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£ t\U 4. Samstag, 7. Ia-ma- 1 905. _ Wiesbadener TaMatl.

Laß es öi« geringste Ahnung von dem Zusa-mmenhang «des Stückes hatte, noch überhaupt irgend etwas von der Handlung zu erzählen wußte, selbst wenn man dem Ge­dächtnis nachhals. Bet allen Kleinen, mit Ausnahme eines zehnjährigen Kindes, war offenbar der Glaube Verbreitet, daß es sich um WirWHVeit handelte, sie hatten jF-öeri und einen König gesehen, nicht etwa Schauspieler, die Föen und einen König darstellten, die Antworten, die sie in dieser Beziehung gaben, ließen wenigstens zu- Wchst diesen Schluß zu, nur eiue Zehnjährige hatte be­reits eine klare Vorstellung vom Theaterspiel. Drollig war die Äußerung einer Vierjährigen, Re vomSchau- jfenlster" sprach, in dem sie die Vorstellung gesehen. So vezeichnete sie nämlich die Bühne.

Kriegsgericht. Der im Herbst beim 88. Regiment einWstellte Rekrut Johann K o n r a d ist Metzgergeselle un!d hatte vor der Einstellung beim Gswerhegericht in Höchst seinen damaligen Meister, Georg Getzner, auf Lohnzahlung verklagt. Darauf zeigte ihn Getzner wegen Unterschlagung an, weil der Geselle zur Sicherung seiner tzobderung 95 Pf. an Kundengeldern zurückbehalten hatte. So kam der noch unbestrafte Rekrut vors Kriegsgericht, wo sein Meister erzählte, er habe den Burschen, weil er stellenlos gewesen sei, aus Mitleid als Landsmann an­genommen, habe ihm einen Anzug machen lassen und ihm schließlich 6 M. Wochenlohn gegeben. Dagegen ergab die Beiweisausnahme, daß Getzner den Gesellen, der eine gute Stellung in Höchst hatte, veranlahte, von dort weg- gngehen und bei ihm eiNzutveten, weil Getzner selbst gar kein gelernter Metzger ist. Den Anzug, den er dem Bur­schen Mt 60 M. anrechnete, ließ er machen, weil der Schneider Waren von ihm bezogen und nicht bezahlt hatte. Ebenso erwiesen sich verschiedene andere Angaben des Getzner als unwahr. Das Gericht steht -deshalb von seiner Vereidigung ab und trägt ihm auf, binnen einem Monat beim Amtsgericht Höchst eine Fordernngsklage gegen seinen ehemali-gen Gesellen anzustrengen. Bis dahiN wird die Anklage wegen Unterschlagung vertagt.

: Die Suppenwürze vor dem Oberlandesgericht.

