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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. — JV» 188.

O Die Goldmine

N»velle frei nach E. Berthet, erzählt lvon Fr. Bouffier.

(Fortsetzung.)

Nachdem der Chevalier sich ein wenig erholt, schickte er sich an, in die Grotte, welche ihm als der Ort des Rendez-vouS bezeichnet worden war, einzudringen. Sie war tief und eS herrschte in ihr ein schauerliches Halb- dunkel. AlS er sich indeß näherte, erblickte er in dem Innern einen auf einem Felstücke sitzenden Mann, der in tiefeS Nachdenken versunken schien. Bei dem Geräusche seiner Tritte erhob sich der Fremde rasch, ging vorwärts und fragte mit Hast:

„Herr Martin-Simon, sind Sie es endlich" ?

Aber alsbald seinen Irrthum erkennend, wich der Fremde, der Niemand anders als Michelot war, zurück mit einem Ausrufe der Ueberraschung. Marcellin selbst war nicht weniger überrascht als der Procurator.

„Noch einmal, Ihr abscheulicher Jntriguant", rief Marcellin zornig; „wie befindet Ihr Euch an diesem ent­legenen Ort, während Jedermann glaubt, Ihr seiet auf dem Wege nach Grenoble. Wollt Ihr vielleicht meine Handlungen auSspüren" ?

„DaS mochte ich Euch fragen, der Ihr besser bei Eurer jungen Frau sitzen solltet, um ihr Treue und Be­ständigkeit zu schwören".

„Wollt Ihr meiner spotten"? rief Marcellin wüthend und zog ein Pistol auS der Tasch. „Elender, packe Dich von hier, oder . . ." Aber Michelot zeigte auch ein Pistol, das er gegen die Brust deS jungen Mannes richtete.

Nach einigem weiteren Wortwechsel, indem Jeder seine Anwesenheit hier durch eine Bestellung Marlin-Si- wvnS zur Mittheilung eines Geheimnisses rechtfertigen wollte, stellte sich zu Beider Aerger und Staunen heraus, baß sie in derselben Angelegenheit sich hier fanden.

„Martin-Simon will mir eine Goldmine zeigen", sagte mit einem Zögern Michelot.

„Eine Goldmine"! wiederholte Marcellin mit fun­kelnden Augen; aber er hat mir dasselbe Versprechen ge­geben und ich will keine Theilung" !

„Und ich will keinen Associe, als den, welchen ich mir selbst zugesellen werde".

„Wir wollen sehen, wer gewinnt; ich bin der Ver, wandte deS Amtmanns und habe zur Heirath diesen Morgen nur unter Zusicherung einer Bedingung einge- willigt".

„Und ich habe die Beweisgründe, trotz dieses Schelms von Eusebius in Händen, die Martin-Simon vielleicht das Leben kosten; ich werde sie ihm nur unter der Be­dingung, daß ich die Mine bekomme, ausliefern".

Die beiden geriethen in einen stets lebhaftern Streit, dessen AuSgang wohl schlimm geworden wäre, hätte sich nicht ein Geräusch am Eingänge der Höhle vernehmen lassen. Beide verbargen ihre Waffen, stürzten heraus und glaubten Martin-Simon zu begegnen, während sie zu ihrem neuen Schrecken gegen zwei neue Personen rann­ten. Diese waren Eusebius Noel und der Prior des Lau- taret, welche in ihrer ersten Ueberraschung nicht wußten ob sie fliehen oder bleiben sollten.

„Diese zwei Menschen kommen zu demselben Zwecke, wie wir hierher", schrie voll Wuth der Procurator. „Mar­tin-Simon hat uns betrogen! Er hat unS Alle einen Schatz versprochen, den er sicherlich für sich selbst behal­ten will" !

„Glaubt Ihr daS, Herr, glaubt Ihr daS"? rief jetzt Noel mit Schrecken. „Sollte es wirklich möglich sein, daß Martin-Simon mir die schuldige Belohnung verwei­gern sollte, auf die ich seit 20 Jahren gehofft?