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Movgerr-Arrsgirbe, 1. Klttit.
WiesdaSener Lagviatt.
Freitag. IV. Fevruar 1»V5
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Ausbildung gebotenen Reihenfolge und Ausdehnung zu unter» weisen. Das Schöffengericht zu Idstein verurteilte den Meister zu einer Geldstrafe von 50 M., es n«ah:n an, der Meister habe seine gesetzliche Pflicht dem Lehrling gegenüber nicht erfüllt, er habe ihn mehr zur Feldarbeit benutzt, als in der Werkstätte beschäftigt, und wenn die Verhältnisse eines kleinen OrteS auch manches als entschuldbar erscheinen liehen, so dürfe doch als sest- gcstcüt erachtet werden, daß den Meister mindestens ein Teil der Schuld an der mangelhaften Ausbildung des übrigens äußerst schwach begabten Lehrlings treffe. Gegen das Nrteil des Schöffengerichts legte der Angeklagte Berufung ein und er erzielte vor der Strafkammer seine Freisprechung. Eine Anzahl Landwirte ans Ketternschwalbach bekundeten, daß L. sich »ach ihren Beobachtungen redliche Mühe mit dem Lehrling gegeben, daß er ihn in allen in seiner Werkstätte vorkommenden Arbeiten unterwiesen habe. Die Strafkammer nahm an, daß aus dem Mißerfolg der Prüfung, welche der Lehrling in einer ihm bis^dahin gänzlich frcmdenUmgebung ablegen mußte, allein nicht der Schluß auf die Mangelhaftigkeit des Unterrichts gezogen werden könne.
* Ein Rohling. Die Strafkammer zu Heidelberg verurteilte den Hauptlchrer Karl Weldc, der anfangs vorigen Jahres von Weisenau bei Mainz nach Heidelberg übersiedcite, wegen fortgesetzter barbarischer Mißhandlung und Vernachlässigung seiner schwer krank darnicderliegenden Ehefrau zu einem Jahr Gefängnis. Ta Fluchtgesahr vorlag, wurde auch seine sofortige Verhaftung angeordnet.
* MajcstätSbcleidignng. Der Zigarrenmacher Becker ans Rensefeld bei Lübeck wurde wegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.
Kleine Chronik.
Eine Freudenbotschaft für Briefmarkensammler kommt aus Italien. Auf Bcvanlassung des Königs wer- f>cn die in der Armee üblichen iStrafportvmartcn abgeschafft und jedes Bataillon oder jede andere militärische Einheit wird feine eigene Briefmarke erhalten. Französischen Philatelisten ist cs mit großen 'Schmierigkeiten gelungen, bereits einige der Neudrucke an die Außenwelt zu bringen. - Die Ercmptare sollen von großer Schönheit sein. Nationale Helden, alte wie neue, klastische Mythen, berühmte Denkmäler, Städtebilder und historische Szenen sind als MartenbitLer verwendet.
Ein W-Millio«en-Konk«rs. In dem Konkurse des 'Kaufnmnns Otto, des früheren Anffichtsvats-mitglbedes Lcr Kasseler Trebertrocknnngsgesellschaft, beträgt nach der demnächst zu erfolgenden Schlußabrechnung bie Schnlden- imass« rund 36 Millionen, denen 280 000 Mi. Vermögen gegenüberstchen. An die Gläubiger «werden demnach 0,55 v. H. oder 65 Pfennig aus je 100 Akk. «verteilt. — Auch in dem Konkurse über «das Privatoermögen des Kaufmanns. Ad-vlif «Schmidt, des ehemaligen ^ Geveral- «dircktors der Trebertrocknungsgefellschaft, soll in nächster o.cit die Schluhverteilung «erfolgen. Die Gläubiger Schmidts werden, nach dem „B. T.", für je l00 Mt. ihrer Forderungen — 69 Pfennig erhalten.