Einer hiesigen Maurersfrau war der Auftrag geworden, sie solle in einem Maggi-Fläschchen sich bei einem be­stimmten Geschäft hierselvst Maggis Suppenwürze nach- sülle« lassen. Dieselbe erhielt jedoch in das Gesäß, das stn Form-Ausführung gesetzlich geschützt ist und auch stuf borden Seiten den Namen der Fabrik trägt, keine Maggi-Würze, sondern diejenige der Konkurrenzfirma Müder. Die Frau des Geschäftsinhabers, die ihre Käuferin aus diesen Umstand aufmerksam gemacht haben will, !wurde auf Betreiben -der sich benachteiligt glauben­den -Firma Maggi wegen Betrugs und Verletzung des Sj 14 des Gesetzes zum Schutze der Warenzeichen vom !18. März 1891 in Anklagez-ustand versetzt, vom Schöffen- 'gericht aber frei gesprochen. Auch die Strafkammer, an -die infolge amtsanwaltsch-aftlichcr Berufung die Sache gelangt war, kam -zu einem Freispruch, -da -ein subjektives Betrugsmerkmal nicht erwiesen sei und die Angeklagte sich -einer Verm-ögensschäöigung nicht bewußt gewesen sei. Der Oberstaatsanwalt, der auch -gegen das zweitinstan-z- liche Urteil Berufung eingelegt hatte, führte aus, es käme darauf an, wie viel die Würze der Konkurrenz­firma koste,- um den Vermögensnachteil nachzu-weisen, ans alle Fälle sei der § 14 obengenannten Gesetzes zum Schutze der Warenzeichen verletzt, und zwar Widerrecht­lich und bewußt, denn der Inhalt der Flasche stehe mit ^dem Gefäß in Beziehung, und ein anderer habe nicht das Recht, -geschützte Gesäße einer anderen Firma für seine -Fabrikate -zu benutzen. Dies sei bei -anderer Gelegen­heit bei Bier und 'Selserswass-erflaschen re-W-sgerichtlich -entschieden. -Der Strafsenat des Oberlandesgerich-ts Frankfurt a. Dt. sprach trotzdem die Angeklagte kosten­los frei, da sie -sich weder wissentlich- noch widerrechtlich einen stiermögensvorteil verschafft HaHe; der §'14 -des Ge­setzes bedrohe aber nur Fabrikanten und Verkäufer mit

-Strafe, die gesetzlich geschützte Gefäße usw. einer anderen Firma in den Handel bringen, und zwar Widerrechtlich^ im vorgenannten Falle habe aber die Käuferin das- Ge­fäß -selbst mitg-ebracht und die Würze sei ihr -aus einer großen, ganz anders als die Maggifchen Gefäße gekenn­zeichneten Flasche eingegossen worden. Da es sich um eine -Rechtsfrage handelte, wurden der Beschuldigten übeöd-ies noch die Kosten ihrer Gesamtverteidi-gnn-g aller drei Instanzen aus der Staatskasse ersetzt.

o. Ruhestörung durch Last-Automobile. Das große Last-Automobil derMainzer Aktien-Bi-erbrauerei", welches u. a. zum Transport von Bier von der Brauerei zu deren hiesigen Niederlage benutzt wurde, passierte auf -dem Wege Mainz-Wiesbaden zu früher Morgenstund- Biebrich und erregte dort durch das Geräusch, welches -es verursacht, Anstoß. Der Antomobilführer Koch wurde deshalb wegen Verübung vuhestörenden Lärms von der Ortspolizeib-ehörde mit Polizeistrasen belegt, die jedoch, wie seinerzeit berichtet, auf den Einspruch des Bestraften -hin, das Schöffengericht aufhob. Infolge der Berufung der Amtsa-n'wa Wch-a st gegen -dieses Urteil hatte sich -am Donnerstag die -Strafkammer mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Nach längerer Verhandlung kam auch das Berufungsgericht zur Freisprechung, da seiner -Meinung nach der Bestrafung die gesetzliche linier- läge fehlt, d. h. der Automobilbetrieb nicht ohne wei­teres als ruhestörend betrachtet werden könne. Die Brauerei behauptete und trat auch- Beweis dafür an, daß ihre großen Merwagen mehr Geräusch verursachen als das Automobil.

o. Der gemeine Streich, -den zwei junge Burschen von hier namens Borchert und Jakob Schneider vor einiger Zeit an einem Mädchen -verübten, beschäftigte dieser Tage die Strafkammer. -Das Mädchen, es heißt Roh­leder und diente in einer Hiesigen Restauration, traf die beiden in der Platterstraße und fragte, sie nach einer be­stimmten Straße, -wo es -Bekannte besuchen wollte. Unter der Vorspiegelung, sie dahin begleiten zu wollen, führten die beiden das -Mädchen in das Feld, nahmen ihm hier sein Geld ab und suchte^ es zu vergewaltigen. Borchert wurde deshalb -zu zwei, Schneider zu einem Monat Ge­fängnis verurteilt.

