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Der Wanderer.

WriWW B-Matt jur R-ffamsch-« Wm. y,ihmg.

1851. —

â 297.

Die Gefährlichen.

Erzählung von Louise von G.

(Fortsetzung).

4. Benno.

Der Forsteleve Benno von Harder, der Sohn des Jugendfreundes deS Oberförsters, war seit einigen Tagen Mitbewohner deS SchloffeS. Sein Vater, der ihn zum Juristen bestimmt, hatte nur sehr widerwillig der Nei­gung seines SohneS, ein Jäger und Forstmann zu wer den, nachgegeben. Zwei Jahre hatte der arme Junge stch mit den Rechten herumschlagen müssen, ehe ihm sein Vater erlaubte, auf der Universität Forstwissenschaft zu hören, und endlich genehmigte, daß ein Jahr praktisches Eluvium unter der Leitung seines alten Freundes den «injigen Sohn zu einer Anstellung befähige.

Benno war ein sehr hübscher junger Mann, ein vortrefflicher Schütze, ein fleißiger Forstmann, heiter und offen bei Männern, aber bei Frauen — der blödeste Junge der Welt. Er hatte seit den acht Tagen, die er in Gerolstein zugebracht, Wita'S Gesicht noch nicht an- verS als im Prosil gesehen; denn sobald sie die volle Eonne ihres Antlitzes ihm zukehrte, schlug er die Augen nieder. Sie war wahrhaftig auch keine kühne Amazone, aber im Vergleich mit Benno war sie im Umgänge völlig unternehmend. Sie redete ihn an, sie suchte ihm Muth »u machen, aber Alles vergebens. Die andere Dame des Hauses, ihre Stiefmutter, hatte unendlich viel mehr Er- svlg mit ihren AufmunlerungSversuchen dem jungen Menschen gegenüber. Nach einigen Tagen schon sah er ElSbeth voll inS Gesicht, und nach einer Woche redete 11 sie bei Tische sogar einmal an. Hätte der arme Benno ^ahnt, zu was dieser kühne Schritt führen würde! ElS- ^th, die von ihrem neugetrauten Gemahl so schmählich vernachlässigte ElSbeth, wurde so stolz über diese AuS-

Zeichnung des Jünglings, über diesen Vorzug vor ihrer jungen und schönen Stieftochter, daß sie vollständig auS dem Gleichgewicht kam uud ihr zwar copulirteS, aber dennoch jungfräuliches Herz vollständig an den zwanzig- jährigen Benno verlor.

Alle jene Anstrengungen, die immer das erste sind, wenn alte Frauen sich in einen jungen Mann verlieben, die VerschönerungS- und VerjüngungSbestrebungen be­gannen zu spielen. Die Putzmacherin, die Schneiderin, der Friseur deS nächsten Städtchens werden im Wagen herbeigeholt, angeblich um Wita'S Toilette zu vervoll­ständigen, in Wirklichkeit aber um der Frau Oberforst- . Meisterin zu einem möglichst reizenden Ansehen zu verhel- ; fen. Ihr Kopf sah auS wie ein Band« Locken- und 'Blumenmagazin, ein Volant flatterte immer über dem ; andern an ihren langen Röcken, die spitzenbesetzten Aer- : mel erschwerten ihr Mittags das Vorlegen, und doch gab sie dieses Amt nicht auf; denn eS bot ihr ja Gelegenheit, dem neuen Liebling ihres Herzens die besten Fleischstück­chen, die zartesten Gemüse, daS reifste Obst auf den Tel­ler zu schieben. Aber gerade diese Beweise ihrer Liebe sollten ihr ganzes Glück zerstören!

ES waren keine acht Tage vergangen und das ganze HauS, Einegg an der Spitze, wußte um die Leidenschaft i der vierzigjährigen Dame für den zwanzigjährigen Jüng- ' ling — Alle wußten darum bis auf ihn selbst, der nicht 1 ahnte, welches Glück ihm zu Theil geworden.

Harmlos nahm er ihre Lebensweise als die Zeichen ; einer mütterlich gnädigen Zuneigung hin, und seine dank- j bare Zutraulichkeit wuchs mit jedem Tage; er ging jetzt sogar so weit, bei gemeinschaftlichen Bergspaziergängen ihr den Arm anzubieten, waS sie auch mit dankbarem Er- röthen annahm!

Der Oberforstmeister amusirie sich im Anfänge könig, < lich an der Sache; denn er beurtheilte Benno und sein