Neue Waggons. Bon den Elscnbahndirettwncn Essen und Kattowitz «werden versuchsweise größere Wagen »nun Transport von Massengütern^ ein«iesnhrt, die deir «Vorteil eines günstigeren Verhältnisses von Eigengewicht zur Nutzlast bieten. Für ,Kohlentransport werden Wagen mit 20 Tonnen Ladefähigkeit eingestellt, für größere Versandstücke Ptattformwagen «für ein.Gewicht von 30 Tonnen! für Ausnahmefälle sollen auch einige Wagen für 60 Tonnen und 80 Tonnen gebaut w«erden. Jim Saar- gebiet kommen auch Trichterwagen, die sich nach unten selbsttätig entladen, zur Verwendung.
Verbranntes Vieh. Auf «dem Rittergute Lüdershagen in Mecklenburg brannte das Bichhaus ab, wobei gegen hundert 'Stück Vieh, meistens Kühe, und «große Futter- Vvrrätc ein Raub der Flammen wurden.
Erschossen. In «Saarbrücken hat sich der Rekrut Schröder von der 8. Kompagnie «des 70. J«nsanterie-Regts. in der Kaserne mit seinem Dienstgewehr erschossen. Fvrt- ge'etzte Mßhandlungen «durch ältere Leute sollen d«cn jungen Mann, «der bei den Vorgesetzten als tüchtiger Soldat sehr beliebt war, in «den Tod getrieben haben.
Verschüttet. Aus der Zeche Court bei Dortmund wurde der Bergmann Weber mit seinen beiden Söhnen verschüttet. Während es dem Vater und einem Sohn, zelang, sich ans ihrer verzweifelten Lage zu befreien, tonnte der andere nur als Leiche geborgen werden. Der Vater «wurde schwer verletzt «zum Krankenhanse geschafft.
Ein kleiner Held. Die fünfjährige Tochter Marie -j„«es zu Groß-Lichtersclde wohnenden Ehepaares kam beim Spielen dem glühend heißen Ofen zu nahe und zog sich ausgedehnte, anscheirrend «lebensgefährliche Verbrennungen des Körpers zu, besonders «an Brust und Armen. Es «stellte sich Herairs, daß der linke Arm, dessen Haut vollständig verbrannt war, zeitlebens völlig steif bleiben würde, wenn nickt auf chirurgischem Wege eine Hautverpflanzung auf die hautlosen Stellen «des Körpers «der kleinen Kraulen vovgcnvmmcn werden könnte. «Mariens «dreizehnjähriger Bruder Richard «erklärte sich bereit, «die Operation an sich vornehmen «zu lassen. Der Oberarzt «des Kreiskrankenhauscs fiihrte die Operation durch. Arzte «und Pflegepersonal der Anstalt beglückvitziscbten deii kleinen Retter seiner Schwest«er, der soviel Seelen- grvße gezeigt, «auf das herzlichste.
Auf einer Eisscholle ins Meer getrieben. Bor eini«gen Tauen schwebten, wie die St. Petersburger „Nonvvsti" berichten, eine «große Zahl Fischer im« finnischen «Meerbusen in großer Lebensgefahr. «Etwa 200 befanden sich au«f dem Eise, die «meksten sogar zu Pferde, bei «der «Insel Seßkar. ES war abends, und «den ganzen Tag hatte ein starker Wind geweht. Plötzlich hörte man einen lauten Knall, und «Sie geänastigten Fischer sahen nun zu ihrem Schrecken, daß das Eisfeld, auf dem sie standen, sich von dem Küsteneis gelöst hatte und dem «Meere «zutrieb. Etwa fünfzig Männer konnten «sich von dem Eisfeld noch« flüchten und in Sicherheit bringen, die übrigen 160 wurden mit ihren Pferden in die hohe See Hinausgetragen. Dort brachten «sie die ganze Nacht zwischen Tod« und Loben zu. Zn ihrem Glück änderte sich aber am nächsten Morgen die «Windrichtung und trieb «das Eisfeld «zum Küste weis zurück, so daß sich alle retten konnten.
