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Zrite S.

Disrrsr-rg, 7. MLrr 1SV5. Miesds-ettrr TatzbLM. WoVysit-A«s«sbr, 1. Blatt.

»*. 111.

Geltendmachung der kDa-nkhaftenVeva-n-I-sgimg- des Ange- schuldig-tsn -unterl-asfen, und so erilÄden -Menschen, dis Ifüt ihre HamÄlungoir nicht voll verantwortlich sind, im- pevdiont harte Strafen. Dje WahrnBhimmrFen in G-e- tfängnissen und StraMüsent- bMÄAe» Werein- stimmend, daß zahlveichiö Verurteilte geistig nicht no-kMM sind, mehr der Heilung und iMettvachlMg, als der Strafe bedürften.

All diese Pflichten stellt der BerlinerEltziehungs- und Fürsorgeverein für geistig ZurückgvbliebenL" sich zur Aufgabe, er will auf dem günstigen Baden der Reichs» Hauptstadt Klarheit aus theoretischenr Gebiete über das Wesen der geistig Zurückgebliebenen, die 'beste Unterrichts­methode, die geeignetste Erzieh-ungIoriganiicckiou schaffen. Er. beabsichtigt zum Sammelpunkt und zur Auslünsts- stelle für den fruchtbaren Gsd-a-ncena-ustalujch uNd die ein­schlägige Literatur zu werden und den Lehrern dabei be­hilflich zu sein, sich aus ihrem HroheAnsorÄerungen stellen­den Arbeitsgebiete zu vervoMommneu. Daneben ist der praktischen Arbeit et« weiter Spielraum zugewissen durch Verabreichung von Milch und Brot in den Hülfs- schulen, Versorgung mit Kleidung: Schaffung von Er- holnngsgelegenheiten, der Beistelluitg von Pfl-egern, Be­ratung und Belehrung von Arbeitgebern und- Dienst­herrschaften, der Errichtung von Fortbildungskursen, Lehrlingsabenden, von Mädchenh-eimen itsw. Ztir Durch­führung des Proyramms werden allerdings größere Mittel nötig sein, aber die gemachten Answsn-duin-gen stellen, wie jede richtige Fürsorgetätiigheit, auch vom Standpunkt des ges-ellscha-ftlichen Egoismus eigentlich keine Mehrausgabe, son-dern eine Ersparnis dar.

Volttische Werstcht.

Die Debatte über Reichsarbeitsamt und Arbeitskammeru,

die im Reichstage gelegentlich 'der Beratting >d«S Etats des RsichSlWkts des Innern stattfand-, hat von neuem- die Bestätigung erbracht, daß die weit ubLrw-iegende Mehrheit der Parteien geschlossen für die Schafflmg dieser Jnsütu-tione-n eintritt. Es ist ferner bemerkens­wert, daß auch insafern Einheitlichksit der AnschamingLU erreicht worden ist, als alle Redner, -auch die der Sozi-al- Lemokratte, für Arbeitsichnm:ern, also KwMliemr, in denen i'lrbeitgeber und 'Arbeiter vertreten sind, sprachen, die früherer Vorschläge auf ArbeiterKammern, also reine Arbleitervertretungen, zurückgetreten sind. Wie der Abg. Bebel ausführte, steht jetzt etwa tue Hälfte der Gewerk­schaften auf' dem Standpunkte von ArLeiWaMWern. Die erwartete Erklärung vom Regiernngstisch blieb «Als, was jedoch eher in günstiger als »mMÜrWger RichtuW Mlszulegen ist. Es läßt vommteir, daß der angekündigte Gesetzentwurf Wer WrbeitMumnvpn in nächster Zeit dem Reichstage zngeht urud sich Graf Posadowsky, der ja wiederholt GeLegenheit gemmmsM hat, zuletzt cmr 30. Jwruar v. I., seinen znsti-mmenden Standpunkt dar- knlegen, die Antwort bis dahin Vorbehalten hat. Gleich­falls blieb die von dem Unwrstaa.tssekretär erwartete Erklärung über die Schaffung eines Reichsarbsitsamtes uns. Die bisherige Entwicklung zeigt jedoch, daß die Regierung nach dieser Richtung schon bestiimnste Ent­schließungen gefaßt bat, die Ernennung eines vefoiriberen Direktors für die ÄrbeiterstMühhe Aibtsilung war der erste Schritt auf diesem Wege. In informierten Kreiselt rechnet man damit, daß schon mit dem Jahre 1906 oute wertere Entw-tcklung durch AbtrenWNg der 4lrbeiter- statistischen Ablülwig vom Kaiserlichen sotatisttscheüt Allst ms besonderes Amt erfolgen wird, das jedoch dtzrn Reichs­

