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sa. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-Preis: durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Verlags-Fernsprecher No. 2953.

Samstag, den 7. Iammr.

Redaktions-Fernsprecher Ro. 52 .

1905 .

Morgen - Ausgabe.

1. Matt.

Kleine MMMmcksfragen.

Mn der Zukunft des Handwerks braucht man nicht kleinmütig zu verzweifeln. Allerdings läßt sich dasselbe haute nicht mehr in der Weise der sogenannten guten alten Zeit betreiben, wenn es seinen Angehörigen gut gehen soll. Ein Stand, der vorwärts will, frorf mit seinen wirtschaftlichen Anschauungen nicht noch halb int Mittelalter stecken. Das ist aber leider im Handwerk der Fall. Mehr nmderner Geist und mehr praktische Politik Inen not. Es ist ja sehr bequem, auf gewissen Stecken­pferden einer bisher sehr unfruchtbaren Mittelstands- Politik herumzureiten, doch die schwierige Lage des Klein­gewerbes und Kleinhandels wird hierdurch nicht ge­bessert. Hierüber sollte man eigentlich heute genug Er­fahrung besitzen. Für Vorurteilslose ist diese auch hin­reichend; aber es ist das Verhängnis der genannten großen Berufs gruppen, daß ihr wirtschaftliches Wohl­ergehen zu fest mit einer einseitigen rückwärtsschauendeu Partöipolitik verquickt ist. Im Interesse dieser . Partei­politik werden jene alten Steckenpferde immer wieder ans- gezäumt, solange sie zugkräftig finit Da ist zunächst der aussichtslose Kampf gegen die Konsumvereine, in dem Handwerker und Kleinhändler gegen eine übermächtige Entwickelungsidee von großer sozialer Bedeutung sich an­stemmen, statt diese in vollem Umfange und in klugem und zielsicherem Zusammenwirken sich dienstbar zu machen. Der Kampf um diese Vereine, uni die Waren­häuser und den Befähigungsnachweis ist heute lediglich als Prunkstück der sogenannten Mittelstandspolitik ge­wisser Parteien zu betrachten; agitatorische Lockvögel, die ausgedient haben, sobald steigende wirtschaftspolitische Einsicht ihren Charakter erstaunt hat. Die Regierungen, wissen längst, daß aus diesem Wege dem Handwerk und Kleinhandel nicht geholfen werden kann, aber sie haben mit den ausschlaggöbenden Parteien im Reichstag und in den Bundesstaaten zu rechnen, die wegen der Wähler auf diese Lockvögel nicht verzichten wollen. Jedoch macht sich gegen diese in den beteiligten Mittelstandskreisen selbst bereits seit einiger Zeit Mißtrauen bemerkbar. Es ist in dieser Beziehung von Bedeutung, daß ein Hamidwerker- politiker wie der konservative Abgeordnete Jakobskötter in der 29. Generalversammlung der „Vereinigung der Steuer- und Wirtschaftsreformer" ausftchrte: Die großen Magazine sind eine Notwendigkeit nuferer Zeit uni» ich bedauere nur, daß die Handwerker nicht selbst die Waren- haussrage mehr in die. Hand nehmen. Es gibt eine Reihe von Dingen, die man unbedingt gesehen haben muß, ehe man sie kauft. Findet man sie nicht beim Handwerker,

Feuilleton.

«esMdyeiWcr «i»W der Mmmerpsimze».

Von Di-. Otto Gotthilf.

,Mnmendust hat sie getötet!" Mit diesen Worten schließt Fveiligraths Dichtung „Der Blumen Rache", welche von Werthümer auch mit dem Pinsel zu künst­lerischer Anschauung gebracht ist. In der Tat können ßür sensible Personen sehr strenge und nervenerre-gen'de «Gerüche, namentlich wenn sie die ganze Nacht hindurch im geschlossenen Schlafzimmer einwirken, gesundheits­schädlich sein. Es finden sich auch in der mMtzimschen Literatur davon einige Beispiele. Ein Herr wurde von heftigen Kopfschmerzen befallen, es bemächtigte sich seiner -eine solche Müdigkeit, daß er sich nur mit Mühe des Mnschl-asens erwehren konnte.- Nachdem er alle Hya- izinthen, welche im Zimmer standen, entfernt und die Fenster geöffnet hatte, fühlte er bald Erleichterung seines Zustandes, doch wurde sein Kopf erst nach einigen Tagen ganz frei.