Nennen zwischen Lnftschisf nnb Automobil. Das erste «Rennen «in Amerika «zwischen einem Luftschiff und einem Motorwagen fand am «Sonntag zwischen Los «Angeles und Pasadena in Kalifornien statt. Die «Entfernung von etwa 16 Kilometer legte Kapitän Baldwie in seinem Luftschiff „Der Pfeil" nt 30 Minuten zurück, und er schlug «um 1 Minute 40 Sekunden Mr. N. Hancock, der einen Tourenmotor von 24 Pferdekräften fuhr. 24 000 Zuschauer wohnten dem «Start bei, «und auch« am Wege stan
den große Menschenmengen. Als «das Zeichen zum Aufbruch «gegeben «war, stieg das «Luftschiff 1000 Fuß hoch un«d hielt «mit einer Geschwindigkeit von 32 Kilometer in der Stunde auf Pasadena zu. Es stand völlig unter der Herrschaft des Kapitäns und «gehorchte jeder Berührung des «Steuerruders. Der sieben Minuten später abgelassene Motorwagen machte verzweifelte Anstrengungen, das «Luftschiff zu überholen, aber trotz «guter, ebener Wege gelang ihm «das nicht. -I
Die Sterblichkeit in Madrid zeigt für den vergangenen «Monat «wieder eine erschreckend «hohe Ziffer! sie «beträgt nämlich nicht weniger als über 8 . 51/2 vom Tausend! Wenn die Provinzen nicht immer wieder die Lücken ansfüttten, w«ärc -die Hauptstadt Spaniens längst aus- gestorben!
Letzte Wach richten.
wb. Coburg, 16. Februar. Herzog Karl E d u a r «d von S a ch's«e n Coburg u n «d G v t h«a hat sich gestern abend mit Prinzessin Viktoria «Adelheid, der ältesten Tochter des Herzogs Friedrich Ferdinand zu Sch«leKwig--Holstein«->Svilderblirg-Gl«ücksburg, v e r« l 0 b t.
Einsendungen ans dem Leserkreise.
(Stuf Sttütfieiibmifi ob;'t Ausbkwadrung brr UN» für bit«t SKubril jugrbertbm, nickt wrrocnbftcn Cinfentnmani kann s!ch die Redaktion nicht fi;tIdlint.i
* S ch ü I e r t u r n e n. Nach lanzein Zögern — auch jetzt noch nicht ohne Bedenken — entschließt sich der „Turner ttnö Spieler" von Nr. 67 des „Tagblatls" zu einer Entgegnung ans die Ausführungen des Herrn 8. Aber er darf den Vorwurf, als habe er sich mit seiner Einsendung in Angriffen ans die Leitung« der Knaben«» Steilung der T.-G. „ergehen" wollen, nicht unwidersprochen lassen. «Hauptzweck war, der lieben Turnsache zu dicncit, und er glaubt die «Hoffnung anSsprcchen zu dürfen, daß die ernste Absicht erkannt find das Eingesandt von anderen Lesern unter diesem Gesichtspunkte beurteilt ivorden ist. Gerne gibt er zu, daß cS Mitabsicht war, die Aufmerksamkeit der beteiligten Eltern auf den Turnbetricb in der genannten Schülcr- abteilnng zu lenken. «Hätte Einsender aber nichts mehr als nur eine „dunkle Borstellnng" von der Betriebsweise derselben, würde er überhaupt geschwiegen haben. Seine damals ausgesprochene libcrzcngnng, daß ein derartiger Turnbetrieb große Gefahren für die Gesundheit der dem Leiter von sorgenden Eltern anvertranten Kinder in sich birgt, ist durch die Antwort des Herrn .8. nicht im geringsten erschüttert worden. Auch mutz er ganz entschieden bestreiten, daß die beliebte Welse sich n i «ch t wesentlich (!) vom Schulturnen unterscheide. Sollen etwa die wenigen Fachausdrücke in Verbindung mit der allerdings sehr schönen Beschreibung der Bicrteilnng einer Turnzeit den Gegenbeweis liefern? Dann muß der Einsender mit allem Nachdruck entgegnen, daß jener durchaus nicht genügen kann. Nicht das angcdeutcte dürftige Gerippe, sondern W a s und W i e des im Rahmen desselben Geübten