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ss. Jahrgang.
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81 . Verlags-Fernsprecher No. 2953.
Morgen - Kusgabe.
1. Matt.
Der Mmrügnösa-SKaildal.
Von -Ser Parteien Haß und Gunst verwirrt, schwankt ihr Chavakterbi-ld- in der Geschichte! So könnte man angesichts der neuesten Feh.de für itatib wider Luise von Toskana oder Gräfin Montignoso, lote sie sich selber nennt, sagen, wenn nicht in.diesem Falle unverkennbar die stärkere Berechtigung nicht denl Für, sondern dem Wider zukäme, nsid wenn es nicht eine Überschätzung bedeutete, die Persönlichkeit der ehemaligen sächsischen Kronprinzessin als eiire geschichtliche zu bezeichnen.^ Freilich die zeitgeschichtliche Bedeutung der „sächsischen Ehe- imntg" wird mau. nun einmal nicht ganz aus der Roch» ,rung streichen können, und die Gräfin Montignofo- aus der einen, ihre Anhänger und freilich auch ihre Gegner auf der anderen Seite sind mit einem einer besseren Sache würdigen Eifer beflissen, die Welt fortwährend aufs neue an diese Skandalaffäre zu erinnern, obwohl sie bereits 2 Jahre zurückliegt.
Im Königreich Sachsen sind gewisse Kreise aus einer Sentimentalität heraus, die an die Werth-er-Stimmung geniahnt und die Man fast als krankhaft bezeichnen möchte, beflissen, für .die ehemalige Kronprinzessin Stimmung zu machen und sie als eine Art weiblichen Übermenschen hinzustellen, welcher die Schranken des Hofes kühn durchbrach, um sich., wie man das heutzutage nennt, „ihrer, Individualität entsprechend auszuleben." Hat man doch sogar neuerdings die ausnehmend schlechten Gedichte, welche die ehemalige Kronprinzessin wie ja ,die meisten Menschen verbrochen hat, in Faksimiles veröffentlicht und diesen Gedichten noch eine Anzahl Hymne» ',an die Gräfin Mont-ignoso angehängt, in denen man unter anderem lesen kann: „Dir ist das ganzen Sächsen- volk zugetan! Wie folgt es jetzt nnt treuer Liebe deiner Lebensbahn!"
Diese ebenfalls in ausnehmend holprigen Versen ansgedrückte Meinung ist aber durchaus nicht die des „ganzen Sachsenvolkes", sondern doch nur bestimmter Kreise, wobei man dahingestellt lassen kann, wie viel hiervon auf eine dem Mitleid entsprechende, aber mitzge- leitete Sympathie für die verbannte ehemalige Kronprinzessin im'b wie viel ans eine gewisse oppositionelle Stimmung gegen den Hof kommt, die an sich mit den Sympathien für die Gräfin Montignofo nichts zu tun hat. „A bissel Lieb, a bissel Treu und a bissel Falschheit ist allweil dabei!"
Es liegt in der Natur des Menschen, das; er mit den Unglücklichen Mitgefühl hat, und da die Gräfin Mon-
Fenilleton.
Kulturzerstörer und Völkerdömon.
Zur 600. Wiederkehr von Tamerlans Todestage.
(1405. — 18. Februar. — 1905.)
Von Dr. Engen Wcingart.
Wenn der Apostel des zum System erhobenen rücksichtslosen Egoismus, der Lieblingsphilosoph aller derjenigen, die im eigenen Interesse eine Welt zertrümmern möchten, ohne daß ihr Können mit ihrem Wollen gleichen Schritt hälr, ein halbes Jahrtausend früher über die Erde gegangen wäre, auf (der er nie nach seinen gräßlichen Theorien, sondern als ein im Grunde seines Wesens gütiger, unendlich, weichherziger Mensch gelebt hat, io würde er vermutlich über die Inkarnation seines Übermenschen ideales tief erschrocken sein. Er wäre nämlich der Zeitgenosse eines Mannes gewesen, der nur seinem wahnsinnigen Machtkitzel zu Liebe die ältesten Kulturstätten der Erde in einen grauenhaften Sumpf voll Menschenblut verwandelte, der, wo sein Fuß die Erde betrat, Jahrtausende alte, mühevolle Kulturarbeit in rauchende Ruinen verwandelte, weite blühende Länder zu schaurigen Einöden machte und Millionen friedlicher, arbeitsamer Menschen, um seinen Größenwahnsinn zu frönen, durch seine ruchlosen Scharen auf das grausamste hinmorden ließ.
