Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung

1851. 172.

O Die Goldmine

Novelle frei nach E. Berth et, erzählt von Fr. Bouffier.

(Fortsetzung.)

Wie ihr gesagt, ich handle nach meinem Belieben; aber beruhigt Euch, eS wird sich bald AlleS aufklären; unterdeß fordere ich von Euch, daß, so lange Ihr mit Michelot zusammenleben werdet, Ihr ihm Nichts zu leide thilt; wenn ich Euch durchaus eine Erklärung über mein Betragen geben muß, so kann ich Euch schon sagen, daß ich eben diesenElenden" zu Eurem lebhaftesten und thätigsten Agenten in Eurer Angelegenheit zu machen gedenke".

Ihn! Michelot? denjenigen, der eben Befehl gege, den, aus mich zu schießen? den, der meine Heirath ver­hindert hat, indem er Hrn. v. Blanchefort meine Schul­den entdeckt und mich bei ihm oerläumvet hat" ?

Nun wohl", entgegnete Martin-Simon ruhig,und ich habe beschlossen, ihn zum Zeugen Euerer Verheira- thung zu nehmen".

Ohne das Erstaunen des Chevaliers bemerken zu wollen, wandte sich Martin-Simon zu den Montagnarden I und entließ sie mit einem Zeichen.

Der Weg, welchem man folgte, war rauh, felsig und ; erhob sich unmerklich gegen das Hochland. Indeß hatte er noch eine genügende Breite, und die parallelen Spu­ren, von denen er durchschnitten war, bewiesen, daß er häufig von Lastkarren befahren wurde. Es war in der That der einzige Verbindungsweg, den daS Dorf mit den benachbarten Thälern haben konnte, und eS war leicht, bei jedem Schritte die ungeheueren Arbeiten zu schätzen, die unternommen worden sein mußten, um ihn brauchbar zu wachen. Man kam nun von Neuem vor einen steilen, stlsigen Hügel, den hinan der Pfad sich empor wand, bis è er endlich einen dunkeln, engen Paß durchschnitt, an des­

sen Ende daS Auge durch ein wunderliebliches Thal über­rascht wurde. Es war das Thal von dem Dorfe Ende- der-Welt, zwar klein, aber grün, fruchtbar, wie eine Oase in der Sandwüste; ringsum von Felsen umgeben, bildete eS zu jenen einen auffallenden Conirast mit feinen grü- nen Getreidefeldern, seinen mit Obstbâumen angefüllten Gemüsegärten und den mit blendendem Schnee bedeckten Häuptern der nahen Geblrgsmassen. Alles athmete Wohlstand, Ordnung und Glück. DaS Dorf selbst, daS sich im Mittelpunkte deS Thales erhob, lachte freundlich mit seinen netten, weißen HâuSchen, seinen schönen Gärt­chen ; es schien ein Pallast im Vergleich zu den elenden Hütten der Montagnarden der benachbarten Thäler. Die Kirche mit ihrem kleinen Glockenthurme war auf einem daS ganze Dors beherrschenden, und gegen die Lawinen schützenden Felsen erbaut. DaS Ganze glich einem Obst- körbchen inmitten grüner Zweige und glänzenden Laub­werks.

Martin-Simon genoß und freute sich einen Augen­blick deS Erstaunens und der Begeisterung seiner Gäste.

Ich bin cs", sagte er mit einer sichtbaren Befriedi­gung, der diese kleine Welt geschaffen hat; ich habe diese öden Felsen fruchtbar gemacht, diese wilde Gegend be­völkert, ich habe dem Menschen ein sicheres Asyl in dieser unwirthlichen Gegend gegeben. Am Tage, wo mein Vater den Fuß in diese verlassene Ecke der Welt setzte, fand sich darin von Bewohnern nur ein Hirte und Gemsen".

Er hielt inne, als fürchte er, zu viel zu sagen; die zwei Fremden betrachteten ihn mit Bewunderung.

Ihr müßt sehr reich gewesen sein, um alle diese Wunderwerke zu schaffen" ! versetzte der Procurator.

Und sehr kühn, um sie zu unternehmen" ! sagte der Chevalier hinzu.

Martin-Simon zuckte mit nachdenkender Miene die Achseln.