Bon solchen stark duftenden Pflanzen wie Hyazinthen »dürfen im geschlossenen Wohnzimmer stets nur sehr -wenige stehen, im Schlafzimmer aber gar keine. Sie mögen den sogenannten ,/Salon", „die gute Stube", schmücken, in der man sich nicht dauernd aufhält.

Dies gilt natürlich nur für den Winter. Im Som­mer, wo je'der einigermaßen gesundheitliebeüde Mensch im Zimmer die Fenster stets geöffnet hat, kommt es nicht so genau darauf an; da findet fortwährend eine ge- !NügenIde Erneuerung der Binnenlust von außen statt. Aber für den Winter möge man doch einige hygienüsche W'inke beachten.

!Jm Schlafzimmer brauchen überhaupt weder Topf­pflanzen noch abgeschnittene Blumen zu stehen. Schon in der Schule lernten wir: die Pflanzenwelt spendet >nur bei Tage gesunde Atemspeise, bei Nacht aber atmet sie Kohlensäure aus. Und was nützen uns Blumen des Nachts, wo wir sie nicht sehen? Freilich gibt es hiervon «nrch Ausnahmen, wo die Hygiene der Humanität, weichen

so geht man in die großen Magazine. Auch ft-cr Wunsch des Handwerkerstandes auf Einführung des Befähigungs­nachweises wird nicht zu dem Ziele führen, die Kon­kurrenz einzuschränt'en. Auch der Verband deutscher Ge- werbevereine erklärte sich in seiner 13. Hauptversmnm- lung in Straßburg entschieden gegen den obligatorischen Befähigungsnachweis. — Als sich früher Gras'v. Posa- d-owsky stic ähnlicher Weise wie Jakobskötter aus-drnckte, wurde er als ein Feind des Mittelstandes angegriffen. Andere. Regierungsmänner haben das Gleiche gesagt, wenn auch weniger deutlich; so u. a. der Handels-Minister Möller und der Oberpräsident der Provinz Sachsen v. Boetticher.

^ Es wäre in der Tat traurig um die Zukunft des deutschen Handwerks bestellt, wenn man nicht überzeugt sein könnte, daß in der Mittelstandsbewegung jene poli­tischen Lockvögä ihre Rolle bald ansgespielt haben wer­den und daß .'dann viel Kraft für fruchtbare Arbeit frei werden wird. Wir sind dazu aus dem Wege und man dqrf sich durch den lauten Lärm nicht beirren lassen, der von gewissen Mittelstandspolitikern gerade jetzt für eine Erhöhung der preußischen Warenha-ussteuer, für Umsatz- steuern überhaupt und selbst noch für den Befähigungs­nachweis erhoben wird. In geraumer Zeit wird das genau so überwunden werden, wie längst der Haß des Arbeiters gegen die Maschinen und des Verfrachters gegen die Eisenbahn der Vergangenheit angehört. Trotz der Maschine ist die soziale Lage des Arbeiters imver- gleichlich besser geworden und trotz -der Bahnen hat sich das Speditionsgeschäft in ungeahnter Weise entwickelt. Nur die Art der Arbeit ist eine ändere geworden; sie hat sich der Entwickelung an-gepaßt. Das wird- auch Hand­werk und Kleinhandel in der ihren besonderen Verhält­nissen entsprechenden Weise müssen.. Da diese Anpassung die Vorbedingungen einer -guten Zukunft dieser Er­werbszweige ist, so ist für sie die Mittelstandsfrage vor allem zunächst eine Erziehungssrage. Und das nach zwei Richtungen. Jene Stände müssen Politisch reifen; es muß in ihnen volle Klarheit herrschen über das wirt­schaftliche Entwickelungsgesetz der Gegenwart und der ab­sehbaren Zukunft: dieses Gesetz heißt die Konzen­tration der Kräfte, sowohl in der Wareu-Er- zeugung, wie im Warenhandel. Es gibt kein Mittel, dieses Gesetz aus sbie Dauer mit Erfolg zu bekämpfen. Also kann cs sich nur darum handeln, sich die in ihm ruhenden wirtschaftlichen Kräfte gleichfalls dienstbar zu machen. Ter Abgeordnete Jakobskötter nennt das „die Warenhausfrage selbst in die Hand nehmen" ; daraus würde sich die genossenschaftliche Warenproduktion, soweit sie im Handwerk möglich ist, von selbst ergeben.