Dieser Mann, den die Geschichte immerdar zu den furchtbarsten Geißeln der Menschheit zählen wird, obwohl vor dessen Toben die Kultur Westeuropas durch ein gütiges Geschick bewahrt geblieben ist, war Timur Lenk (auch Tamerlan genannt), ein Sproß jenes unfaßbar wilden Hochasiatentums, das in der Zeit vom 13. bis zum 13. Jahrhundert unserer Zeitrechnung sich in Gestalt kriegerischer Millionenscharen über die Länder ergoß und die Kulturwelt Asiens und Europas in der blutigen Sünd'flutorgie des barbarischen Nomadentums ersäufen KU wollen schien.
Wenn man das sinnlose Wüten Tamerlans, den
Freitag, den 17. Februar.
tignoso eine unglückliche Frau ist, die viel herbes Leid erfahren hat, so kann, es niemanden verwehrt werden, ihr .dos rein menschliche Mitgefühl zuzuwenden. Wogegen man sich aber mit Entschiedenheit wenden mutz, das sind die hier und da gemachten Versuche, die Gräfin zu einer Heldin zu stempeln, während sie doch nichts Heldenhaftes an sich hat, und während sie nicht durch übermenschliches in ihrem Wesen, sondern durch Menschliches, allzu Menschliches, zu dem schwerwiegenden Fehltritt gedrängt worden ist, der sich zu einer Tragödie für die ehemalige sächsische Kronprinzessin entwickelt hat.
Als Sie' 32jährige Kronprinzessin in der Rächt vom 11. zum 12. Dezember 1902 mit den« 21jä>hrigenSprach- lehrer Giron dem sächsischen Hofe entfloh, da stellte sich die öffentliche Meinung anfänglich vielfach auf die Seite der Kvonprinzeffm, die man als die Verfolgte ansah. Jndes die Verhandlung vor dem Dresdener Ehegerichtshof und das am 11. Februar 1903 gefällte Urteil, welches die Scheidung der Ehe aussprach und die Prinzessin als die Schuldige verurteilte, brachte doch allgemach einen gewissen Umschwung in der öffentlichen Meinung hervor, der sich infolge der mannigfachen bedenklichen Handlungen der Gräfin Montrgnoso nach der Scheidung weiter entwickelte.
Im übrigen gestaltete sich das Mantignofo-Dvama so, wie man es vor-cmsfehen mußte. Ihre Neigung zu dem geckenhaften belgischen Sprachlehrer erwies sich bald als eine schwere Enttäuschung, deren Konsequenzen Luise durch die .Trennung von ihrem Liebhaber zog. Dresdener Berichte, die, wie es heißt, .ihre Information vom sächsischen Hofe beziehen, beschuldigen die Gräfin Man- tignoso, in dem italienischen Grafen Guicciardini Ersatz für Giron gesucht und gefunden zu halben, aber diesen Behauptungen stehen Sie Erklärungen der beiden Beteiligten 'gegenüber. Ter sächsische Hof hat diese Vorgänge zum Anlaß genommen, imi der Gräfin das im Mai 1903 geborene Töchterchen Monika. ba-S. bis zum Mlauf des zweiten Lebensjahres in den Händen der Mutter verbleiben sollte, schon jetzt -cibznfordem. Und dadurch ist die neueste Phase des Montignoso-Skandals hervorgerufen, nachdem die Welt erst Weihnachten 1904 mit der vorletzten Phase, dem unerwarteten Erscheinen der Gräfin vor dem Königsschlosse zu Dresden, überrascht worden war. ,
Gewiß wird niemand glqgben, daß es sich hier schon um die letzten Kapitol des Montignoso-Ro-mans handelt. Aber an die Adresse derjenigen Kreise in Sachsen, welche dem nicht zu billigenden Montigrwso-Knltus durch eine noch weniger zu billigende Hetze gegen die Gräfin ent- gogenzutveten suchen, muß doch die Mahnung gerichtet werden, daß die immer erneute Aufwühlung dieserAfsäre wahrlich nicht- im. Interesse des sächsischen Hofes ist, dem übereifrige und ungeschickte Diener auf diese Weife dienlich zu sein glauben.
