unverkennbar ein Ausfluß der dort herrschenden Besorgnis vor den französischen Annektions- oder wenigstens Vcnnopolisierungsgelüsten.
Es liegt freilich auf der Hand, daß sowohl die Besorgnis vor den französischen Plänen, als auch die Kombination über den Zweck und die etwaigen Wirkungen des angekündigten Kaiserbesuches weit über das Ziel hinaus- schießen. Daß diesem Besuch angesichts der seit mehreren Monaten im Gange befindlichen internationalen Per- Handlungen über die Zukunft des Sultanats Marokko, die anscheinend gerade setzt vor der Entscheidung stehen, eine unverkennbare politische Bedeutung zukommt, liegt auf der Semd. Schon in der Reichstagssitzung vom 15. Marz deutete der Reichskanster an, daß auch die deutsche Regierung an diesen Verhandlungen beteiligt sei. Auf eine Anfrage aus dem Hause erklärte Graf B ü l o w:
„Ich verstehe vollkommen die Aufmerksamkeit, welche man dem In- und Um-Marokko widmet. Ich betrachte es als eine Pflicht der deutschen Politik, dafür zu sorgen, datz auch in Zukunft unsere wirtschaftlichen Interessen m Marokko nicht geschädigt werden. Der gegenwärtige Augenblick ist aber für weitere Erklärungen in dieser Beziehung nicht geeignet. Ich behalte mir dieselben für
später vor." » , . » m ^ s
Auch in einer heute abend m der „Je oroo. Allgem. 3 t fl." veröffentlichten offiziösen Mit - teilung wird mrf die BedeutuN'g >der maroKamichen Angelegenheiten hingewiesen. Tie Mitteilung weist charaus hin, datz der Kaiser bereits vor Jahresfrist m Mao während der Zusammenkunft mit dem Könige von Spanien rückhaltlos erklärt habe, datz Deutschland m Marokko keineterritorialenVorkerle irgend welcher Art erstrebe, sondern dort nur für dre Sort- Lauer der wirtschaftliche n Gleichberechtigung einzutreten habe, und fahrt dann wie
Feuilleton.
Oie pariser Messe.
Paris, 12. März.
Die diesjährige Pariser Messe nach Leipziger Muster M ebenso ernst zu nehmen, -wie 'die vorjährige erste es nicht War. Es handelt sich diesmal um die Mstster- Ausstellung einer großen Zähl der hervorragendsten tz'ctbrikations'firm'erl, die in elegantem Nahmen wi fnutje. Neuheiten in gutem System vorführen. 1601 hatte man in der offenen Markthalle des Vieur Marchs du Temple, weit abgelegen bei der Place de la Rckpubligue, eine Unmasse kleiner Händler der Cameloterie ihr wenig ver- trfluenerlweckendes Lager ausfchlagen sehen, und der Anfang versprach nichts. 1605 hat die Regierung aber für die Foire de Paris im Grand-Palais dieselben prächtigen Säle geliehen, die im Mai dem berühmten MarS- Salon der Bildenden Künste dienen werden, Und jetzt hat sich die wahrhaft große Fabrikation der Bcuvegung bemächtigt. Der Handelsminister Dübies hat heute früh die Messe persönlich eröffnet und die Glückwünsche, die er aussprach, waren gewiß berechtigt. Die Aufmachung läßt nichts zu Wünschen übrig,' die einzelnen ,-Stands" der 625 Aussteller sind recht kokett herausgeputzt: zahllose Fahnen dekorieren das Ganze. Der Jahrmflrkts- trubel vom Vorjahr wird nicht wieder anskommen: diesmal Wird, dem Programm- entsprechend, kein Detnil- VerkaNif möglich sein. Die Engros-KLuser werden diesen französischen FMHjahrsMusterausstellungen nicht mehr gleichgültig gegenüberstehen können. 1804 hielten wir es für unsere Pflicht, jedem ausländischen Kaufmann vom Ko'mmen abzuraten,' diesmal könnten wir es Mit gutem Gewissen nicht. Um es gleich voranAzuschicken: di« Pariser Messe wibd irie ein« volle Konikurrentz für die Leipziger werden können! sie ist und muffle in ein ganz anderes Fahrwasser geraten. Der billige Artikel der Masse ist in Frankreich nicht mehr käuflich: wer cs «pch wicht wüßte, de» würde es die ,/Foire de Paris"
folgt fort: „Bis heute haben wir leinen Anlaß zu vermuten, datz der Sultan von Marokko Verpflichtungen einzngehen beabsichtigt, welche seine llnabhängigkert beschränken und ihn künftighin verhindern würden, allen Handel treibenden Völkern auf feinemGebiete >die gleiche Behandlung zuteil werden zu lassen. Übrigens bringt die Lage von Marokko es mit sich, datz bei dieser Frage die Interessen des Weltverkehrs in Betracht zu ziehen sind.