stellen das Schülerin r neu «Gleichwertig neben das Schulturnen oder machen es verwerflich. ES würde zu weit führen und die Grenze des im „Tagblatt" für Einsendungen zur Verfügung stehenden Raumes überschreiten, wollte der Beurteiler darlcgcu. wie er zu jener hart klingenden Kritik gelangen mußte. Ausführliche Begründung, wenn nötig, ■au anderer «Stelle! Hier nur das einet Nicht denkt sich's der Verfasser, nein, er hat cs mit eigenen Augen gesehen, stützt sich also auf Tatsachen, wenn ex behauptet, daß nicht „Schulübungen in systematischer Folge nsw.", nicht nur Mntübnngcn — die auch er itti Turnen nicht vermissen möchte —, sondern Gipfcl- übungcn in des Wortes schlimmster Bedeutung getrieben werden. Er behauptet ferner: Wären Arzte bei den diesjährigen Schüler- Schauturnen der T.-G. -.»«gegen gewesen, sie würden die Anklage bestätigen, daß durch das einseitige Trainieren, welches den gezeigte» Glanzleistungen unbedingt vorausgegangen sein muß, die Knaben im Wachstinn gehemmt, Herzfehler und Rückgrot- vcrkrüinmungcn, ja sogar Rückenmarksschwindsucht verursacht werden können n. a. m. Man bedenke dock stets, es turnen nncnttvickelte Knaben im Silier von 12—14 Jahren! Sollte cs sich als nötig erw-iscn, würde Einsender nicht säumen, seiner Behauptung durch Arzte und Tnrnpädagogen, anerkannte Autoritäten ans dem besprochenen Gebiete überzeugende Kraft geben zu lassen. Mögen nun zunächst die betr. Elter» selbst prüfen und urteilen,' sollten sie durch diesen Mahnruf dazu veranlaßt worden sein, so wäre dessen Zweck erreicht. Zum Schluffe gestatte man dem „«tuntet" — derselbe ist, aitch nur lo nebenbei bemerkt, noch etwas mehr als 10 Jahre auf dem Gebiete des Schulturnens tätig — seine Ansicht über die Ausgabe deS Leiters einer Knaben- abtcilnng kurz also auszusprechen: Bor allem halte sich derselbe von jeder Übertreibung und Effekthascherei im Geräteturnen fern. Wohl Mut-, aber nicht Gipfclübung! Statt dessen lehre er die ihm anvertranten Kinder, wie sie gerade stehen, in schöner «Haltung gehen, in jeder Lage ihre Glieder beherrschen sollen. Sodann führe er seine Schüler fleißig hinaus aus den Spielplatz oder die Eisbahn, in den Wald und ans die «Höhen, kurzum an das Licht, in die Luft. Dort sind die Gesundbrunnen für unsere Jugend, nicht in erster Linie in einer stets mehr ober weniger diimpfen und staubigen «Halle. Allerdings kann man bei solch naturgemäßem Betriebe nicht mehrmals im Jahre eine schaulustige Menge tu Erstaunen setzen- Dafür gebührt aber dem Wirken des Leiters, da es dann wirklich dem Wähle des Heranwachsenden Geschlechtes dient, rückhaltlose Anerkennung. Ein Turner und „Spieler". (Damit schließen wir die Debatte. D. R.) , _
Briefkasten.
E. W. Wenn Sie während dieser Zeit hier Ihren Wohnsitz batten und preußischer Staatsangehöriger sind, können Sie in Hessen nicht zur Staatssteuer heraugozogeu werden, jedoch zur Gemeindesteuer, wenn Sic sich über drei Monate dort anfge- valten haben.
Invalide, Igstadt. Wird die Invalidenrente von der Versicherungsanstalt bezogen, so ist der Bezieher von dem Markcn- kleben befreit, handelt es sich jedoch um eine Pension, die von der Militärbehörde oder einer BerufSgenossenfchaft bezahlt tvird, so kann der Betreffende weiter kleben, aber auch ans seinen Antrag, der bei dem Bürgermeister zu stellen ist, davon befreit werden.