höfische Geschichtschreiber -seiner Rasse und selbst Gibbon
im letzten Bande seiner „Histgry of the decline and fall of the Roman Empire" sich nicht entblödet haben, zu einem erleuchteten Herrschergenie zu stempeln, richtig verstehen will, so muß inan einen Blick auf die politische Macht- Verhältnisse und- den Kultnrzustand des damaligen Asiens werfen, der auch deshalb nicht ohne Interesse ist, weil das in neuester Zeit ausgegebene Schlagwort von der „asiatischen Gefahr" den Widerstreit der Meinungen erregt. Buddhismus, Jslanr und Christentum haben, von Indien, den Euphratländern und von Westen her vordringend, die Aufgabe in Angriff genommen, die Bar- barenhorden Hochasiens einer höheren Kultur entgegenzuführen und an sanftere Sitten zu gewöhnen. Tief drimren im heutigen Pokhara, in Turkestan, in den Oasen von Kara-iüM erblühen Handel, Gewerbe und zahlreiche Bil- dungsanstalten, die den dem geistigen Niveau ihrer Stanmnesgenosseu Voraneilenden Gelegenheit bieten von den Früchten der Zivilisation zu kosten. Noch zweimal aber fügt es das Schicksal, daß das in Roheit, Trunksucht und allen tierischen Lüsten sich wälzende Nomadentum sich aufrafft. Wie aus einem Höllenkrater brechen die Kräfte seiner Zerstörungswut in Explosionen aus, die weithin -das Erdrund erschüttern und den Himmel der Menschheit in blutiges Abendrot tauchen. Dann hat die Energie sich zwar ausgetobt. Vergebens aber sucht die Geschichtsforschung nach den auch nur kleinsten Zügen dieser Katastrophen, die vor dem Richterftnhl der Moral als Milderungsgrund herangezogen werden- könnten: denn die von -den mongolischen und tartarischen Teufeln ausgeführte Zerstörung ist so gründlich, daß bis zum heutigen Tage die von ihnen verwüsteten Städte sich nicht wiederholt haben und die Länder, einstmals Wiegen. der menschlichen Kultzir, Einöden ge- blieben sind, deren Bewohner die Fähigkeit verloren zu haben scheinen, eine höhere Stufe der Lebensführung zu erklimmen.
Das erste Mal war es der unter dom Namen Dschin- giskhan bekannte Unhold Temudschin, dessen ungeheure Heeresina-s'LN im Osten die chinesischen Reiche zerstörten.
Redaktions-Fernsprecher N». 52. 1905*
Politische Übersicht.
Darf man es sagen?
In einem eben bei Larousse in Paris erschienenen Werke über die häusliche Erziehung der jungen Mädchen behandelt der belgische Frauenrechtler Louis- Frank eine oft angeschnittene Frage, -die sich in die Worte zusammen- fassen läßt: Darf man cs -sagen? Nach Franks Ansicht ist cs von den Eltern nicht recht, ihre Heranwachsenden Töchter in völliger Unwissenheit über die Geheimnisse des Lebens zu lassen, da, wie man in Nordamerika längst eingasehen. hat, gerade die Kenntnis der Dinge aut diesem Gebiet der beste Schutz der Unschuld ist. Auch von hervorragenden Moralisten ist dies anerkannt. Der Wb6 Fonssagrves, der den heiklen- Gegenstand in Harm» lasefter Form besprochen hat, hält etz für angebracht, den jungen Nkü-dch-en -die Aufklärung nicht zu lange v-orzu- enth,alten, denn es komme die Stuinde, wo die bis dahin schlummernden Naturkräfte unbedingt erwachten und in Gärung gerieten. Damit aber dann die jungen Leute nicht durch gefährliche Umstände belehrt würden-, sei es Sache der Eltern, ihre Kinder zeitig mit ixst Gesetzen des Lebens bekannt zu. machen, und damit die nötigen Ratschläge zu verbinden. „Täglich", sagt Dr. Toulouse, „erfolgen schändliche Anschläge -auf unerfahrene Manchen, ohn-e -daß -diese davor zurückschrecken -oder ihnen