statt, es schadet Ihnen bei mir, weil ich Sie dann durchaus nicht „de bonne foi“ glaube. Sie glauben daS nicht — Exempla sunt odiosa — sonst würde ich Ihnen beweisen, daß die Versicherungen Ihnen alle nicht ernst find. —
Für mich sicher, heilig, bei Gott! Aber nicht was meinen Sohn betrifft, denn der ist nun einmal ein herzloser Mensch, der ist nicht zu ändern; aber ich ...
Gerhardine lachte laut auf, aber dennoch entging dem feinen Ohre des Diplomaten nicht die scharfe Betonung ihrer Worte, als sie sagte: ES gibt leichtsinnige oder eigensinnige Menschen, bei dwem ist Alles vergebens! Trübe Erfahrungen, gute 'Rathschläge , daS Schicksal und die Menschen warnen sie vergebens — und zu diesen Leuten gehören Sie — oder Sie sind bodenlos falsch!j
Der Graf wollte sich verwahren, aber durch Wolf- ram'S Eintritt wurde dieses Gespräch unterbrochen und kam auch später natürlich nicht mehr an die Reihe.
Der Maler Wolfram gehörte zu den Künstlern, die vom eigentlichen Treiben der Menschen, von ihren Beziehungen zu einander und ihrem gewöhnlichen Charakter! und ihren Eigenschaften sich eine durchaus falsche Vorstellung machen, weil sie in ihrer Ercentricilât nur die Ertreme sich denken; für sie gibt eS nur gut oder bös, schön oder häßlich, Teufel oder Engel.
Die gute Folge dieser Denkungsart war, daß er selbst auch nie etwas halb that — in Allem und Jedem genügte er vollkommen dem, waS seine reine Natur als vas Gute, daS Schöne, das Richtige einmal erkannt hatte. Von der halben Tugend der meisten Menschen hatte er keinen Begriff, aber im Ganzen that er ihnen doch nicht Unrecht, weil er für einen jeden halb Guten, den er für ganz schlecht hielt, auch wieder einen für vollkommen anerkannte.
AuS diesem Grunde war eS aber unsäglich schwer, ihn irgend einer halben Maßregel freundlich zu stimmen, ihm klar zu machen, daß eS zuweilen Fälle gibt, wo ein offenes Auftreten unheilbringend, und dann wieder solche, wo ein Verschweigen, ein Umgehen des für gewöhnlich als recht Feststehenden segenbringend sein könne. DaS, waS man im Privatverkehr Lebensklugheit und im Staa- tenverkehr Politik nennt, verachtete er auS tiefster Seele. Er scheute Niemand, er wollte nicht geschont sein, er verlieh keine Umschweife und ging immer selbst kerzengerade Wege. (Forts, folgt.)
Viermal geflüchtet.
Ein Genrebild, aus dem Kriegerlebe».
sF o r t s e tz u n g.)
Man brachte auf zwei großen CabaretS alle Materialien, welche einen heiteren Abend, oder vielmehr eine heitere Nacht — denn es schlug bereits 11 Uhr — zu ber-eiten vermögen.
Der Oberst legte Schärpe und Degen ab, knöpfte den Ueberrock auf, streifte etwas die Aermel in die Höhe und bereitete mit der Eleganz einer Dame du Salon den Tschei. Bald trat auch der Adjutant wieder ein und alS ob ich ein längst eingeladener Gast der beiden Herren gewesen wäre, so ungenirt und kameradschaftlich offen ward daS Gespräch und Benehmen derselben. ES hatte schon lange 12 geschlagen, viele, sehr viele Toaste waren bereits getrunken und die Gesichter bedeutend röther geworden, als sich der Oberst erhob, um hinauszugehen. Ohne lange Vorrede theilte ich dem Adjutanten mein Ersuchen mit, was dieser, ohne auch nur die mindeste Einrede zu machen, sogleich bewilligte.
Bei der Rückkehr des Obersten frug ich denselben verabredetermassen 'auch um feine Zustimmung. Er sah uns Beide lächelnd an, und ohne irgend eine zustimmende oder verneinende Antwort zu geben, stand er auf und ging pfeifend im Zimmer auf und ab.
„Patjom som noi (kommen Sie mit mir)", sagte der Adjutant; „ich will Ihnen die Haare schneiden, daS ist meine Passion". Er stand bei diesen Worten auf und begann auf die Thüre zuzumarschiren, ohngefähr wie der erste Ingenieur, wenn er die Laufgräben tracirt, was man so zu sagen im Zickzack nennt.
Ich begann sogleich mein Amt alS neuer Bursche vor ihm, packte ihn fest unter den Arm und führte ihn in sein Zimmer hinauf.
Beim Eintritt in daffelbe bot sich unsern Blicken ein seltsamer Anblick. Es war AlleS gepackt und oben auf sämmtlichem Gepäck lag der Diener des Adjutanten und seufzte und stöhnte, als ob man eine Operation mit ihm vornähme.
Der Kopf war ihm von der Hutschachtel, auf der er früher geruht zu haben schien, herabgerutscht und hing, wie an einem Stricke befestigt, hinten über. Die Lichter waren tief herabgebrannt und drohten jeden Augenblick, die Vorhänge anzuzünden, welche, da daS Fenster offen gelassen worden war, vom Winde hin- und hergetrieben wurden.
Gleich bei unserm Eintreten machte mein neuer Herr Halt, — seufzte zweimal lief und versuchte eihe Gesichtsverdrehung, die wie Lachen auSsehen sollte; er hatte beide Füße weit von einander gespreizt und machte einige Be-