Restauration Kngclstadt. Die drei größten Säle Deutschlands sind der große Konzersaal der Festhalle zu Mannheim mit 207!) Quadratmeter,, der „Fredenbaiim" zu Dortmund mit 15W Quadratmeter und die Stadthalle zu Mainz mit .1457 Quadratmeter. Dann folgen „Konkordia"-Hamburg mit 126.1 Quadratmeter und der „Gürzenich" zu Köln mit 1172 Quadratmeter. Der größte Raum ist der «Hanptranm der Gewcrbchallc zu Stuttgart mit 3061 Quadratmeter.
Stammtisch R. Die erwähnten Kinder sind zum Unterhalt ihres« Stiefvaters und ihrer Stiefgeschwister gesetzlich nicht verpflichtet. _
HandelsfeiL
Dividende der Reichsbank. Es soll diesmal der Bruchteil eines Prozentes über 7 Proz. als Dividende der Reichsbank verteilt werden gegen 6,18 Proz. in 1003 und 5,47 Proz. in 1902. Die im Herbst angesetzte Schätzung der Dividende für 1904 lautete bereits auf 7 Proz. oder etwas darüber. Das günstige Ergebnis wird als eine Folge des höheren Zinsfußes und der größeren Inanspruchnahme der Bank während des ganzen Jahres bezeichnet. Verluste hatte die Reichsbank im abgelaufenen Jahre keine.
Preußische Seehandlang. Jüngst war ein Ministerialcrlaß an die preußischen Koromunalbehörden, öffentlichen Sparkassen und andere Behörden ergangen, wonach diese sich bei vorkommenden Geldgeschäften wenn möglich der Seehandlung bedienen sollten. Hiergegen hat sich jüngst die Handelskammer in Kassel aufgelehnt und deren Vorsitzender hat die Ansicht ausgesprochen, daß in dem Vorgehen des Ministers eine unzulässige Beeinträchtigung des privaten Bankgeschäfts liege.
Ans dem Ruhrkohlen-Gebiet. Es wird gemeldet, daß die seither gehegten Befürchtungen, infolge des Streiks würde das Innere der Zechen gelitten haben, sich nicht bestätigen. Die Zeche „Deutscher Kaiser“ hat den Betrieb in vollem Umlange wieder aufgenommen. Die Zechen „Bommerbank" und „Bergmann“, von denen es hieß, daß sie stillgelegt würden, werden auch wieder in Betrieb gesetzt werden.
Deutschlands Handel mit den Vereinigten Staaten. Nach den vorliegenden Ziffern ist die Einfuhr Amerikas nach Deutschland hauptsächlich infolge des geringeren üetreideverkehrs von 67,30 Mill. Doppelzentnern im Jahre 1903 a.uf 31,30 Mill.« Doppelzentnern im Jahre 1904 zurückgegangen. Die deutsche Ausfuhr ging in den hauptsächlichsten Waren ebenfalls zurück; sie betrug 12,33 Mill. Doppelzentner im Jahre 1903 und 1901 nur 9,38 Doppelzentner. Hier war es der Export in Eisen-« und Eisenwaren, der den bedeutendsten Ausfall brachte, und zwar betrug derselbe 1963 2,94 Mill. Doppelzentner und .1901 0,40 Mill. Doppelzentner.
Chemische Industrie. Unter der Beteiligung der Höchster Farbwerke ist unter der Firma Osmanwcrke in Bern eine neue Aktiengesellschaft gegründet worden zur Ausbeutung von Torfmoor und Herstellung eines neuen Torferzeugnisses, Osman genannt. Dieses Verfahren haben sich die Farbwerke Höchst patentieren lassen. Das Kapital der Gesellschaft beträgt 1 800 000 Fr.
Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik Düsseldorf.
Es wird mitgeteilt, daß die Fabrik noch immer mit mehreren ausländischen Staaten wegen Lieferung größerer Mengen Artillerie-Materials in Unterhandlungen steht und zuversichtlich hofft, daß sie zu einem günstigen Abschluß führen. Einen Auftrag hat die Gesellschaft jedoch bis jetzt ment erhalten.
