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53. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 5«» Pfg. monatlich» durch die Post S Mk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

ZRMOO Avonnenrert.

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5. Verlags-Fernsprecher No. LgöS.

Morgen - Kusgsbe.

1. Wtcrtt.

Irrs DerLeZeuheiLsKubmett Glllttj'ch.

Ob in Österreich eine Min-isterkrisis beendigt ist oder beginnt, das ist selbst für den anfnlerksamen Beobachter nur init Mühe zu unterscheiden, denn das Ende der einen Minisrerkrisis pflegt in Österreich gewöhnlich den Anfang der neuen Krisis zu bedeuten. So ist es auch 'diesmal der Fall. Die fünf Fahre, während deren Herr v. Korber an der Spitze der österreichischen Regierung stau,d, bedeuteten trotz dieser für österreichische Verhält- «nisse nngewöhillich laugen Kabinettsdauer doch eine Kette von Krisen, ja genau .genommen eine ununtellbpochene Krisis, welche kriminalistisch alsfortgesetzte Handlung" -ausgefaßt werden müßte. Jetzt ist die Körber-Kcisis ibeenldet, und, das kann mau ohne Übertreibung sagen, die Gant s ch - K r i s i s h a t -b c «g o n lr e n.

Entweder toar der Rücktritt Korbers überflüssig, oder es ist die Berufung des neuen Ministerpräsidenten, des Freiherr« v. Gautsch, unangebracht. Denn es liegt nicht die geringste politische Wahrscheinlichkeit dafür vor, daß Herrn Gautsch gelingen wird, was Herrn v. Korber mißglückt ist. Tie Mtageickrankheit des Herrn «v. Korber aber ist zu plötzlich aufgetreten, als daß man sie als ernsthaften und entscheidenden Rücktrittsgrund auffassen könnte. Wahrscheinlicher ist, daß Herr v. Korber sich dem Kaiser Franz Joseph gegenüber verpflichtet hatte, in absehbarer Zeit das Parlament wieder arbeitsfähig zu machen und ohne den berüchtigten Verordnungs- Paragraphen 14 auszukommen. Dies Bemühen mochte Herr v. Körber als vergeblich erkannt haben, und dis Entrüstung der deutschen Parteien über die Einführung der slavischen Schulklassen für Trvppau und über die blutigen Vorgänge in Innsbruck scheint dann den letzten Anstoß zur Ausführung der schon lange gehegten Ruck- trittsabsicht Körbers gegeben, zu haben.

Herr v. Korber war ein 'Wrensch mit dem 'sogenannten besten Willen, aber es ist ihm nicht gelungen, diesen guten Willen in die Tat umzusetzen. J>n Grunde seines Herzens war er gut deutsch gesinnt, und er hätte weit lieber mit den Deutschen als mit den Slawen regiert. Aber der schon klingende Gedanke von derVersöhnung der Nationalitäten", den die österreichischen Minister­präsidenten mit demselben Eifer verfolgen, wie die moderne Forschung die Erreichung des Nordpols, be­herrschte auch den Gedankenkreis Körbers. Und so setzte er sich zum Schluß, da er es weder mit den Deutschen noch mit den Tschechen verderben wollte, zwischen die beiden Stühle, zwischen denen in Österreich ganz be­sonders viel Platz ist und too man aller Voraussicht nach

Mittwoch, den 4. Januar.

auch Herrn Gautsch in nicht allzu ferner Zeit unsanft gebettet erblicken wird.

Das Kabinett Gautsch ist in der Tat nichts als ein Verlegenheltskabinett, und es ist nur als ein Übergan-gs- kaibinett aufzufassen. Was Körber vermocht hat, nämlich mit den Parteien nicht auszukommLn und die parla- nlentarische Maschine nicht in Gang zu bringen, das wird auch Herrn Gautschgelingen", dessen letzter Rettungsanker ebenso wie der des Herrn Körber der § 14 sein wird. Besonders politische Wunder kann man von dein neuen Ministerpräsideuten schon deshalb nicht erwarten, weil er ja schon wiederholt in den ministeriellen Sattel gesetzt worden ist und mithin hätte zeigen können, daß er reiten könne, wenn er es verstände.