Neben politischer Reise ist dem ganzen Kleingewerbe dringend k a u f m ä n n i s ch e B i I b u n g nötig. Ein Handwerksmeister, der keinen Geschäftsbrief ohne gröbste orthographische Fehler schreiben kann — und die Zahl

muß. Es wäre z. B. höchst grausam, wenn die Eltern ihrer Tochter verbici-en wollten, den Stvantz, den „Er" geschenkt, in ihrer Kemenate Tag unld Nacht auszustell-en.

Da das Wasser, in welchem geschnittene Blumen stehen, leicht verdirbt, soll man es öfters erneuern. Alles Welke und Abgeblühte sicht nicht nur häßlich- ans. sondern geht auch leicht in Verwesung über, muß daher täglich entfernt werden. Zimmerpflanzen sollen im Winter auch nicht gvdüngt werden; denn einerseits ist dies bei dem langsameren Wachstum gar nicht nötig, andererseits verschlechtert es die Luft bedeutend. Auch braucht man das Zimmer, in dem man sich ständig auf­hält, nicht gerade in einen Wintergarten zu verwandeln, .ab-er Fensterbrett und Blumentisch können mit Topf­pflanzen reich besetzt sein. Bovsehen möge man sich mit Zwei Winterblnhern: Primula obconcia und Primula chinensis, -welche bei empfiüdkich-en Personen b-is>.neil-en einen nesselartigen Ausschlag an Händen, Hals und Gesicht Hervorrufen, da sie an Blatt- und Blütenstielen Mit ganz feinen Drnsenhaaren besetzt sind, deren kleb­riges Sökret giftige Wirkung allsüben kann.

Verhütet und vermeidet man die genannten etwa fchÄdigLüden Eigenschaften der Blmüen und Topf- pslanz-tn, dann gereich-en sie der Zimmerlüft und den iJns-afsen entschieden zum Bv.rtetl. Zunächst evfstisch-en und dnrchdüftl'n sie die Lust in höchst wohltu-entder Weise. Das Muster gesunder Lungenspeise ist ja die frische reine Luft der freien Atmosphäre. Diese besteht in der Haupt­sache aus 21 Teilen Sauerstoff und 79 Teilen Stickstoff. Wie nun beim Getränk, so finden sich auch bei der Lungeüspeife frische und schale Zustände, ohne daß die Hauptbostaüdte-ile selbst verschieden gemischt wären. Beim Wasser wivd die Frische besonders durch den Lüftgehalt bedingt, denn abgestandenes Wasser, aus welchem die Lust entwichen ist oder als Bläschen an den Glaswänden sich ange'setzt hat, schmeckt, selbst wenn es kalt ist, stets schal. In der Atmungsluft übt eine vorzüglich er­frischende Wirkung die von der grünenden Vegetation durchdustete Form aus, welche der freien Natur entquillt. Das hat jeder schon bri Spaziergängen durch Wald und Wiese empfunden. Hierzu kommt noch als beson-dere

dieser Meister ist groß — spielt im heutigen Geschäfts- leben eine traurige Figur. Eine zuverlässige Buch­führung ist dem Kleinmeister wie dem kleinen Landwirt meistens gänzlich unbekannt. Unwissenheit in den elemen­tarsten Schulkenntnissen sind für den heutigen GeschäftS'- mann stets ein Zeichen geistiger Indolenz, d-ie -auch einer Festigung des Charakters und einer energischen Er­fassung ' des Genossenschastsged-ankens entgegensteht. Geistige Indolenz will Handwerk und Kaufmannschaft „nach alter Väter Werse" betreiben, wie ObocprLsident v. Boetticher sich vor einiger Zeit in Magdeburg aus­drückte. Sie findet sich wohl zusammen -in allerlei rück­wärts drängenden Organisationen und trottet hinter et- lichen großen politischen Sch-Iagworten her, aber -es fehlt ihr der echte Geist der Zusammengchörrg-keit, der zu wirtschaftlich fruchtbaren Wirkungen führt: Ein Bei­