Ist Mauscheln ei« Glücksspiel? Bekanntlich hat -sich das Reichsgericht auff den Standpunkt gestellt, daß ldas bekannte KartenspielMauscheln" im allgemeinen nicht als ein Glücksspiel zu betrachten ist, daß es aber trotzdem als Glücksspiel aüsgefatzt weüde'n kann nn-d dessen Duldung bestraft werden kann, beweist eine neue Entscheidung des Oberlanlöesgerichts Frankfurt a. M. -In einem Hotelbetrieb mit Restaurant in Wiesbaden iwar in -den Jahren 1802 und 1603 viel gepokert und öfters Klabrtas, Knacken und hauptsächlichMauscheln" gespr-M worden, und war deshalb der Wirt infolge des letztge­nannten Spieles wegen Duldung, von Glücksspielen, nach­dem er rrm'Schöffengericht bereits frergespMDen,, von der Strafkammer wegen Verletzung des § 885, des Straf­gesetzbuches zu 20 M. Geldstrafe, bezlw. 4 Tagen G-e-fäng- nis verurteilt worden. >H>i-evg-sgen legte er Berufung ein, d-a es sich seiner Ansicht nach um Spiele, bei denen der Spieler einen gewissen Einfluß aus das Spiel habe und nicht um Zufallsspiele hanidle. Die Einsätze betrugen pro M-aun 2 M., doch konnte event. gepatzt weiden, natür­lich- bei Verlust des Einsatzes. Der Obekstaatsanwali beantragte, die Berufung zu verwerfen, denn nach der allglömeiMn gesellschaftlichen Anschauung feien alle Spiele -als Glücksspiele zu betrachten, bei denen um ein Objekt gespielt weöde, das die Bedeutung eines Vermögens- wertes hab-e, und dies Sei bei 2 M. Einsatz, pro Spiel mindestens 8 bis 10 M. Umsatz, der Fall. Die Ver­mögenslage der Spieler käme hierbei nicht in Betracht. Much habe der Zufall bei -dem Spiel, da der Spieler einen Teil der Karten gar nicht kenne, einen großen Einfluß aus den Gang desselben, wenn auch d-i-e Geschicklichkeit

i* * glatt. _ g«t. n» .

des Spielenden etwas mitspreche. -Das Oberlau'desgericht schloß sich den Ausführungen des Obevstaatsawwalts an un!d verwarf die Berufung kostenpflichtig, so daß also Mauscheln" unter den gegebenen Umständen als ei« Glücksspiel aufzufassen war.

Hudde. In Mölsheim (Kr. Worms) kam letzte« Samstag ein Han-dwerksbursche in einen Bäckerlaide« und bat um ein Almosen. Der Meister dachte, den ge­suchten Mörder Hudde vor sich z-u sehen, sp-errte ihn ein, setzte die Gendarmerie P-felddersheim von demguten Fang" in Kenntnis und glaubte schon die 1000 Dt. Be­lohnung verdient zu haben aber es blieb ein unschul. diger HanÄwerksbursche. Abgesehen von dem reichlichen Spott, der dem überschlauen zuteil wurde, hatte die HuÄüe-Geschichte, für ihn auch noch einen Schaden im Ge­folge, da ihm in der Aufregung sämtliche Neujahrs- kuchen verbrannt waren.

