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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allqem

1851. — JVi 294.

Die Gefährlichen.

Erzählung von Louise von G.

(Fortsetzung.)

Ueberwinden Sie Sich, liebe Elise, Venn ich bin sehr besorgt.

Es ist eigentlich höchst merkwürdig, Herr Schwager, daß Sie nicht selbst die Ursache meiner Entfernung er­rathen.

Ich habe keine Ahnung.

Dann muß ich eS wohl sagen. Der Anstand zwingt mich dazu.

Der Oberforstmeister sagte nichts, aber mit weit aufgeriffenen Augen betrachtete er sie wie eine Wahn« finnige.

Sie verstehen mich noch immer nicht! O, über diese harthörigen Männer! Nun wohl, begreifen Sie denn nicht, M eS sich nicht schickt, baß ich als eine unverheirathete Dame nun, da das Traueijahr verflossen, nicht länger >m Hause eines ledigen Mannes, eines WitlwerS ver« Weile — wo nicht einmal kleine Kinder eine Aussicht nöthig machen, sondern im Gegentheil eine erwachsene Tochter daS HauSwesen besorgen kann?

Elisabeth sind Sie deö Teuf . . .

Beleidigen Sie mich nicht mit diesen KraftauSdrücken!

Niemand ist ferner davon, Sie zu beleidigen, als ich, weil Niemand Sie mehr schätzt, als ich; aber wenn ich sehe, wie Sie auf einem Holzwege verrannt sind ...

Ich kann nicht länger allein bei Ihnen bleiben.

Aber Wita soll ja zurückkommen!

Wita wird sich ohne Zweifel bald vermählen.

Bis Wita sich vermählt, sind wir beiden so alt, daß '»an uns, ohne was UebleS dabei zu denken, téte â téte '""l einer wüsten Insel auSsetzen könnte!

UeberdieS ist mir Wita kein Schutz, sie bedarf'dessen selbst noch!

So gewähren Sie ihn ihr, und sie thut «S Ihnen i dann en revanche.

Nein, eS geht nicht!

Und ich kann Sie nicht missen! Seit dem ersten Wo­chenbette meiner verstorbenen Annette führen Sie meister­haft die Zügel des Hauswesens — Annette konnte sich, Dank Ihren häuslichen Talenten, ganz und gar der Pflege und Erziehung ihrer Kinder widmen!

ES freut mich, daß Sie solche Anerkennung für mein Streben haben, aber ich gehe unwiderruflich.

Und nächsten Monat kommt auch der junge Benno, der Sohn meines Jugendfreundes, des Präsidenten von Harder hierher; ich kann ihn doch nicht mit Wita allein lassen, wenn ich meine Dienstreisen unternehme?

So nehmen Sie eine Haushälterin an!

Sagen Sie, Elise, haben Sie wirklich gar keinen an­deren Grund, wegzugehen, als — den Anstand?

Auf Ehre nicht, sagte betheuernd die Dame, indem sie die Hand auf die flache Brust legte.

Gibt eS gar kein Mittel, Ihr beleidigtes AnstandS- gefühl zur Ruhe zu bringen?

Elisabeth trat an den Käfig ihres grauen Papageis und steckte, ohne zu antworten, ihren Finger durch die ; Stäbe deS Gitters.

Elise — hören Sie mich — gibt eS wirklich kein ! Mittel, Sie hier zu behalten?

Sie sah ihn nicht an — mit niedergeschlagenen Au- - gen flüsterte sie; Es gibt keines. Vielleicht könnte eS ; eines geben, aber — eS gibt keines.

Der Oberforstmeister wurde abgerufen; als aber der j Förster, der ihn zu sprechen verlangt, sich entfernt hatte, ! dachte er lange über Elisabeths letzte Worte nach.