N-. 107. Wor-g-n-Ansg-rbr. 1. glatt. WirsdaÄerrer TttybiM.
Bilder vom Simplon-Tunnel.
AaE Anlaß der Vollendung des Riesenbauwerkes, welches man nicht mit Unrecht den Weltwundern der antiken Zeit zur Seite gestellt hat, dringen wir heute unfern Lesern eine Anzahl von Bildern, welche sich auf den Simplon-Tunnel beziehen. Die größeren Bilder in der Mitte zeigen uns die Einfahrten links auf der Nordseite, also auf schweizerischem- Gebiete, rechts auf- -italienischem Gebiete, auf der Südseite. Oben nimmt
richtung.entsprach. Nachdem mehrere Meter Gestein ab- gesprengt waren, wurde ein neuer Eisenstab in die Decke eingefaßt, welcher mit einer außerhalb des Tunnels stehenden Formröhre und -dem erst «ing-chaßten Stabe in einer Richtung liegen mußten. Und so ging es von einem Stab zum andern weiter, so daß die Differenz, die sich nachher ergeben hat, kaum einige Zentimeter betrug. Unser Kartenbild unten rechts in der Ecke zeigt uns ja auch, daß -der Tunnel in schnurgerader Richtung unter d-en Bergen hiin'drrrchsührt, über deren Höhe uns
-den größten Teil des Raumes die riesige Bohrmaschine ein, welcher man das allmähliche Durchbohren des Berges vornehmlich zu danken hat. Die Beamten sind a-n, unserem Bilde gerade kräftig bei der Arbeit. Sie haben gerade den Bohrer angesetzt und stellen die Öffnungen her, in welchen die zum Sprengen gebrauchten Dynamil- Patronen eingefaßt werden. Selbstverständlich war es -sehr schwer, genau die Richtung beim Tunnelbau einzuhalten. Es wurde, nachdem die Tunnelrichtung im allgemeinen auf dem Papier festgestellt war, im Tunnel zunächst in die Decke ein Eisenstab geschraubt, in dem eine Kerbe so eingefaßt war, daß sie genau der Tunnel
die links unten -angebrachte Skizze Aufschluß erteilt. Wir schließen die Reche unserer Bilder dadurch, daß wir diejenigen Persönlichkeiten, welche sich am -meisten cm denr Tunnelbau Verdienste -erworben haben, anführen, mit Ausnahme der Ober-Ingenieure „v. Kager und Häusler", die- durch Abbildungen schon hinreichend bekannt sind. Da haben wir zunächst den Nationalrat Sulz er, 2. Herrn Brandt, 3. den Oberst Locher. Das sind die drei noch heute lebenden Bauunternehmer, welche trotz aller Widerwärtigkeiten -und Stürme ihren vertraglichen Verpflichtungen nachgekommen -und -bis zuletzt aus-- gehalten haben, wodurch sie diesen prächtigen Erfolg
Samstag , 4 . Mär; 1905. _ Heit, S.
erzielt haben. Es folgen die Bilder -der beiden Ober- Ingenieure Presse! und Beigner, welche von der Südseite her, also vom italienischen Gebiete ans, -die Bohrungen geleitet haben. Von der Bohrmaschine w-ollen- wir noch erwähnen, daß sie eine spezielle Erfindung des während des Bäues leider verstorbenen Ober-Ingenieurs Brandt gewesen ist. Ein höhlenförmiger Hohlbvhrev mit drei Zähnen wird unter einem Druck von 12 000 Kilogramm gegen das Gestein gepreßt und in der Minute bis achtmal herrnngedreht. Der Durchmesser -des Bohrers beträgt 7 Zentimeter, und es ist eine Kraft van 25- Pferden für jede Maschine, von denen zugleich 3 bis 4 arbeiten, erforderlich. Jede Umdrehung sollte «men Zentimeter ins Gestein eindringen. Gelang -das nichts so -müßte -der Bohrer gewechselt werden. Am Tagg wurden etwa 10 bis 12 Bohrlöcher hergestellt, die dann> -mit Dynamit-Patronen -gefüllt wurden, so daß -mau immerhin ans einen täglichen Fortschritt -von 4 bis 9 Metern rechnen konnte.
