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würdig wären. Wehe dem, der mit diesem Elemente in andere als vertikale Berührung kommt. Zuletzt ist das­selbe doch nicht ohne Segnungen für die Menschheit, eS ist ein Bindemittel. Die gemeinsame Gefahr in der alles schwebt, bringt die Gemüther einander näher. Erst ge­stern hat eS zwei Todfeinde versöhnt. Die waren beide im vergeblichen Versuch mit einanderßnicht in Berührung zu kommen, im Bemühen, einander auszuweichen, in der Marktstraße ausgeglitten und zu Boden gestürzt, da blieben sie dos a dos als Klippe liegen, an der sich die Brandung deS Gewühls nicht ohne Gefahr für ihre gefunden Glied­massen brach. Die Anstrengungen sie einzeln fortzufchas- fen, vereitelte daS kleberige Medium, das stärker war, als der Haß der Verunglückten.

Sie wurden beide ein formloser aber nicht farbeloser Knäuel in daS nahe Gasthaus gebracht, dort durch eine kühne Operation getrennt. Als ihre Kleiber trocken waren, waren ihre Augen vor Rührung naß. Alle Feindschaft war geschwunden. Mittags sah ich sie Arm in Arm, da lagen sie in der Neugaffe.

Der Markt mit seiner Unruhe streckt^die Polypenarme weit über daS Weichbild der Buden. Die Straßen in welche der laute Markt nicht dringt, genießen nichts weniger alS eine patriarchalische Ruhe. Schon Morgens, ehe noch die Frühstückscigarre am Munde glimmt, durchziehen die Drehorgeln,, einsame Sänger, einsiedelnde Instrumenta­listen, Musikcotterien die Straßen; setzen nicht nur Ohren und Geduld durch ein schreckliches Nacheinander auf eine die härtesten Probe», sondern bringen auch noch durch ein schreckliches Nebeneinander in gelinde Verzweif- lung, die sich bald in lauten Fluchen Luft macht, bald in still zerknirschte Wehmuth übergeht. Kaum wundert man sich, daß dem einen scheiden und meiden weh thut, so kommt der andere und will die Dame nicht nennen, die er liebt, ein dritter erzählt, wie schön'S im Steierland, dem vierten blüht die Liebe nur einmal, der fünfte fragt, ob er ein Herz vergebens oder nur zu Leiden hat; drei darunter aus purer Gefälligkeit ohne türkische Trommel, und in diese Klänge, die auf Flügeln des Gesanges daS Wort zum Himmel tragen, wimmert eine Flöte eine Polka, um von einem vierblätterigen Kleeblatt übertönt zu werden, daS an der Straßenecke posto gefaßt hat.

ES gibt Augenblicke im menschlichen Leben, wo man sogar für die Polizei schwärmt und einen Constabler für eine Segnung der Menschheit hält. Dieses Quartett hatte dem Fasse meiner Geduld den Boden auSgeschlagen. noch nie sah ich vier merkwürdigere Kâuze an vier In­strumenten sich abquâlen. Mir fällt kein ungefährlicher Vergleich ein, aber daS kleine bewegliche Männchen, daS

die Clarinette blies, die tollsten Läufe und Triller sch^ aus einer Tonart in jdie andere mit der BehendiM eines AaleS schlüpfte, war offenbar der Sanguiniker da Gesellschaft. Der Trompeter, ein hagerer Mann mit mili< tärischem Aussehen stieß cholerisch in die Trompete, wâh- rend der Walbhornist melancholisch und eintönig in sch gewundenes Messing heulte. Der Posaunist war daS personificirte Phlegma. Ehe er seine Posaune auSzichn konnte, waren die anderen schon um einige Takte voraus. Er kam mir vor, wie ein Mensch, der seine engen Stiefkl nicht von den Füßen bringen kann. Ich möchte ihm ra­then, die Posaune mit dem Stiefelknecht zu spielen. Sie spielten nach Noten aber lauter Stücke von fremden Meistern.

In die Drehorgeln und in das Quartett hinein deelamirte ein weiterer Nagel zu meinem Sarge eine grausenhafte Geschichte. Der arme Mann lebt schon Jahre lang von der einen Mordthat. Muß i denn, maß i denn zum Stâdtli hinaus, schrie ich endlich mit dem letzten und ergriff die Flucht in eine andern Straße, um dasselbe Concert Note für Note und Disharmonie für Disharmonie wieder zu hören. Der Tag schlich tvtb lich langsam hin; an der WirthStaftl hatte ich den Trost, nur einen Wütherich nach dem andern zu hören, biS end» lich Abends nur noch sporadische Ausbeutungen deS zu Unfug aller Art privilegirten TageS aufzuckten. Gefob tert, zerrüttet, ein verlorner Mensch kehrte ich NachtS heim. An der Ecke begegnete mir der Nachtwächter. Der BeneibenSwerthe hatte den Tag über geschlafen. Zum Glück für mich sang er nicht. Am andern Morgen kün> digte mir meine Aufwärterin. Meine Stiefel waren zn schmutzig.

Tage schron ik.

7. December 1849. Der Kaiser von Oesterreich erläßt allen wegen politischer Vergehen zu nicht mehr als einjähriger Festungsstrafe Verurtheiltcn, deren halbe Strafzeit bereits vollstreckt ist, den Rest der Strafe.

Der Siege göttlichster ist das Vergeben!

(Braut von Meffin»

Verantwortlicher Redacteur: Dr. A. Boczek.

Theater zu Wiesbaden.

Sonntag, den 7. December. Der Prophet. Große OM in 5 Akten von Scribe, übersetzt von Rellstab. Mustk W Meyerbeer. FideS: Fräul. Diehl, k. k. Hofopernsângeria t" Wien, als Gast.

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Druck und Verlag der £ Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.