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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. — â 143

Die etruskische Vase

„O ja, mit einem Narren" !

„Saint-Clair! Sie sind wahnsinnig, glaub ich. Hören Sie, morgen leisten Sie Abbitte, oder Sie stehen mir Rede für Ihre Unverschämtheit".

„Auf morgen also".

Themines hielt sein Pferd an; Saint-Clair drückte die Sporen an , und verschwand zwischen den Bäumen.

Augenblicklich fühlte er sich ruhiger. Er hatte die Schwäche, an Vorahnungen zu glauben, und da er sich einbildete, er würde am nächsten Tage getödtet werden, so glaubte er, die vollständige Lösung.aller Verwickelungen gefunden zu haben. Noch ein Tag, und dann ein Ende aller Unruhe, aller Qual! Er kehrte nach Hause zurück, schickte seinen Bedienten mit einem Billet zum Obersten Beaujeu, schrieb einige Briefe, speiste dann mit gutem Appetit und war mit dem Schlage halb neun an der kleinen Pforte des Parks.

„Was hast du heute, Adolph"? fragte die Gräfin; „du bist einer seltsamen guten Laune, und doch können alle deine Scherze mich nicht zum Lachen bringen. Gestern schmolltest du ein ganz klein wenig, und ich war so auf* geräumt; heute haben wir die Rollen gewechselt. Ich habe ein entsetzliches Kopfweh".

„Dame meines Herzens, ja, ich gesteh' eS, ich war gestern recht langweilig, aber ich bin heute spazieren ge­ritten, ich habe mir Bewegung gemacht', und ich fühle mich unermeßlich wohl".

„Und ich, ich bin spät aufgestanden, habe lange ge­schlafen und habe sehr unangenehme Träume gehabt".

„Träume? Glaubst du an Träume"?

„Unsinn".

„Nun, ich glaube d'ran. Ich wette, du hast einen Traum gehabt, der irgend ein tragisches Ereigniß an­kündigt".

(Fortsetzung.)

Saint-Clair ging nicht schlafen, er ritt den ganzen Morgen im Gehölze spazieren. In einer der Alleen erblickte er einen Reiter auf einem schönen Engländer; der Herr rief ihn schon von weitem bei Namen und war bald darauf an seiner Seite. ES war AlfonS ve ThemineS. In Gemüthsstimmungen wie die, in welcher Saint-Clair sich befand, ist die Einsamkeit besonders angenehm, und Thëmines Begegnung verwandelte daher seine üble Laune in erstickten Zorn. Themines bemerkte eS entweder nicht i oder machte sich ein boshaftes Vergnügen daraus, ihn zu ärgern. Er plauderte, lachte, scherzte, ohne darauf zu achten, daß er keine Antwort erhielt. Saint-Clair bog in eine enge Allee ein, in der Hoffnung, den lästigen Gesellschafter los zu werden, aber er irrte sich; lästige ■ Gesellschafter geben ihre Beute nicht so leichten Kaufes i auf. Themines lenkte gleichfalls um und trieb sein Pferd an, um Saint-Clair einzuholen und die Unterhaltung be­quemer fortsetzen zu können.

Wie gesagt, die Allee war eng; die beiden Pserde j konnten nur mit genauer Noth nechcn einander schreiten, und eS war daher nicht zu verwundern, daß Themines, obwohl ein sehr guter Reiter, Saint-Clair'S Fuß streifte, als er neben ihm aufritt. Jetzt konnte dieser seinen lange verhaltenen Grimm nicht mehr bemeistern; er erhob sich in seinen Steigbügeln und versetzte mit der Gerte dem Pferde seines Begleiters einen heftigen Hieb über das Gesicht.

„WaS zum Teufel haben Sie, Adolf"? (schrie The, Mines; „warum schlagen Sie mein Pferd"?

„Warum folgen Sie mir" ? donnerte Saint-Clair.

„Sind Sie bei Sinnen, Saint-Clair? Wissen Sie, { Mit wem Sie reden" ? (