Wen« Hunde im Winter die Schienen der Straßenbahnen überschreiten, so schreien sie nicht selten laut auf vor Schmerz. Die Ursache erklärtHundesport und Jagd" sehr richtig wie folgt: Wie jedermann -weiß, macht -das Salz Schnee und Gis, mit denen es . in Be­rührung kommt, flüssig. Wegen dieser Eigenschaft wird im Winter bei reichlichem Schneefall oder großer Kälte an Stellen, die von Schnee und Eis frei bleiben sollen, wie Trambahnschienen, Hydranten- und Kanalverschlüssen und .dergleichen Viehsalz aufgestreut und der erwünschte Zweck vollkommen erreicht. Für unsere vi-erfüßigcn Lieb, lin-ge bildet diese Eigenschaft des -Salzes oft Veranlassung zu einem jähen Aufschrei, lautem Geheul nn-d kläglichem Gewin-nsel. Besonders die kleinen Tiere erregen mit ihren herzzerreißenden Klagelauten allgemeines Mitleid. Es -wird fälschlich angenommen, das Salzwasser ätze oder beiße die Sohle des Hundefußes: doch dies trifft nicht zu, wie man sich leicht überzeugen kann, indem man di« Fingerspitzen in die Gefrierbüchse hält, in welcher di« drehbare Trommel für Gefrorenes steht. Außerdem ist die So-hle des Hundes mit einer übera-us harten Horn­haut vers-eh-en, die den Fuß g-egen solche Einwirkungen sehr, wohl schützt. Der -wirkliche Grund ist der: Das Salz löst sich in Schnee und Eis zu einer breiigen Masse,' die eine Temperatur von 20 bis 25 Grad Celsius ausweist. Tritt nun der Hund in diesen Brei, so -dringt er ihm zwischen die Zehen, wo bekanntlich die Haut sehr -dünn und empfindlich ist, und bewirkt dort -eine so plötz­liche und starke Abkühlung, -daß der Hund Schmerzen empfindet, als ob ihm der Fuß verbrüht würde, und ex durch lautes Klagen und Heulen seinen Schmerzen Luft zu machen sucht.. Große plötzliche Kälte wirkt auf die Gesühlsnerven -genau wie Hitze. Hülflos und erschreckt bleiben empfindsame Tiere -stehen, strecken die -Pfoten in die Lust, der Wind erhöht noch die Kälte und das Schm-erzg-esühl. Das einzige Mittel, sofern man nicht kleine Hündchen einige Schritte wett bei Straßenüber- gän-gen, an der Genickhaut fassend, trägt, ist sofortige Bewegung oder -Frottieren. Man beobachtet oft, daß Tierfreunde die betroffene S-telle, in der Meinung, -daß die Salzlauge ätze, -mit nassem Schnee auszmoasche» suchen, w-obei sie das Schmerzgefühl eher steigern. Lieber gehe man rasch -weiter und zwinge den Hund zur Be. -wegung, wenn auch Unverständige darin eine Rücksichts- losigkeit zu erblicken vermeinen."

Heitere Fremdwortgcschichten. Decennhim. Herr H., Inhaber eines Barbiergeschäftes -und städtischer Deputierter" f-ür -eine höhere Schule, streitet mit einem Lehrer dieser Anstalt über irgend -eine Einrichtung und sagt schließlich:Das ist schon seit mindestens drei De. cenni-en immer so -gewesen." Der Lehrer erwidert: Sie sind ja aber doch noch keine 80 Jahre hier am Orte." Was denn? wieso 30 Jahre?"Ja, Sie sagte« doch: drei Deoennien." Da nimmt Herr H. einen sehr überlegenen Ton an und sagt geringschätzig:Ja, wen« Sie das Decennium zu 10 Jahren rechnen!" So ge­

taner Masuccio? Und doch ist er eine der interessantesten Poeten- naturen der Frührenaissance, der den Veraleich mit seinem Florentiner Niv-alen Boccaccio sehr wohl aushalten kann. Ist er diesem an Geist und Witz mindestens ebenbürtig,, so nbertrisft er ihn wesentlich an tiefem Ernst der sittlichen Auf-assunq. Frei­lich für zaghafte Gemüter hat her alte Romancier nicht qeschrieben, «r verlangt etwas stärkere Nerven, die seinen schonungslosen Spott und Witz vertragen, jene etwas derbe Satire, welche ihre vornehmsten Ausgangspunkte in der glcißnerischen Frivolität des Pfaffentums und Nonncnwefens jener Zeit findet. Der Übersetzer, der durch verschiedene kunstwissenschaftliche und ästhe­tische Schriften bereits bestens bekannt und durch langjährtgen Aufenthalt in Italien mit Sprache, Sitte und Geschichte des Landes eng vertraut ist, hat den anmutigen Plauderton des alten Novellisten wohl dadurch recht gut getroffen, daß er den Stil der deutschen Humoristen der Reformationszeit nachzuahmen ver­sucht bat. Ausführliche historische Einleitungen und Anmerkungen erleichtern das Verständnis jener Zeitgeschichte.

