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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. — ^ 201.

Frauen - Diplomatie.

(Fortsetzung.)

Graf Hugo sagte nichts, aber er blieS den Rauch seiner Cigarre mit einer höchst auffallenden Lippenbemegung weg, die sogar von seinem Sohne bemerkt wurde, der aber dennoch in warmem Eifer fortfuhr r

Sie ist das älteste Kind ihrer Eltern, die außer ihr nur noch zwei Söhne im Alter meiner Brüder haben. Ihre Mutter ist eine noch schöne, merkwürdig wohl con, servirte Frau, eine Nordländerin; auch ihr Vater ist kein Oesterreicher. Es soll eine außerordentlich gebildete, lie­benswürdige und achtungSwerthe Familie sein. Docheben fällt mir ein, den Vater mußt du ja selbst kennen, du hast ja damals das Bild für unseren König bei ihm bestellt!

Ich kenne ihn — fahre nur fort.

Durch daS Wesen seines Vaters kleinlaut geworden, fuhr Georg fort:

Seit vierzehn Tagen begegne ich dem Mädchen nicht mehr, habe aber durch meine Kundschafter erfahren, daß sie nicht verreist und auch nicht krank ist. Ich kann daS nicht aushalten, und will — und möchte nun ^ott einen Besuch machen. Der Maler Geiger will mich dort ein# führen, wenn — wenn du etwas von dieser neuen Bekannt­schaft weißt, da die Familie außerdem ganz zurückgezogen lebt und gar keine anderen jungen Männer als Künstler bei sich sieht — und da — ich noch nicht unabhän­gig bin...

Man ist daS gewöhnlich nicht vor dem zwanzigsten 3ahre! sagte der Graf ironisch.

Georg wurde roth, aber er fuhr fort: so will Geiger nicht einen Cavalier dort einführen, dessen Absichten Nt Eltern vielleicht nicht billigen.

Vielleicht? Du bist sehr besonnen und umsichtig, Georg, daß du wirklich annimmft, deine Eltern billigten

deine „Absichten" aus die MalerS-Tochter vielleicht nicht! Bravo! Also schon Absichten, und noch nicht zwanzig Jahre alt! Bravissimo, daS verrâlh früh einen soliden häuslichen Charakter!

Spotten Sie nicht, mein Vater, sagte der Jüngling sehr beleidigt, indem er aufstand — ich bin fest entschlossen, nie eine Andere zu heirathen, als Laura Wolfram.

Eine superbe Partie: Gräfin Laura Gerstatt zu Lin^ gendorff, geborene — Wolsram! — Er lachte laut auf, alS er daS gesagt, aber nur sein Spott war gereizt, nicht sein Zorn. Die Liebschaft seines SohneS unterhielt ihn, aber sie verdroß ihn nicht im Mindesten. Wahrscheinlich hielt er eS nicht der Mühe werth.

Die höchste Wuth, die empfindlichsten Schmähungen würden aber Georg nicht so sehr empört haben, als dieser gleichgültige Spott. Er war im Innersten verletzt und wollte eben mit einer kurzen Verbeugung daS Zimmer verlassen, als fein Vater ihn anrief: Nun, und waS sagt denn deine AuSerwâhlte selbst zu deinen „Absichten"?

WaS sie sagt? Wie sollte ich daS wissen? Die Nach­richten meiner Kundschafter reichen natürlich nicht bis zu den tète-â-tcte zwischen Mutter und Tochter, und anders wo wird sich wohl ein junges, wohlerzogenes Mädchen nicht über einen Anbeter auSsprechen.

Bah! du verstehst mich nicht, oder willst mich nicht verstehen. Ich meine, wie spricht sich daS Mädchen dir gegenüber aus ?

Mir gegenüber? Ich habe noch nie den Ton ihrer Stimme gehört!

Du bist ihr ein halbes Jahr lang nachgelaufen und hast sie nicht einmal angeredet — daS ist göttlich! — Und mit einem außerordentlichen Gelächter legte der Graf seine Cigarre hin.

Georg aber sagte, von Neuem beleidigt: Dieses spöttische Lachen ehrt mich von einem von den Frauen so