Freiherr v. Gautsch wurde am 26. Februar 1861 zu Wien. gbborcn, steht also inr, Alter von nahezu 64 Jahren, -schon im Jahre 1874 trat er als Hülfs- arbeiter iit das Unterrichtsministerinm ein, wo er Dank seiner sehr guten Beziehungen außerordentlich schnell aufrückte. Diese Konnexionen waren denn auch weit mehr Schuld daran, als seine stark überschätzte Tüchtig­keit, daß Gautsch schon als Vierunddreißigjährigcr im Jahre 1886 als Unterrichts-Minister in das Kabinett Taaffe berufen wurde. Es soll übrigens nicht geleugnet werden, daß er in seiner achtjährigen Amtstätigkeit sich als einer der deutschfreundlichsten Bestandteile des Kabinetts Taaffe erwies, und daß ihm gerade auf dem Gebiet des Unterrichts Manche praktischen Erfolge be- schieden waren. Deshalb griff man auch bei der Bildung des Kabinetts Badem Ende September 1895 wieder auf den früheren Unterrichtsminister Zurück, und als Badeni am 28. November 1897 infolge^der Empörung der Deutschen über die berüchtigten Sprachenverord- nungen zurücktreten'mußte, übertrug man dem Freiherrn v. Gautsch sogar die Bildung des neuen.Kabinetts.

Wenn man ans seinen damaligen Erfolgen auf seine jetzigen Aussichten -schließen soll, dann find diese recht trübe. . Frhr. v. Gautsch hielt sich kaum langer als ein Vierteljahr am Ruder, und seine Politik -war eine Politik der Halbheiten. Ziv-ar hob er die Badenischen Spracten- verordmmgen auf, aber seine neuen Verordnungen be­günstigten die Tschechen noch immer so, daß die berech­tigte Opposition -der Deutschen den Miinsterpräfidenten am 6. März 1898 zum Rücktritt zwang. Mer Voraus­sicht nach wird es Frhr. v. Gautsch auch jetzt damit ver­suchen, daß er die Deutschenversöhne", ohne den Tschechen vor den Kopf zu stoßen, und seine Parole wird, wie die seiner Vorgänger, die Versöhnung der Nationali­täten sein, die wir schon vorhin mit der Erreichung des Nordpols verglichen. Frhr. v. Gautsch wird den Nord? pol nicht erreichen, und er wird noch froh sein können, wenn es ihm dabei nur wie Nansen und nicht wie Andrst geht!

RcbaktionS-Fcrrrsprccher No. 82. 11IÖI5+

Englmck in 1904.

Unser Londoner n-KorresPondent schreibt unterm 31. Dezember:

Man hatte in England dem Jahre 1904 seinerzeit mit großen Hoffnungen entgegengeschen, mit denen sich indes schließlich Befürchtungen wegen des Ausbruches russisch-japanischer Feindseligkeiten -mengten. Als dann am 10. Januar zwei neue japanische Kreuzer mit eng­lischer Bemannung nach Asien abgingen und die großen Ausfuhr- und Berschiffungsgeschäfte begannen ihre Sendungen nach dom fernen Osten gegen Kriegsgefahr zu versichern, nahm eine recht gedrückte Stimmung über- Hand. Die Möglichkeit einer Verwicklung Englands in den kommenden Konflikt wurde von den Schwarzsehern eifrig erörtert, aber während die einen daher die Regie­rung in der Presse und von der Rednertribüne herab mit Borwürfen wegen des Bündnisses mit Japan über­schütteten, priesen andere ihre Klugheit, die sie recht- zeitig und mit solche-m Geschick die englischj: französische Entente cordiale herbeiführen ließ. Als am 0. Februar die Kriegsfackel mit dein japanischen Angriff auf -di« russische Flotte vor Port Arthur -aufloderte, trat eine hochgradige geschäftliche Depression ein, die namentlich an der Börse sehr ausgesprochen zutage trat. Englische Konsols, die -sich bis dahin langsam von dem Einfluß des Bureirkrieges und seiner Folgen zu erholen begonnen hatten, fielen -aufs neue, während Goldminenaktien geradezu unverkäuflich wurden. Es währte indes nicht lange, bis die Hoffnung auf die Lokalisierung des Krieges abermals auflebte, um jedoch aus verschiedenen Anlässen, wie z. V. durch das Anhalten- englischer und anderer Kauffahrteischiffe -durch russische Kreuzer, und schließlich durch den Hüller Zwischenfall aatf eine harte Probe gestellt zu werden. Das Verhalten Rußlands besonders in letzterer Angeleg-enheit bewies jedoch- hin­länglich, daß man es mit Unrecht verdächtigt hatte« England mit in den Kampf verwickeln zu wollen, der, wie jetzt hier niemand länger zweifelt, von Japan und Rußland allein zu Ende geführt werden wird. Auch in 1904 unternahm Großbritannien wieder mehrere seiner nachgerade üblichen militärischen Expeditionen, und setzte auch-den Somaliseldzug weiter fort, der indes -erfolglos verlies und soeben einen wenig glorreichen Wschluß damit fand, daß man sich- entschied-, -dom Mad Mullah borzuschl-agen. ihm ein bestimmtes Gebiet unter -der Bedingung zu überlassen, daß er sich verpflichtet, über dasselbe hinaus keine Raubzüge zu unternehmen. Die sogenannte militärische Mission nach Tibet war indes von -dem gewünschten Erfolg begleitet, d-a die Tibetaner der indisch-englischen bewaffneten Macht keinen wirk­samen Widerstand entgegenzusetzen vermochten und schließlich gezwungen waren, den ihnen von England

KemÄetm;.

Deutsche und srnuMschs Moden.

Berlin, 1. Januar.

-Es regt -ich Meder in den Kreisen der Reform» lerinnen! Nachdem cs einige Zeit ziemlich, still geblieben ist vom Sdeformklsid, hat jetzt -der VereinFra-uenwvhl" die Agitation dafür lebhaft Meder ausgenommen. Bor einigen Tagen konnte -man im Architektenhaus« in Berlin Reformkleider aller Art sehen -und- bewundern. Dies letztere mar die Hauptsache, -aber stoch nicht ganz, denn in den Wortrögen, die von berufenster -Seite gehalten wur­den, wurde manches kluge Wort über die Vorzüge der Reformkleidrmg gesprochen. Frau Margarete Poch- -Hammer, die Vorsitzende des Vereins zur Verbesserung der -Frauenkleidung, und Frau Else Oppl-er, die Leiterin eines Ateliers für künstlerische Frauenrleidung in einem unserer Welthäuser, -wie Pr. weck. Agnes Hacker, die «städtisch angestclltc Ärztin ist. beleuchteten Die wichtige «Frage von -allen Seiten. Schade, daß die Modebericht­erstatte rin sich nicht des näheren darüber äußern darf. Aber sie kann sich nicht versagen, wenigstens den springen­den Punkt des geistreichen Vortrages der Frau Oppler her-auszuheben. «Sie sagte ungefähr dasselbe, «was auch wir seit längerer Zeit betonen, -und sie Hat ihre Anschau­ungen direkt an der Quelle geschöpft, in «Paris nämlich, zur Zeit des Grand Prix in Auteurl. Dort hat sie die französische Frau kn dem ganzen Prunk -und Luxus der Mode gesehen und «sie -war entzückt. Denn -diese Mob« ist eben für die Französin geschaffen und nur dort ist die -Mode nicht ein Äußerliches -wie bei uns, sondern -sie ist ein Teil der Frau. Und sehr fein charakterisierte Frau Oppler den Unterschied zwischen der Französin und der Deutschen:Tie Französin zieht sich an und die Deutsche zieht sich etwas an." Und was die beweglich-e graziöse kleine Französin vortrefflich kseddet, ist für die schwer­fälligere Deutsche etwas so Unorganisches-, daß allein dieser Unterschied genügt, Hie modern «angezogen« deutsche Frau zur Karikatur zu machen. -Neben dem gesundheitlichen Standpunkt, dessen Hanptbetonung die Abschaffung des Korsetts bildete, -wurde auch der SchönHeitsstandpunki

eingehend besprochen. Daß das Nefor-mklcid sich dem Wesen der deutschen Frau schon jetzt sehr gut aupaßt und sich in seiner Verbesserung immer mehr anpassen und da­bei so schön als möglich sein müsse, betonten alle Nedne- rinuen. Die vorgeführten Reformkleider -waren fast alle wirklich schön. Es ist sehr schade, «daß -das Reformkleid