amt des Innern unterstellt bleibt. Der -wachsende Auf­gabenkreis der Arbeiterstatistischen Adieillutg, die über­dies zur Entlastung -des Reich-sginteZ -des JNntzrN in -so-zialpolitischen Ausgaben noch weiter hernngeMgen werde»: soll, macht es nötig, sie aus eigene Füße M stellen, ihre Befugnisse abzu-grenzen und auch ihren P-erso-nal- stand erheblich zu erweitern. In der Budgetko-inmission -des Reichstages hat Herr v. Stengel für den Herbst dieses Jahres ein umfassendes Gteneop-ra-gpajinin ange- kündigt, dessen M-ehr-einnahmen schon 'dem kommenden Etat erheblich z:ii Gute korninen sollen. Wie erinnerlich, hatte Graf v. Posaidowsk'v die Errichtung des RetchZ- «-rbeitsa-in-tes tzoir der künftiger Gest-altung der Reichs- ftnanzverhältnisse abhängig -gemacht. Gelingt es schon Ml nächsten Jahre, die Reichsfinia-Wen zu verbessern, so wird einem RetchLarbeitsamt nichts mehr im Wege stehen iWd dies eines der ersten Ergebnisse der Rouigestaltiung der Finanzen sein.

Das Elend der russischen Fabrikarbeiter.

Die russische Regierung stellte bekanntlich tnfolge der Streikunrtch'M eine Untersuchung über die Lage der Fabrikarbeiter an. Die Rssnltate dieser Unte-rs-uchtmg zeigen ein trauriges Bild, das als unanfechtbar gelten nmh, weil die Tatsachen eben amtlich bestätigt sind. Int Gouvernement Moskau, dem größten Jndnstriemyon Rußlands, haben die Fabrikinfpoktoreir festMstellt, -daß die Arbeiter im Jahre 1003 ntp 192 Rubel für das ganze Jahr erwarben. Im folg-eNden Jahr fielen -die Löhne noch -mehr. In den letzten 6 Jvh-ren -sind- dis Arbeitslöhne nn Durchschnitt nur um 12% gcstiogm, während der LebenZ-untecho-lt immer torrrer -geloo-rben ist: so stiegen di» N-a-hrtingsmiitelPrei-se * 40%. Daß unter diesen Bedingungen- eilte Arbesterfatnilie sich äußerste Ellthchvmrgen a-uferlegen nmtz, liegt -auf der Hand. Vielfach wird von bcn Arbeitern -auch noch regel­mäßig Geld zur Untsrstützung ihrer Verwandten gesandt. Weiter berichten bie FabrikinspsktEn, daß die Woh- u-rtn-gsverhältnisse der -ArbeiterMW iti>nmö-gliche" seien und -daß ferner -der Arbeitstag entschieden verkürzt werden- müsse. Diese ÜHÄstände bildeten die Hatipt- ursache der Unzufr-isd-eMeit der UrbesterrMsen. -Auch die Fahrükamten sind von b'cn Inspektoren -aus-gefragt worden: sie HWen erklärt, -sie kömstett die ?lrbeitSIö-hne wegmr der geringen Prodiiktivität -der Arbeiter nicht erhöhen.

Der russlsch-iarmnlsche Krieg.

