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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. M 160.

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O Die Goldmive.

Novell« frei nach Ez Berthet, erzählt von Fr. Bonffier.

(Fortsetzung.)

Schweiget junger Mann"! sagte Martin-Simon ernsthaft;wenn Vie Jrregeführte selbst ihren Fehler be­reuet und mich anfleht, ihr denselben verbessern zu helfen, so werde ich nicht dulden, daß Jemand sie in der Aus­führung ihres Wunsches hindere. Sie kennen Martin- Simon noch nicht und sehen in mir ohne Zweifel nur den anmaßenden Bauern, ebenso grob wie sein Kleid; aber dieser Bauer kam Alles, was er will; und wenn er sich in den Kopf setzte, die Einwilligung des Herrn Civil- und Kriminal-LieutenantS von Lyon zu Ihrer Hei­rat!) mit seiner Tochter zu erlangen, seid sicher, er würde sie erhalten. Zucken Sie nicht so mitleidsvoll die Ach­seln, Herr Chevalier ; nehmen Sie nicht diese verachtende Miene an, und hüten Sie sich, daß ich Sie nicht Ihrem Schicksale überlasse, daS Sie werden es zugeben nicht sehr glänzend für den Augenblick sein wird".

Diese lebhafte Strafpredigt von Seiten eines dem Anscheine nach so gemeinen Mannes, machte einen solch überraschenden Eindruck auf den ungestümmen PeyraS, daß eS ihm unmöglich war zu antworten, aber ohne sei­nen Zuhörern Zeit zu lassen, die Tragweite dieser Worte gehörig zu überschauen, fuhr Martin-Simon, sich an Ernestine wendend, fort:

Fräulein, wenn in unseren Gebirgen ein junger Mädchen daS gethan hätte, sie wäre verloren und nie­mals würde sich ein ehrlicher Mann finden, der sie hei- rathen wollte; aber ich weiß, daß man eS in den Städ­ten nicht so streng nimmt, und ich selbst, wenn meine Tochter sich jemals eS sich hätte zu Schulden kommen lassen, mich zu verlassen, um einem Verführer zu folgen, fühle, daß ich nicht die Kraft haben würde, sie zurückzu­

stoßen, wenn ich sie reuig und in Thränen in meine Arme zurückkehren sähe. Ihr Vater wird sicherlich eben so fühlen; erlauben Sie, daß ich Sie wieder ihm über­gebe, seine Verzeihung erwirke unv auch alSdann Mittel finden werde, die Schwierigkeiten auszugleichen, die Ihnen jetzt unüberwindlich scheinen".

Holla, mein Freund", ergriff der Chevalier daS Wort,eS scheint, Sie rechnen viel auf Ihre Beredtsam- keit, denn der Teufel hole mich, wenn ich weiß, wie Sie den Zorn des Herrn v. Blauchefort gegen mich und seine Tochter besänftigen könnten. Ich bemerke, daß Sie nicht recht wissen, von wem Sie sprechen. Es ist Ihnen un­bekannt, welch ein harter, unerbittlicher Mann Erne­stinens Vater ist, der bei Ausübung seines RichteramteS noch Niemanden verziehe: hat und noch weniger seiner Tochter verzeihen würde, selbst wenn sie vor ihm auf den Knieen läge; ein Mann, ver nur etwas Menschliches in der Liebe zum Gelde hat, und der im Uebrigen so unem­pfindlich ist wie der Marmor. Seine Härte, seine Theil- nahmlosigkeit und Gleichgültigkeit für sein einziges Kind haben Ernestine nicht minder als meine Liebe und meine Bitten bestimmt, daS väterliche HauS zu verlassen; und bedenken Sie wohl, daß wenn wir heute, sie und ich, in seine Macht gerieihen, wir beide unsere Rechnung machen könnten, sie, ihr Leben in einem Kloster von strengen Or­densregeln zu vertrauern, ich langsam in den Gewöl- bern von Pierre-Encise zu sterben. Die Befehle sind schon gegeben, und Michelot, dieser verschmitzte Subal­terne, ist beauftragt, sie auszuführen".

Sollte das wahr sein", fragte Martin-Simon, Er­nestine scharf ansehend?

Es ist nur zu wahr", erwiderte das junge Mädchen, mein Vater ist immer unerbittlich streng gewesen, und nach einem so großen Fehler könnten weder ich, noch der Herr Chevalier auf seine Nachsicht hoffen. Doch, mein