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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. — JVs 208.

Frauen - Diplomatie.

(Fortsetzung)

Sie ging zu ihrem Manne und erzählte ihm in we- nigen flüchtigen Worten , wer sich bei ihr befand und weßhalb. Wolfram, dessen Laune schon durch den Vater getrübt worden, wollte aufbrausen und „den Jungen zur Thür hinaus werfen". Aber Gerhardine strich mit ihrer weichen Hann über seine faltige Stirn und sagte mit ihrer süßesten Stimme: Laß mich gewähren, Wolf, er ist noch so jung! Wenn du hinüber kommst, bekommt die Sache gleich einen so feierlichen Anstrich! So etwas ver­stehen wir Frauen besser zu ordnen.

Ja, Liebschaften und Courmachereien sind Euer Ter­rain, das weiß Gott! und selbst die beste kann sich eines gesteigerten Antheils für einen Menschen nicht erwehren von dem Moment an, wo sie sieht, daß er verliebt ist — wenn er auch außerdem gar nichts ist!

Ist daS nicht schön von uns, daß wir theilnehmend und barmherzig sind? Ich will aber ja dem armen Jun­gen jede Hoffnung mit Stumpf und Stiel ans dem Her­zen reißen! Sei du so gut, und beschäftige mir hier so lange Laura, die ich dir schicken werde.

Gut, gut, Mache nur, daß du diese diplomatische Verhandlung zu Ende sührst — diese Gesellschaft conve- nirt mir nicht.

Gerhardine nickte ihm noch einmal lächelnd zu, und nachdem sie dem Kammermädchen gesagt, Laura werde von ihrem Vater verlangt, ging sie in den Gartensaal zurück, wo sie Georg in peinlicher Erwartung antraf.

Vor allen Dingen, meine gnädige Frau, hub er nnn an, nehmen Sie mein Geständniß entgegen, daß ich kei­nen größeren, innigeren Wunsch hege, als — in Ihre Familie ausgenommen zu werden!

Als Gerhardine lächelnd mit dem Kops schüttelte, sagte er eifrig: Nicht nur, weil ich Ihre Tochter anbete, sondern auch weil ich Sie, weil ich Ihren Gemahl ver­ehre und auf daS tiefste die Perfonen jener Creme ver­achte, aus deren Mitte mir mein Vaier einst eine Frau auszusuchen gedenkt!

Sie sagen selbst: einst! Und das ist eine Haupt- fache, mein junger Freund — so nenne ich Sie um Ihres unbeschränkten Vertrauens willen! Einst! Das ist eS. Alles ist für Sre noch Zukunft, wenigstes alles, was ernst ist. Nur Scherz, nur Lust, nur Freude kann die Gegenwart für Sie umfassen.

Und wie lange soll diese Gegenwart noch währen, meine gnädige Frau?

Zum mindesten noch sechs Jahre.

Sie sind wirklich gnädig! Aber wenn ich nun gern sechs Jahre warten will und Sie nur bitte, bis dahin Laura mir zu hüten und zu bewahren? Kein Mensch soll es erfahren; aber, so wahr mir Golt helfe, sie soll mir so lange eine heilige Braut sein, und ich werde dann ! vor Sie treten, kein Jüngling, kein Cavalier, kein Graf, i sein Diplomat, sondern ein Mann, und zwar ein tüch­tiger !

ES würde ein Unrecht gegen Sie, gegen Laura, gegen ihre Eltern, gegen uns sein, wenn ich auf irgend einen solchen Gedanken einginge!

Gegen Sie und meine Eltern? das will ich nicht versuchen, zu widerlegen; denn Sie würden alle meine Gründe verwerfen. Aber gegen Laura und mich?

Sind Sie denn der Zuneigung meiner Tochter so sicher?

Das bin ich! obgleich sie nie ein Wort zu mir ge­redet, nie durch einen Wink, durch einen länger verwei­lenden Blick die Sitte verletzt hat. Ach, gnädige Frau, ich bin noch sehr jung, noch sehr unerfahren, aber ich