Tic FriednrSstinttnung in Petersburg.

g. Petersburg, 8. März,

Durch nichts wird die rmgenWMche UnentsGosfeu- heit der russischen Regierungskreise besser charaktervsiert, -als durch die Widersprüche, die in -den- üfsHMM MW» gsbnmgerr zutage treten. Was -den Vertrauensmännern des h-errschendei, Regimes -an tpjffi Tag ins Ohr ge- flüstert wirh, müssest sie atu nächsten Dag mit -unbe­fangener Miene idsmentieren, rrnd selbst dieEingeweih- iefteiv" trnqrn sich in solchen Zeifläusten nicht mehr in das Gebiet der^Prophezciungeit. Wie die imtere Politik, steht auch die Kriegs-, bezich-irngswetse FriedenZ-fvag-e im Zeicheit -der Unentschlossenheit. Japan hat sich bekannt- lich jünGt in haLbüffiziöser Form Win geäußert, daß das Land -den Kmsg noch durch Jahre fortfülsreit könne nii-d daß tnau sich in Rußland täusche, glaube,

daß die Japaner nach einem russischen S-ie-ge^ aus einen Friodens-schlus; ein-gehen würde»:. Ch-avakleristisch- ist es nun, daß dis kaiserlich russische -Zensur, .die ja stets aus

dem Laufenden gehalten wird, dafür sorgt, daß diese -gegeni eine Verschleppung her Friedensfrage gerichteten Aüs^ lassttngsn von den Blättern an leir-eirdsr Stelle gckrvchb werden. Gletchzeitig fehlt es aber nicht an -mispixierten Kttnd-gebnn-gen, wonach düs Zarenreich -sich -gar nicht mit dem Gedanken eines Friedstrsschlusses trägen würden- Ter freiwillig gouvernemeistalenN-owoje Wremja" ec*\ scheint schon die bloße Zumutung friMicher Msichte»' als ein Zweifel an der Größe Rnßlands, den sie empört zurückweist.Erstaunlich", sagt dos Watt,ist dlas Ver- tva-uen, mit dem dieser Blödsinn- in verschied-enen Kreisen aufgeiroulmen worden ist. Es bestätigt sich aufs neue, wie wMi-g man Rußland im Westen k-ennt, w-erm dem hysterischen Geschwätz etlicher törichter Leiste ^ Beachtung geschenkt wird, welche nicht -stnstand-e sind, sich dwr-übev Rechetrschast zu geben, was ein ernied-rigen-der Friede für ein großes Volk, wie das russische, be-deuten würde." Nust - dieetlichen törichten Leute" sind- in der besten hiesi­gen Gesellschaft zu suchen, und zwar nicht nur unwr den verketzerten Liberalen, sondern weit höher. -Die in ein« fluß-reichen Kreisen -geflogenen Erwägungen ^ greifen zum Teil auf Arg-umente zurück, die von einsichtigen Staats­männern nock) vor?lusbruch des Krieges vorgeb-rach-t wtirden, als es sich noch nicht um Erlangung, sondern um BäD-ahrUng des Friedens handelte. Es wird h-inge- tvieseu, daß Rtißl-and sich nach dem Verlust von Port Arthur gan-z gut mit Wladiw-ostok -als Hafen -bsgnügen könne, dos für seine Interessen wichtiger sei, als Port Arthur oder T-alny. Der Drausp-o-rt nach Sibirien bietet keine Schw-terigkeiten und könnte auch i-m Winter, wo der Hafen nur durch zwei Monate zu-gsfro-ren ist, nstt Hülfe geei-gnsterEisbrecher fortgesetzt werden. -Andererseits wird dieB-edeutun-g der Mandschurei für die nationalen J-nter- essenRußland auf ibr richtigesM- zurückgeführt. Weder der südliche, noch -der ntittlere Teil der chinesischen P-ro- v-inz -sind für eine Anglied-ermtg -an Rußl-astd- besonders geeignet. Ter Boden ist diesen Gegenden beflnd-et sich-, so­weit e-r anbaufähig ist, in ben Händen fleißiger Chinesen, die it-icht o-stne Gewaltakte vertrieben wenden könnten, und -der MneM-reichtunl des Gebietes ist nicht -größer als -der Sibiriens. Es wurden deAhalb schon vor dem Kriege Sti-mmen laut, wonach Rußland auf die gefähr­liche -südNMnd-schurische und koreanische Politik vüMchtcn und seine Interessen inr Norden ^der Mandschu-rei koir- Mit-trieren sollte, wo ein Zusammienstoß mit -den^EWan- sionsbestrebmlgen Japans ausgeschlossen wäre. Im Zu, sa>lm«üha-n-g -dumit ist nun davon die Rede, daß Ruß» Icmd bei -einem- etwaigen Fried-ens-schluß -die Eisenbahn Chchrbut-Port Zlrth-ur China überlassen -und- dafür Ge- bietsent-schäd-t-gun-ge-n im Norden -der Wau'd-schurei per- langen würde. Das wäre eine Verzichtlei-stung auf die bisherige Expausio'irspolstik Rußlands, zu der man sich in Petersburg 'freilich npr dann -verstehen könnte, wenn dis Jap-cmsr Port Arthur wieder an China- z-urückgäben. Dazu aber ist man vor-läu-fig in Tokio nicht gewillt.