zu entgehen such-en. Ebenso sieht, inan achtbare Familien- mütter, die Opfer der stürmischen Vergangenheit ihres Mannes sind und nicht wissen, worauf die KrmckhÄst wovan sie leiden, zurückzufüh-ren ist. Zur Bekämpfung der Verschlechterung der Sitten, besteht die einzige erfolgreiche Methode -darin, das; nt-mt allen Menschen, namentlich aber den Frauen, von Jugend auf die physischen Gefahren der P-romisruität zeigt-. Will inan ein Übel bekämpfen, so muß man es aufdecken, nicht verheimlichen. Zahllose Frauen geben, weil ihnen nicht gesagr wurde, -siechen Kindern das Leben, und viele junge Männer richten sich -und ihre zukünftige Familie zugrunde. weil sie nicht früh genug gewarnt wurden Das Ideal für eine -gesunde Menschheit ist, daß nur gesunde junge Leute beiderlei Geschlechts in- die Ehe treten," Frank wendet sich daher auch gegen die der männlichen jungen Lebewelt vielfach -mit -der Begründung gewährte Nachsicht, daß die Jugend- ausloben müsse, und wünscht von der -Gesetzgebung, das; Personen, die trotz wissent- sicher Belastung mit einer ansteckenden Krankheit Heiraten, dafür -verantwortlich gemacht werden, -Er verlangt, daß eine derartige Belastung als E>yescheidungZ. grund gelte und der geschädigte Teil Schadenanfprüche erhoben könne. Vieles Elend würde zweifellos verhütest wenn die Eltern- sich von der die Zukunft ihrer -Kinder
während die nach Westen b-rand-enden Wogen der Kriegs
furie unter seinen Nachfolgern -vor -den Toren Don Liegnitz sich an dem Wall von M-enschenleibern brachen, den die deutsche Ritterschaft und die Bergknappen von G-old- berg auf dem Gefilde von Wahlstatt errichtet h-atten. Nur wenige Jahre nach -seinem 1227 erfolgten Tode^brach das Riesenreich- zusammen.. Die mongolischen Teilfürsten, die sein Erbe antraten, schienen der europäischen Kultur nicht gänzlich unzugänglich zu sein. Wenig -mehr als hundert Jahre später aber ward im- Lande der durch Dschingisthan aus ihren Sitzen getriebenen Tataren Timur Lenk geboren, der, wo er hink-nm, aufs neue jegliche .Kultur zerstampfte und -als ein Übermeusch von der ?lrt „Jenseits von Gut und Böse" ganze Wölker hin- schlachtete, um sich und -die seinen in Mordgier Kl berauschen.
Timur Lenk, der seinen Beinamen davon hat. daß er durch eine Verwundung lahm- wurde, ist am 8. April 1336 zu Keschk bei Samarkand als Neffe eines Mongolischen Heerführers namens Tnrgai geboren worden, der das Oberhaupt des Stammes Verlas war. Da seine Vor- fahren schon seit etwa 100 Jahren als Lehnsherren in Keschk saßen, ist kaum anzunehmen, daß Timur in seiner Jugend von der Kultur -des nahen Samarkands unberührt geblieben ist. Ter befruchtende Strom der Zivilisation ist aber von seinen; inneren Wesen ab-geglitten wie Wasser von unlöslichen! Glase, '«ein. Teniperament führte ihn mit zwingender Notwendigkeit den fehdelustigen Elementen zu, die in dem durch innere Wirren zerklüfteten Reiche Dschagatai um die Macht rangen. Im zwanzigsten Lebensjahre beginnt sein abenteuerliches Kriegertum, in dessen Anfängen es nicht an jäh-en Wechseln des Glückes fehlt, das seine und seiner Getreuen Zelle heut in ein Lager des Sieges verwandelt, um -den plötzlich aus allen Himmeln Stürzenden morgen- in die wüste Steppe zu vertreiben, in deren Schluchten er jede Minute für sein Raubtierda.se in bangen muß.
Als im Jahre 1358 dem Chan von Sa-markan», Bnyan Kuli, und seinem Maiovd-omus die Herrschaft aus den Händen entglitten war, befand sich- das Reich Tscha»