So weit das offiziöse Blatt. Diese Interosf e n des Weltve r k eh rs bringen es mit sich, datz alle Mächte ein Interesse daran haben, -datz M nicht eine einzige Macht ausschließlich iu Marokko festsetzt ^ und dort wirtschaftliche oder gar politische MmwPolisierungs-'Be» strebungen verfolgt. Durch das zwischen Frankreich und England abgeschlossene -M-kommen, betreffend die Regelung ihrer überseeischen Interessensphären, hat allerdings England den Franzosen weitgehende Zugeständnisse in bezug auf Marokko gemacht, aber diese gehen doch keineswegs soweit, datz England auf die Geltcnd- ncachung feiner wirtschaftlichen Interessen Verzicht leistete und -den Franzosen ein Protektorat über. Marokko ent« räumte. Roch weit stärker als England aber ist S v a n i e n, das sich ja immer als den natürlichen Erben von Marokko betrachtete, und I t a l i e n, dessen ^Drittel- meerstellnng durch ein fvanzösischesProtektorat inMarokko bedroht würde, an der Anfrechterhaltung des Status qno interessiert. Das gleiche Interesse, allerdings vom rem wirtschaftlichen Standpunkt ans, hat Deutschland, welches sich durch seinen int Jahre 1890 mit öertt Vorgänger des jetzigen Sultans Abdul Azis abgeschlossenen Handelsvertrag eine günstige wirtschaftliche Position geschaffen- bat. die durch den Besuch der -marokkanischen Sondergesandtschaft -in Berliii im Sommer 1901 eine weitere 'Festigung erfahren hat. Lediglich eine S i ch e - rnng dieser wirtschaftlichen Stellung und die Verhinderung -von Monopolisierim-gsbestrebimgen bezweckt- die Teilnahme der deutschen Regierung an deii Verhandlungen betreffs Marokkos, und nur in diesem Sinne ist auch der angekündigte -Besuch d-es Kaisers in Tanger aufzufassen. Die Äussfteimngen der „Times", als ob hier ein politischer Schachzug gegen Frankreich vorliege, sind haltlos und bezwecken lediglich- eine Verhetzung zwischen Deutschland und Frankreich, die freilich, da sie allzu -durchsichtig -ist, -ihren Zweck v-erfehlen -wird.
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Aus Tanger, 20. März, wird gemeldet: Di« -Nachricht, daß Kaiser Wilhelm am 31. März hier «intreffen wird, verursacht -hier unbeschreiblichen -Enthusiasmus. Deutsche, Marokkaner, Inden und Spanier planen großartige Ovationen. Schon jetzt sind verschiedene Kommrffionen ernannt -worden, -die für d-i-e Ausschmückung der Straßen sorgen sollen. — Der in Tanger rosidierende marokkanische Minister des Aus- n»ärtig-en sandte gestern seinen Kabinettschef mit Begleitung nach Fez, um dem Sultan von den für den Besuch
mit größter Deutlichkeit lehren. Was darin ausgestellt ist, kann nur den Kaufmann in Frankreich selbst interessieren, so weit die Einfuhrzölle die aus-ländische Konkurrenz unmöglich machen. Der Engländer muß da bei seinem „made in Germany" bleiben: so sehr ihn die „entente cordiale" nach fvaUzösischen Erzeugnissen hiu- lockcn möchte, er wikd nicht 20 bis 30 Prozent mehr wie in Leipzig bezahlen. Aber wo er selbst einer Mehrforderung nicht widerstehen wird, das ist im Luxusartikel. Es hilft einem nichts, hier muß -man immer -wieder die Überlegenheit rückhaltslos .zugeiben. -In den 'Neuheiten dieses Jahres verrät sich abermals die Unabhängigkeit des fraNtz-ösischcn Formensinns, der gute Geschmack, die Leichtigkeit und Vielseitigkeit. Das -ist und wird ewig die Schule bleiben. Der deutsche Kaufmann macht nie umsonst eine Reise nach Paris: die nächsten Jahre könnten -für ihn die Notwendigkeit erbringen, im März die Pariser Messe aüfznfuchen, nm -beizeiten, wenn nicht zu kaufen, so doch zu lernen. Die französischen FaDrikanren der gksämten Lnrusbranchen (auch die hohe Couture und die Modistinnen) habw sich jüngst -die Losung gegeben, mit ihren „Kreationen" absolut -zurückznhalten, bis die Frühjährs'saison ganz nahe herangcrückt ist, so daß den Nachahmern i>n Ausland (und man visiert da in erster Linie Deutschland, dann die Bereinigten Staaten) nicht m-chr die Zeit bleibt, massenhaft billigere Imitationen aus den Weltmarkt zu -werfen, und so daß die 'Detail- Verkäufer überall gezwungen sind, in Paris bei jenen zu kastfen, welche die Mühen und Kosten für die Modells und Neuheiten trugen. Die Pariser Messe ist in dieser Bewogtrng das Haupterergnis. Wie es auf den Bureaus dcr -Messe heißt, sind bereits recht zahlreich ausländ,«che Kauter angemeldet, auch anS Teuifchlanld. Daß man sich in deutschen Faürikantcnkrci'seii nicht leicht schrecken laßt, lehrt ein Blick in den Katalog: die -Statuten der „Foire gewähren nur Mustern französischer Fabrikation den Anlaß: darum fabriziert schon eine Reihe deutscher Firmen ihre Muster in Paris- - - Diese europäischen ' Japaner sind nicht zu vertreiben!
