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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

18âl. — ^ 189.

O Die Goldmine

Novelle frei nach E. Berth et, erzählt von Fr. Bonffier. -

(Fortsetzung.)

ES war ein fürchterlicher Augenblick. Ein Jeder mißtraute dem Andern und hatte Acht auf dessen geringste Bewegung.

In diesem Augenblick erscholl ein lauteS Gelächter in der Höhle. Alle wandten sich um und man erblickte Martin-Simon.

„Ach, vortrefflich, meine Herrn, vortrefflich"! sagte dieser in scherzhaft spottendem Tone, „ich sehe, daß die rührendste Harmonie unter Euch herrscht, und daß Ihr Euch deS künftigen Schatzes schon würdig zu machen sucht". —

„WaS soll dieser Scherz bedeuten"? rief der Cheva­lier, welcher der stürmischste von allen war"; ich kann nur glauben, daß ein Mißverständlich hier obwaltet, und daß mein Verwandter nicht mit einem Versprechen spielt, das er einem Edelmanne gegeben" !

„Ich weiß, was ich einem so loyalen Edelmanne schuldig bin".

PeyraS, blind vor Leidenschaft, verstand nicht die Ironie dieser Worte, und ein Ausdruck des Triumphes, der die Andern bestürzt machte, malte sich auf feinen Zügen.

Nun erinnerte aber Jeder den Montagnarden an sein Versprechen, und Martin-Simon erklärte nun:

„Ihr habt Alle den Ort der Mine wissen wollen, Ihr habt Alle durch diese und jene Mittel mich gezwun- öen, mein Geheimniß zu entdecken. Allein die Wahl unter Euch wäre äußerst schwierig geworden, denn wem sollte man den Vorzug geben zwischen einem falschen Pro­kurator und einem eigennützigen Mönche, einem leichtsin, nigen Verschwender und einem alten Geizhals? Daher

habe ich mich entschlossen, Allen zu genügen und ich lasse mir nicht widersprechen".

Die Enttäuschten erklärten sich betrogen; doch Martin-Simon sagte: daß er einem Jedem wohl daS Versprechen gegeben, ihnen die Goldmine zu zeigen, aber nicht sie nur ihm allein zu zeigen.

Der Mönch, am wenigsten habsüchtig, weil er nur die Interessen seines Klosters verfocht, erklärte sich für die Theilung , indem die Erzader hinlänglich hinreicht, wohl Alle zu befriedigen. Der Prokurator zog Tinte, Feder und Papier hervor, um die Theilung sogleich zu protocolliren.

„Ich willige darein"; rief der Chevalier, „aber ich will die Hälfte für mich allein".

„Und ich will mein Viertel ganz", schrie laut der Magister.

„Beeilt Euch nicht zu sehr mit dem Vertheilen, sonst müßtet Ihr die Arbeit noch einmal machen, denn hier sind noch mehrere, die ihren Antheil wollen".

Und in demselben Augenblicke erschienen 12 biS 15 > Montagnarden auS dem Dorfe Ende-der-Welt, geführt von Margarethe und dem guten alten Johann, am Ein- gange der Höhle. Ihre Gegenwart steigerte den Un­willen der ersten Theilenden aus'S höchste. Martin- Simon ließ sie eintreten, und erklärte ihnen, da sie noch nicht wußten um was es sich hier handele, den Zusam­menhang der ganzen Sache, wie man auch unter ihnen schon die Existenz einer Goldmine vermuthet, wie er ge­zwungen worden, durch die elenden, ihnen schon zum Theil bekannten Machinationen, daS Geheimniß zu ent­decken und nun auch sie an demselben Theil nehmen las­sen wolle.

Ein lauteS Gemurmel durchlief die ganze Versamm­lung und selbst die,so einfachen, ihrem Wohlthäter so er­gebenen Bauern konnten den Ausbruch ihrer innern