Gothaer Waggonfabrik. Wir haben un5 schon wiederholt mit dieser Angelegenheit beschäftigt und teilen weiter mit, daß nach den neuesten Meldungen innerhalb des Aufsichtsrats Differenzen entstanden sind, bei denen es sich im wesentlichen darum handelt, in welcher Weise eine Sanierung der Gesellschaft durchzuführen ist. „Die Unterbilanz ist ziemlich bedeutend und außerdem ist noch eine Bankierschuld von 650 000 M. vorhanden. Eine Sanierung müsse vorgenommen werden, wenn das Unternehmen nicht dem Konkurs verfallen soll, wird von verschiedenen Seiten behauptet.
Porzellan-Industrie. Daß die Porzellan-Industrie trotz des Rückgangs der Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten noch immer recht gut arbeitet, geht u. a. daraus hervor, daß die Porzellanfabrik Rosenthal (Sachsen) nach reichlichen Abschreibungen und nach Extradotierung des Reservefonds, der damit auf die gesetzmäßige Höhe gebracht ist) 18 Proz. Dividende gegen 14 Proz. im Vorjahr vorschlägt. Dabei kann der Vortrag noch etwas höher bemessen werden.
Zur industriellen Lage. Wie aus dem Geschäftsbericht der Rheinischen Spiegelglasfabrik hervorgeht, die bei geringerem Gewinn (378 375 M.) wie i. V. (420 693 M.) eine höhere Dividende 8 Proz. (gegen 6 Proz.) verteilt, hat dieselbe nach wie vor unter der scharfen Konkurrenz Englands und Belgiens zu leiden.« Welchen Einfluß die Syndikatsbildung auf das Geschäft hatte und wie die Verhältnisse für das laufende Jahr liegen, darüber ist näheres noch nicht mitgeteilt. — Das Kaligeschäft geht gegenwärtig außergewöhnlich flott. Nach Mitteilungen aus Staßfurt ist mindestens eine Lieferfrist von einer Woche für jede Bestallung notwendig. — Wir haben kürzlich mitgeteilt, daß die Bremer Linoleumfabrik Delmenhorst das Aktienkapital gleich von 562 000 M. auf 2 Mill. M. erhöhen will. Es wird' die beträchtliche Steigerung des Kapitals durch die gleichfalls beträchtliche Zunahme des Betriebs notwendig. — Durch die Herstellung des Rhein-Weser-Kanals wird die Brückenbau-i Abteilung der Dortmunder Union voraussichtlich große Aufträge erhalten.
Kleine Finanz-Chronik. Die Zuteilung auf die neue
Bayrische Anleihe an die Konsortialmitglieder seitens der Kgl. Bank beträgt nur 10 Proz. der gezeichneten Summe, und zwar trotz der angebotenen Sperrverpflichtung. — An der Dienstagsbörse wurden in Berlin, und zwar für Rechnung englischer Bankhäuser größere Käufe in 3proz. Reichsanleihe vorgenommen. Es soll sich um einen Betrag von ca. 1 Mill. M. handeln. — Die Braunschweigischen Kohlenbergwerke haben die Arbeitslöhne erhöht. Die Aufbesserungen betragen bis zu 10 Proz. und erreichen damit die Höhe der Löhne im Jahre 1901. — Die Anmeldungen auf die neue chinesische Anleihe unter 100 Lstr. dürften unberücksichtigt bleiben; bis 5000 Lstr. werden etwa 100 Lstr. zugeteilt, darüber 2—4 Proz. — Die Schirmstoff-Fabrik Körner & Fiedler in Burkhardtdorf i. Erzgeb. ist insolvent. Eine elsässische Baumwollwarenfabrik ist mit angeblich 200 000 M. beteiligt. — Die Sitzung des Aufsichtsrats der Mitteldeutschen Kreditbank in Frankfurt a. M.-Berlin, die über den Abschluß für 1904 Beschluß faßt, ist auf den 24. d. M. anberaumt.
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Berantwortlicher Redakteur für den gesamten redattwnellen Teil: C. Rötherdt;
für die Anzeigen und Reklamen: H. Dorn auf: beide in Wiesbaden.
Druck und Verlag der L. Schellenbergschen Hof-Buchdruckerei in Wiesbaden.