Fig. 1. Fig. 2.

in der Reproduktion stets verliert, man muß es in der Bewegung sehen, und der laute Beifall des dicht ge­drängt vollen Saales belohnte di« reizenden Erschei- nün-gen, die sich auf der» Podium präsentierten. Am elegantesten wirkten naturgemäß die (8-esellschaststoiletten, aber auch wunderhübsche Promenadenkteider wurden ge­zeigt. Sehr interessant -war, der Versuch, ein -Arbeits­kleid -für Arbeiterinnen in gefährlichen Betrieben zu konstruieren. Das -Kleid besteht ans einem Rock und

einem «Jäckchen für die «Straße, das im Arbeitsrau-m -ab­gelegt wird und ein Beinkleid und eine anliegende Bluse sichtbar werden läßt. Hier ist die Gefahr des Erfassens «durch eine Maschine fast völlig unmöglich. Auß-erordent- lich «dankenswert sind die Versuche, Kvankonschmestern- Kleidung im Reformprinzip zu schassen, und« sie schienen durch vier Schwesternkleider für Straße und Arbeit sehr glücklich gelüst. «Allerliebst war unter anderem -ein sau st- farbenes Tuch'kloid, «das aus «drei Nieter Stoff hergestellt war. -Die «Erfinderin und zugleich- reizende Trägerin dieses Kleides halte diese drei Meter z-u der Länge des Kostüms, 1,5 «Zentimeter zusammenge-schlagen, einen Ausschnitt -gemacht und dann «die ganze Tuchbreite ebenso einfach -wie raffiniert zur Taillenweite eingekräuselt. Eine zweite Einkräuselung in «der T-aillenhöh-e, notabene in der Taillenhöhe «des Rofovmkleiöes, brachte einen reizenden Fall «des Kleides hervor. «Das ganz-e^ Kleid hatte nur zwei -Seitennähte und war «durch gestickte Borden und «mäßig weite Pirsfärmel, die «durch einen Ehisfonärmel ergänzt «wurden, sehr stilvoll verziert. Ein ähnlich gehaltenes weißes Atlaskleid «wirkte geradezu poetisch «durch die flügelartige-n langen «Chiffonärmel, die bei jeder Bewegung der Trägerin aufs wirksamste zur Geltung kamen. Ein taubengraues- Promenaden kl eid aus Tuch mit Allasb-ändern als Kragen u«n«d Taillen- abschlntz war geradezu mustergültig für geschickte Anpassung des Resormprin-zips an die herrschende Mode. Daß das R-eformkleid-auch« für starke Damen -sehr günstig ist, wenn es richtig gemacht wird, bcwres-cn die Kleider vieler Z-irhörertune». Daß die Reformlerinnen den Einfluß des Mannes auf die «Mode nicht verkennen, wurde mehrfach ausgesprochen. Eine «der -Rednerinnen betonte sehr «stark, daß man zunächst den Mann für die Idee «des Refovmkleides gowinnen müsse. Wie «die ziem­lich« zahlreich /anwesenden Vertreter des stärkeren Ge» schlcchts durch diese Ausführungen gewonnen «wurden, trat in der Diskussion zutage, in der ein Herr erklärte, daß eine Frau im Rcform-kleid-e unbedingt veredelnd «aus den Mann -wirken müsse.

«Das Rcformkl-cid ist als dontsche Mcköe -gedacht und im Interesse ber E-esnu-d-heit unserer Frauen und Töchter -wäre seine all-g-e-meine Einführung aufs lebhafteste zu wünschen. Dem« stehen -freilich noch große -Hindernisse ent-