KL eine Chronik.
Gräfin Montignoso. Der Großherzog von Toskarra hat, durch das Vorgehen des Justizrates Körner erregt, an den König von Sachsen ein Schreiben gerichtet mit der kategorischen Erklärung, daß er nicht länger zusehen -wolle, wie die Gräfin Montignoso unwürdig behandelt werde. Der König soll erwidert haben, er fei zu einer gütlichen Auseinandersetzung bereit, ferner dazu, so wo bl die finanzielle Seite als die Frage, ob die Prinzessin Mon-i'ka weiter bei der Gräfin verbleiben solle, unabhängig von der Entscheidung der italienischen Gerichte durch einen neuen Vertrag zu regeln. — Die Gräfin, Montignoso wirb im April nach Rorschach zurückkehr-en.
Von einem tollwntvürdächtigen Hunde sind in Barmen fünf Personen gebissen worden. Die Gebissenen sind in das Pasteursche Institut in Berlin gesandt worden; der Hund ist getötet und sein Kopf zur Untersuchung dem Institut für Infektionskrankheiten in Berlin üb-cr- -w-iesen worden.
Diebstahl. Aus der -Eisenbahnfahrt zwischen Köln und Düsseldorf wurde einem Reisenden -dessen schwarz« Lckdertasche mit Uhren und Brillanten rat Werte von 10000 Mk. vertauscht. Allem -Anschein nach liegt ein Diebstahl vor.
Auf dem Milka-Schachte der Grube „Preußen" bei -Beuthen o. S. wurden 20 Bergleute durch herab-stürzenbs «Gestcinsmass-en verschüttet und getötet.
Der Ministerpräsident im Ruhestände. Ein Berliner höherer Beamter, der eine Sammlung von Han-dschristen berühmter Zeitgenossen besitzt, wandte sich vor Jahres-. frist mit der -Bitte um einen Namenszug auch an den französischen Ministerpräsidenten Evmües. Eine Antwort esifolgte zunächst nicht. Monsieur Evmbcs aber bewahrte! das Gesuch des Autographensammlers auf, um es — im Ruhestände zu erledigen, in den er ja Anfang Januar d. I. eintrak. Dieser Tage richtete der Minister an den Berliner Herrn ein Schreiben, das, nach der „Nat.-Ztg.". in -der Übersetzung folgendermaßen lautet: „Mein Herr! Jch würde es mir übel nehmen, wollte ich das kleine Anliegen, das Sie mir vortrugen, unerfüllt lassen. Jchi habe im Laufe von 2hs> Jahren- so viel unangenehm-s Dinge unterzeichnet, daß es mir ein wahres Vergnügen; ist, eine freudig erwartete Unterschrift herzugeben. Emils Combcs."
Jubelfeier in Kleve. Der vor einiger Zeit zur Vor- bereituug der im Jahre 1909 stattfiübenden Jubelfeier der Vereinigung des Herzogtums Kleve mit Preußen gebildete Ausschuß hat beschlossen, das Fest in Kleve selbst, als -der Hauptstadt des ehemaligen Herzogtums, zu
mode befragt. Shaw findet sie verrückt und begründet -das in folgender Weise: „Ich liebe es, mich rein zu fühlen, und meine Meinung über Kleider ist, daß sie bequem und sauber sein sollen, soweit das in London eben möglich. Aus diesem Grunde verabscheue ich Stärke,' ich- könnte keine Sachen tragen, -die, nachdem sie sauber gewaschen sind, mit einem weißen Schmutz-beschmiert und dann zu einer garstigen Masse bebügelt werden. Solch ein Wäschestück aus meinen Körper zu bringen, es zu tragen, drin zu arbeiten und zu schwitzen, ist für mich etwas Schreckliches. Die glänzenden -weihen „Tuben" um die Handgelenke, den glänzenden schwarzen Zylinder auf -dem Kopfe, die glänzende weiße Front des Oberh-BiNdes, die glänzenden schwarzen Schuhe, die Beinkleider, -die wie Regenröhren anssehen — -das ist Ihr -modern gekleideter Mann, er bat das Aussehen eines kalten, angeschwärzten Ofens! -Die große Tragödie in dem Leben eines solchen Mannes ist. -daß -die Natur sich weigert, auf dieses zylinderartigc Ideal einzngehen, und -wenn In seinen „Zylindern" die Knie und Ellbogen beginnen sich zu markieren, fängt er an sich zu schämen."