* Friderich, C. G.,Naturgeschichte der deutschen Vögelz einschließlich der sämtlichen Vogelarten Europas". 6. gänzlichmqearbeitete, lehr vermehrte und v-r- besserte Auflage, bearbeitet von Alexander Bau. Mit 410 natur­treuen Farbendruckbildern auf 82 Tafeln, mehreren Textbrldern, 1 Tafel mit Darstellungen der Raubvogelbilder und 2 Tafel,, zur Erläuterung des Vogelfanges. Stuttgart, Verlag jür Natur­kunde sSproesser u. Naegeles 1905. Preis kart. 24 M. oder tti 24 Lieferungen ö 1 M. Die alte, jedem Vvgelfreunde wohlbe­kannte und beliebte FridcrichscheNaturgeschichte der deutschen Böge!" erscheint hiermit zum fünften Male, und zwar in er­heblich verbesserter, verschönerter und vor allem sehr bedeutend er­weiterter Gestalt. Es ist nämlich nicht nur der Text durch d>e gewissenhafte Verarbeitung aller neueren Forschungsergebnisse der Ornithologie lbesonders auch was die biologische Seite dieser Wissenschaft anbelangts auf die Höhe der Zeit gebracht, sondern sind in diese neue Auflage sämtliche europäischen Vögel auf. genommen worden, so daß das Werk nunmehr eigentlichNatur­geschichte der Europäischen Vögel" heißen mühte. Auch die an­grenzenden Faunen-Gebiete Westasiens und Nordafrikas sind mit P, Betracht gezogen, wodurch erreicht wird, daß das Werk jetzt unfern einheimischen Vogelfreund wohl schwerlich jemals im Stich -lassen wird, und sei das von ihm etwa erbeutete, aus fernen Ge- chieten z» uns verirrte Tier auch ein noch so weit her verschlagener iFremdling! Die Farbentaseln des Werkes sind durchweg in Zeichnung und Kolorit bedeutend verbessert und um fünf weitere permehrt worden.

* A.lbert Langens Verlags k ata log 1894 Sb s s 1 9 0 4, mit 87 Selbstbiographien der bedeutendsten Ver­lagsautoren und 5g Karikaturen der Autoren und Künstler des Verlages von Olaf Gulbransson und Thomas Theodor Heine, Umschlagzeichnung von Th. Th. Heine, Preis 1 M., Ausgabe aus besserem Papier 2 M. Der namentlich auch als Herausgeber ides Simplicissimus weltbekannte Münchener Verleger Albert >Langen gibt zur Feier des zehnjährigen Bestehens seines Ber­lages diesen Katalog heraus, der in seiner eigenartigen, höchst eleganten Ausstattung Epoche machen wird. Vor allem gibt er ein imponierendes Bild von der Rührigkeit des jungen Verlages. In zehn Jahren sind außer dem Simplicissimus, der heute eine Auslage von 85 ooy Eremvlaren erreicht hat. 389 Werke von 117

Autoren erschienen, was unter Zugrundelegung der gedruckten Auflaaen die Zahl von über fünf Viertelmillionen Bänden repräsentiert. Was aber diesem Verlags-Katalog über seinen eigentlichen Katalogzwcck hinaus ein hohes künstlerisches und literarisches Interesse und dauernden Wert verleiht, sind erstens die meist humoristisch gehaltenen Selbstbiographien der be­rühmteren Verlaasautoren und die höchst amüsanten Karika­turen derselben Autoren und der Simplicisstmus-Mit-rüeiter, die zwei Meister der Karikatur, Th. Th. Heine und Olaf Gul- branssvn, beigesteuert haben. Künstlerischer und interessanter kann mau einen Katalog wohl nicht ausstatten, und so wird dieses kleine Prachtwerk sicherlich starken Absatz finden.

