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Der Wanderer

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung

1851

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j Martin Tyrius.

Novelle von Adolph Görling.

(Fortsetzung.)

ES war jedoch noch keine halbe Stunde vergangen, seit der „Ganges" in voller Fahrt war, da spürte Capi« tain RooS, daß daS Fahrzeug ungeachtet seiner geringen Ladung einen ungewöhnlichen Tiefgang zeige und mit einer rasch zunehmenden Schwerfälligkeit in die Höhlung der Wellen hinabsinke. Zn eben diesem Augenblicke kam der Koch mit todtblassem Gesicht zum Deck heraufgestürzt^

— Wir haben vier Fuß Wasser im Raum I schrie er.

— Wo sind die Zimmerleute? rief der Capitain. ClaaS l

Er war verschwunden. Die Pumpen wurden in Bewegung gesetzt, aber daS Wasser stieg dennoch jeden Augenblick. Der verzweifelnde RooS gab Befehl, daS 61 8«hrzeug zu wenden, um den Hafen wieder zu erreichen. Aber hatte ein böser Geist vieö starke schöne Schiff mit dämonischer Gewalt erfaßt? Der „Ganges" sank mit

furchtbarer Schnelligkeit, er rollte und taumelte; das J Echiff schoß vorwärts hoch empor mit dem Vorderbug, Mgleich einem getroffenen Hirsch, drehte sich einige Mal

*® Kreise und sank, während die Wogen über dem Grabe kochten und brauseten.

-sS Pier Mann waren verloren — ertrunken; ClaaS war der fünfte, welcher vielleicht unten erstickt war. genauer Noth war ein Boot gerettet, welche le brüchigen am Hafendamme absetzte.

Der erste Mensch, welchen RooS hier sah, war Rheder Martin TyriuS selbst. Etwa fu* Schutte i weiter nach der Stadt zu sah der unglückliche Eapuam 1 Cäciliens schlanke Gestalt mit tiefgesenklem Haupte ko"« Heilen. Sie hatte sich erst jetzt von dem starren Hlnbttcken y aus die Gegend, wohin daS Schiff ihren Bräutigam g * i sühn, loögeriffen.

Martin TyriuS warf sich auf die erhaltene Hiobs« post auf die Erde und geberdere sich wie ein Wahnsinni­ger. Dann ließ er die Hafenbeamten und Polizeidicner kommen uns deu Capitain sammt der geretteten Mann­schaft in den Kerker werfen. Ein rascher und schreckl-cher Schluß einer Ostindienfahrt.

VI.

Einige Tage später mochte eS sein, als den trost­losen Frauen, welche de RooS' Geschick beweinten, ein GerichtSdiener inS Zimmer trat, und im Namen der Be­hörde verlangte, daß Frau van Halen binnen kurzer Frist die Summe an Martin TyriuS bezahlen sollte, wofür sie in Bezug auf den Capitain Bürgschaft geleistet hatte.

— O, ich ahnte daS! murmelte die Unglückliche Wir Alle sind daS Opfer dieses schrecklichen Schurken geworden.

Gegen Abend desselben TageS war's, daß Frau van Halen mit einigen Kästchen unterm Arm langsam nach deS Rheders Wohnung schlich, wo sie der Blödsinnige einführte. TyriuS saß in seiner bekannten Kleidung ein« sam in seiner Spelucke und kaute — wahrscheinlich rech­nend, an den Nägeln Sein Hyänengesicht zeigte eine dämonische Freude, als er die Matrone sah.

— Ah, schöne Frau Sigbritta, sagte der Rheder. Endlich also ist die Stunde der Vergeltung gekommeNf

— Ich komme, um Euch meine Schuld zu bezahlen, sagte die Frau trübe, aber mit Würde. Seht diese Pa­piere; eS sind sechzehnhundert Gulden, und hier diesen Schmuck, diese Ringe und Perlen. Ich weiß, daß sie den Werth von sechshundert Gulden besitzen. Nehmt Euch, so viel Zhr bedürft, um befriedigt zu sein.

Der Geizige sah gierig die Kostbarkeiten an und packt« die Papiere.

— Wir wollen einen andern Handel machen, Ma-