* Ein neues Unterseeboot, das von dem italienischen Ingenieur Onerroli erfunden worden ist, hat nenlich seine ersten Versuchsfahrten bet Genua gemacht. Dies Fahrzeug ist nicht zu Kriegszwecken bestimmt, sondern soll irgendwo Gegenstände vom Meeresgrund auflesen. Zu diesem Behuf ist es mit kräftigen Greifhäken ansgestattet, die elektrisch bewegt werden. Die größte bisher von dem Boot erreichte Tiefe betrug 58 Faden. Die Besatzung litt auch in dieser Meerestiefe durchaus nicht an Atemnot, sondern vermochte ihre Arbeit ohne Beschwerden zu leisten.
* Verschiedene Mitteilnngen. Durch Ziffern läßt der -starke Aufschwung des F o r t b i l d n n g s s ch u l - Wesens deutlich sich klarstellen. Während im Jahre 1894 8288 solcher Kurse bestanden, wurden 1904 46 867 gezählt, an denen regelmäßig 427 798 junge Männer und 185 948 Mädchen teilnahmen.
Halbes ,/S t r o m" erzielte im Deutschen Theater in London einen durchschlagenden Erfolg.
Gerhart Hauptmanns „Elga", die am Samstag im Lessing-Theater ihre Uraufführung erfährt, ist -durch -die Novelle Grillparzers „Das Kloster bei Sendomir" angeregt worden,' Hauptmann hat der Dichtung die Bezeichnung „Noeturmns" gegeben, in Anknüpfung an den nächtlichen Klostergesäng der Mönche, den die Krrchensprache Nocturnus (Cantus) nennt. Das
Werk umfaßt sieben Szenen, die in einem Zuge hintereinander gespielt rverden, so daß während der Aufführung der Theatersaal geschlossen werden mutz.
Einen sehr interessanten Theaterabend bot, wie aus London berichtet -wird, am Dienstagabend-das Eourt-Theatre, indem es drei wirkliche Dichter zu Wort kommen ließ. Den größten Erfolg halte Bernhard Shaw !mit der Selbstparobie seiner „Candida", dem -wirkungsvollen kleinen Einakter. „Wie sie ihren Gatten belog", in -dem wieder ein tolles Gewirr satirischer und amüsanter Ironien, bizarrer Situationen und humoristischer Ckonmerien verwaltet. Doch auch Arthur Schnitzler mit seinem Einakter „Im Hospital" und der feinsinnige irische Poet W. B. Aeats, dessen -Stück „The Pot of Broth" -ein stimmungsvolles Bild von dem Aberglauben im irischen Volkscharakter entwirft, fanden bei dem Publikum und der Kritik reichen -Beifall.
Nach einem Telegramm der astronomischen Zentralstelle in Kiel ist ein siebenter Mond -des Jupiter ent- -deckt worden.. -Er stand am 25. -Februar nordöstlich von seinem.Zentralkörper in einem- Abstande von 21 -Bogen- Minuten und entfernt -sich täglich von dieser Stellung um GO Sekunden in südwestlicher Richtung. Die -Helligkeit dieses neuen Jupiter-Satelliten ist gleich der eines Sternes sechzehnter Größenklasse.
Der Tst a chte npa last, -der auf den Weltausl- stellnngcn in Paris und St. Louis viel bewundert würbe, soll demnächst in Berlin neu erstehen. Es sollen in ihm geschichtliche und neue Trachten in -stilgerechter Umgebung ständig ausgestellt -werden. _ Kapitalkräftige-, erfahrene Unternehmer sind, wie der „Kons." erfährt, mit den Vorbereitungen für diese Sehenswürdigkeit beschäftigt, für die -sie sich Räumlichkeiten in -der Friedrich-Straße nahe den Linden gesichert haben sollen.