Die Spreheug-AbtellunL ist rm Umfans gegen das
Kaiser Wilhelms getroffenen und noch -zu treffenden Vor- berettun-gen Kenntnis zu geben. Der Landungsplatz und das Zollhaus erhalten Schmuck. -D-ie Elite -der Deutschen von Tanger und ander-en -Ltädten werden zum Empfang erscheinen.
Wltlister v. Hammerstein
hd. Berlin, 20. März. Der schon -gemeldete Tod -des Ministers des Innern, Freiherrn von Hammerstein, erfolgte heute nachmittag 8 Uhr 45 Minuten in seiner h-ie- sigen Wohnung Unter den Linden 72/73, Der Minister
war an ein-cm Ansalle von Asthma mit bedrohlicher Hev»- schwüche erkrankt. Im Lause -d-es Vormittags verschftm- uuerte sich -sein Befinden, so daß Befürchtungen für das Leben des Ministers entstanden. Der Kaiser Hatte Herrn Geheimrat von Lucanus zu -dc-m Kranken entsandt, am sich nach dem Befinden -des Ministers erkundigen zu lassen, und den Generalstabsarzt Leuthold ersucht, ihn fortdauernd über -den Zustan-d des Ministers M unterrichten. Auch die Kaiserin hatte sich nach dem- Befindendes Ministers erkundigen lassen. Frau Min-rstcr von Hammerstein, die erst vor wenigen Tagen nach- Wer» standeuer schwerer Krankheit nach M-erane zur Erholung abgerei-st war, wurde telegraphisch -rurückberusen und trifft heute abend 6 Uhr Hier ein.
Der heute am Spätnachmittag infolge ein-es erneuten schweren Asthmaanfalles plötzlich verstorbene preußische Minister des Innern, Freiherr Haus von Hammerstein, wurde am 27. April 1848 geboren, hat also ein Alter von beinahe 82 Jahren erreicht. Nach der Annektion Hannovers trat er in den preußischen
Vorjahr beträchtlich zurückgegangen: die kleinen „Erfinder" und StraßenH-ändler sind weg,geblieben. Dagegen ist die Qualität des Sichtbaren ebenso beträchMich besser geworden. Reichkostüm-ierte Puppen, als hätten dje größten Schneider der Ru-e de l-a P-aix für sie gearbeitet, Puppen in Nationaltrachten von hohem Goschimack und zu Hohen Preisen, ringen uns das Geständnis -ab, daß auch- in ldieser Miniaturtoilette Paris unnahbar bleibt. Die betreffenden Häuser genießen ja auch einigen Weltruf: Socicktck Franeaisc des Bo-b-sts et Jouets, Vckbcks JüMeanx ir. a. Das mechanische Sp-ie-lzeug ist auch in bessere Hände geraten: der Klaviervirtuose am FMgel bringt es fertig, den Refrain eines beliebten Gassenhauers zu klimpern, ohne daß er m-ehr wie l Frank en «tos kostet, der Barbier gibt einen Shamp-ooin-g und rasiert auch, der Koch rührt im Topf, der Japaner schultert-sein -Gewehr oder zielt, und fo könnte man schon einige dreißig neuere ufld spaßhafte Modelle aufzähll-en. Die' Figürchen sind akkurater gearbeitet, als sie bisher die Kleinhändler herstellten, und schon beinahe keine Cameloterie mehr. Eine Fabrik beschäftigt sich ausschließlich mit laufenden Insekten und niederem Getier in Metall: die Neger verschluckenden Krokodile sind der Clou unid werden jungen Franzosen, die sich der -Tro-pen- kollrr-Karriere am Kongo -widmen wollen, die Grundlagen iür die nötige humane G-cfinnung beivringen. Auch an kriegerischem Spie-lzeng bis .zur -Handgranate fehlt es nicht. Ob der La-zarettwvgeU mit den- Verwundeten, KralÄenschw-estern und Trag'bahreu gleichen Erfolg -haben wivd, bleibt ab-zuM-arten. Sehr YMsch znfam-men-gefteNt in Kartons ist ein metallenes Spielzeug für den zukünftigen S-eeMann: er m-ird seine Boje verankern, den Ret- tmrgsg'nrtel auswerfen, mit dem Fernrohr ausfpähen und leider aber auch sein -Unterseeboot loslassen. Auf Röhrchen fitzende Bleivöglein, die Mpftfchern und die Flügel bclw-egen, kommen uns wie eine alte Bekanntschaft vor: nur blies man früher in die Röhre mit dem Mund, heute geht es „automatisch" mit dem Gninmiball. In -Automaten sieht man noch komplizierter als je ans der Älase chinesifch-e Schirm" baMn-zicreiide 'Clowns,