Dir Rkvolutiün rn Rußland.

wb. Petersburg, 4. März, über die Uttruhen in Ser -Fabrik Posn-ansky in Lodz -werden folgende Einzel­heiten gem-eldet: Arbeiter, welch-e vor -den Kosa-tcn

flohen, fielen in einen Teich-, -wvber -4 Frau-e» -ertranken. Vier Arbeiter w-uvden getötet. Hetlte mittag explodierte in dem b-ei dem -Fabrikkvntor gele-gen-cn Bierausschanl eine Dyitam-itbombe. Der W-Ssitzer -wurde getötet und -die -Schautm-irtsch-aft zerstört. Drei Dete-ktiv-A wurden ermordet. Für Montag -iv-ird der allgeincine A-usstand erwartet.

Ans Kunst und Löden.

* Frankfurter StaLttheatcr. (,© p i e I v iU P p n«" »ans. Dienstag, de» 7. März:Tristan und Isolde . Wut- poch, den 8.:Mignon". Donnerstag, den 9., zum eriten Male: -Das Glück". Hieraus:Leicht- Kavallerie" undIm LalleU saal". Freitag, den to.:Fatimtza". Samstag, den 11..D>e ßanberglocke^. Sonntag, der: 12., rlachmttmgs N/, Uhr.Das Schwalbennest". Abends 7 Uhr:Die Asrikancrin . ^Montag, den 13.:Der Obersteiger". S ch a u s v i e l h a rts. Dienstag, den 7. März:Frankfurt in ber Franzonnzeft . Mittwoch, den x.:Faust". Z-weiter Teil, eriter Abend lBorspiel und 3 Akte). Donnerstag, den 9.:Faust". Zweiter Teil, zweiter Abend (U, X und 6. Akt). Freitag, den 10.:Ter tote Löwe . Samstag, den 11-, neu einstudiert:König Richard ber Zweite , geschicht­liches Trauerspiel von William Shakespeare. Sonntag, den Im, nachmittags 3V 2 Uhr:Familicntag". Abends 7 Uhr:König

Richard der Zweite". Montag, den 18.:Frankfurt in der Franzosenzeit".