Wie ans Madrid gemeldet -wird, hat der Herzog von Berwick und Alba, ein spanischer -Grande, der in England erzogen wurde, zur Erinnerung an die Zentenarfeier -des Don Quichotte eine -Stiftung von 80 060 Mark gemacht, deren Zinsen jedes Jahr zu einem Preise für das. beste spastische Werk in Literatur, Wissenschaft und Geschichte verwandt werden sollen.
A«m
— N eue Lieder. Ad. P. B o e h m hat im Verlag von Alfred Schmi-d Nachfolger, München, nicht weniger als 18 Lieder aus einen Hieb erscheinen lassen. Ein
feines und liebenswürdiges Talent gibt sich in den Kompositionen kund. Die Sammlung hätte, nach Goetheschem Rezept, etwa unter dem Titel „Der Liebende schreibt" — erscheinen können: man wagt diesen zarten, ein wenig sentimentalisch angehauchten Liedchen kaum mit der krfti-> scheu Sonde näher zu treten. Auffallend ist eine gowiss-S Gleichförmigkeit in der musikalischen Gestaltung: von den 18 Nummern erfreuen sich nur vier einer etwas reicher bewegten Klavierbegleitung, alle übrigen behelfen sich mit den einfachsten rhythmischen Akkordsolgen: von den „7 volkstümlichen Liedern", op. 6, beginnen fünf mit der. leeren Quinte im Baß, von den „1-1 Neidern", op. 8, auch noch drei oder vier, so daß von 18 Liedern a ch t denselben gleichen Anfang teilen. Der volkstümliche Ton ist in den« erstgenannten Liedern nicht übel getroffen, da der Komponist eine hübsche melodische Ader besitzt,' diese ist -auch in 'den elf anderen Liedern unverkennbar; — ein bißchen kurzatmig Nimmt sich allerdings seine Melodiknoch aus. Die Singsti'mme deklamiert -im ganzen geschmackvoll. Sämtliche Lieder sind (auch auf dem Titelblatt) unter den Stcrn einer „Elisabeth" gestellt: und „meiner Elisabeth" — ist auch das Wiegenlied „Unserem Liebling", op. 7, tzugeeignet: es ist für Cello oder Violine gesetzt, und, ähnlich wie die Lieder, von zärtlicher Stimmung durch- w-eht. übrigens hat Ferd. David in dem Wiegenliedchen seiner berühmten Biolin-schule schon denselben Ha-upt- Wiegen-Gedanken gehabt. Das sei aber nur gesa-gt, um dem -Komponisten P. A. Boehm neben einer größeren Konzentrierung seines Talents, auch eine noch strengere Selbstkritik anzuempsehlen. — Tie vorgenannten Liederhefte dürften im Publikum umso mehr Interesse erregen, -als der Verfasser, ein Sohn des verstorbenen, hochgeachteten Sanitätsr-ats Boehm in Schwalbach, sich hierorts vieler persönlichen Sympathien erfreut. — „S-echse, sieben oder acht!" 'Lieb im Volkston für Männerchor, von Heinr. G e i ß. Das kleine Liedchen empfiehlt sich durch eingängl-iche. melodische Fassung: es ist geschickt gesetzt, indessen wohl weniger „für Männer ch o r", als für Männer q u a r t e t t gedacht. Darauf deutet -auch die W-idmun-g an Herrn Hofopernsänger Hans Schuh und seinen beliebten Quartett-Verein. Im Refrain heißt es von den lustigen Blumen: „Sehnsucht in den Blicken, guckt mich jede an und lacht, — Könnt' ich dock ans Herze drücken sechs«, sieben oder acht! Also, viel Vergnügen» (Verlag von Ernst Schellenberg, Große B'urgstratze 9, Wiesbaden.) ß. D.