*Die Kleidung der Dicnstmädche n".ftly house is my castle" sagt der Engländer, und man tut gut daran, sich diesen Wahlspruch vor Augen zu halten und dementsprechend sein Heim zu gestalten. Sehr richtig bemerkt dazu dieWiener Mode" in ihrem soeben erschienenen Hest 7, daß hierzu nicht nur Eleganz und Ordnung der Wohnung gehörten, sondern auch schmuck und abrett aussehende Dienstmädchen. Einige praktische Anleitungen zeigen, mit welch geringen Kosten dies zu erreichen ist. Außer diesen gewiß vielen willkommenen Modebildern für Dienstmädchenkleider sind sehr schöne Vorlagen sür Ball- und Soireetoilctten im selben Hefte zu finde», sowie künstlerische Hand­arbeiten und ein reichhaltig zusammengestelltes Unterhaltungs­beiblatt, in dem ein neuer Roman der rasch berühmt gewordenen Schriftstellerin Thusnelda Kühl beginnt.

*Wer soll den Kanal bezahlen?" Von O. C. Wohlleben. (Verl. Westdeutscher Schrtftenverein, Köln.! Preis 89 Pf. Die Kanalfrage ist ja heute aktuell. Vorliegende Broschüre beleuchtet die Finanzseite der Kanalvorlage. Danach sollen alle Steuerzahler den Kanal bezahlen, gleichgültig ob sie Nutze» ober direkt Schaden vom Kanalbau erwarten. Wemi die Verteilung der Kanalbaukosten in volkswirtschaftlich gerechter Weise aus dieInteressenten" erfolgt sein würde, würden die Kanalbauten nicht nur ohne ernstlichen Widerspruch ausgeführt werden können, sondern auch wie die Eisenbahnen sich rentieren. Die heutige Art der Kostenaufbringung sei ein schlechtes Geschäft für Staat und Steuerzahler.

*W ege zur körperlichen und geistigen Wiedergeburt". Alte und neue bewährte und begründete Methoden zur Wiedererlangung der Gesundheit. Von Dr. med. Siegfr. Möller, leitender Arzt am Bad Albertshof in Dresden. Preis 2 M. Verlag von Otto Salle in Berlin W. 30. In der vorliegenden Arbeit sucht der Verfasser zunächst das Verständ­nis für die Ursachen und den Zusammenhang der meisten all­täglichen, die zivilisierte Menschheit quälenden und schließlich zu ihrer Vernichtung führenden körperlichen und geistigen Leiden und Gebrechen zu wecken. Vor allem sind hierbei die Aussehen erregenden Forschungsresultate des englischen Arzies Dr. Haig berechtigt, welche eine auch für den Laien verständliche Be­arbeitung und kritische Beurteilung finden. Gleichzeitig gibt aber auch der Verfasser, gestützt auf ein umfassendes Studium und eine reiche persönliche Erfahrung, die verschiedenen vielfach von der bisher allgemein gefolgten Richtung abweichenden Wege an, welche, wenn sie mit Vertrauen und Energie beschritten werden, unter eventueller gleichzeitiger ärztlicher Unterstützung zu einem Ilusgang ans dem Labyrinth chronischen Krankseins führen. Der in dem Buche gegebene Einblick tu die Entstehungsursachen der

Krankheiten und die hier gezeigten Wege zu deren Heilung bs. fähigen den Leidenden zu der durchaus erforderlichen Mitarbeit an den Bemühungen und der Behandlung des Arztes. Somit sei denn dieses klar und einleuchtend geschriebene Buch alle« Kranken besonders empfohlen.

