Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

f»>0*^ --

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

1851. — 3f 300.

Die Gefährlichen.

Erzählung von Louise von G.

(Schluß.)

Wita stürzte ihm, als ihrem Erretter, mit unbeschreib­licher Zärtlichkeit in die Arme; dem Oberforstmeister aber »ar die Freude deS Wiedersehens etwas durch den An­blick seines alten Freundes, des GeheimenrathS, verdor­ben. Er, der nie verlegen wurde, wurde eö jetzt, und baS entging seiner Tochter nicht.

Ich komme selbst, um dich möglichst schnell von der Gegenwart meines SohneS zu befreien — er ist wirklich ßeiâhrlicher, als ich dachte, sagte der Geheimerath, dem Freunde die Hand schüttelnd.

Ein Wink des VaterS entfernte Wita, dann faßte a Herrn von Harder unter dem Arm und führte ihn in sein Zimmer.

Ich muß dir AlleS erklären . . .

Ist nicht nöthig, lieber Einegg, ich begreife und weiß Alles. . .

Du weißt Alles . . . ?

Und vergebe dir von ganzer Seele — nur begreife ich nicht, warum du nicht einfach Alles gehen ließest — <8 würde sich doch zuletzt zum Guten aufgelöst haben — ich habe nichts dagegen i

Alle Wetter! du bist sehr gnädig, Harder! Du hast »ichtS dagegen! Charmant ! Aber ich habe dagegen ! Meine Frau . . .

Nun, du wirst dich doch nicht noch in deinen alten ^gen untern Pantoffel beugen, nachdem du früher immer Hrrr im Hause warft . . .

Eben deßhalb . . .

Nun, eben deßhalb kannst du nichts gegen Benno âls Schwiegersohn einzuwenden haben. Gib ihm deine *°tycr

Meine Tochter? — Und Einegg riß die Augen wie ein Erwachender auf, der nichts begreift . . .

Mein Gott! Von wem reden wir denn sonst — wie bist du zerstreut geworden! Diese Liebschaft zwischen den Kindern . . .

Liebschaft? — Und sich höchlichst verwundernd, setzte er langsam hinzu: Lieben sie sich denn wirklich?

Welche Frage! Deßwegen hast du mich ja herge­sprengt !

Ja so, sagte sich fassend und zurechtfindend mit aller Geistesgegenwart der Oberforstmeister, ich meine nur — ich meine nur, ob sie sich auch recht tüchtig lieb haben, so lieb, daß eS auSreicht bis zum Ende?

Schulmeister! Bei denen ist die Liebe sie selber, keine Treibhauspflanze — sieh sie nur an!

Nun, nun, wenn das wirklich so ist, rief mit außer­ordentlich vergnügtem Gesicht der Oberforstmeister, so will ich dem Glück der Kinder nicht im Wege stehen und deiner größeren Menschen« und Herzenskenntniß vertrauen.

Diese Auskunft, seine Leiden zu beendigen, war dem lebensfrohen Egoisten über alle Maßen willkommen. Seine Frau wurde bestraft, ohne daß er den Aerger einer Scene hatte, und seine einzige Tochter bekam einen gu­ten und braven Mann; eS war, wie er sich schmunzelnd auSbrückte, eine äußerst „wohl assortirte" Partie.

Die Präliminarien zur Verlobung waren also fer­tig, eS blieb nur noch die eigentliche Erklärung zwischen den Liebenden übrig, und Benno benahm sich hier, von seinem Vater ironisch aufgefordert, sich nun endlich dem Fräulein gegenüber zu erklären und „sein zurückhaltendes Benehmen auszugeben", ganz muthig und unerschrocken; vielleicht trug der Zorn über seines VaterS falsche Be­schuldigungen dazu bei.

Die beiden Väter fanden daS Paar Hand in Hand mit leuchtenden Augen, und der Geheimerath fragte die