spiel: Bei einem Kasernenbau sollten die sehr bedeuten­den Tischlerarbeiten, den. Handwerksmeistern öer. Klein­stadt übertragen werden. Ta sich die Paar Leute über die gemeinsame Ausführung nicht einigen konnten, Mußte die Behörde den Plan aufgeben und- einen Großindustriellen mit -der Arbeit betrauen. An -derartigen Beispielen sieht man, wie wenig die heutigen Handwerkerorganisationen geeignet sind, ihre Mitglieder mit einem fruchtbaren Ge- meinsamkcitsgesühl zu beseelen.. Tüchtige geistige Er­ziehung und Charakterbildung im Vereine mit hervor­ragender technischer Leistungsfähigkeit bringen dem Handwerk mehr Vorteil, als alle Zwangsovgcmisationen und der peinlichste Befähigungsnachweis. Sehr viele Käufer, die dem Handwerk durchaus wohlgesinnt sind, decken heute' ihre Bedürfnisse in einem großen Magazin. Sie kaufen dort gute Ware nicht etw-a billiger -als beim Handwerker, sondern sie gehen in das Magazin, weil sie d-ie Erfahrung machten, daß die beim Handwerker -be­stellte Ware selten paßte und dabei unpünktlich -geliefert wurde -und oft auch noch geringere Haltbarkeit besaß als die verschriene Bafstrwqre. Vor allem ist es -mit der Pünktlichkeit der Lieferung im Handwerk übel bestellt, trotzdem diese mehr als je ein Bedürfnis des modernen Menschen ist. Also Erziehung zur Zuverlässigkeit nöbeik technischer Durchbildung. Diese ist vielleicht leichter als die erstere. Für sie läßt sich -durch -die Kurse auch für ältere Handwerksmeister sorgen, deren Veranstaltung jetzt von manchen Handwerkskammern betrieben wird.

T-ie Unterstützung -des Fortbildnn-gs- und Fachschul­wesens gehört zu jeneu Mittelstandsfo-rderungen, für die man ohne weiteres Eintreten darf und für die man un­bedenklich auch eine nachdrückliche staatliche Unterstützung .— die -bekanntlich bereits in reichem Maße gewährt wird —-- beanspruchen darf. Auch ist die Frage nicht ohne weiteres zu verneinen, daß neben dem Kleingewerbe d-ie Großindustrie, wenn sie handwerksmäßig aus-gebildete Gesellen beschäftigt, zu den Kosten der Fachschulen hercm- -gezog-en werden soll. Uns scheint es billig, daß, wer -den

„Blume", wie es in der Trinkersprache h-elßt, der ,jB-aLsanMrft", welchen Blüten und manche Bäume spenderc. Pflegt m-an -doch den harzigen Nadelduft als he-llträfti-g zu bezeichnen. Der balsanirsche Düst 'her Wälder reizt den Appetit, zn-m Atmen, zum recht tiefen Wollatmen. -Wir fühlen unsere Nüstern sich- nwiten, unsere Lungen sich beschwingen, unsere „Lebensgeister", nämlich Wut und Nerven, sich neu beleben. Gin gut .Teil von diesem ersrischendm und belebenden Bc-ige- schm-'ack der Lust bringerr wir nun mit den grünenlöen und b-l-nhenden Pflanzen auch- in unser winterlich ab­geschlossenes Hlemach. Sie spenden uns etwas von der gesuwü-en fommerlich-en Vegetationslust draußen, wo jetzt -alles tot in Eis und Schnee vergraben liegt. Den balsämAchen Waldesdust können wir auch noch hevvor-- szaubern durch Ausstellen von Dannen'ziweigcn. Man spürt davon elwüs b-e'im Betreten des ZvmmrrA mit dem Weihnachtsbanm.

«Besonders nnang-enehm und nachteilig wirkt die Binnenluft im Winter durch ihren Mangel an Fenchtig- lcit. Sie ist meist schuld an dem Aufspring-cn der Lippen. Auch die n-och viel zartere Schlelmheit der Lnwgen- üiftchen,(Bronchien) leidet bei der ständigen Einatmung trockener Luft; es entsteht der „trockene Minterhusten". Daher muß man für die rcötvge Feuchterhaltung der Lust sorgen. Dies geschieht nun in einfacher und vor. züglicher Weise durch schnellwachsende Schlinggewächse, z. B. .Trcitzeslantien irnd durch Blattpflanzen, die man öfters beisprltzt. Bei dmi im warmen Zimmer täglich nötigen Begießen und Bespritzen ersieht man am besten, welche große Menge Wasser diese verbrauchen und ans- ak,n-en. übrigens kann man dies aus einem Hygrometer auch zahlenmäßig ablssen.

Zu allen diesen gesundhe-itlichen Vorteilen für den Körper kommt noch' als sehr wesentlicher Umstand der ästhetilsche Genuß, Hie gemütliche Anregung, welche Zimmerpflanzen gewähren. Das Verfolgen des Wachs­tums, der Entwicklung von Knospen und Blüten, bildet eine edle Erholung. Vom Blumenständer und Fenster­brett mit wvhlgepflegten Pflanzen lacht überall echt D-ürgerliche Gem-ütlichtett heraus. Daher auch der