* Das Vorbild der Riltertnrniere. -Graf Nithard, -ein Erike-l Karls des G-r--en, hat uns eine Schi-l-öernng -eigensrti-ger kriegerischer sturz-veil histterlassen, in m-el- cher eist ältestes, geschichtlich üeglaMgtes Vorbild der späteren Ritterturniere zu erblickest sein öiirfte. Niihard erzählt, seine beiden Vettern hättet! sich, Kudwig über iS-pei-er, Karl längs der Vogesen hin über Weißenb-urg -nach- Worms begeben, und zwischen dieser Sta-üi und Mai-n-z Mit ihren Gesolgschaston ein geineinsam-cs Lager !bözog>en. Dort stellten üt-e zwei mächtigen Herren,beide von mittlerer Größe, schön und ebenmäßig g-esta-ltet und jzu je-dcr ll-bung geschickt", oft KstmpMel« an, der Leib-es- -übung w-e-gen, die unser GewährAmanst als Augenzeuge -so beschreibt:Auf einem eigens hierzu erle-s-euen und hergerichteten Platz kamen sie z-usa-mmen, ltn-d wahrend -rings das Volk sich scharte, stürzteit sich zuerst r-on beiden ^Seiten gleich starke Scharen von -S-ach-sen, HM-Men, -Aüstralsiern und Vritonen wie zum stampfe im schnellen Bau-fe aufeinand-er. -Darauf w-eitdeten die einen th-re Koffe und suchten, mit den S-chil'den sich deckend, vor pm Angriff der Gegner durch -die Flucht sich zu retten, wäh- restd diese die Fliehenden verfolgten. Zuletzt stürmten beLd-e Könige, stmgeben von der ganzen jungen Mann- scha-ft, in gestrecktem Lauf die Lawz-en schmingestd, gegen- -einanlder, und bald von dieser, bald von jener Seite zur F-lucht sich westdiend, ahmt mau den Wechselnden Gang der lDHlach-t nach. Und es -mar ein Schauspiel, bewun-d-e- rnngswert wegen des Glanzes und der Ordnung, die dabei herrschten. Denn auch nicht einer von -dieser so Motzen Menge, und diesen verschiedenen Völkern wagte MM Müderen eine Wunde zu schlagen -oder eine»

Schimpf astzutun. . . iA-us d-em gegenwärtig erschei­nenden Werke-G-ermaütia", Zwei Jahrtansen-de deutschen -Lebens. Änliurgeschichilich geschildert von Jochs. -S-cherr. 6. neu bearbeitete, mit ca. 800 Ab-bild-uugen und 60 Extra- Kunstbläueru versehene Auflage. -50 Lieferungen zu Je 80 Pf. Stuttgart, Union Deutsche Verlagsge-sellschast.)

Di-, T. Eine wichtige ärztliche Neuheit ist ein Appa­rat, der in einer der letzten Sitzungen der Pariser Aka- denrie -d-er M-edizitr vor-gef-ührt wurde und «dazu -dienert soll, die Aln-wendtmg -des Chloroform zur Betänbuna bei Operatio-nen gefahrlos zu machen. Im allgemeinen zweifelt nie-m-and daran, -daß -die MMtzunH des Chloro­form ein gewalti-g-er und segensreicher -Fortschritt -ist, der die Ausführung mancher KMerigen Operationen über­haupt erst ermöglicht -hat. Immerhin ist es eine Quelle von Bennrnhigun-g, daß noch einzelne Fälle vorko-m-men, Lei denen die Narkose zu einem tödlichen -Ausgang führt. Mat hat mit allen Mitteln daran gearbeitet, diese Ge­fahr einzuschränken. Nam-entlich i-st es zitm Gesetz er­hoben -worden, daß neben d-e-m operierenden Arzt n-och ein Sachverständiger anwesend sein m-itß, der den Ver­lauf der Betäubung ttnd ihre Einwirkung aus den Puls- schlag sorgsam verfolgen muß. In -der Tat hat man so viel -erreicht, -daß die -Gefahr der Chloroform-betäu-buW bereits eine recht geringe genannt werden kann. -Ein-e vollkommen-e -Sich-erheit. würde wohl aber -mir dann ge- aeben sein, -wenn die Menge d-es eingeatmeten Chloro­forms oder, richtiger gesagt, die Zusammensetzung der eingeatmeten Mischung von Chloroform und Luft genau bestimmt -werden kann. Das -will der neue Apparat er­möglichen, -der von den Ärzten Dupont und Th-urneyssen erfunden worden ist. Ähnliches ist Amur schon versucht und auch an die Öffentlichkeit gebracht -worden, jedoch schctnt -die neue Ersittdung besondere Vorzüge für sich ist Anspruch itetmten zu -dürfen. D-er Apparat besteht nt einer magerechten Röhre für -die Luftzufuhr und in einer senkrechten, also rechtwinkelig mit jener verbündet-en Rühre, die das Chloroform enthält. Der durch das erste Rohr geleitete Luftstrom reißt etwas Chloroformda-mps mit -sich, dessen -Menge durch eine besondere Vorrichtung geregelt werdet: kann. Ferner ist die Maßnahme ge­troffen «vord-en, daß die -mit Wasserdampf bela-r-rpe aus- geatmete Luft ihren Weg nicht in die Chloroformröhre nehmen kann. -Besouders -wichtig ist ferner der Umstatt-d, baß der Apparat mit etne-m -Thermometer versehen ist, weil die Menge des -entwickelten Clllorofoxmb-ampfes bei einer Steigerung der Temperatur sehr schnell anwächst. Di-, Reyni-ex, der freut Apparat -der Pariser Akademie vorfiihrte, hat ihn 12S mal erprobt und äußerst brauch­