*Abstammungslehreund Darwinismus." Bon Professor Dr. R. Hesse. Mit zahlreichen Abbildungen «« Text. (Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich- gemeinverständlicher Darstellungen ans allen Gebieten des Wissens.j 89. Bändchen. (Verlag von- B. G. Teubner in Leipzig.j 2. Auflage. (IV. und 128 S.j 8. Geb. 1 M. 26 Pf. Darwins Lehre von der Entstehung der Arten ist besonders deshalb ange­griffen worden, weil sie Anspruch erhebt, auch für den Mensche« gültig zu sein. Trotz aller Anfeindungen ist die Hypothese bis­her nicht widerlegt, im Gegenteil hat sie in jüngster Zeit sehr wertvolle Bestätigung erhalten, insbesondere durch die über­raschenden Ergebnisse der modernen Blntuntersuchungsmethoden. Dazu kommt, daß man! gerade den Zwischengliedern zwischen Mensch und Affen, dem Prthecanthropus und dem Neandertal, Menschen, gegenwärtig erhöht« Bedeutung betmißt und sie zui« Teil anders zu deuten versucht als früher. Die Ergebnisse der modernen Forschung faßt die neue, der ersten in überraschend kurzer Zeit folgende Auflage des vorliegenden Büchleins vo« Hesse geschickt zusammen.

*W a s mutz der S t e u e r p f l i ch t i g e m i s s e n , um sich richtig einschätzen zu können?" Erster Teil:Die Einkommensteuer." Zusammengestellt nach amtliche« Duellen, insbesondere unter Berücksichtigung der Entscheiduuge« des Königlichen Oberverwaltungsgerichts von Otto Hey deck, König!. Steuersekretär bei der Einkomlnensteuer-Veranlagungs» kounnisfion zu Königsberg i. Pr. Dritte Auflage. (Königsberg i. Pr. Ferd. BeyerS Buchhandlung sTüomas u. Oppcrmanrvj.l Preis 1 M. 20 Pf.

* Ein gewisser Wohlstand zeigt sich überall dort, wo die HauZ. frau ihre Wirtschaftsausgaben gewissenhaft zu notieren pflegt und wo sie es versteht, einen rationellen Tisch zu führen. Wir verz stehen hierunter die Kunst, beim Kochen aus weitgehende Rester. Verwertung Rücksicht zu' nehmen. Ein wahres Muster von Wirt- schaftlichkeit und Sparsamkeit ist die Verfasserin des neue« Küchen- und Wirtschafts-Kalenders s ü x Deutschlands Frauen auf bas Jahr 190 5". Mit großem Fleiß und Verständnis sind die Küchenzettel für 365 Tagx von ihr zusammengestellt, und unter Berücksichtigung der Rester sind zu diesen schmackhaften Gerichten verständige Kochrezepte ge. geben. Dieser in dem Berlage von W. Bobach u. Ko., Berlin Ist. 4, erscheinende Kalender hat eine so außerordentlich handliche und Praktische Einteilung, sowie eine hübsche, gediegene Ausstattung, wie wir sie bisher noch nirgends gesehen habe». Für den Preis von 50 Pf. wird hier etwas geboten, was jede Hausfrau auch wirklich gebrauchen kann.

*Die Schlacht bei Forbach und die Wehr, kraft de Sde utfchen Volkes". Eine Instruktion für die Ungläubigen von Tacitus Minor. 128 Seiten, Preis 1 M. 75 Pf. Politischer Verlag Emil Spieler, Leipzig, Eilenburger-

Frau v. Suttner:Der Frauenweltbunh

und der K r i e g." (Vossische Buchhandlung und Militävve^ lag. Berlin. 1804.) Preis 1 M. 20 Ps.