bar befirndet!. Er rühmt seine l-eichte Anwendb-arkeit und namentlich den Erfolg, daß die Patienten ohne Kampf und fast immer ohne Erbrechen betäubt -wurden. Bon anderer Seite erfuhren die Ilngaben De. Reyniers aller­dings noch Widerstand, und na-merrtlich -wurde -darauf hin'gew-icseu, daß To-desfälle in Her Betänbnng nachw-eiK- lich oft nach sehr geringen Do-sen von Chloroform- eiu- gctretert wären. Es würde zu berjick-sichtigen sein, daß es sehr auf -die in-divVd-uelle Empfänglichkeit des Patienten artkäm-e, und daß somit eine fortgesetzte Überwachung der B-etäubung durch einen -Arzt, d-cr einen neuen Tropfen Chloroform immer nur im Bedarfsfälle gäbe, sogar dem volllemmeusten Apparat -zur Eittatmung der betäubenden Mischun-g v-orzuziehen sein würde-. Außer­dem wäre zu «rw-ä-gert, daß auch die reinsten Proben von Chloroform nicht immer die gleiche Menge Dampf bei derselben Temperatur abgäben. Dr. Reynier hielt an seiner Aussage feist, daß -der neue Apparat nicht nur gan-z gefahrlos -wäre, sostdexn auch sonst große -Vorzüge besäße. Gerade die B-e-urteilnng Ser individuellen Emp- fänglichkeit wäre ein bedenklicher Punkt, indem selbst ein geübter Arzt iJrrtümern ausgesetzt wäre. Fast allr Todesfälle in der B-etäubuug wären diesem Mangel an Urteilsfähigkeit in dem genannten Punkt zuzuschreiben.

-ii. Die Hygiene des Teetrinkens. Von Zeit zu Zeit kann man imnter -dieselben Anklagen gegen den Genuß von Tee und Kaffee lesen. -Vom ob-jektisten Standpunkt aus mutz zugeaeben werden, daß »tauche Leute sicher zu viel Tee trinke» und sich ohne ihp besser befind-en wür­den. Das Beispiel von China aber lehrt, daß -das Tee- trinken ein Volk vor größeren Schädeir bewahren kann, In China ist der Genuß von -Wasser eine Unmöglichkeit.' -weil alles Wasser verseucht ist. Das ist jedenfalls einer -der Gründe, weshalb in China alles Tee trinkt, denn das dazu b-enubte Wasser -muß gekocht werden und wird dadurch keimfrei und ungefährlich. Die fabelhaften Mengen von Tee, die ohne sichtlichen Schaben von einigen -der- robustclsteil Völker der Erde, wie von den R-uffen und yon den Nordam-erikaitern, genossen werden, scheinen vt bezeuge», daß unter geeigneten Verhältnissen der Tee aus das Allgemeinbefinden keine» nenneusw-erten, -Schm -en ausübt. In einem kalten Lande kann er noch, immer als ein fast ideales Getränk bezeichnet werden,! da er die Energie sogar nach einer anscheinend fast? völligen -Erschöpfurlg belebt -und ohne merklich- unan­genehme -Nachw-irkungeit esn Gefühl 'des Behagens gibt,! -das auf andere Weise kaum erzeugt werden kann. Wenn- große Mengen von starkem Tee Kindern verabreichst werden, so kann diese Gewohnheit selbstverständlich nicht